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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Ente im Storchennest
Eingestellt am 22. 06. 2006 17:02


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MĂ€rchentante
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Die Ente im Storchennest
von Dagmar Buschhauer

Fröhlich vor sich hinschnatternd besserte Frau Ente das Storchennest auf dem Gutshaus aus. Ja, hier hatte sie ein feines PlĂ€tzchen fĂŒr ihr Nest gefunden. Viel Raum, fĂŒr die hoffentlich zahlreichen KĂŒken, und eine Aussicht, davon trĂ€umten die anderen nur. Vor dem Fuchs musste sie sich auch nicht fĂŒrchten, so hoch kommt selbst der nicht. Zufrieden schaute sie ĂŒber die DĂ€cher ringsum. Bei dem ĂŒbrigen GeflĂŒgel war sie GesprĂ€chsthema Nummer eins. Alle hielten sie fĂŒr ein wenig verrĂŒckt. Welche normale Ente baut schon ihr Nest in einem Horst, und was, wenn das Storchenpaar von seiner Reise zurĂŒckkommt? Berta machte sich nichts draus, die anderen waren ja nur neidisch. Bestimmt wĂŒrde sie mit diesem außergewöhnlichen Brutplatz auch einen schicken Erpel abbekommen. Bei dem Gedanken sprang sie auf und ĂŒberprĂŒfte nochmals ihre Arbeit, schließlich sollte alles perfekt sein.

Eines Tages, in aller FrĂŒhe, hörte Berta sich nĂ€hernde Stimmen. „Ach, Schatz, ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Der lange Flug ist doch eine ganz schöne Strapaze.“ „Du hast Recht“, antwortete jemand, „ich bin auch geschafft. Darf ich dich gleich zu einer erquicklichen Mahlzeit auf unsere Wiese einladen? Den fettesten Frosch ĂŒberlasse ich dir.“
Erschöpft landete das Storchenpaar auf dem Nestrand. Verdutzt starrten sie auf die Ente, die ihrerseits ganz perplex und aufgeregt in dem Horst herumwatschelte. „Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Was macht ihr denn hier?“, fragte sie die beiden erstaunt.
„Du bist gut, vielleicht ist das hier unser Zuhause“, meinte der Storch und sah sich um. „Bist du etwa in unsere Wohnung gezogen?“
„Na klar, sieht man das nicht“, schnatterte Berta aufgebracht. „Ihr seid spĂ€t dran in diesem Jahr, ich habe nicht mehr mit euch gerechnet.“

„Also, so geht das nun nicht“, schaltete sich die Störchin ein, „dies ist unser Heim und außerdem bist du eine Ente, wie du weißt. Baue gefĂ€lligst deine Brutstatt im Schilf oder anderswo, wie es sich gehört.
„Ich will aber nicht, so toll wie ich wohnt keine andere“, strĂ€ubte sie sich hartnĂ€ckig.
„Wir fliegen jetzt zum Essen“, meinte der Storch entnervt, „du hast also Zeit, das Feld zu rĂ€umen. Tust du es nicht, machst du Bekanntschaft mit unseren SchnĂ€beln.“ Beide klapperten zur BekrĂ€ftigung um die Wette.
„So eine UnverschĂ€mtheit“, ereiferte sich Berta, „machen monatelang Urlaub im sonnigen SĂŒden und jetzt, wo ich alles schön hergerichtet habe, kommen sie zurĂŒck und schmeißen mich raus.“ Sie schnatterte, was das Zeug hielt.

Als die Störche auf der Wiese landeten, ĂŒberlegten sie hin und her, wie sie die lĂ€stige Ente ohne Gewalt loswerden könnten. Mit langen Schritten spazierten sie durch das Gras, tief im GrĂŒbeln versunken. Sie kamen zu keinem Resultat. Man wĂŒrde den ungebetenen Gast hinauswerfen mĂŒssen, wenn er nicht Einsicht zeigte. Zwischendurch fingen sie sich die eine und andere Leckerei, die sie mit großem Appetit verspeisten. Plötzlich zog ein Erpel mit seinen KĂŒken an ihnen vorbei.
„He, Enterich“, sprach der Storch ihn an, „du hast aber eine nette Familie, muss ich schon sagen, aber wo ist deine Frau?“
„Ach, Storch“, jammerte der Erpel Heinz, „welch ein UnglĂŒck. Der Fuchs hat sie geholt, was soll ich bloß machen? So viele Kinder und keine Mutter, das ist schlimm.“

„Ich hab die Lösung“, rief die Störchin erfreut, „eine Entenfrau hat unser Nest bezogen und weigert sich hartnĂ€ckig, es zu verlassen. Wie wĂ€re es, wenn du mit deiner KĂŒkenschar zu ihr gehst. Sicher hat sie Mitleid mit euch und versucht, dir eine gute Frau und den Kleinen eine liebe Mutter zu sein. So wĂ€re uns beiden geholfen. Du hast eine Frau und wir unsere Ruhe. Was meinst du dazu?“ Freudig erklĂ€rte er sich dazu bereit: „Kommt Kinder, auf, auf, wir wollen uns die Dame mal aus der NĂ€he ansehen.“
Der Storch flog mit seiner GefĂ€hrtin wieder zurĂŒck zum Horst.
„Na, wie ist es“, fragten sie ihre Untermieterin, „ziehst du freiwillig aus?“
„Nie“, schnatterte die erbost und watschelte aufgeregt umher, „ich habe hier alles fein hergerichtet. Das ist jetzt meine Wohnung und wenn ihr mich piesacken wollt, nur zu. Ich wehre mich bis zum letzten Atemzug“, meinte sie theatralisch, und wischte mit einem der FlĂŒgel ĂŒber ihre Augen.

