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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Engellandung
Eingestellt am 04. 11. 2004 23:06


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Andi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2004

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Die Engellandung
Schon lange ging den Engeln im Himmel der zeitlose Zustand reiner Geistigkeit und huldvoller Gl├╝ckseligkeit geh├Ârig auf die Nerven. Sie dachten dar├╝ber nach, wie sie sich die Zeit, die ihnen seit Engelsgedenken im ├ťberma├č zur Verf├╝gung stand, ein wenig mit Spielen vertreiben k├Ânnten. Aber mit welchen? Im ewigen Jetzt „Eile mit Weile“ zu spielen, kam nat├╝rlich nicht in Frage,„Mensch ├Ąrgere dich nicht“ und „Blinde Kuh“ schienen der englischen W├╝rde zu widersprechen und auch Luzifers Vorschlag: „Himmel und H├Âlle“ fand bei den anderen Engeln wenig Anklang. Geneigter waren sie schon der Idee eines Barockengels, sich doch mal an erotischen Spielchen in Tantramanier zu versuchen. Der Herrscher der himmlischen Heerscharen aber untersagte Derartiges gnadenlos. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen sei der Barockengel ein Engel mit einem B davor, z├╝rnte der Allm├Ąchtige. Sein unz├╝chtiges Begehr entspreche wahrlich, wahrlich nicht der feinen englischen Art, er solle gef├Ąlligst mit Engelszunge reden.
Die Erosenergie der Engel war jedoch nun einmal geweckt worden. Da sie von ihrer Botent├Ątigkeit her die Menschen gut kannten, hatten sie auch schon von Triebsublimierung und Ersatzbefriedigung geh├Ârt. Die Erdlinge setzten sich zu diesem Behufe offenbar gern in h├Âllisch stinkende und l├Ąrmende Blechkisten, um mit ihnen wie von Sinnen drauflos zu rasen. Das faszinierte die Engel.
„Wohlan, lasset uns einen Wettflug veranstalten, durchs Himmelstor von Petrus im Sturzflug auf die Erde nieder und ohne Zwischenlandung wieder zur Himmelspforte empor. Petrus soll verk├╝nden, wer als erster sein hohes Ziel erreichte. Eine zwiefache Gabe k├Âstlichen Mannas sei des Gewinners Lohn.“ Gesagt, getan.
Petrus staunte nicht schlecht, als er die Engel auf sich zuschie├čen sah. Nur durch einen hastigen Sprung auf die Seite konnte er es vermeiden, von einem rasenden Engel gerammt zu werden. Nun ging es in vollem Karacho hinunter. Der st├Ąmmige nackte Barockengel mit seinen kurzen Stummelfl├╝geln lie├č die Kraft der Erde voll auf sich wirken und fiel wie ein Stein. Gegen├╝ber seinen Kollegen, hochgewachsenen Lichtgestalten mit blond gelocktem, wallendem Haar und weitem wei├čem Gewand, das sich wie ein Fallschirm bl├Ąhte, war er abw├Ąrts eindeutig im Vorteil. Diese allerdings schwebten kurz vor Erreichen der Erdoberfl├Ąche - von ihren ├╝ppigen Heiligenscheinen wie von Hubschrauben gehoben - m├╝helos wieder zum Himmelszelt empor. Dem Barockengel hingegen misslang die abrupte Kurskorrektur im letzten Moment, so sehr er auch mit seinen Fl├╝gelchen flatterte. Er musste auf einem schmalen Streifen festen Bodens mitten im kalten Meer notlanden. Voller Ehrfurcht beobachteten die dort ans├Ąssigen Erdlinge die unsanfte Engellandung. Sie nannten ihre Heimat fortan Engelland, sich selbst Engell├Ąnder, geb├Ąrdeten sich betont w├╝rdevoll und verlie├čen ihre H├Ąuser nicht mehr ohne robusten Schirm und steifen Hut, aus Angst, es k├Ânnte ihnen ein Engel auf den Kopf fallen.

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo andy,

deinen kleinen text habe ich mit einem schmunzeln ob des inhaltes gelesen; w├╝rde ihn aber lieber bei humor und satire ver├Âffentlicht sehen - aber das ist ja zum gl├╝ck deine sache .

als ├╝berempfindlichem menschen kommt mir aber dummerweise immer dieser unseelige liedtext "wenn wir ziehn` gen engel(l)and..." in den sinn, was mir die freude zwar etwas tr├╝bte, aber das tut dem text keinen abbruch - das ist halt mein (hausgemachtes) problem.

auf einen klitzkleinen fehler m├Âchte ich dich noch hinweisen:

quote:
...
Sein Begehr entspreche nicht der feinen englischen Art, er solle gef├Ąlligst mit Engelszunge reden.
...


m├╝├čte es hier stringenterweise nicht "... der feinen engelischen Art,..." hei├čen?

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Andi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2004

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Lieber Rainer,
├╝ber deinen Kommentar und dein Schmunzeln habe ich mich sehr gefreut. Das war der erste Text, den ich in der Leselupe und ├╝berhaupt ver├Âffentlicht habe, daher war ich noch ein Bisschen desorientiert bez├╝glich der Rubriken. Humor und Satire w├╝rde sicher besser passen.
Das Universal W├Ârterbuch gibt als zweite (veraltete) Bedeutung von 'englisch' an: auf die Engel bez├╝glich,
Engels-. Diese Verwendung des Adjektivs 'englisch' habe ich bei Thomas Mann in "Joseph und seine Br├╝der" gefunden. Ich habe ja auch an anderer Stelle bewu├čt eine etwas verzopfte Sprache (z├╝rnte, Behufe, etc.) verwendet.
Herzliche Gr├╝├če
Andi

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo andi,

dann will ich deinem universalw├Ârterbuch mal glauben schenken; es fiel mir nur deshalb auf, weil du im letzten teil des textes sehr bewu├čt alle "zweideutigkeiten" mit einem "e" zwischen n und g schreibst, am anfang jedoch die von mir monierte form benutzt hast.

bei unsicherheiten kannst du auch immer die mods fragen - ihr ruf ist zu unrecht um klassen schlechter, als ihr wirkliches sein - sie bei├čen erst nach mehrmaligem knurren :-).

viele gr├╝├če + dir noch viel spa├č hier

rainer


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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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flammarion
Foren-Redakteur
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hallo

andi, dein einverst├Ąndnis voraussetzend hole ich dein witziges werk nach humor und satire.
dieser bonbon ist ein gefundenes fressen!
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Kommentare: 1405
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Hallo flammarion,

schade - aber du hast Recht.

Gru├č, Gabi

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Andi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2004

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Hallo Old Icke, hallo Gabi,
vielen Dank f├╝r das Interesse an und Lob f├╝r meinen Text. Ich h├Ątte ihn selbst nach Humor und Satire verschoben, wenn ich gewusst h├Ątte, wie das geht. Vielen Dank also auch daf├╝r und liebe Gr├╝├če, Andi

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