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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die Fee
Eingestellt am 03. 04. 2001 22:16


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Jasmin
Autorenanwärter
Registriert: Sep 2000

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Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man durch die Bäume reiten, sage ich zu Laurin. Er schaut mich an aus leeren, verständnislosen Augen und zuckt weiter mit der Fernbedienung in der Hand. Bilder ziehen auf der Glasfläche vorbei, flirren mir entgegen. Bilder mit Blut, Löchern im Kopf. Menschen brechen zusammen neben Autos, fassen sich ans Herz, reißen die Augen weit auf.
Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man durch die Bäume reiten, sage ich noch einmal zu ihm.
Lass mich in Ruhe, sagt er und richtet seine Augen starr auf die Glasfläche mit den Toten.
Ich stehe auf, gehe in die K√ľche und hole mir ein Bier. Es ist hei√ü, dr√ľckend hei√ü. Das Klima ist kaputt, die sollen mir nichts vormachen, denke ich. Das ist jetzt die vierte Hitzewelle in einem Monat.
Ich setze mich wieder neben Laurin und trinke mein Bier. Die schwarze Katze kommt und reibt sich an meinem rechten Bein. Ich streiche ihr sanft √ľber den Kopf mit den R√ľcken meiner Finger und fange an zu tr√§umen.
Die Katze wird gro√ü in meinem Kopf, sie wird so gro√ü wie ein Pferd, ohne aber ihre Gestalt sonst zu ver√§ndern. Sie steht pl√∂tzlich vor mir wie ein aufgeblasenes Badetier und schaut mich an aus ihren gr√ľngelben, funkelnden Augen.
Ich stehe auf und stelle einen Stuhl neben sie. Ich steige auf den Stuhl und klettere auf die Katze. Ihr Fell ist weich wie Samt und ich sitze auf ihr ohne Sattel, ohne Steigb√ľgel.
Komm, trag mich hinaus in die Welt, weg von hier, weg von ihm, weg von allem. Die Pferdekatze gehorcht. Sie fängt an sich fortzubewegen. Es ist eine Mischung aus Trab und sanftem Pfotenschleichen. Gutes Tier, sage ich und streichle ihr Fell. Sie schnurrt behaglich und trägt mich die Stufen der Veranda hinab in unseren Garten. Mit der rechten Pfotenhufe öffnet sie das kleine Gartentor und sanft abfedernd bewegen wir uns auf die Straße Richtung Wald.
Unterwegs begegnen wir Nachbarn, die uns entgeistert mit offenen Gesichtern anstarren. Autofahrer hupen oder halten an. Ich genie√üe die Schau ganz und gar. Es ist ein erhebendes Gef√ľhl so √ľber allem zu schweben. Frau Sotiriou, die fette Klatschbase von gegen√ľber l√§sst vor Schreck ihre Gie√ükanne fallen. Marika, die kleine, freche G√∂re von nebenan, die immer so laut und falsch Klavier √ľbt, verschluckt sich an ihrem Kaugummi und bekommt einen heftigen Hustenanfall.
Die Pferdekatze, ab jetzt hei√üt sie Hippocat, verlegt sich pl√∂tzlich aufs Galoppieren. Ich kralle mich in ihr Nackenfell, um nicht zu fallen. Ihre R√ľckenknochen schneiden mir scharf zwischen die Beine. Wie soll ich mich verst√§ndigen? Hippocat, bitte langsamer, sage ich. Sie versteht und ich bin erleichtert.
Wir erreichen den nahen Pinienwald. Die br√ľtende Hitze klebt meine Haare und Kleider an die Haut. Der Schwei√ü rinnt aus allen Poren. Die Zikaden schreien l√§stig laut tsi-tsi-tsi. Ich habe Durst. Hippocat wahrscheinlich auch. Hippocat entdeckt eine Quelle aus der kristallklares Wasser sprudelt. Sie trinkt mit ihrem riesigen Pferdekatzenmaul laut schmatzend. Dann trinke ich. Das Wasser ist k√ľhl.
Ich lege mich unter eine Pinie. Der Boden ist trocken, die Piniennadeln pieksen mich in den Hintern. Hippocat schaut mich spöttisch an. Mach dich nicht lustig, sage ich.




