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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Fliege und ich
Eingestellt am 14. 06. 2016 00:48


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Arno Abendsch├Ân
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Ich war wieder einmal umgezogen. Beim Auspacken und Einr├Ąumen schwor ich mir: Ich will nie wieder wechseln. Ordnen Sie einmal tausend B├╝cher, die vollkommen unsortiert in Kartons gewesen sind, nach Sachgebieten und alphabetisch in Regale ein. Es kommt einer dreizehnten Herkulesaufgabe gleich.

Dann wurde ich nachdenklich: Ist es vielleicht das letzte Mal, dass du eine neue Wohnung beziehst? Bist du an der Endstation deines Lebens angekommen? Das war keine sehr angenehme Vorstellung. Sie passte allerdings zur Jahreszeit: Herbst.

Ich gew├Âhnte mich allm├Ąhlich ein. Im Haus war es ungew├Âhnlich ruhig; der einzige Nachbar, ohnehin r├╝cksichtsvoll, war meistens abwesend. Ich konnte die Stille f├Ârmlich sehen, riechen, schmecken. Und der Herbst schritt immer weiter fort.

Jene Fliege fiel mir schon bald nach dem Einzug auf. Es musste die letzte Fliege des Sommers sein, die sich in meine temperierte Wohnung gerettet hatte. Anfangs flog sie noch recht vital durch die R├Ąume. Sie interessierte sich vor allem f├╝r meinen Speisezettel. Konfit├╝re fand sie unwiderstehlich. Ich verscheuchte sie. Sie kam zur├╝ck. Ich schlug nach ihr, ohne sie zu treffen. Es gelang mir nie. Allm├Ąhlich kam es zu einer Koexistenz zwischen uns. Oder ist Kohabitation das rechte Wort?

Sie folgte mir von der K├╝che ins Wohnzimmer. Ich h├Ârte Schuberts Vierte, und sie summte mir um die Stirn. Da ich Musik gew├Âhnlich nur mit Kopfh├Ârer genie├če, h├Ârte ich sie nicht. Pl├Âtzlich f├╝hlte ich sie an meiner Nasenwurzel. Ich bedeutete ihr, sich zu entfernen. Sie tat mir den Gefallen und erging sich zwischen den Zimmerpflanzen oder auf der Tischplatte.

Sie begleitete mich ins Schlafzimmer, unternahm Ann├Ąherungsversuche, als ich im Bett las. Wenn ich in der Nacht einmal die Lampe neben mir anknipste, entdeckte ich sie in der N├Ąhe meiner Lagerstatt, an der Wand oder an der Zimmert├╝r.

Es wurde noch herbstlicher, und wir gew├Âhnten uns immer mehr aneinander. Die Vorstellung, sie jedenfalls sei in ihre letzte Behausung ├╝bergesiedelt, begann mich zu besch├Ąftigen. H├Ątte sie nicht l├Ąngst tot sein m├╝ssen? Etwas wie Sympathie mit ihr und ihrem unausweichlichen Schicksal regte sich in mir. Ich verscheuchte sie nicht mehr, lie├č sie auf meinen H├Ąnden und Armen krabbeln. Fliegen sind leichtf├╝├čig. Sie kommen schnell voran, und dann verharren sie pl├Âtzlich lange an einem Punkt der K├Ârperoberfl├Ąche. Ich registrierte es genau.

Wenn sie nicht zu mir kam, hielt ich nach ihr Ausschau. Sie wurde schw├Ącher, m├╝der. Ich kam auf die Idee, f├╝r sie zu sorgen. Bevor ich morgens zur Arbeit aufbrach, stellte ich ihr ein Glassch├Ąlchen mit Marmelade hin. Zwischenzeitlich erholte sie sich wieder, um dann noch schw├Ącher zu werden. Sie verharrte jetzt die meiste Zeit an einem Punkt.

Sie hielt noch lange durch, weit ├╝ber die ihr von der Natur bestimmte Zeit hinaus. Weihnachten war schon vor├╝ber. Ob ich sie bis ins Fr├╝hjahr durchbringen w├╝rde? Aber mit einemmal war sie doch verschwunden. Soviel ich auch gesucht habe: Ich habe in jenem Winter nie eine tote Fliege bei mir finden k├Ânnen.

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m├╝der Dichter
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Harziger Einstieg

Hallo Arno,

Finde es eine interessante Idee, in einer Geschichte das Zusammenleben eines Menschen mit einer Stubenfliege zu erz├Ąhlen. Mich st├Âren die Dinger ungemein und daher ist ihnen in meiner Wohnung nur eine kurze Lebenszeit verg├Ânnt.

