Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5561
Themen:   95454
Momentan online:
454 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Fahrradklingel
Eingestellt am 29. 01. 2017 16:53


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Simone E.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2017

Werke: 2
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Simone E. eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Doofe stand vor der Tür. Eigentlich hieß er Lothar, aber weil er den ganzen Tag einen Tyrannosaurus Rex an der Leine spazieren führte, nannten ihn einige von den Erwachsenen schwachsinnig, andere geistig zurückgeblieben. Die meisten nannten ihn nur den Doofen.

Frau Berwald rief ihn stets Lothar.

Abend für Abend erklang im alten Arbeiterviertel der Singsang der Kinder in den Straßen, nachdem ihre Mütter sie von den Klippen der Mietskasernen an den Abendbrottisch gerufen hatten: „Der Doofe hat einen Saurier und wird dabei immer trauriger!“

Lothar hatte auch eine Mutter, aber die ließ sich auf den Straßen nicht mehr blicken. Und sein Vater war schon lange fort, seit genau einem Tag vor Lothars Geburt vor dreiundzwanzig Jahren. Das ist von Zeitzeugen überliefert, die jenen Nachmittag mit einem Kissen unter den Armen auf der Fensterbank gelehnt hatten, weil sie nichts Besseres zu tun hatten. Als die grüne Minna den Vater zur kostenlosen Kur abgeholt hatte, aus der er nie mehr zurückgekehrt war.

Eine Minute stand die Tür schon offen und Frau Berwald sah ihrem Besucher entgegen. Der versunken die Wände betrachtete, den Kopf drehte und wendete unter forschendem Blick – weil kein Haarriss im Verputz seiner Analyse entgehen durfte.

Frau Berwald war von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet.
„Ja, Lothar?“
Da wurde das Bewusstsein des jungen Mannes angerempelt, drehte unbeholfen eine Pirouette auf dem Eis und suchte Halt zu finden. Lothar starrte auf Frau Berwald, als müsse sie ihm das Stichwort geben für den Grund seines Besuchs.

Und dann erhellte eine Erkenntnis sein Gesicht und er stürzte ans Fenster. Eilig bat er in Zeichensprache den unten wartenden Schoßhund um Geduld.
„Ich kann den Dinosaurier doch nicht mit hoch bringen“, erklärte Lothar, als er wieder vor Frau Berwald stand, „er passt ja nicht durchs Treppenhaus!“
„Nein, Lothar, das tut er nicht.“
„Er ist ein liebes Tier!“
„Natürlich, Lothar.“

Der Schmerz in ihren Worten erreichte Lothar, und tiefe Sorgenfalten gaben Auskunft, dass ihr Kummer eine tonnenschwere Last auf seinem Gemüt abgeladen hatte.
„Meine Mutter hat Recht“, sagte er dann.
„Was meinst du damit, Lothar?“
Er kam ein kleines Stück näher, und so durchdringend war sein Blick, dass es Frau Berwald unangenehm wurde. Er sagte: „Sie müssen sehr traurig sein!“
„Ja“, sagte sie leise und dachte: Geh weg, bitte geh weg!
„Volker ist nicht mehr da ...“
„Nein.“

Lothar lächelte plötzlich. Und dann trat ein unschuldiges Frohlocken aus seinen Augen, das Frau Berwald die Hand reichen, sie zum Ball der Verzagten geleiten wollte. Aber sie mochte sich nicht dazu verführen lassen. Nur eine kurze Pause von der Schwerarbeit des Trauerns gönnte sie sich und sah zu, wie Lothar vor Freude zu tanzen begann.
„Ich habe etwas für Sie! Ich habe ein Geschenk für Sie!“
Er legte es behutsam in ihre Hand. Frau Berwald erschauerte. Die Fahrradklingel schmiegte sich in ihre Handfläche, und tiefe Kratzer kündeten vom tödlichen Aufprall.

