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Leselupe.de > Humor und Satire
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Eingestellt am 10. 04. 2005 23:51


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Flic
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22. November 2024, Zeitschrift 'Der Wirtschaftspakt':
Interview mit Herrn Anton Nuchthirn, Top-Manager des Automobil-Konzerns IMO anlÀsslich der Verleihung des Preises "Globalisierungs-angepasstestes Unternehmen Deutschlands", Frankfurt



Roboterreporterin: Herr Nichthirn, Ihrem Unternehmen wurde dieses Jahr der Preis fĂŒr das globalisierungs-angepasstete Unternehmen Deutschlands...
Nuchthirn: Entschuldigen Sie, mein Name ist Nuchthirn.
Roboterreporterin: Was?
Nuchthirn: Mein Name ist Nuchthirn und nicht Nichthirn.
Roboterreporterin: Wie? Ach so, ja.
Nuchthirn: Eben.
Roboterreporterin: Nun, dieser Preis wird alle vier Jahre dem Unternehmen verliehen, das deutschlandweit global gesehen die höchste internationale WettbewerbsfÀhigkeit ausweisen kann.
Nuchthirn: Wir haben die Zeichen der Zeit schon sehr frĂŒh erkannt, und aufgrund exakter ökonomischer Analysen die Weichen in die Zukunft gestellt. Was wir jetzt ernten, sind die FrĂŒchte dieser Anstrengungen.

Roboterreporterin: Wer ist 'wir'?
Nuchthirn: Nun, das ist IMO, nicht wahr?
Roboterreporterin: Ach so, ja.
Nuchthirn: Eben. Es war damals, als entscheidende Weichenstellungen nötig wurden, eine Frage der PrioritÀt. Es begann im Zeitalter der Globalisierung. Der technische Fortschritt, speziell im Bereich der Computerentwicklung, bedeutete enorme ProduktivitÀtssteigerungen, mehr EffektivitÀt bei sinkenden Personalarbeitsstunden mit bestÀndig steigendem Kapital - wir produzierten soviel wie noch nie mit so wenig menschlichem Aufwand wie noch nie... (er lacht).

Roboterreporterin: Wieso lachen Sie jetzt?
Nuchthirn: Nun, einige Spinner damals glaubten, jetzt kĂ€me das Paradies fĂŒr Menschen, Sie verstehen? Sie kennen doch diese "Science Fictions", wo sukzessive Maschinen das Arbeiten ĂŒbernehmen, wĂ€hrend Menschen nur noch die wirklich kreativen TĂ€tigkeiten ausĂŒben, ĂŒber viel freie Zeit verfĂŒgen, sich mit Kunst und Kultur beschĂ€ftigen und Cocktails trinken, wobei sie in der Sonne liegen..?
Roboterreporterin: NatĂŒrlich eine utopische Vorstellung.
Nuchthirn: Utopisch? Keineswegs. Wie gesagt, unsere 'Maschinen' ersparten uns ja faktisch Arbeitszeit bei steigender Produktion - genau wie in den "Science Fictions". Es war vielmehr eine Frage von PrioritĂ€t; und wir haben uns fĂŒr Gewinnmaximierung entschieden.
Roboterreporterin: Gewinnmaximierung fĂŒr die Menschen in unserem Land?
Nuchthirn: FĂŒr das Unternehmen natĂŒrlich. Schon im Jahr 2000 wĂ€re es bei steigendem Gewinn möglich gewesen, die 20-Stunden-Woche fĂŒr Mitarbeiter einzufĂŒhren, natĂŒrlich bei vollem Lohnausgleich und ohne Leute zu entlassen - weil 'die Maschinen' die Arbeit bestĂ€ndig effektiver machten, hĂ€hĂ€. Aber das hĂ€tte bedeutet, den Mehr-Gewinn, den die 'Maschinen' einbrachten, aufzuteilen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Und wĂ€re das auch fĂŒr uns, fĂŒr IMO, das Optimale gewesen? Nein. Sie erinnern sich: Gewinnmaximierung. Personalkosten machen aber einen dicken Batzen der Ausgaben aus, weil die Leute unvernĂŒnftigerweise im Wohlstand leben wollen, statt den GĂŒrtel enger zu schnallen und dem Unternehmen das Kapital zu vergrĂ¶ĂŸern. Diesen Batzen kann man... besser anlegen.

Roboterreporterin: Und wie reagierte die Politik, die den Menschen ArbeitsplÀtze versprochen hatte?
Nuchthirn: Nun, die Politik hat das alles unverzĂŒglich verboten. Sie sagte: 'Hört sofort auf damit! Eigentum soll auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen!'
- Das war jetzt ein Witz.
Roboterreporterin: Ach so, ja.
Nuchthirn: Eben. Sie glauben doch nicht, nationale Regierungen oder Gewerkschaften haben internationalen Konzernen etwas zu sagen?
Roboterreporterin: Und wie ging es weiter?
Nuchthirn: Wir waren damals schon Spitze, im Jahr 2000. Und 2012, als die meisten anderen Automobil-Unternehmen unserer Klasse noch bei 60 bis 70 Prozent Personalabbau dĂŒmpelten, hatten wir schon 85 Prozent erreicht! Wir waren fĂŒhrend beim 'Modernisieren', beim Senken der Personal- und Lohnkosten.

