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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die Entfernung des Horizonts
Eingestellt am 25. 08. 2004 11:27


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Cirias
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DIE ENTFERNUNG DES HORIZONTS


Wenn es Morgen wird, schwinden die Sterne wie ein Nebelhauch am Himmel. F├╝r einen kurzen Augenblick sieht man nichts. Ein kurzer Augenblick, sagt man, trennt die Zeit, in der der Liebende seine Geliebte noch f├╝r abwesend h├Ąlt, von der, in der er sie bereits tot glaubt. Ein kurzer Augenblick trennt die Nacht vom Tag. Das ist die Entfernung des Horizonts.

Ich war zu der ├ťberzeugung gelangt, dass sich der kosmische Lebenslauf aller Materie in nichts von der Begegnung zweier Menschen, die sich liebten, unterschied.
Am Anfang stehen gro├če Staub- und Wasserstoffwolken. Die Wolken ballen sich zu Sternen und die Sterne zu winzigen Sterneninseln zusammen, den Galaxien. In den Zentren der Galaxien dr├Ąngen sich auf engstem Raum Milliarden Sterne. Wenn diese Sterne miteinander zusammensto├čen, was oft passiert, und wenn sie dann explodieren, bombardieren sie einander mit hei├čer Materie. Gro├če Sternenhaufen vergl├╝hen dabei und ziehen sich in wenigen hundert Millionen Jahren zu einem riesigen Schwarzen Loch zusammen. Ein Schwarzes Loch w├Ąchst permanent durch Einsturz von Materie. Einmal habe ich auf einer Grafik das Gravitationsfeld eines Schwarzen Loches gesehen. Ich glaube, es war eine Computersimulation, und es erinnerte mich sofort an eine Linse. Und in der Tat k├Ânnen die Gravitationsfelder von Schwarzen L├Âchern oder Galaxien das Licht ferner Objekte ├Ąhnlich ablenken wie eine Linse. Waren Nadine und ich nicht mehr als ferne Objekte, die sich nur durch einen Zufall begegneten?

Als ich Nadine begegnete, war ich Ende drei├čig, verheiratet und seit f├╝nf Jahren der Leiter der Presseabteilung eines gro├čen Versandhauses. An mein Leben davor kann ich mich nicht mehr erinnern.

Es war eine kalte sternenklare Winternacht. Ich hatte einen Vortrag ├╝ber den Sternenhimmel im Januar besucht. Mein Auto war in der Werkstatt und ich hatte den idiotischen Einfall, nicht die S-Bahn zu nehmen, sondern ├╝ber die Felder unter dem klaren Sternenhimmel zur├╝ck in die Stadt zu laufen. Ich verlief mich hoffnungslos und irrte fast eine Stunde durch den Wald, bevor ich auf eine gr├Â├čere Stra├če stie├č. Erleichtert registrierte ich die Bushaltestelle auf der anderen Stra├čenseite. Mit dem Handr├╝cken kratzte ich das Eis vom Fahrplan. Der letzte Bus war vor f├╝nf Minuten abgefahren.

