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Leselupe.de > Gereimtes
Die Erbtante
Eingestellt am 02. 07. 2003 10:48


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Inge Anna
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

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Die Erbtante

Meist schneite sonntags sie herein,
dann hatten gastlich wir zu sein,
mussten katzbuckeln, ihr hofieren,
jede Marotte tolerieren;
denn ihre Gunst im Sog der Zeit
war von enormer Wichtigkeit.

Vom klugen Elternhaus belehrt,
dass, wer gut schmiert, auch bestens fÀhrt,
sorgten wir fĂŒnf als brav’ Quintett
fĂŒr Speise, Trank und weiches Bett;
der Tante Wohl lag uns am Herzen,
streng galt, uns dies nicht zu verscherzen.

Wenn sie ins Zeitgeschehen griff,
vernehmlich durch die ZĂ€hne pfiff,
forsch ihren Po, der gegenlenkte,
tollkĂŒhn in einen Sessel zwĂ€ngte,
hing in der Luft die bange Frage:
Bleibt sie auch diesmal vierzehn Tage?

Die Tante blieb, ließ sich zwei Wochen
bis unter’s Doppelkinn bekochen;
sie langte zu, schnappte geschwind
Fettes vom Schwein, Edles vom Rind
Und rann der Schweiß ihr auf den Teller
schaufelte sie ‘nen Zacken schneller.

Und wenn sich hinter ihren “Dritten”
beengte Speisereste stritten,
nahm sie die Zahnprothese raus,
schabte geschickt das Übel aus,
setzte - denn Ordnung musste sein -
seufzend das PrunkstĂŒck wieder ein.

Begehrlich reckte sie den Hals,
denn durstig war sie ebenfalls,
mochte der kĂŒhle Tafelwein
auch eine Billigmarke sein;
sie klopfte ans geleerte Glas,
Nachschubsignal, wir wussten das.

Sie hielt den Kopf schief, wenn sie trank,
der schließlich mĂŒd’ auf’s Tischtuch sank;
dann schob man sanft, doch dienstbeflissen
unter ihr Haupt ein Ruhekissen;
ihr Schnarchen war kein Ohrenschmaus,
doch hier schlief Gold, wir harrten aus.

Kaum, dass der Schlummer sie erfrischt,
ward starker Kaffee aufgetischt,
den schlĂŒrfte sie mit Hochgenuss,
erst nach fĂŒnf Tassen kam der Schluss;
sie klagte ĂŒber Herzbeschwerden,
wollte von uns bedauert werden.

Wir taten prompt ihr den Gefallen,
sie ward gehÀtschelt von uns allen;
ihr Bankbuch grĂŒĂŸte schon von fern,
weckte mit Macht den guten Kern;
bezwungen wich die Atemnot,
doch nicht die Lust auf’s Abendbrot.

Durch Zufall sollten wir erfahren,
die Tante linkte uns seit Jahren;
von Schmuck und Barem nicht die Spur,
nur ‘ne verstaubte Kuckucksuhr,
die sie zurĂŒckließ, als sie tĂŒrmte,
bevor die Schuldenburg man stĂŒrmte.

Wir schluckten und begriffen jetzt,
dass wir auf’s falsche Pferd gesetzt;
vergeblich unser zÀhes Ringen,
ihr Scheinvermögen auszuwringen.
So leb' denn wohl, teu're Verwandte,
und Gruß an Deine hohe Kante!


__________________
Die ĂŒber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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Lisa1
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Geld hat bestechende Eigenschaften...

Hallo Inge,

deine Erbtante ist ja ein echter BrĂŒller, so detailliert beschrieben, ich seh sie vor mir...
Ich werd gleich mal schauen, was ich noch so von dir finde, das hat wirklich Lust auf mehr gemacht

Gruß

__________________
So lange man jung ist,
gehören alle Gedanken der Liebe -
spÀter gehört alle Liebe

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Klopfstock
Guest
Registriert: Not Yet

Lach.... brĂŒll....grins....

Liebe Inge-Anna,
Deine Abstinenz hat sich voll gelohnt
Das ist ja wirklich ein BrĂŒller, wenn auch ein langer DafĂŒr von mir volle Punkte!!!

WĂŒnsche Dir weiterhin so viel Humor
und einen schönen Tag
Ganz liebe GrĂŒĂŸe

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Inge Anna
HĂ€ufig gelesener Autor
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Die Erbtante

Hallo Lisa,
ja, die liebe Verwandtschaft hat's mir angetan. Vielleicht wird da in absehbarer Zeit mal ein gepfeffertes BĂŒchlein entstehen. Ich danke Dir ganz herzlich fĂŒr die gute Bewertung und schicke liebe GrĂŒĂŸe aus dem Saarland.
Inge Anna
__________________
Die ĂŒber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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Inge Anna
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Die Erbtante

Hallo Klopfstöckchen,
huraaa!!! Da treibt es den "Henkel nass" glatt aus der Versenkung. Wollen wir doch anstoßen auf die Gesundheit der "reizenden" Verwandtschaft. Wie leer wĂ€ren Wohnung und Leben, gĂ€be es sie nicht. Mir wĂŒrde glatt der Schreibstoff ausgehen.
Ich danke Dir vielmals fĂŒr die gute Bewertung - bin ein bisschen verlegen. - - -
Einen schönen Abend noch - prösterchen und viele GrĂŒĂŸe von
Inge Anna
__________________
Die ĂŒber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen.
(Heinrich Heine)

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mako
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Inge-Anna,

schließe mich kichernd und lachend Lisa und Klopfstock an, köstlich das Gedicht.

Gruß
Mako

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