Roboterreporterin: Was aber auch Konsequenzen hat. Heute liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland bei 79 Prozent.
Nuchthirn: Alles Leute, die nicht mehr gebraucht werden, weil es billiger geht.
Roboterreporterin: Nur, wer eigentlich kauft jetzt die teuren Automobile, die Sie herstellen? SozialhilfeempfÀnger können sich doch das nicht leisten?
Nuchthirn: NatĂŒrlich nicht. Deshalb haben wir visionĂ€r gedacht und ein Tochterunternehmen gegrĂŒndet, das kĂŒnstliche Autofahrer herstellt. Diese werden als virtuelle Arbeitnehmer bezahlt, was gĂŒnstiger ist als echte Menschen zu beschĂ€ftigen, da sie nicht auch noch ins Kino gehen und Popcorn fressen oder noch schlimmer - krank werden können. -
Ein weiterer Beitrag zur Umsatzstabilisierung kommt ĂŒbrigens von den VorstĂ€nden, die sich halt monatlich ein paar Dutzend neue WĂ€gen mehr kaufen als frĂŒher - was sollen sie auch sonst machen mit dem vielen Geld, schließlich ist es ja ein wenig öde, alles in Aktien zu stecken (er lacht).

Roboterreporterin: Ihr Unternehmen hat unter anderem den Preis erhalten, weil es das Unternehmen ist, das dem Optimalziel unglaublich nahe ist: Sie sind als Top-Manager und Computerexperte der letzte menschliche Mitarbeiter bei IMO...
Nuchthirn: Sie sagen es. Im Moment bin ich mit der Aufgabe betraut, ein Programm zu installieren, das Top-Manager- und Computerexpertenaufgaben ĂŒbernehmen kann, ohne diese horrenden Kosten, die Top-Manager- und ComputerexpertengehĂ€lter verursachen - das wird IMO den letzten entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen!
Roboterreporterin: Das heißt...
Nuchthirn: ...dass IMO danach auf mich verzichten kann! Gestern habe ich mir selbst zum nĂ€chsten Quartal die KĂŒndigung ausgestellt.
Roboterreporterin: Und Ihren teuren Wagen werden Sie dann verkaufen mĂŒssen?
Nuchthirn: Um IMO nicht zu belasten, habe ich auf eine Abfindung verzichtet. Fortschritt hat seinen Preis. Und außerdem: Wer wollte noch von Arbeitslosigkeit sprechen, wenn es keine Arbeit mehr gibt?
Roboterreporterin: Eine letzte Frage gibt es noch, die mich bewegt. Wer ist IMO denn eigentlich, wenn niemand mehr da arbeitet und bezahlt wird?
Nuchthirn: Fragt jemand, wer Die Globalisierung ist? Oder Der Wettbewerb? Wir haben alle unsere Aufgaben. Diese Fragen zu beantworten, gehört nicht dazu.
Roboterreporterin: Ich bedanke mich fĂŒr das GesprĂ€ch.


(c) RobR

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dennis petsch
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schade fast, daß deinem werk bisher so wenig beachtung geschenkt wurde & meiner meinung nach auch die abgegebenen beurteilungen der qualitĂ€t des textes nicht gerecht werden... das mußte ich unbedingt Ă€ndern! wenn du dich nochmal hinsetzt & die ein oder andere passage ĂŒberarbeitest, hĂ€ttest du sogar noch mehr als die von mir vergebenen 7 punkte verdient. zwar ist die idee nicht neu, aber mit ein bisschen korrektur hĂ€tte ich das gefĂŒhl, einen typischen hildebrandt vor mir zu haben & das dĂŒrfte nun auch als lob genĂŒgen... endlich mal ein text, der das prĂ€dikat "satire" verdient hat!
gruß,
-dennis-

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Flic
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Hallo Dennis,


vielen Dank fĂŒr die Antwort! Damit habe ich kaum noch gerechnet, deshalb schaute ich hier auch nicht mehr rein.

Statt schlechter Bewertungen wĂŒnsche ich mir kritische Äußerungen und bin selbst ein wenig ratlos, warum diese nicht kommen, obwohl ich eine Reihe anderer Autoren meinerseits "besucht" habe.

Welche Stellen wĂŒrdest du ĂŒberarbeiten?


FG,
Flic
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dennis petsch
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hallo flic,
zunĂ€chst mal möcht ich mich entschuldigen, daß ich erst so spĂ€t antworte... zur zeit ist doch ausnahmsweise mal etwas stress angesagt im hause petsch.
was die kritikfreudigkeit hier in dieser vetternwirtschaft angeht, kann ich dir nur beipflichten, aber aufregen lohnt ja nicht...
in punkto verbesserungsvorschlĂ€ge werd ich mir mal in naher zukunft etwas zeit nehmen, wenn ich wieder ein wenig luft hab & dann versuchen den ein oder anderen vorschlag zu machen, wenn gleich es mir eigentlich mißfĂ€llt anderen ins handwerk zu pfuschen...
gruß,
-dennis-

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