"Ist der Bus schon weg?"
Erschrocken drehte ich mich um. Ich hatte niemanden kommen h├Âren. Vor mir stand eine Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren. Sie trug einen schwarzen Mantel und ein schwarzes Stirnband, ├╝ber dem sich ihre Locken kr├Ąuselten. Ich sch├Ątzte sie auf Ende zwanzig.
"Ja. Laut Fahrplan, ja", entgegnete ich.
Sie musste lachen. Ich wusste nicht warum. Sp├Ąter erz├Ąhlte sie mir, dass ich sie an jemanden erinnert h├Ątte. Weil sie lachte, musste ich sie ansehen. Ich hatte noch nie zuvor in solche Augen gesehen. Nadine war Astrophysikerin am Max-Plank-Institut f├╝r Astrophysik, und als sie mir sp├Ąter einmal erkl├Ąrte, dass die Rohsubstanz der Sterne hell leuchtende Nebel waren, f├╝r den Betrachter voller unergr├╝ndlicher Tiefe und Undurchsichtigkeit, musste ich immer an ihre Augen denken.
Wir standen noch eine ganze Weile an der Bushaltestelle, in der Hoffnung, der Bus h├Ątte vielleicht nur Versp├Ątung. Pl├Âtzlich fiel mir ein, sie vorhin in dem Vortrag gesehen zu haben. Ich fragte mich, wie sie nun auf einmal an dieser Haltestelle stehen konnte.
Schlie├člich liefen wir den ganzen weiten Weg zur├╝ck in die Stadt. Wir sahen hinauf zu den Sternen. Ihre Stimme, sanft und bestimmend zugleich, fuhr fl├╝sternd an mein Ohr. Sie blieb immer wieder stehen, um mir ├╝ber jeden Stern, den sie sah, etwas zu erz├Ąhlen, bis mir ganz schwindlig geworden war. Ich konnte ihr Haar riechen.

Vor dem Haus, in dem sie wohnte, sp├╝rte ich den sanften Druck ihrer H├Ąnde. Sie sprach immer mit ihren H├Ąnden, wenn sie nicht sprechen wollte. Als wir uns gegenseitig die Treppen zu ihrer Wohnung hochzogen, bis wir vor ihrer T├╝r standen, vergrub sie den Kopf an meiner Schulter. Sie erschien mir in diesem Augenblick wie ein kleiner, kranker Vogel. Sie sagte:" Ich tu immer nur so, als w├╝sste ich den Weg. Eigentlich kenn ich ihn aber nicht. Ich glaube, es gibt immer etwas, das einen erwartet an Orten, die man niemals besuchen wollte..." Mit diesen Worten ├Âffnete sie die Wohnungst├╝r. Sie machte kein Licht. Sie k├╝sste mich, vorsichtig, mit geschlossenen Lippen. Schatten wanderten durch den Flur. Ich hatte mich noch nie zuvor so verloren und geborgen zugleich gef├╝hlt. Den Rest der Nacht lag ich neben ihr und zeichnete mit meinen H├Ąnden die Linie ihres R├╝ckens nach. Wir ber├╝hrten uns nicht anders als Kinder sich ber├╝hren, die miteinander einschlafen. Ihr K├Ârper war makellos. Durch den Stoff ihres Pyjamas sp├╝rte ich ihre sanfte Haut. Ich atmete ihren Geruch und barg meine Lippen in ihren Haaren.

In den vielen N├Ąchten, die ich sp├Ąter neben ihr wach liegen sollte unter dem Wellengang des Mondlichts oder unter der Nacktheit eines fahlen sternenlosen Himmels, horchte ich auf ihren Atem, den sie vor der Welt verbarg wie alles andere. Ich musste immer wieder daran denken, was sie mir auf unserer unfreiwilligen Wanderung durch die Nacht erz├Ąhlt hatte, w├Ąhrend wir die K├Âpfe in den Nacken zur├╝ckgelegt hielten: "Wussten Sie, dass die anziehende Kraft eines Himmelsk├Ârpers so gro├č sein kann, dass Licht nicht von ihm ausstr├Âmen kann? Was wir sehen, ist- was ich sagen will: die gr├Â├čten K├Ârper im Universum k├Ânnten f├╝r uns unsichtbar sein..."




Viel sp├Ąter glaubte ich den Sinn dieses Satzes zu verstehen, als ich mich an ihren Augenaufschlag, ihre traurige H├Ąrte manchmal, an die Art, wie sie die Arme um mich schlang, erinnerte.

