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Leselupe.de > Ungereimtes
Die Frau, die in mir wohnt
Eingestellt am 23. 06. 2008 12:38


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PeDSch
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Die Frau, die in mir wohnt
Macht Fr├╝hjahrsputz
Poliert blind gewordene Sichtweisen
R├Ąumt Schubladen auf
Gl├Ąttet verzerrte Erinnerungen
Entfernt verkrustete Gewohnheiten
Kehrt Worth├╝lsen zusammen

Die fleischfarbenen Gummihandschuhe
Zieht sie dieses Mal nicht an
Sie will ihn sp├╝ren
Den Dreck
Den sie aufw├╝hlt
Will ihre Finger tief hineinstecken
In den Unrat
In die halb verwesten Karteileichen
Ihre Untoten begreifen
Alles muss raus
Der Mief der letzten 20 Jahre
Der Seelenm├╝ll
Die Halbwahrheiten
Der Selbstbetrug

Die Frau, die in mir wohnt
Rei├čt die Fenster auf
F├╝llt ihre schmerzenden Lungen mit klarer Luft
Ihre tr├Ąnenden Augen mit Klarheit
Sie l├Ąsst Licht ins Dunkel
Schaut ganz genau hin
Untersucht jede Schramme, jede Kerbe
Jeden dunklen Fleck
Jede tot geglaubte Verletzung
Sie deckt sie nicht mehr zu
Mit bunten Trostpflastern
Und falschen Hoffnungen

Kein Erbarmen
Tief durchatmen
Geisterj├Ąger haben keine Angst

Die Frau, die in mir wohnt
Schaut ersch├Âpft auf ihre H├Ąnde
Sie schmerzen
Als h├Ątte sie jedes Gespenst
Eigenh├Ąndig erw├╝rgt
Sie schaut in den spiegelblank gescheuerten
Grund ihrer Seele
Und
Findet
Sich

Sieht sich
Zum ersten Mal
Ganz deutlich

Und l├Ąchelt sich zu.



__________________
PeDSch

Version vom 23. 06. 2008 12:38

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

hallo,

sch├Âne bilder dabei, leider zu wenig verdichtet. f├╝r mich h├Ątte es prgnanter, knapper ausfallen m├╝ssen. mache mal ein besispiel anhand deiner 2.strophe:

quote:
Die fleischfarbenen Gummihandschuhe
Zieht sie dieses Mal nicht an
Sie will ihn sp├╝ren
Den Dreck
Den sie aufw├╝hlt
Will ihre Finger tief hineinstecken
In den Unrat
In die halb verwesten Karteileichen
Ihre Untoten begreifen

Alles muss raus
Der Mief der letzten 20 Jahre
Der Seelenm├╝ll
Die Halbwahrheiten
Der Selbstbetrug



verstehst du, was ich meine? du findest quasi bilder und erkl├Ąrst sie mit abstrakten begriffen wie 'seelenm├╝ll' oder 'selbstbetrug'...

aber dein text hat potential, da steckt f├╝r mich viel drin. lohnt sich, ihn zu ├╝berabeiten...

bin gespannt, ob du dazu bereit bist...zumal das alles nur (m)eine meinung ist.

lg,
hakan

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presque_rien
???
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Hi PeDSch,

ich schlie├če mich Hakan an - im Positiven wie im Negativen. Mir gefallen die Grundidee und viele Bilder, aber bei dem Gedicht musst du auch etwas Fr├╝hlingputz machen !

Die erste Strophe finde ich gut, die w├╝rde ich nicht k├╝rzen, aber vielleicht noch mehr "verbildlichen", z.B. statt "blinde Sichtweisen" sowas wie "beschlagene/matte", usw. (Ich w├╝rde auch die Verse 5-7 gro├č schreiben, ich glaub, das ist ein Fl├╝chtigkeitsfehler).

Auch bei Strophe zwei w├╝rde ich nicht ganz so viel k├╝rzen wie Hakan, sondern vielleicht so:

Die fleischfarbenen Gummihandschuhe
Zieht sie dieses Mal nicht an
Sie will ihn sp├╝ren
Den Dreck
Den sie aufw├╝hlt
Will ihre Finger tief hineinstecken
In die halb verwesten Karteileichen
Ihre Untoten begreifen
Alles muss raus

Strophe drei w├╝rde ich schon st├Ąrker k├╝rzen (oder ├Ąndern), die finde ich nicht so stark:

Die Frau, die in mir wohnt
Rei├čt die Fenster auf
F├╝llt ihre schmerzenden Lungen mit klarer Luft
Ihre tr├Ąnenden Augen mit Klarheit
Sie l├Ąsst Licht ins Dunkel
Schaut ganz genau hin
Untersucht jede Schramme, jede Kerbe
Jeden dunklen Fleck
Jede tot geglaubte Verletzung
Sie deckt sie nicht mehr zu
Mit bunten Trostpflastern
Und falschen Hoffnungen

Und danach zerf├Ąllt das Gedicht leider ein Bisschen, wird zu lose und beschreibend, insbesondere z.B. im "Als h├Ątte sie" - warum distanzierst du dich hier pl├Âtzlich von der Bildebene?