„Ich habe sie im Rinnstein gefunden“, rief Lothar außer sich. Seine Begeisterung bedurfte keiner wärmenden Zustimmung, weil sie sich in unschuldiger Aufrichtigkeit sonnte. „Sie haben sie übersehen vor zwei Wochen, als sie die Teile vom Fahrrad von der Straße sammelten! Sie haben sie übersehen, aber ich habe sie gefunden! Ich schenke sie Ihnen!“

Da lief der Film wieder ab in Frau Berwalds Kopf: „Frau Berwald! Frau Berwald! Ihr Volker!“ Donnernde Schritte im Treppenhaus, als die Schmitz aus dem Parterre hinauf stob, der ahnungslosen Mutter zu berichten. Kurz nachdem die emsige Hausfrau die Laute unten auf der Straße hingenommen hatte: als Reifen quietschten und Kinder schrien - anders schrien als sonst. Da hatte der müde Geist die notwendigen Assoziationen nicht mehr zustande gebracht. Die Gedecke auszulegen fürs familiäre Abendbrot – zu mehr hatte es nicht mehr gelangt.

Und dann lief Säure über die Leinwand, Frau Berwald weinte stumm und schlug die Hände vors Gesicht. Das Geschenk fiel zu Boden.

Lothar hielt inne, als er es sah. Tiefe Anteilnahme trat in seine Augen. Mehr aus Solidarität, als dass er die Ursache begriffen hätte.
„Ich dachte doch, jetzt haben Sie ein schönes Andenken an Volker!“
Eine Sekunde, eine einzige Sekunde verging. Unter die Horden aus Schmerz und Trauer mischte sich die Wut als fanatischer Aufrührer, der ihnen einen Ausweg aus dem Verlies des Berwaldschen Gemüts weisen wollte: Lasst uns endlich Rache nehmen! Und ihre Arme ruckten vor, weil sie den verdammten Idioten erwürgen wollte. Eine furchtbare Energie durchströmte den Körper von Frau Berwald, der einen unscheinbar kleinen Schritt machte – der umso entschlossener war. Weil das Ziel in scharfer Kontur skizziert war …

Und dann kam die nächste Sekunde.
Lothar stand vor ihr. Die vage Erkenntnis eines Fehler klopfte an sein Bewusstsein, bei dessen Erschaffung der göttliche Baumeister die Tür vergessen hatte. Tief ließ er Arme und Kopf hängen, und aus tiefster Demut blickte Lothar hoch zu der kleineren Frau.

„Ich hab sie ihm doch letztes Jahr geschenkt“, sagte er, „zum Geburtstag, als er acht geworden ist ...“
„Ja“, sagte Frau Berwald mit der Stimme des Kapitäns, wenn das Schiff nach schwerem Sturm wieder ruhiger auf dem Wasser liegt, „ich weiß.“
„Ich hab ihm doch immer sein Fahrrad repariert.“
„Ja.“
„Wir hatten viel Spaß zusammen.“
„Das hattet ihr.“
„Ich hatte Volker sehr lieb.“

Frau Berwald bückte sich nach der Fahrradklingel und drückte sie an ihr Herz. Sie würde sie polieren müssen, bevor sie sie auf die Anrichte neben Volkers Bild legen konnte. Und sie hörte Volker sagen: „Lothar ist ein toller Mann, weil er nicht mal Angst vor einem Tyrannosaurus Rex hat!“
„Ja“, antwortete Frau Berwald leise, „das ist er.“
„Was haben Sie gesagt?“
„Dass er dich auch sehr lieb hatte!“

Die Heiterkeit eroberte im Blitzkrieg verlorenes Terrain zurück. Frau Berwald hatte nie in zwei dankbarere Augen geschaut.
„Möchtest du ein Glas Limonade, Lothar?“
Und beinahe hätte sie angefügt: Deinem Dinosaurier bringen wir etwas hinunter, dann sitzen wir wieder unten auf der Straße beisammen.