Mein Blick f√§llt auf ein Loch in der Erde. Es ist ziemlich gro√ü. Das muss ein Fuchsbau sein, denke ich. Ich gehe hin und sehe, dass es sich um eine H√∂hle handelt. So gro√ü, dass man hineingehen kann. Ich steige mit M√ľh und Not auf mein Gef√§hrt und wir bewegen uns Richtung H√∂hle. Wir passen gerade in die H√∂hle hinein. Die H√∂hle ist dunkel und feucht. Sie ist voller Stalaktiten und Stalagmiten. Abartige Figuren. Zun√§chst f√ľrchte ich mich, aber dann sp√ľre ich den K√∂rper Hippocats unter mir und ich f√ľhle mich sicher. Eine Tropfsteinfigur sieht aus wie ein kleiner Elefant. Die Figur bewegt sich pl√∂tzlich und st√∂√üt einen elefantenen Trompetenlaut aus. Es hallt in der H√∂hle wider und ich zucke erschrocken zusammen.
Hippocat beschleunigt ihren Schritt. Eine Fledermaus streift meinen Oberkopf. Ich mag keine Fledermäuse. Der Gang wird schmaler, ich kann immer weniger erkennen. Ich sehe aber ein Licht am Ende des Ganges. Hippocat galoppiert in Richtung Licht. Es tropft von oben und riecht nach Feuchtigkeit.
Wir erreichen das Licht. Wir gehen durch eine schmale √Ėffnung und sind pl√∂tzlich in einem herrlichen, bunten Garten. Der Garten ist voller Blumen und B√§ume ‚Äď rote Rosen, Hyazinthen, Vergissmeinnicht, Margeriten, Jasmin, Maigl√∂ckchen, bl√ľhende Kirschb√§ume und Apfelb√§ume, Palmen, Zitterpappeln, Zitronenb√§ume. Alle Jahreszeiten durcheinander. Es duftet herrlich und ist angenehm lauwarm. Der Garten ist riesengro√ü, ein Ende ist nicht abzusehen. Musik ist zu h√∂ren, Le Sacre du Printemps. Ich wei√ü nicht, woher diese Musik kommt.
Ich steige von Hippocat herunter. Sie legt sich auf die Wiese unter einen Kirschbaum. Ich lege mich neben sie. Nach einer Weile habe ich Durst. Ich suche nach einer Trinkgelegenheit und finde dabei verschiedene Quellen, die aus Felsen heraussprudeln. Aus der einen Quelle ergie√üt sich k√∂stliche, schneewei√üe Milch, aus der n√§chsten kristallklares Wasser, aus einer anderen Apfelsaft. Ich suche nicht weiter und entscheide mich f√ľr Apfelsaft. Hippocat trinkt nat√ľrlich Milch. Wir haben auch Hunger. Was sollen wir essen? Pl√∂tzlich steht eine wundersch√∂ne Fee vor uns. Die Fee ist sehr gro√ü und blond. Die Haare reichen ihr bis in die Kniekehlen. Ihre Augen sind chinesisch geschlitzt, aber t√ľrkisblau. Ihre Nase ist babyklein, wie vom Sch√∂nheitschirurgen. Ihre Lippen voll und himbeerrot. Ihr K√∂rper ist walk√ľrenhaft. Sie tr√§gt ein langes, wei√ües, in Falten gelegtes Kleid, dass ihre runden Formen betont.
Die Fee sagt:“ Yakamoto arazumi? Nonopai delamur.“
Ich verstehe nichts. Sie l√§chelt und schwebt davon. Nach kurzer Zeit kehrt sie mit einem riesigen, goldenen Tablett zur√ľck. Sie nimmt eine gro√üe, silberne Schale mit Katzenfutter und stellt sie Hippocat hin. Ich nehme an, es ist Katzenfutter, denn Hippocat frisst die kleinen, braunen Scheibchen mit gro√üer Begeisterung. Den Rest auf dem Tablett bekomme ich. ‚ÄěKoso lavita‚Äú, sagt die Fee und entschwebt.