In den ersten Wochen sahen wir uns fast jeden zweiten, dritten Tag. Ich erfand immer neue berufliche Belastungen, bis es irgendwann nicht mehr zu verbergen war. Ich wachte auf und schlief ein mit der Angst, entdeckt zu werden. Nadine forderte nichts. Wir bewegten uns wie in einer Schattenzone. Wir warteten mit offenen Augen. Nadine und ich schliefen nicht miteinander. Manchmal legten wir uns nackt zueinander. Wir betrachteten uns, ohne Gier, aber in einem unaufh├Ârlich wachsenden Verlangen. Langsam begannen wir uns zu streicheln, so wie man etwas ber├╝hrt was man nicht kennt, unvertraut und voller Neugier, so wie man etwas zum ersten Mal ber├╝hren w├╝rde. Als ich ihre kleinen festen Br├╝ste mit meinen Lippen ber├╝hrte, begann ihr K├Ârper zu zittern. Sie schloss die Augen, w├Ąhrend ihre Hand ├╝ber mein steifes Glied tastete. Wenn wir uns schon nachmittags treffen konnten, zogen wir uns aus, um uns im Tageslicht betrachten zu k├Ânnen. Nadine betrachtete mich lange, so lange, bis mein Atem schneller und schneller wurde unter ihren Blicken. Ihre sanft geschwungenen, immer etwas rauen Lippen tasteten ├╝ber meinen Hals, meine Brustwarzen, meinen hastig atmenden Bauch. Ihre feste Zunge fuhr in meinen Bauchnabel und zog helle, gl├Ąnzende Pfade auf den Innenseiten meiner Schenkel. L├Ąchelnd sah sie auf meine Erregung. Sie legte sich auf den R├╝cken und zog mich zu sich empor. Nadine presste ihre Br├╝ste mit den H├Ąnden zusammen und begann, meinen Penis mit ihnen zu massieren. Zitternd lag ich auf ihr. Mein Samen rann auf ihren Hals. Gebannt starrte sie auf mein Gesicht, meine sich wieder ├Âffnenden Augen. Sie l├Ąchelte noch immer.

Nach einigen Wochen verlie├č ich meine Frau und zog zu Nadine. Sie wohnte in einer kleinen Dachgeschosswohnung am Rande der Stadt. Unter der riesigen Glasfront zum Himmel lagen wir jede Nacht zusammen. Laut im Schweigen rann uns die Welt durch unsere Finger. Der Mond schnitt ihre Silhouette aus der Asche der Nacht. Die sanften Linien und Konturen ihres K├Ârpers lagen wie der Kokon eines Schmetterlings unter dem Spiegel des Lichts. An der Wand hing die Vergr├Â├čerung einer computerkolorierten Radioaufnahme eines Quasars. Der Quasar sah aus wie eine riesige Blase. Nachts schien es, als w├╝rde er zu leuchten beginnen. Ein winterheller roter Wind lie├č den Quasar geheimnisvoll leuchten.
"Was sind Quasare?" hatte ich sie damals gefragt. Sie erkl├Ąrte mir, dass es sich um punktf├Ârmige Objekte am Rande des sichtbaren Universums handelte. Sie schleuderten ihre Energien wie Rauchfahnen in den Weltraum. Ich erinnere mich , dass Nadine damals mit Berechnungen besch├Ąftigt war, was im Innern eines Schwarzen Lochs passierte. Manchmal erz├Ąhlte sie mir davon. Der Gedanke, dass das, was immer in ein Schwarzes Loch hineinst├╝rzte, verschwunden blieb, hatte mich schon als Junge beunruhigt. Nadine wirkte immer leicht ungeduldig, wenn sie etwas erkl├Ąrte, vielleicht weil ihr das was sie einmal verstanden und aus ihrem Innern gesch├Âpft hatte, so selbstverst├Ąndlich erschien, dass sie einsam war mit diesem Wissen und es vielleicht auch bleiben wollte.
Das Innere eines gealterten Sterns, so hatte sie es mir zu erkl├Ąren versucht, w├Ąhrend wir nebeneinander im Bett lagen und meine H├Ąnde sanft ihren R├╝cken massierten, kollabiert blitzartig. Alle Materie st├╝rzt im Zentrum des Sterns in nur einer Zehntausendstelsekunde zusammen. "Plopp !" , machte sie und schlug mit ihrer Faust gegen die Zimmerwand. Von der ausgebrannten Materiekugel, erkl├Ąrte sie weiter, bleibt nichts als ein unendlich dichter Punkt. An der Oberfl├Ąche des sterbenden Sterns w├Ąchst gleichzeitig die Fluchtgeschwindigkeit, schneller als das Licht. Dort wo einmal der Stern war, bleibt ein Raum, aus dem nichts mehr entweichen kann. Nicht einmal Licht, weil es von der Schwerkraft ├╝berw├Ąltigt werden und wieder nach innen umgelenkt werden w├╝rde. Im Innern des Schwarzen Lochs gibt es kein Entrinnen mehr. Alles st├╝rzt unaufhaltsam auf das Zentrum zu. In dem Punkt, auf den alles zust├╝rzt, wachsen Temperatur und Dichte mathematisch bis ins Unendliche. Dort enden Raum und Zeit. Die Naturgesetze verlieren ihre G├╝ltigkeit.
Wenn ich unter dem Flimmern des Quasars an das unh├Ârbare Atmen Nadines gelehnt lag, war ich das fernste Objekt ihrer Sehnsucht. Ich stellte mir vor, ich sei ein Stern, und in der Art, wie sie nachts ihre Arme um mich schlang oder ihren Kopf an meiner Schulter barg, begriff ich, dass ich in ihrer Liebe zum Universum irgendwo einen Platz in einer der Erde nahen Galaxie gefunden hatte. Ich glaube, ich war niemals gl├╝cklicher als in diesem einen Jahr unseres Zusammenlebens. Ich sp├╝rte, dass sie so viel N├Ąhe nur schwer ertrug, aber ich sp├╝rte auch, dass sie hinaus wollte aus ihrer Welt, in der man sehr einsam war. Manchmal stahlen wir uns einen Nachmittag oder fuhren ├╝bers Wochenende fort. Wenn sie ├╝ber ihre Arbeit sprach, dann war ihr Blick der Welt entr├╝ckt und ihr L├Ącheln war wie eine Spur ins Vergessen. Ich glaube, sie liebte die Sterne, weil sie ihr nicht wirklich nah sein konnten.