Nun zum Text:
Den Einstieg in die Geschichte finde ich etwas harzig und w├Ąre die Geschichte nicht so kurz, h├Ątte ich sie nach den ersten paar Zeilen wahrscheinlich nicht fertig gelesen.

Harzig, weil du im ersten Abschnitt viele Wiederholungen hast:

quote:
Ich war wieder einmal umgezogen. Beim Auspacken und Einr├Ąumen schwor ich mir: Ich will nie wieder wechseln.
Da k├Ânnte man sprachlich mehr daraus machen. Schau doch mal den Text nochmals durch. Du hast auch im weitern Verlauf oft Wiederholungen.

Und dann ist es mir nicht so klar, weshalb jemand der anscheinend oft umzieht, pl├Âtzlich so melancholisch wird und ├╝ber seinen Tod sinniert. Braucht es den diesen Abschnitt ├╝berhaupt? Im Rest des Textes ist diese melancholische Stimmung beim Erz├Ąhler nicht wieder zu finden. Ich glaube es w├╝rde reichen, wenn du in einem oder zwei S├Ątzen erl├Ąuterst, dass da ein Umzug stattgefunden hat und dann mit dem vierten Absatz weiterf├Ąhrst.

Ich hoffe ich konnte dir ein paar gute Ideen geben.

W├╝nsche dir weiterhin Erfolg beim Schreiben.

Gr├╝sse
ein m├╝der Dichter



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Arno Abendsch├Ân
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Danke, m├╝der Dichter, f├╝r deine Hinweise und Einw├Ąnde. Ich habe sie ├╝berdacht und m├Âchte Folgendes entgegnen: Wiederholungen sind nicht in jedem Fall zu vermeiden. Sie k├Ânnen auch Stilmittel sein, die z.B. eine Situation bzw. Atmosph├Ąre der Monotonie andeuten. Dies scheint mir zum Themenkomplex Herbst / Todesgedanken zu passen. Dass ausgerechnet das Ich so oft vorkommt, m├Âchte ich damit verteidigen, dass so die relative Einsamkeit des IE herausgestellt wird. Es ist eben eine ausschlie├čliche Zwei-Personen-Geschichte. Auch von der Fliege ist permanent die Rede.

Richtig ist, dass die anf├Ąngliche Melancholie des IE sich zumindest abschw├Ącht. Warum? Eben da eine Bezugsperson ins Spiel gekommen ist, die F├╝rsorge ausgel├Âst hat.

Mit alldem will ich nicht sagen, dass deine Beobachtungen und Kritikans├Ątze grunds├Ątzlich falsch seien. Es ist auch eine Frage der subjektiven Aufnahme und Interpretation.

Freundlichen Gru├č
Arno Abendsch├Ân

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m├╝der Dichter
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Hallo Arno,

Da hast du recht, dass Wiederholungen nicht in jedem Fall schlecht sind. Gerade wenn du durch h├Ąufigen Gebrauch von "ich", Einsamkeit und Monotonie n├Ąherbringen wolltest. Da es sich um eine Kurzgeschichte handelt und die Wiederholungen gleich Anfangs zu finden sind war es mir nicht m├Âglich diese bewusst gew├Ąlte Technik als solchige zu erkennen.

Dass eine Fliege beim IE Gef├╝hle der F├╝rsorge ausl├Âst, finde ich pers├Ânlich schwierig nachzuvollziehen. Ich h├Ątte da vielleicht eher ein Vogel genommen der t├Ąglich auf den Balkon fliegt oder dergleichen. Aber wie du schon schreibst, das ist subjektives Empfinden.

Beste Gr├╝sse
ein m├╝der Dichter

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DocSchneider
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Hallo Arno,

eine ungew├Âhnliche Idee, wobei sich mir sofort die Frage stellt, ob es immer dieselbe Fliege gewesen ist, die dem Prot Gesellschaft geleistet hat. Es soll ja mehrere davon geben.

Leider finde ich den Text im Gesamtergebenis aber zu fade, zu emotionslos, die Schilderung zu n├╝chtern. Zu Beginn nervt die Fliege ja offenbar, das kommt aber kaum r├╝ber. Sp├Ąter ist sie eher ein wissenschaftliches Studienobjekt denn ein Mitbewohner. So genau wird sie betrachtet.

Du h├Ąttest hier mehr rausholen und den Text lebendiger gestalten k├Ânnen.

VG. DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals erm├╝dendem Lesen. (Virgina Woolf)

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