Ich esse gebratene Wachtelbr√ľstchen, Spinatkuchen, Hirsepudding und Reiscreme. Es schmeckt ausgezeichnet. Alles schmeckt √§hnlich. Dazu gibt es roten Sekt, eisgek√ľhlt. Ich kann mich nicht beklagen.
Nach dem Essen lege ich mich ins Gras und tr√§ume. Ich tr√§ume von Laurin. Ich tr√§ume, dass er allein ist und dass ich ihm fehle. Er hat nichts mehr zu essen, der K√ľhlschrank ist leer und er ern√§hrt sich von Katzenfutter, Zigaretten und Rasierwasser, weil er zu faul ist einzukaufen. Das ganze Haus ist mit einer dicken Schmutzschicht √ľberzogen, Tassen und Teller schimmeln in der Sp√ľle vor sich hin. Er tut mir sehr Leid. Dann sehe ich pl√∂tzlich eine andere Frau. Es ist meine beste Freundin Clarissa. Sie ist sch√∂ner als ich. Ihr Busen ist gr√∂√üer und ihre Beine l√§nger. Clarissa √∂ffnet die T√ľr. Sie hat einen Zweitschl√ľssel. So eine Schweinerei, denke ich. Sie geht ins Schlafzimmer mit schlafwandlerischer Sicherheit. Laurin liegt auf dem Bett. Er hat nur seine Unterw√§sche an und spielt mit seinem kleinen Vogel. Clarissa legt sich neben ihn und f√§ngt an, auch mit seinem kleinen Vogel zu spielen. Entsetzt schreie ich ‚Äěaufh√∂ren‚Äú und wache auf.
Ich reibe meine Augen und schaue mich um. Hippocat ist auch von meinem Geschrei aufgewacht und die Riesenfee kommt im Eiltempo angeschwebt. ‚ÄěChe symvainei?‚Äú fragt sie besorgt und streng zugleich. Ich mache eine abwehrende Handbewegung und sage: ‚ÄúBl√∂d getr√§umt.‚Äú Sie nickt verst√§ndnisvoll und schwebt ab, um gleich wieder mit einem goldenen Tablett zu kommen. F√ľr Hippocat gibt es Zimtmilch und f√ľr mich Apfeleis mit Sahne und Mandellik√∂r. Ich bin entz√ľckt. Die Fee setzt sich neben mich und beginnt, meine Haare z√§rtlich und liebevoll zu streicheln. Sie riecht nach Honig und Vanille. Ich bekomme beklemmende Angst. Ich will so etwas nicht. Ich darf so etwas nicht wollen. Die Fee nimmt mir langsam den goldenen Eisl√∂ffel aus der Hand und beginnt, mich zu f√ľttern. Dabei spielt sie und bewegt den L√∂ffel hin und her, bevor sie ihn in meinen offenen Mund schiebt. Sie lacht dabei. Das Eis schmeckt k√∂stlich und bald befinde ich mich in einem rausch√§hnlichen Zustand.
Die Fee sitzt zwischen Hippocat und mir und liebkost uns beide mit ihren weichen, zarten H√§nden. Sie streichelt meine Brust, sie richten sich auf, werden hart. Eine warme Feuchtigkeit spuere ich zwischen den Beinen. Mir gefallen die Liebkosungen unbeschreiblich, aber ich sch√§me mich deswegen. ‚ÄěHamiroquai‚Äú, sagt die Fee und lacht wieder laut. Ich gebe mich ihren Liebkosungen hin, weil ich mich gegen dieses sch√∂ne Gef√ľhl nicht wehren kann. Als die Fee in verbotene Gebiete sich vortastet und mein K√∂rper zu zittern beginnt, schreie ich auf und stelle mich auf meine F√ľ√üe.
‚ÄěKomm, Hippocat‚Äú, sage ich. Ich steige auf Hippocat und wir traben Richtung Ausgang.