Jetzt musste sich das Storchenpaar aber doch das Lachen verkneifen. Trotz ihrer Sturheit war diese Ente irgendwie putzig.
„Hör mal zu“, sagte die Störchin, „wir trafen beim Essen auf einen verzweifelten Erpel, der seine Frau an den Fuchs verloren hat. Nun ist er mit seinen Kindern ganz allein. Möchtest du dich nicht um ihn und die armen Kleinen kĂŒmmern?“
„Was?“, schrie Berta, „welch ein genialer Vorschlag. Ihr wollt mich bloß loswerden. Ich will hier demnĂ€chst eine eigene Familie grĂŒnden, mit dem hĂŒbschesten Entenmann weit und breit.“
„Schau doch wenigstens mal nach unten, einen hĂŒbscheren wie diesen gibt es nicht“, meinte der Storch. Widerwillig watschelte die Ente zum Nestrand. Sie starrte in die Tiefe. Dort stand der Enterich umringt von seiner KĂŒkenschar, und sah seinerseits zu ihr hoch. Oh ja, sie war wirklich eine nette Person. „Mit ihr könnte ich es aushalten“, dachte Heinz bei sich. Er war im besten Alter und sein Gefieder schimmerte nur so in der Sonne.
„Na, der ist aber stattlich“, murmelte sie begeistert. „Die armen Kleinen, das kann der Mann ja gar nicht alleine bewĂ€ltigen, da muss eine richtige Frau ran.“

Ruckartig drehte sich Berta zu dem Storchenpaar um, sie hatte sich entschieden.
„Wisst ihr was, ich probiere es mit dem netten Kerlchen da unten aus. Sofort eine komplette Familie haben ist auch nicht das Schlechteste. Es ist nur schade, dass ich meine Wohnung aufgeben muss, die Kleinen kommen ja nicht hier hoch.“
Sprach`s, und sprang auch schon aus dem Horst.
Storch und Störchin sahen sich an und lachten: „Ja, ja, wo die Liebe hinfĂ€llt. Manchmal liegt die Lösung eines Problems so nahe.“
Die beiden machten es sich gemĂŒtlich in ihrem Nest. Ihre Blicke folgten dem langsam davon watschelndem Entenpaar und den KĂŒken. Der Erpel sah seine neue GefĂ€hrtin immer wieder bewundernd an, wenn sie die Kleinen liebevoll, aber resolut zusammenhielt.

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flammarion
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ganz

entzĂŒckend.
das lese ich bald in "meinem" kindergarten vor, natĂŒrlich unter nennung deines namens.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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MĂ€rchentante
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Hallöchen Flammarion,
ich freue mich wirklich sehr, dass Dir die Geschichte gefÀllt.
Auf die Idee bin ich gekommen, als sich tatsĂ€chlich eine Ente in unserem Storchennest neben dem Gutshaus einquartiert hatte, lach. Ich muss sagen, dass diese Geschichte sehr gut bei den Kleinen ankommt, habe es im Urlaub nĂ€mlich gestestet. Wurde in SĂŒdtirol von zwei Schulen eingeladen zu lesen, es war ganz toll. Die Kinder dort haben mit Hingabe und Inbrunst zugehört und bekamen gar nicht genug von den MĂ€rchen und Geschichten, lach. Habe eine ganze Stunde ununterbrochen gelesen.

Einen schönen Tag noch und ganz liebe SommergrĂŒĂŸe
MĂ€rchentante

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Claudine
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Die Enten im Storchennest

Hallo,
ich bin ebensfalls entzĂŒckt von der Geschichte. Warum nicht mehr davon?

Dann an einen Kinderbuchverlag herantreten, Illustrator Hier klicken kontaktieren, der schon BĂŒcher fĂŒr Kinder illustriert hat. WĂ€re toll!

Liebe GrĂŒĂŸe
Claudine
__________________
Claudine

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MĂ€rchentante
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Hallo Claudine,

sehr schön, dass auch Dir diese Geschichte gefĂ€llt. Ich habe einige davon bereits hier in der LL veröffentlicht, z.B. Auf der Sommerwiese, Morgens am Weiher, Schneckentreffen, bei Familie Storch, usw. Kannst sie ja mal nachlesen. Danke auch fĂŒr den Hinweis auf den Zeichner. Muss jetzt erstmal abwarten, da ich in Verhandlung mit einem Verlag stehe.

Blumige SommergrĂŒĂŸe schickt Dir herzlichst
MĂ€rchentante

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