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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Floßfahrt
Eingestellt am 28. 07. 2011 09:33


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rogathe
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Die Floßfahrt

"So ein Mist!", schimpfte Tiffis jüngerer Bruder Finn, während er sich seine Nase an der Fensterscheibe platt drückte, "Ausgerechnet heute schüttet es, wenn wir mit dem Floß fahren wollen!"

Seine Schwester langweilte sich und zählte erfolglos die Rinnsale der Regentropfen.

"He, macht das Fenster auf und lasst uns herein!"

Es trommelte immer heftiger an die Scheibe. Tiffi und Finn sahen sich überrascht an.

"Hast du das auch gehört?" "Wer spricht denn da?"

"Wir, die Regentropfen, wer sonst?"

Tiffi lief zu ihrem Schreibtisch und kramte eine Lupe hervor, mit der sie sie genau betrachtete. Sie waren in durchsichtige Regenmäntelchen gekleidet, trugen ebensolche Stiefelchen, sowie Zipfelmützen und fuchtelten wild mit den Ärmchen, während sie die Fensterscheibe entlang rutschten. Neugierig öffnete sie das Fenster, so dass unzählige Regenkinder auf das Sims und weiter auf den Fußboden purzelten, wo sie alsbald eine Pfütze bildeten.

"Wir möchten euch zur Floßfahrt abholen!", beteuerten sie eifrig.

"Wie soll das denn gehen?" fragte Finn skeptisch.

"Nehmt den Tisch und dreht ihn um, dass seine Platte auf dem Boden liegt.", forderte sie der Anführer namens Wassi auf. "Fertig ist das Floß!"

"Was passiert dann?" Tiffi war von seinem Vorschlag noch nicht überzeugt.

"Einsteigen und festhalten!", befahl Wassi.

Die Geschwister warfen sich den Der-hat-sie-wohl-nicht-alle-Blick zu, setzten sich aber trotzdem gehorsam auf das "Floß". Unterdessen war die Pfütze zu einem strömenden Bach angeschwollen, der sie nun mit sich riss. Er trug sie den Flur entlang, zur Wohnungstür hinaus, die sich wie von Zauberhand öffnete und ihnen, mit der Klinke winkend, eine gute Reise wünschte.
Das Wasser schwappte die Treppe hinunter, wobei Floß und Kinder von Stufe zu Stufe schrumpften, bis sie so winzig waren, dass sie unter der Haustür hindurch passten. Der Sturzbach erreichte die Straße und ergoss sich in den nahe gelegenen Gully.

"Uih!", staunten die Kinder. "Sind wir hier in der Kanalisation?"

"Stimmt genau!", bestätigte Wassi.

"Hier stinkt's!" rümpfte Finn die Nase, erschrak gleich darauf vor einem grauen Untier, das sich unter der Wasseroberfläche ausbreitete. Wie gut, dass es nur ein harmloses Taschentuch war. Am Rand suchten riesige Ratten nach Futter.

"Igitt!" ekelte sich Tiffi und klammerte sich noch fester an das Floß.

Unaufhörlich strömte das schmutzige Wasser weiter.

"Keine Sorge, wir erreichen gleich die Kläranlage, wo das Wasser wieder ganz sauber wird und dann den Fluss, der uns zum Meer trägt.", tröstete Wassi die Geschwister.

Bald darauf ging es an duftenden Wiesen mit friedlich weidenden Kühen und Schafen entlang, die sie zwar nicht sehen, deren "Muh" und "Mäh" jedoch gut hören konnten. Über ihnen flatterte ein Schmetterling, der sich allerdings nicht für winzige Kinder auf ihrem Floß interessierte. Eine heran schwirrende Libelle hingegen, packte im Sturzflug den kleinen Jungen und nahm ihn mit sich fort. Finn brüllte aus Leibeskräften:

"Nein! Nicht! Lass mich sofort los!"