Ich war ihr niemals n├Ąher als an jenem Abend, als ich nach Hause kam und sie nackt in einem Sessel am Fenster sitzend vorfand. Die D├Ąmmerung malte Schatten auf die ungreifbaren Linien ihres schlanken K├Ârpers. Ich stand vor ihr, noch den Mantel und eine Tasche in der Hand. Nadine ├Âffnete ihre Beine. Unendlich langsam hob sie ihre langen Beine auf die Sessellehnen. Ich starrte auf den rosigen Schimmer zwischen ihren Beinen, auf ihre glatten Schamlippen, die sich unmerklich ge├Âffnet hatten. Ich kniete vor ihr nieder und legte meinen Kopf zwischen ihre Beine. Ihre H├Ąnde w├╝hlten in meinem Haar, ihr flacher Bauch hob und senkte sich hastig. Sanft legte ich meine Lippen auf sie , meine Zunge spielte langsam mit ihrer weichen, glatten Haut, glitt tastend in ihre ├ľffnung. Ich h├Ârte sie aufst├Âhnen. Meine Zungenspitze legte sich ├╝ber ihre sanfte W├Âlbung, h├╝llte sie ein und ber├╝hrte sie dann auf ihren Wanderungen wie zuf├Ąllig, minutenlang, eine Ewigkeit lang. Ich wurde schneller. Nadines K├Ârper dr├Ąngte sich mir entgegen. Ich schob meine H├Ąnde unter ihre H├╝ften und hob sie zu meinen Lippen empor, glitt mit meiner Zunge rascher und rascher in sie, bis ihr K├Ârper zu zucken begann und sie das Bewusstsein verlor. Als sie erwachte, begann sie zu weinen. Ich hatte sie noch nie weinen gesehen.