Da w├╝rde ich einfach versuchen, einen kurzen, starken Schluss zu formulieren. Der Vers

Geisterj├Ąger haben keine Angst

gef├Ąllt mir ├╝brigens sehr!

Lg presque

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Joh
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Hallo PeDSch

sich endlich selbst erkennen, ob aus Vernunft oder Verzweiflung und die Innenfrau resolut aufr├Ąumen lassen, in Deinem Text, ist diese Thematik sehr nachempfindbar beschrieben. Ein paar kleine Streichungen finde auch ich angebracht, also hier die dritte Vorschlagversion, vielleicht magst du etwas davon verwenden:

Die Frau, die in mir wohnt
Macht Fr├╝hjahrsputz
Poliert blind gewordene Sichtweisen
R├Ąumt Schubladen auf
gl├Ąttet verzerrte Erinnerungen
entfernt verkrustete Gewohnheiten
kehrt Worth├╝lsen zusammen

Die fleischfarbenen Gummihandschuhe
Zieht sie dieses Mal nicht an
Sie will ihn sp├╝ren
Den Dreck
Den sie aufw├╝hlt
Will ihre Finger tief hineinstecken
In die halb verwesten Karteileichen
Ihre Untoten begreifen
Alles muss raus
Der Mief der letzten 20 Jahre
Der Seelenm├╝ll
Die Halbwahrheiten
Der Selbstbetrug der letzten 20 Jahre


Die Frau, die in mir wohnt
Rei├čt die Fenster auf
l├Ą├čt Licht ins Dunkel
F├╝llt ihre Augen mit Klarheit
Schaut ganz genau hin
Untersucht jede Schramme, jede Kerbe
Jede tot geglaubte Verletzung
Sie deckt sie nicht mehr zu
Mit bunten Trostpflastern
und falschen Hoffnungen

Tief durchatmen
Geisterj├Ąger haben keine Angst

Die Frau, die in mir wohnt
Schaut ersch├Âpft auf ihre H├Ąnde
Sie schmerzen
vom eigenh├Ąnigen Erw├╝rgen der Gespenster
Sie schaut in den spiegelblank gescheuerten
Grund ihrer Seele
und
findet
sich
l├Ąchelt sich zu.


ein gru├č an Dich, Johanna



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mitis

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auch ich finde die idee des gedichtes gut. wenn es ein prosatext w├Ąre, m├╝sstest du nicht einmal allzu viel k├╝rzen. mir sind die bilder nicht zuviel. jedes einzelne hat seine berechtigung. die frage ist nur, ob es ein gedicht sein muss.

ich begreife den text als eine art "befreiungstext", wobei mir das "erleichternde moment" des loslassens etwas zu wenig deutlich wird.

speziell am ende hatte ich ein problem:

quote:
Die Frau, die in mir wohnt
Schaut ersch├Âpft auf ihre H├Ąnde
Sie schmerzen
Als h├Ątte sie jedes Gespenst
Eigenh├Ąndig erw├╝rgt
Sie schaut in den spiegelblank gescheuerten
Grund ihrer Seele
Und
Findet
Sich

Sieht sich
Zum ersten Mal
Ganz deutlich

Und l├Ąchelt sich zu.

f├╝r mich passt das eher k├╝hle (und gr├╝ndliche) bild des spiegelblank gescheuerten grundes ihrer seele nicht ganz mit der leichtigkeit des pl├Âtzlichen l├Ąchelns zusammen. ich stelle mir unter einem spiegelblank gescheuerten "grund der seele" etwas kaltes, leeres, glattes, unantastbares vor.

fazit: f├╝r mich liegt der fokus in diesem "befreiungstext" (wenn es denn einer sein soll) zu eindeutig auf den schweren lasten, die es abzusch├╝tteln gilt.
das l├Ącheln kommt zu unvermittelt, und passt nicht zur k├Ąlte der blankgescheuerten seele. von der logik her passt das bild schon, aber gef├╝hlsm├Ą├čig nicht so gut, jedenfalls nicht f├╝r mich. ich hoffe, du verstehst was ich meine.

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PeDSch
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@alle

Danke f├╝r eure Kritik und/oder Verbesserungsvorschl├Ąge! Jede/r hat mit Sicherheit seine Berechtigung, aber
Wie soll ich es denn jetzt machen? Nehme ich Version a, b oder doch c??? Mixe ich die Vorschl├Ąge und setze sie neu zusammen? Streichh├Âlzer ziehen? Oder jeden Tag eine andere Version MEINES Textes einstellen, die einem von euch dann eventuell gef├Ąllt, weil es seinen Bildern nahe kommt? Mh.... Was f├╝r eine Herausforderung!
Ich werde, ihr verzeiht es hoffentlich, eure Ratschl├Ąge also nicht annehmen und es so lassen, weil es genau so ist, wie ich es wollte. Insgesamt habe ich es mehrere Monate "sacken" lassen und immer wieder an bestimmten Bildern herumgefeilt, um sie mit meinem Gef├╝hl in Einklang zu bringen. Seitdem sind ├╝ber 3 Jahre vergangen und ich finde mich in dem Gedicht... Prosa-Gedicht... Text... Was-wei├č-ich... immer noch wieder, was nicht bedeutet, dass ich es nicht irgendwann einmal doch ├╝berarbeite *g* ... Nochmals Danke f├╝r eure Aufmerksamkeit.