Tiffi fiel vor Schreck fast vom Floß und schrie laut um Hilfe. Verdutzt ließ die Libelle daraufhin ihre Beute in den Fluss fallen. Zum Glück trieb die Strömung Finn auf einen ins Wasser hängenden Grashalm zu, an dem er sich festklammern konnte, bis das Floß herankam und Tiffi ihn hinaufzog.

"Puh, das war knapp!" umarmte sie ihn erleichtert.

Dann entdeckten ein dickes Seil mit einem Haken daran.

"Das ist eine Angel!" klärte Wassi sie auf.

"Aber der Fisch war zu schlau und hat nicht angebissen!", freute sich der kleine Junge und patschte vergnügt die Händchen zusammen.

Schließlich hörten sie Möwen schreien und das Meer rauschen. Dann erfasste sie auch schon die Brandung und hob sie in die Luft.
Mit Millionen Wassertropfen bildeten sie nun eine Wolke.

"Jetzt fliegen wir nach Hause!", versprach Wassi den Geschwistern.

"Das ist ja wie Ballonfahren, nur ohne Ballon!"
"Sieh mal, wie klein die Häuser sind!" riefen die Kinder begeistert, während sie gemächlich am Himmel entlang glitten. "Da steigt ein Drachen auf, der kommt fast bis zu uns!"

Nach einer Weile regneten sie sanft zum Fenster ihres Zimmers herein und verabschiedeten sich herzlich von Wassi und den Regenkindern. Im Nu wuchsen sie wieder zu ihrer ursprünglichen Größe heran, verwandelten anschließend das Floß in den Tisch zurück.

"Tiffi, Finn, aus der Floßfahrt wird heute nichts bei diesem Regen, tut mir wirklich leid!", hörten sie Papa bedauernd ausrufen.

Da sahen sie sich bedeutungsvoll an, wussten es besser.






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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Fettauge,

wo bitte ist die Floßfahrt? :-)

Der gesamte Erzählstrang bereitet den Leser auf die Floßfahrt vor. Du löst den Plot dann wie folgt:

quote:
Was für ein tolles Abenteuer es doch war.

Schön, dass du es weisst; deine Leser hälst du jedenfalls im Dunkeln. Das ist nicht fair. :-)

Hier geht die Geschichte doch eigentlich erst los. Das davor soll uns halt auf die Floßfahrt und das folgende Abenteuer einstimmen - m.E. ist dir das gelungen. Schade, dass die eigentliche Geschichte nicht erzählt wird.

Und danke, dass du uns erspart hast, was eigentlich in der Kanalisation rumschwimmt. :-)

Noch ein bisschen Textarbeit:

quote:
"All das gehört nicht hierher!", überlegte Tiffi kopfschüttelnd. "Weil wir so klein sind, wird es besonders deutlich."

Vor allem gehört dieser Einwurf nicht in deine Geschichte. Nochmal schnell die Vermüllung an den Pranger, so nebenbei erwähnt? Der Geschichte bringt es keinen Erkenntniszuwachs, sondern macht einen Nebenschauplatz auf, der nicht weiter verfolgt wird. --> Textüberfrachtung.


quote:
"Müssen wir für immer so klein bleiben?", fragte Benni weinerlich. Ihm wurde diese Reise unheimlich und er wollte nach Hause.

"Habt keine Angst! Bald erreichen wir den Fluss, der ins Meer mündet und dann werden wir fliegen!", tröstete Wassi die Geschwister.

"Oh, wirklich? Das wollten wir immer schon!"

Regentropfen schrumpfen Kinder in Tropfengröße. Das Kind ist hierüber -verständlicher Weise- sehr erschrocken. Der Regentropfen schwingt einen kurzen Satz, und alle Zweifel sind ausgeräumt? Mehr noch: Jetzt freut sich das Kind auf das grösste Abenteur seines Lebens?

Hier wechelst du mir zu schnell die Gemütszustände.

Fazit:
Die Geschichte sollte beginnen, wo sie endet. Mut haben, überflüssige Textelemente zu streichen. Emotionen gründlicher darstellen, keine abrupten Wechsel.

Eine überarbeitete Fassung würde ich gerne lesen!

Gruß,
Archi

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