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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Flammen der Freiheit
Eingestellt am 08. 06. 2002 13:49


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Melani Raasch
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Die Flammen der Freiheit

  Der Raum war kalt und feucht. Spinnweben hingen in allen Ecken und die einzigen M├Âbel waren ein Tisch und zwei klapprige St├╝hle. Als Lichtquelle diente eine blackende Kerze, die auf dem Tisch stand. Als man die schwere T├╝r von au├čen ├Âffnete und den Pater einlie├č, hob die noch nicht einmal den Kopf.
„Dein Beichtvater ist hier, Hexe! Das ist deine letzte Chance, w├╝rde ich mal behaupten. Du solltest die nutzen!“ Mit einem ger├Ąuschvollen krachen fiel die Zellent├╝r hinter dem Wachmann wieder ins Schloss und man h├Ârte das quietschende Schaben eines Riegels, der von au├čen vorgeschoben wurde. Pater Maxim blieb noch einen Augenblick stehen und betrachtete die zusammengesunkene Gestalt, die dort am Tisch sa├č. Den Kopf auf die Tischplatte gelegt, umflossen die langen, leuchtend roten Haare ihre Schultern und das rohbehauene Holz. Zitternde, verkrampfte Finger hatten sich um die Kerze geschlossen und hielten sie fest umklammert, als k├Ânne sie damit verhindern, dass man sie ihr wieder fortnahm, sobald der Pater die Zelle verlassen haben w├╝rde. Pater Maxim kam n├Ąher und nahm Platz. Er rief leise ihren Namen, doch die Frau r├╝hrte sich nicht. Erst als er nach ihren H├Ąnden griff und mit kr├Ąftigen, warmen Fingern ihre eisigen Kn├Âchel umschloss, fuhr sie erschrocken hoch.
„Alaina, ich bin es nur, Pater Maxim.“ Erleichtert atmete sie auf und ihre Anspannung l├Âste sich ein klein wenig. Der Pater l├Ąchelte.
„Hast du geschlafen?“ Alaina sch├╝ttelte den Kopf.
„Nein.“ Ihre Stimme war heiser und kaum mehr als ein Fl├╝stern. „Ich habe in das Licht gesehen. Gott ist das Licht. Gott ist das Feuer.“ Nach einer kurzen Pause, in der sich ihr smaragdgr├╝ner Blick wieder in der Kerzenflamme verfing, fl├╝sterte sie:
„Aber vielleicht habt Ihr Recht und ich bin eingeschlafen. Doch wenn Gott das Licht ist, dann war er bei mir und wenn er die Flamme ist, dann wird er auch morgen bei mir sein!“ Pater Maxim l├Ąchelte, aber es war ein trauriges L├Ącheln. Wie fr├Âhlich, munter und hilfsbereit waren doch die Lebensgeister dieser Frau gewesen, bevor sie der Hexerei angeklagt worden war? Sie war stark gewesen und hatte eine ungeheure Willenskraft besessen, doch jetzt waren all ihre Gedanken traurig, ohne Hoffnung und nur noch auf das nahende Ende ausgerichtet wie es schien. Pater Maxim legte seine alte Hand an ihre Wange und er sp├╝rte, wie Alaina sich schutzsuchend an sie schmiegte.
„Was haben sie nur mit dir gemacht, mein Kind?“ Als die Frau langsam ihren Blick hob, sah er wie sich Tr├Ąnen in ihren Augen sammelten.
„Das w├╝rde Euch nicht gefallen, Vater.“ Sie sch├╝ttelte gedankenverloren den Kopf und senkte ihren Blick wieder.
„Sie haben dich gefoltert, nicht wahr? Wie all die anderen auch!“
„Ja, wie all die anderen auch.“ Ihre Stimme war noch leiser geworden. „Aber ich habe ihn nicht verraten. Ich habe ihn nicht verleugnet. Ich habe ihnen nur immer wieder gesagt, dass ich unschuldig bin, doch sie haben mir nicht geglaubt. Aber ich habe ihnen auch kein Schuldgest├Ąndnis geliefert, denn ich bin nicht schuldig. Glauben sie mir, Vater?“ Maxim nickte mit einem g├╝tigen L├Ącheln.
„Ich glaube dir, Alaina, und Jantri tut es auch.“ Ihr Kopf fuhr hoch.
„Jantri? Er ist doch nicht etwa hier?“ Angst glitzerte in ihren Augen, aber Pater Maxim beruhigte sie.
„Keine Sorge, es geht ihm gut, aber wir machen und um dich Sorgen!“ Alaina sch├╝ttelte verzweifelt den Kopf.
„Nein, Vater, es hat keinen Sinn mehr! Ich bin zu schwach um zu fliehen – kann kaum noch auf den Beinen stehen. Morgen, wenn die Sonne aufgeht, werde ich gehen.“ Pater Maxim sah sie ruhig, aber forschend an.