Irgendwann sp├╝rte ich, dass alles was ich sagte und tat, tief in ihrem Innern verschwand. Am Morgen sa├č sie manchmal ├╝ber einem leeren Notizblock am Tisch, w├Ąhrend ich noch schlief. Es stand nie etwas darin. Wenn sie, meist viel sp├Ąter als ich, abends vom Institut in die Wohnung zur├╝ckkehrte und von ihrer Arbeit erz├Ąhlte, sagte sie manchmal, dass sie nie aufh├Âren w├╝rde, an ein Ziel zu glauben, auch wenn ihr das immer unerreichbar erschien. Wenn ich sie fragte, ob es noch etwas anderes gebe, dann sagte sie: " Es gibt nicht viel anderes, wenn alles verschwindet."
Ich musste immerzu daran denken, dass alles was im Innern eines Schwarzen Lochs passierte, sich der ├╝brigen Welt nicht mitteilen konnte. Nichts kann von dort heraus dringen. Aber kann es dennoch das Schicksal unseres Kosmos beeinflussen? War es das, was ich in Nadines N├Ąhe sp├╝rte? Nadine wurde immer trauriger, aber sie sprach nicht dar├╝ber. Ich verstand immer weniger von dem, was in ihr vorging, aber dennoch bestimmte sie mein Leben in der Art, in der sie um mich war.

Ich fuhr f├╝r eine Woche auf eine Tagung ins Ausland. Als ich
zur├╝ckkehrte, war Nadine verschwunden. Meine Sachen standen in der Lagerhalle einer Spedition abholbereit f├╝r mich. Ich konnte die kleine Dachgeschosswohnung, in der ich den Quasar an der Wand h├Ąngen wusste, nicht mehr betreten, nicht mehr auf das riesige Dachfenster sehen, das von Licht und Dunkel und von all den Tr├Ąumen dieses Jahres erz├Ąhlte. Das Schloss war ausgetauscht, das Klingelschild entfernt. Nadine war verschwunden. So wie sie in jener Winternacht pl├Âtzlich neben mir an der Haltestelle gestanden hatte, so pl├Âtzlich war sie verschwunden. Was sichtbar blieb, das war mein Verlangen nach ihr, wie eine Stimme in den Nebel gesprochen. Nadine war verschwunden. Niemand, weder im Institut noch in der Nachbarschaft, konnte mir sagen, wohin sie gegangen war.

Einmal hatte Nadine mir erz├Ąhlt, dass die Schwarzen L├Âcher von allen Objekten der Natur die kompaktesten sind. Die Erde h├Ątte zusammengedr├╝ckt zum Schwarzen Loch die Gr├Â├če eines Tischtennisballs. Die Gezeitenkr├Ąfte sorgen daf├╝r, dass schon in f├╝nfhundert Kilometern Abstand dreitausend Kilogramm an unseren F├╝├čen zerren w├╝rden und in zweihundert Kilometern Umlauffl├Ąche w├╝rden wir zerrissen werden. Schwarze L├Âcher sind zum ewigen Wachstum verurteilt. Sie sind der nat├╝rliche Endpunkt aller Vorg├Ąnge im Kosmos. Was am Ende ├╝brig bleibt, ist ein riesiges schwarzes Auge in einem sich verdunkelnden Kosmos.

Ich starrte in den Nachthimmel ├╝ber der Stadt. Ich suchte mein Spiegelbild im Fluss ihrer Augen. Ich sehnte mich nach ihren Br├╝sten, der weichen Stelle ├╝ber ihren H├╝ften, nach ihrem Augenaufschlag. Ich sehnte mich nach ihrem L├Ącheln und der scheuen Art, mit der sie sich auszog, dem weichen und federnden Gang ihrer Schritte. Ich hatte nur diesen einen Blick, der Nadine mit jedem Tag immer wieder neu erfand„nur diese eine Stimme, die ihren Namen fl├╝sterte, wenn ich allein war. Wenn ich in den Himmel sah, blickte ich in ein riesiges schwarzes Auge. Alles andere war nicht da. Es existierte nicht. In Nadines gr├╝nen Augen, die ich nie wirklich gesehen habe, wurde der Raum niemals weniger, wie auf der Fotografie in ihrer Wohnung. Von meinem Gesicht zu ihrem kam das Geheimnis gegangen. Weil sie es geh├Ârt und verstanden hatte, verschwand es nicht im Dunkel wie alles andere.