Wie in alten Zeiten ...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Wipfel
Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 58
Kommentare: 728
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wipfel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Simone, das ist saustark. Entschuldige den Ausdruck - ich bin bewegt und beeindruckt von deinem Text. Die Idee und die Umsetzung gefällt mir ausgesprochen gut.

Was dir gelingt: du vermischst Alltagsprobleme mit Besonderheiten. Achten des Nächsten - und in diesem Fall eines Behinderten. Und ganz stark herausgearbeitet - sie sind wertvoll (voller Werte).

Sehr gern gelesen, wirklich!

Grüße von wipfel

Bearbeiten/Löschen    


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4717
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Eine gute Idee und ein guter Ansatz, sprachlich aber leider (noch) recht ungeschickt. Schau mal:

quote:
Der Doofe stand vor ihrer Tür. Eigentlich hieß er Lothar, aber weil er den ganzen Tag einen Tyrannosaurus Rex an der Leine spazieren führte, nannten ihn einige der Erwachsenen schwachsinnig, andere geistig zurückgeblieben. Die meisten nannten ihn nur den Doofen.

Frau Berwald rief ihn stets Lothar.

Abend für Abend erklang im alten Arbeiterviertel der Singsang der Kinder in den Straßen, bis aus den Klippen der Mietskasernen die Mütter zum Abendbrot gerufen hatten.

„Der Doofe hat einen Saurier und wird doch immer trauriger!“, sagten die Kinder oft zu ihren Müttern.

Lothar hatte auch eine Mutter, aber die ließ sich auf den Straßen nicht mehr blicken. Und Sein Vater war schon lange fort, seit dreiundzwanzig Jahren, genau einem Tag vor Lothars Geburt. Das wurde von Zeitzeugen überliefert, die jenen Nachmittag mit einem Kissen unter den Armen aus den Fenstern lehnten, weil sie nichts Besseres zu tun hatten. Als die grüne Minna den Vater zu einer Kur abgeholt hatte, aus der er nie mehr zurückgekehrt war.

Die Tür stand minutenlang offen; Frau Berwald sah dem Besucher entgegen, der sinnend die Wände betrachtete, den Kopf dabei drehte und wendete, weil er offenbar keinen Haarriss im Verputz übersehen wollte.

Frau Berwald war ganz in Schwarz gekleidet. „Ja, Lothar?“

Da wurde Das Bewusstsein des jungen Mannes schien wie angerempelt; er drehte unbeholfen eine Pirouette wie auf Eis und suchte Halt zu finden. Er starrte Frau Berwald an, als müsste sie ihm das Stichwort geben für den Grund seines Besuchs.

Plötzlich erhellte eine Erkennen sein Gesicht; und er stürzte ans Fenster und Eilig bat er in Zeichensprache das unten zurückgelassene Spieltier mit stummer Gebärde um Geduld.

„Ich kann den Dinosaurier doch nicht mit hoch bringen“, erklärte er, als er wieder vor Frau Berwald stand, „der passt ja nicht durchs Treppenhaus!“

„Nein, Lothar, das tut er nicht.“

„Er ist ein liebes Tier!“

„Natürlich, Lothar.“

Lothar hörte den Schmerz aus ihren Worten heraus; er wirkte plötzlich bedrückt, als ob Gesicht und tiefe Sorgenfalten gaben Auskunft, dass ihr Kummer eine tonnenschwere Last auf seinem Gemüt abgeladen hätte.

„Meine Mutter hat Recht“, sagte er dann.

„Was meinst du damit, Lothar?“

Er kam ein kleines Stück näher, und so durchdringend war sein Blick, dass er Frau Berwald unangenehm wurde. Er sagte: „Sie müssen sehr traurig sein!“

„Ja“, sagte sie leise und dachte: Geh weg, bitte geh weg!

„Volker ist nicht mehr da ...“ (sagte Lothar?)