@ Mitis:
Zitat: << das l├Ącheln kommt zu unvermittelt, und passt nicht zur k├Ąlte der blankgescheuerten seele. von der logik her passt das bild schon, aber gef├╝hlsm├Ą├čig nicht so gut, jedenfalls nicht f├╝r mich. ich hoffe, du verstehst was ich meine.>>
Anmerkung: Wenn der M├╝ll und der Dreck deine Seele nicht mehr bedeckt, in welcher Farbe strahlt sie dann? (H├Ątte beinahe Potential f├╝r ein neues Gedicht *g*).
Und... ein L├Ącheln kann ganz verschiedene Aspekte haben. Es gibt ein wehm├╝tiges L├Ącheln, ein aufmunterndes L├Ącheln, ein gl├╝ckliches L├Ącheln, ein L├Ącheln-L├Ącheln etc....
Nimm f├╝r mein Bild ein ├╝berraschtes, vorsichtiges "da-bist-du-ja!" L├Ącheln, mit einem spritzer Melancholie und einem nahe am k├Ârperlichen Zusammenbruch befindlichen "geschafft!", dann passt es vielleicht.
----

@presque_rien

Zitat: >> z.B. statt "blinde Sichtweisen" sowas wie "beschlagene/matte".... (Ich w├╝rde auch die Verse 5-7 gro├č schreiben, ich glaub, das ist ein Fl├╝chtigkeitsfehler). <<

Anmerkung: Ja, das stimmt. Es sind Fl├╝chtigkeitsfehler und werden korrigiert. Gut... Man sagt: "Die Augen sind die Spiegel der Seele." Spiegel bekommen manchmal "blinde" Flecken. Blinde Flecken = nicht reflektieren zu k├Ânnen, daher "blinde gewordene Sichtweisen".... ja, ich wei├č, ein bisssschen um 3 Ecken herum gedacht (vielleicht arbeiten meine Synapsen aber auch nicht richtig *g*).

----

@joh
Zitat: >> Schaut ersch├Âpft auf ihre H├Ąnde
Sie schmerzen
vom eigenh├Ąnigen Erw├╝rgen der Gespenster... <<

Anmerkung: Ne, da ist was falsch angekommen. Wenn du zum Beispiel stundenlang einen Schrubber, Besen oder Wischlappen in der Hand hattest, um etwas zu S├Ąubern, was auch mit einem Superfettl├Âser nicht so einfach weggeht, dann tun deine H├Ąnde einfach weh... Es ist ein k├Ârperlicher Schmerz, der sich so anf├╝hlt als ob...
Ich habe die Gespenster nicht "erw├╝rgt"... ich habe sie vertrieben, indem ich sie mir genau angesehen habe... ich habe sie ins Licht "gezerrt".

---

@hakan
zitat: >> verstehst du, was ich meine? du findest quasi bilder und erkl├Ąrst sie mit abstrakten begriffen wie 'seelenm├╝ll' oder 'selbstbetrug'...aber dein text hat potential, da steckt f├╝r mich viel drin. lohnt sich, ihn zu ├╝berabeiten...<<
Dein Beispiel:
Die fleischfarbenen Gummihandschuhe
Zieht sie dieses Mal nicht an
Sie will ihn sp├╝ren
Den Dreck
Will ihre Finger tief hineinstecken
Alles muss raus...

Anmerkung: Ne, verstehe ich nicht. Also alle Bilder weg, oder was??? So wei├č dann auch wenigstens keiner, was oder wo ich gerade aufr├Ąume *g*? K├Ânnte also auch meine Gefriertruhe sein. Diese ├╝berarbeitet Strophe liest sich, aus dem Zusammenhang gel├Âst, eher wie das Tagebuch einer Psychopathin... Das bin ich nicht *g*.
---


Zum Abschluss:
Ich m├Âchte nicht arrogant erscheinen, weil ich eure Vorschl├Ąge nicht annehme, aber diese/meine Texte sind f├╝r mich wie Fingerabdr├╝cke und etwas sehr Intimes. Das kann gefallen, muss aber nicht.
Ich habe schon einmal an einer anderen Stelle gesagt, dass ich mich nicht f├╝r perfekt halte und dass ich auch gar nicht den Anspruch hege, denn mein Leben ist es auch nicht. Wie immer und ├╝berall gibt es Menschen, die mich begreifen und andere, die einen Beipackzettel brauchen.
Wem sollte ich aber gerecht werden, wenn nicht mir selber?

Fazit: F├╝r den, der┬┤s mag, kann┬┤s ganz bezaubernd sein, der Rest macht sich sein┬┤ eignen Reim (oder so *g*).







__________________
PeDSch

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