„Willst du f├╝r ein Verbrechen sterben, dass du nicht begangen hast?“ Ein L├Ącheln huschte ├╝ber das junge, m├╝de Gesicht und ein eigenartiger Glanz lag in ihren Augen. Mit einem Mal schien die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung verschwunden zu sein und Alainas K├Ârper straffte sich merklich.
„Nein, Vater. Ich werde nicht f├╝r das Verbrechen sterben, sondern f├╝r alle, die glauben, dass ich schuldig bin, damit ihnen Gott die Augen ├Âffnet und sie sehen l├Ąsst!“ Als der Pater die Stirn runzelte und antworten wollte, l├Ąchelte sie wieder und sagte nur:
„Bitte, Vater, sprecht mich von meiner Schuld los, welche auch immer ich auf mich geladen habe.“ Pater Maxim tat, worum sie ihn bat und erteilte ihr die Absolution. Dann schob sie ihm ein Stoffst├╝ck ├╝ber den Tisch, das mit dreckvermischtem Wasser beschrieben war und wie es schien an einigen Stellen sogar mit Blut.
„Bitte gebt das hier Jantri und sagt ihm, dass ich ihn liebe.“ Pater Maxim hatte das kleine B├╝ndel gerade unter seiner Kutte verschwinden lassen, als die T├╝r ge├Âffnet wurde.
„Deine Zeit ist um, Hexe!“, verk├╝ndete der W├Ąchter und griff sie beim Arm. M├╝hsam rappelte Alaina sich auf.
„Ich danke Euch, Vater!“ Pater Maxim griff nach ihrer Hand.
„Gott kennt die Wahrheit, mein Kind, denk immer daran!“ Dann zog der W├Ąchter die fort und stolpernd taumelte sie aus dem Raum in die Zelle, in der sie nun schon drei Monate verbracht hatte.
  Es d├Ąmmerte gerade, als man Alaina auf den Karren stie├č, der sie zum Scheiterhaufen bringen sollte. Sie trug ein langes, bl├╝tenwei├čes Hemdchen. Ihre H├Ąnde waren ihr auf dem R├╝cken zusammengebunden und ihr langes, feuerrotes Haar fiel ihr in dichten, sanften Wellen bis ├╝ber die H├╝ften. Alle Hexen hatte man geschoren um sie zu dem├╝tigen, aber ihr hatte man das Haar gelassen. Doch nicht aus Mitleid, sondern als Bewei├č ihrer Schuld: Es war rot – feuerrot, wie das Inferno der H├Âlle selbst! Langsam ratterte der Karren zum Marktplatz, auf dessen Mitte der Scheiterhaufen errichtet worden war. Viele Leute waren gekommen um sie brennen zu sehen. Zu viele, die Alaina kannte, schoss es ihr durch den Kopf. Doch sie bewahrte ihre stille Ruhe und senkte auch nicht den Kopf, als sie die Inquisitoren sah, die ihr solche Schmerzen zugef├╝gt hatten. Mit einem Ruck kam der Karren zum Stehen und man hob sie herunter. Doch Alaina stieg auf den Scheiterhaufen ohne sich von jemandem f├╝hren zu lassen. Der Henker band ihr die H├Ąnde hinter dem hoch aufgerichteten Pfahl zusammen, doch als er die Augenbinde anlegen wollte, drehte Alaina den Kopf zur Seite.
„Ich hab’ das nicht gewollt, Alaina!“, fl├╝sterte der Henker. Ein L├Ącheln huschte ├╝ber ihr Gesicht.
„Ich wei├č und Gott wei├č es auch. Er wird dir tragen helfen!“ Ohne ein weiteres Wort stieg der Henker vom Scheiterhaufen hinunter. Die Sonne schob sich gerade ├╝ber die D├Ącher der Stadt. Ihr rotgoldenes Licht fiel auf die wei├če Gestalt und ihr kupferfarbenes Haar leuchtete selbst wie ein Heiligenschein aus Flammen. Alaina schloss ihre Augen f├╝r einen kurzen Moment, als man den Scheiterhaufen entz├╝ndete. Doch dann blickten ihre sanften, gr├╝nen Augen furchtlos und ohne jeden Hass in die Menge hinunter und sie begann zu singen. L├Ąngst wagte es niemand mehr den Scheiterhaufen zu betreten um die Frau zum Schweigen zu bringen, denn immer h├Âher z├╝ngelten die Flammen und immer dichter dr├Ąngte sich der Rauch. Doch er vermochte sie nicht zu ersticken. Immer noch drang die silberhelle Stimme klar durch die Morgenluft ├╝ber den ganzen Platz. Jeder h├Ârte mit Staunen das Liebeslied, dass sie mitbrachte. Ein Lied nicht nur f├╝r einen, sondern f├╝r Hunderte von Menschen gesungen. Von einer jungen Frau, die so mutig war sich f├╝r alle zu opfern.
  Kaum einer stand an diesem Morgen auf dem gro├čen Platz, der diese Botschaft der Liebe nicht verstand und noch lange nachdem die s├╝├če Stimme des Lebens verstummt war, klangen ihre T├Âne in den Herzen der Menschen weiter. Der rothaarige Engel mit den smaragdenen Augen hatte es geschafft. In dieser Stadt w├╝rde nie wieder ein Mensch als Hexe oder Zauberer sterben.