„Nein.“

Plötzlich lächelte Lothar. Und dann trat Ein Leuchten kam in seine Augen, als er Frau Berwald die Hand reichen wollte, um sie zu seinem "Ball der Verzagten" zu geleiten wollte. Aber sie mochte sich nicht dazu hergeben lassen. Nur eine kurze Pause von der Schwerarbeit des Trauerns gönnte sie sich und sah zu, wie Lothar vor Freude allein zu tanzen begann.

„Ich habe etwas für Sie! Ich habe ein Geschenk für Sie!“

Er legte es behutsam in ihre Hand. Frau Berwald erschauerte. Die Fahrradklingel schmiegte sich in ihre Handfläche, und tiefe Kratzer kündeten vom damaligen, tödlichen Aufprall.

„Ich habe sie im Rinnstein gefunden“, rief Lothar außer sich. Seine Begeisterung wartete nicht auf Zustimmung, weil sie sich in unschuldiger Aufrichtigkeit sonnte. „Sie haben sie übersehen vor zwei Wochen, als sie die Teile vom Fahrrad von der Straße sammelten! Sie haben sie übersehen, aber ich habe sie gefunden! Ich schenke sie Ihnen!“

Da lief der Film wieder ab in ihr: „Frau Berwald! Frau Berwald! Ihr Volker!“ Donnernde Schritte im Treppenhaus, als die Schmitz aus dem Parterre heraufstob, der ahnungslosen Mutter zu berichten. Kurz zuvor hatte Frau Berwald die Laute unten auf der Straße noch selbst wahrgenommen: als Reifen quietschten, und Kinder schrien anders als sonst. Ihr müder Geist hatte damals diese Laute mit nichts mehr in Verbindung bringen können. notwendigen Assoziationen nicht mehr zustande gebracht. Die Gedecke auszulegen fürs familiäre Abendbrot – zu mehr hatte es nicht mehr gelangt.

Und dann Säure lief über die Leinwand; Frau Berwald weinte stumm und schlug die Hände vors Gesicht. Das Geschenk fiel zu Boden.

Lothar hielt im Tanzen inne, als er es sah. Tiefe Anteilnahme trat in seine Augen, Mehr aus Solidarität, als ohne dass er die Ursache von Frau Berwalds Trauer wohl begriffen hatte.

„Ich dachte doch, jetzt haben Sie ein schönes Andenken an Volker!“


Und so weiter. Den Rest könntest du sicher selber ausbessern, wenn du möchtest: Du erklärst vieles (nota bene sehr umständlich) zu Tode, statt dem Leser den Spielraum für das eigene Kopfkino zu erlauben. Weniger ist da oft viel mehr!

Heiter immer weiter

aligaga

Bearbeiten/Löschen    


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4717
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

... und so könnt's zünftig weitergehen:

quote:
Eine Sekunde, eine einzige Sekunde verging. In nur einer Sekunde schlug ihre Trauer um in helle Wut: Lasst uns endlich Rache nehmen! Ihre Finger zuckten, Arme ruckten vor, weil sie wollte den verdammten Idioten erwürgen! Tödliche Energie durchströmte den Körper von sie und sie tat einen entschlossenen Schritt auf ihren Feind zu. der einen unscheinbar kleinen Schritt machte – der umso entschlossener war. Weil das Ziel in scharfer Kontur skizziert war …

Da erkannte sie plötzlich Lothar wieder. Lothar in seiner ganzen, unschuldigen Fehlerhaftigkeit. Und dann kam die nächste Sekunde. Lothar stand vor ihr. Die vage Erkenntnis eines Fehler klopfte an sein Bewusstsein, bei dessen Erschaffung der göttliche Baumeister die Tür vergessen hatte. Tief ließ er Arme und Kopf hängen, und aus tiefster Verschreckt sah der hoch zu auf die kleine, schwarz gekleidete Frau.