Wenn ich unter dem Sternenhimmel liege, kann ich es leuchten sehen. Dann erfinde ich die Zeit neu, und ich warte, wie ein Falter am Saum der blauen Fluten. In den Sternen spiegelt sich ihr Gesicht in der Stille. Ich stelle mir vor, sie ist ein Stern. Weil es keinen Horizont mehr gibt, seitdem wir uns begegnet sind, wird sie schon bald zu mir zur├╝ckkehren.Vielleicht auch nur, weil ich es mir w├╝nsche. Wenn es Morgen wird, kann ich sie manchmal weinen h├Âren.





















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Der Physiker
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Hallo Cirias,

ein sehr sch├Ânes Werk. Mein wichtigster Vorschlag ist, da├č du m├Âglichst wenig an ihm ver├Ąnderst. So, wie es dort steht, hat es eine Vollendung erreicht. Ich will nicht mutma├čen, wie glaubw├╝rdig oder wahrscheinlich die Geschichte ist, sie redet von einer abgeschlossenen eigenen Welt in einer eigenen Sprache. Das ist von dir gewollt und gut so.

F├╝r meinen pers├Ânlichen Geschmack ist es vielleicht etwas zu reich an Vergleichen, aber sie geh├Âren nun einmal zu dieser Geschichte dazu, anders verl├Âre sie ihre phantasievolle Darstellung. F├╝r mich, f├╝r den die physikalischen Fakten schon altbekannt sind, k├Ânnen die vielen gelungenen Beispiele aus der Astronomie nat├╝rlich keine gro├če Wirkung mehr haben. Ich stelle es mir aber f├╝r jemanden, der mit diesem Wissen nicht vertraut ist, sehr imposant und interessant vor.

Lobend
Der Physiker

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Cirias
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Hallo Physiker,

vielen Dank f├╝r dein Lob, das um so mehr freut, weil es, was die faktische Seite des Textes angeht, von kompetenter Seite stammt.
Die Vergleiche sind f├╝r mich auch ein Versuch, das Unfassbare an der Tatsache ├╝berhaupt, das Weltall zu begreifen, "herunterzuholen" auf Augenma├č.
Danke und herzliche Gr├╝├če,

Cirias

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Kasoma
Guest
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Hallo Cirias,

ganz, ganz toll, ich bin begeistert! Wie der Physiker sagte, ist die Enbindung der astronomischen Fakten in diesem Werk ein absolutes Highlight! Kompliment!!!
Leider kenn ich mich mit der Materie ├╝berhaupt nicht aus und f├╝r einen Laien wirkt mancher Satz zu kompliziert und der Vergleich zwischen Erde und Himmel will sich manchmal nicht erschliessen...
Ich finde es trotzdem klasse und das macht die ansonsten wenig neue Handlung gelungen!!!

Lieber Gru├č von Kasoma

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Cirias
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Hallo kasoma,

danke f├╝r dein Lob. Die Tatsache, dass manche Fakten zu kompliziert erscheinen, werde ich mir zu Herzen nehmen und die Sache daraufhin noch einmal pr├╝fen. Es ist alerdings schwer, Dinge die sich einem selbst fast nur ahnungsweise, was das begriffliche angeht, erschlie├čen, so zu schildern, dass sie weder langweilen noch zu laienhaft herkommen. Als Spiegel dessen was zwischen den beiden passiert, erschien mir dieses Ma├č vertretbar.
Danke f├╝rs Lesen,
liebe Gr├╝├če, Cirias

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