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Wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraussehen."
Georg Christoph Lichtenberg

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Amanita
???
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Ein wirklich sehr sch├Âner Text.

> Als Lichtquelle diente eine blackende Kerze,

blakende

> Als man die schwere T├╝r von au├čen ├Âffnete und den Pater einlie├č, hob die noch nicht einmal den Kopf.

die T├╝r ??

> Den Kopf auf die Tischplatte gelegt, umflossen die langen, leuchtend roten Haare ihre Schultern

ein wirklich treffendes Bild, die Hexe mit den leuchtend roten Haaren.


Insgesamt hat mir das alles sehr gut gefallen. Gern gelesen.

P.S. Hast du nicht mal in der newsgroup dag geschrieben?

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Melani Raasch
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Freut mich, dass die Geschichte dir gefallen hat. Danke auch f├╝r die Fehlerkorrekturen. Das werd' ich bei mir dann noch ├Ąndern.
In welcher newsgroup soll ich etwas geschrieben haben? Ich glaube nicht, dass ich das getan habe, aber vielleicht wei├č ich's auch blo├č nicht mehr! :-)
Das Bild der Hexe mit den roten Haaren ist gew├Ąhlt, weil man zur Zeit der gro├čen Hexenjagd tats├Ąchlich lediglich diese Haarfarbe haben musste um sich den Flammentod v├Âllig unverdient einzuhandeln.
Bis dann,
Melani Raasch!
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Amanita
???
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ng┬┤s

> In welcher newsgroup soll ich etwas geschrieben haben? Ich glaube nicht, dass ich das getan habe, aber vielleicht wei├č ich's auch blo├č nicht mehr! :-)

ach, war nur so ne idee, dein name kam mir bekannt vor.
kann auch die ng "desp" gewesen sein

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Melani Raasch
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Nein, muss dich entt├Ąuschen. Melani Raasch bin ich bisher nur in der Leselupe. Vielleicht bleibe ich dabei, sollte ich es tats├Ąchlich mal schaffen etwas zu ver├Âffentlichen, aber bisher dient dieser Name, der eigentlich blo├č ein Buchstabengew├╝rfel aus meinem tats├Ąchlichen Namen ist, nur dazu, dass nicht jeder sofort wei├č, wer ich wirklich bin!! ;-)
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