„Ich hab sie ihm doch letztes Jahr geschenkt“, sagte er, „zum Geburtstag, als er acht geworden ist ...“

„Ja“, sagte Frau Berwald mit der Stimme eines Kapitäns, wenn dessen Schiff nach schwerem Sturm wieder in ruhiges Wasser gekommen war, „ich weiß.“

„Ich hab ihm doch immer sein Fahrrad repariert.“

„Ja.“

„Wir hatten viel Spaß zusammen.“

„Das hattet ihr.“

„Ich hatte Volker sehr lieb.“

Frau Berwald bückte sich nach der Fahrradklingel und drückte sie an ihr Herz. Sie würde das Teil polieren müssen, bevor sie es auf die Anrichte neben Volkers Bild legen könnte. Und Sie hörte eine Kinderstimme sagen: „Lothar ist ein toller Kerl, weil er nicht mal Angst vor einem Tyrannosaurus Rex hat!“

„Ja“, flüsterte Frau Berwald, „das ist er.“

„Was haben Sie gesagt?“

„Dass Volker dich auch sehr lieb hatte!“

Die Heiterkeit eroberte im Blitzkrieg verlorenes Terrain zurück. Frau Berwald hatte nie in zwei dankbarere Augen geschaut. „Möchtest du ein Glas Limonade, Lothar?“Und Beinahe hätte sie hinzugefügt: "Und deinem Dinosaurier bringen wir auch etwas. hinunter, Dann sitzen wir wieder unten auf der Straße beisammen, wie früher."

Wie in alten Zeiten ...
Wie immer natürlich alles kostenlos und unverbindlich.

Froh und munter

aligaga

Bearbeiten/Löschen    


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4717
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
Abend für Abend erklang im alten Arbeiterviertel der Singsang der Kinder in den Straßen, nachdem ihre Mütter sie von den Klippen der Mietskasernen an den Abendbrottisch gerufen hatten: „Der Doofe hat einen Saurier und wird dabei immer trauriger!“
strotzt von falschen Bezügen: Die Kinder turnen in den Klippen der Mietskasernen herum, bis sie von ihren Müttern mit den Worten: „Der Doofe hat einen Saurier und wird dabei immer trauriger!“ auf die Straße heruntergeholt werden und zu sangsingen beginnen??

Das keiner guten Doitsch daher @ali probieren vebressern und mache logisch.

Er hat sich nicht ungefragter geäußert als Luise - nur, dass ihm die Durchsicht des gesamten Texterls nicht zu mühsam war. Das macht den Unterschied, auf den's in einem seriösen LiFo ankommt. Seine User leben davon.

Alles andere ist pillepalle.

heiter

aligaga

Bearbeiten/Löschen    


FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

Werke: 22
Kommentare: 2741
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um FrankK eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, Simone E.
Zunächst ein herzliches Willkommen von mir auf und unter der Leselupe.

Mir hat Dein Text gut gefallen. Eindrucksvoll erzählst Du uns die Geschichte einer Frau, die ihr Kind verloren hat, bei einem Unfall mit einem Fahrrad, welches von einem Freund des Jungen repariert worden war. Im Zentrum der Trauer um ihr Kind, wird sie von jenem behinderten Freund besucht. Es wird nicht ganz deutlich, ob Lothar etwas mit dem Unfall zu tun hatte (weil sie an ihm in ihrer Wut Rache nehmen möchte) oder nicht, das ist auch nicht wichtig. Die Differenzierung zwischen der Wut auf den Auslöser eines Unfalls oder dem Verursacher eines Unfalls ist so kurz (wohl gerade zwei Wochen) danach nicht möglich. Als trauernde Person gibt man Notfalls auch dem Wellensittich eine Mitschuld.