Ich wache auf. Hippocat ist verschwunden. Die schwarze Katze springt auf meinen Schoß. Laurin spielt immer noch mit der Fernbedienung.
Was gibt es zu essen, fragt er, ohne mich anzuschauen.
Wachtelbr√ľstchen und Hirsepudding, sage ich und lache.
Laurin entklebt seinen Blick von den Toten im Glaskasten und heftet ihn kurz auf mich.
Alles in Ordnung mit dir, fragt er.
Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man durch die Bäume reiten, sage ich zu ihm.
Schon klar, sagt er.
Ich nehme die Katze auf den Arm und gehe in die K√ľche.
Bald reiten wir wieder aus, sage ich zu ihr.



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Jasmin

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stemo
???
Registriert: Dec 2000

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Die Fee

Eine feine Geschichte, liebe Jasmin, deshalb haette sie auch noch eine stilistische Feinarbeit verdient. Sie könnte gestrafft und von pauschalen Wendungen befreit werden. Auch finde ich schade, dass Du das Katzenpferd Hippocat gennannt hast. Das erinnert mich irgendwie an Walt Disney. Sie haette einen ke(ae)tzerischen Namen verdient.
Gruss!
stemo
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stemo

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Jasmin
Autorenanwärter
Registriert: Sep 2000

Werke: 141
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stemo

Lieber Stemo,

danke fuer deine Anmerkungen.

Nun, diese Geschichte entstand an einem Nachmittag im Hochsommer vergangenen Jahres fuer einen Wettbewerb. Das Motto des Wettbewerbs: "Waere die Katze ein Pferd, koennte man mit ihr durch die Baeume reiten." Das kam dabei heraus...

Ja, die Feinarbeit...ich schickte die Geschichte in Rohform ab, weil ich sowieso nicht wirklich an einen Preis glaubte. Und danach hatte ich keine Lust mehr. An deiner Reaktion sehe ich aber, dass es sich lohnt an der Geschichte zu arbeiten.

Ja, mit den pauschalen Wendungen und Klischees habe ich wohl ein Problem. Das wird mir des oefteren vorgeworfen. Liegt wohl hauptsaechlich daran, dass ich kaum noch anspruchsvolle Buecher lese...Und kaum Deutsch spreche, lese, hoere...nur Griechisch...

Ja, Hippocat...es ist treffend, aber wohl banal...mal sehen, ob mir noch etwas besseres einfaellt.

Gruss, Jasmin



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Jasmin

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innergetic
Guest
Registriert: Not Yet

I have a dream...

Interessant. (ich mag dieses Wort)
Ich hatte mal einen Traum, den ich dann nach dem Aufwachen sofort aufgeschrieben habe. Hörte sich (stilmäßig) ähnlich an.
Frage: Was bringt die Flucht aus der Wirklichkeit? So viel wie ein vorget√§uschter Orgasmus, der andere denkt,es sei alles in Ordnung, und du bist weiter ungl√ľcklich.
Queen: "Oh how I want to break free"

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Jasmin
Autorenanwärter
Registriert: Sep 2000

Werke: 141
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Eskapismus...

Hallo Thomas,

danke fuer die Ausgrabung der Fee. Lieber waere mir aber gewesen, du haettest dich zum Schueler geaeussert. Haette nicht damit gerechnet, dass der so unter geht.


<<Frage: Was bringt die Flucht aus der Wirklichkeit? So viel wie ein vorget√§uschter Orgasmus, der andere denkt,es sei alles in Ordnung, und du bist weiter ungl√ľcklich.>>

Orgasmen fake ich nie, aber was die Flucht bringt...nun, manche Dinge geschehen einfach...und oft ist die Phantasie schoener, als die Realitaet...


<<Queen: "Oh how I want to break free">>

Einer meiner Lieblingssongs...



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Jasmin

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
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Liebe Jasmin,

schön das es wieder eine Katze ist. Hat mir gefallen, aber eine Überarbeitung an der Feinheit wäre wunderbar. Die Geschichte ist so ausbaufähig - und sie ist wunderschön erzählt.

Liebe Gr√ľ√üe
Reneè

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