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Leselupe.de > Anonymus
Die Farben Gottes
Eingestellt am 05. 07. 2006 10:08


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Die Ohrfeige auf die rechte Wange tat etwas weh. Als Ausgleich und aus religiösen GrĂŒnden drehte ich den Kopf, um ihr auch noch die linke hinzuhalten.
Meine Mutter sprach oft von Gott.
Sie schickte uns Kinder jeden Sonntag zur Kirche. Selbst ging sie nie mit. Vielleicht war sie zu gottesfĂŒrchtig.
Schade. WÀre sie nur einmal mitgekommen, hÀtte sie nÀmlich bemerkt, was ich lÀngst wusste.
ER beehrte auch nie unser festliches Gotteshaus.
Zumindest nicht, wenn ich dort war.
Möglicherweise fand er mich ebenfalls zu erbÀrmlich?
Sicher, ich betete viel als Kind. Andererseits, viele Menschen beten viel. Und Gott hört zu und erhört. Meinte unser Herr Pfarrer.
Bei mir liess ER sich Zeit damit. Eigentlich befreite er mich erst von meiner Mutter, da war ich lÀngst erwachsen. Da liess er sie sterben. Hm ja, danke Gott! Besser spÀt als nie.
WÀre aber nicht nötig gewesen. Nicht mehr.
Am Tag der Erstkommunion hÀttest du, als immerhin AllmÀchtiger, doch wenigstens einmal in unsere Kirche kommen können. Da sah ich viel schöner aus als sonst.
Die anderen MĂ€dchen auch.
Weiße Kleider, zierliche Schuhe, BĂ€nder und KrĂ€nze im langen, offenen Haar.
Kein Bild fĂŒr Götter – nein. Nur fĂŒr dich allein, Herr Dreifaltiger – und die Selbstdarstellungsfreude von uns Menschen.
Es war auch ohne Gott ganz nett.
Besonders das leckere FrĂŒhstĂŒck danach im Pfarrheim. Und diese betulichen Frauen, die es servierten

„Hast du bei der Beichte auch wirklich alles gestanden?“, herrschte mich, kaum zurĂŒck, die Daheimgebliebene an.
„Ja.“
„Bist du sicher?“
„Ja.“
„Auch, wie unfolgsam du mir immer wieder kommst?“
„Ja. Ja!“
„Die Beichte war freitags, heute ist Sonntag. Du kannst Deine gestrigen Untaten nicht gebeichtet haben.“
„Ja. Nein!“
„LĂŒgnerin! Weißt du, was Gott mit Menschen macht, die sĂŒndig zur Kommunion gehen?“
„Ja. Nein.“

Ein weißes Kleid und ein brennesselbewachsener Abhang.
Weiß auf GrĂŒn. GrĂŒn auf Weiß.
Oh Herrgott, es tut mir leid! Deine guten Gaben und dein opferbereiter Sohn. Ich fĂŒrchte, ich kann sie nicht bei mir behalten.
Weiß und GrĂŒn und Braun.

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Penelopeia
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Der Text liest sich stellenweise sehr unterhaltsam. Manches erscheint merkwĂŒrdig hart, wenn nicht verbittert, z.B.:

Eigentlich befreite er mich erst von meiner Mutter, da war ich lÀngst erwachsen. Da lies er sie sterben. Hm ja, danke Gott! Besser spÀt als nie.

Der Wechsel der ErzÀhlperspektive (Gott als Objekt der Betrachtung wird zum GesprÀchspartner) kommt ein bisschen plötzlich: Am Tag der Erstkommunion hÀttest du, als immerhin AllmÀchtiger...

Der Schluss ist leicht unklar. Wenn ich es richtig interpretiere, wÀr's schön-schwarzer Humor. Nicht brauner...

Ein paar Fehlerchen schlichen sich ein: "lies" endet nur in der Imperativ- und Perfektform des Verbes "lesen" auf "s". Brennesseln habe ich irgendwo als Brenesseln gesehen. (Der neuen Re'schreibe nach, glaube ich, tauchen da gar drei "s" auf, ich bin mir selber nicht sicher.)

Insgesamt: kein schlechter Einfall. Vielleicht nochmal ĂŒberarbeiten?

LG

P.


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Hallo Penelopeia!

Danke fĂŒr die EinschĂ€tzung meines Textes.
Ich muss sagen, es gefÀllt mir, wenn er so ankommt wie bei Dir: unterhaltsam, hart, verbittert und schwarzer Humor. So sollte es sein.
Der Schluß: Tja - die Farbe braun - sollte einerseits eine Anspielung auf Faschismus in dem Sinne sein, dass damals ebenfalls die Menschenverachtung eine tragende Rolle spielte, andererseits der ausgekotzte "Leib Christi". Nun, so dachte ich es mir halt.
Mit der Überarbeitung hast Du wahrscheinlich recht. Falls mir was einfĂ€llt ...
Liebe GrĂŒĂŸe!

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jon
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Schade, dass es nach hinten etwas abgehackt wirkt – so als sei dir die Zeit ausgegangen, den ErzĂ€hlbogen zu schließen.
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