Über „sprachliche Schwächen“ wurde schon einiges gesagt. Nach meiner zweiten Lesung des Textes bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob man es wirklich „sprachliche Schwächen“ nennen sollte – oder sogar Absicht.

quote:
Abend für Abend erklang im alten Arbeiterviertel der Singsang der Kinder in den Straßen, nachdem ihre Mütter sie von den Klippen der Mietskasernen an den Abendbrottisch gerufen hatten: „Der Doofe hat einen Saurier und wird dabei immer trauriger!“

Dies ist wirklich erst nach wiederholter Lesung verständlich. Um den Lesern den Einstieg zu erleichtern, könntest Du diesen Satz vielleicht etwas umstellen:
Abend für Abend erklang im alten Arbeiterviertel der Singsang der Kinder in den Straßen: „Der Doofe hat einen Saurier und wird dabei immer trauriger!“, auch nachdem ihre Mütter sie von den Klippen der Mietskasernen an den Abendbrottisch gerufen hatten.
(Klippen der Mietskasernen – starkes Bild. Es ruft bei mir Assoziationen an Arbeitersiedlungen zu Beginn der 70er Jahre hervor.)

quote:
Das ist von Zeitzeugen überliefert, die jenen Nachmittag mit einem Kissen unter den Armen auf der Fensterbank gelehnt hatten, weil sie nichts Besseres zu tun hatten. Als die grüne Minna den Vater zur kostenlosen Kur abgeholt hatte, aus der er nie mehr zurückgekehrt war.

Zeitfehler – hier gehört ein „war“ hin.
Unschöne Dopplung mit den zwei „hatten“ und dem „hatte“. Der Nachsatz „... weil sie nichts besseres zu tun hatten.“ Könnte eigentlich entfallen. Es ergibt sich indirekt aus dem typischen Bild der Leute mit dem Kissen auf der Fensterbank.


quote:
Eine Minute stand die Tür schon offen und Frau Berwald sah ihrem Besucher entgegen. Der versunken die Wände betrachtete, den Kopf drehte und wendete unter forschendem Blick – weil kein Haarriss im Verputz seiner Analyse entgehen durfte.

Hieraus könnte man einen homogenen Satz machen, den Punkt durch ein Komma ersetzen.
Den Einschub „unter forschenden Blick“ würde ich vorne und hinten entweder mit zwei Kommata oder zwei Gedankenstrichen einfassen.
(Die Tür steht also schon eine Minute offen, Frau Berwald schaut Lothar entgegen, dieser ist aber geistig noch mit etwas anderem beschäftigt – gut dargestellt.)

quote:
Und dann erhellte eine Erkenntnis sein Gesicht ...
...
Und dann trat ein unschuldiges Frohlocken ...
...
Und dann lief Säure über die Leinwand, Frau Berwald ...
...
Und dann kam die nächste Sekunde.

Hmm – auch diese „Und dann“ wurden bemängelt. Die ersten beiden passen recht gut, sie verdeutlichen die Reaktionsverzögerung in Lothars geistiger Wahrnehmung. Das dritte passt nicht wirklich – die Perspektive ist hier auf Frau Berwald gerichtet. Du solltest versuchen, die Situation aus Lothars Sicht zu schildern.
Das vierte passt überhaupt nicht. Im Vorfeld wurden „Sekunden“ schon mehrfach erwähnt. Auch hier solltest Du wieder versuchen, die Perspektive direkt auf Lothar zu richten und die Sekunden zu vermeiden. Möglicherweise in dieser Art:
Und dann klopfte die vage Erkenntnis eines Fehlers an Lothars Bewusstsein ...

quote:
Die vage Erkenntnis eines Fehler klopfte an sein Bewusstsein

Wie schon im Vorschlag korrigiert: Fehlers

quote:
Tief ließ er Arme und Kopf hängen, und aus tiefster Demut blickte Lothar hoch zu der kleineren Frau.

Noch eine unschöne Dopplung.

Mehr ist mir nicht aufgefallen.
Das sollte auch reichen, mehr als Feinschliff ist nicht nötig.


Danke, für dieses kurzweilige Lesevergnügen.

Aufmunternde Grüße
Frank


__________________
Leben und leben lassen.

Bearbeiten/Löschen    


14 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung