Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
341 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Frau im Boot
Eingestellt am 03. 08. 2001 15:44


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Ludowika
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2001

Werke: 37
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Die Frau im Boot I
An einem hei├čen Sommertag ging ich durch den High-Park in Toronto. Das Ahornblatt mit dunkelroten Tulpen bepflanzt, stand in voller Bl├╝te.
Ich setzte mich ans Ufer des Ontariosees. Sah voller Erwartung ├╝ber das glitzernde Wasser, dessen Oberfl├Ąche vom Fl├╝gelschlag vieler rotgefl├╝gelter Amseln und bunten Enten, in Bewegung gehalten wurde. Ich schaute ihnen zu und ├╝berlie├č mich meinen Erinnerungen und meine F├╝├če dem Wellenspiel.
Ob ich sie heute finden w├╝rde? Ich sa├č noch nicht lange dort, da glaubte ich sie zu sehen. Zun├Ąchst nur schemenhaft. Aber leise Ruderschl├Ąge verrieten ihr N├Ąherkommen. Mein Herz begann schneller zu klopfen. Ich sprang auf. Hielt meine Hand ├╝ber die Augen, um nicht vom Sonnenlicht geblendet zu werden und suchte den See nach ihr ab.
Wo ist sie? Am aufgew├╝hlten Wasser erkannte ich, da├č sie hier war. Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet und immer noch trennten uns Ewigkeiten.
Ein Boot glitt am Ufer entlang. Ich wollte rufen. Bekam keine Silbe heraus. Der Wind wehte ihren Duft zu mir her├╝ber und meine Sehnsucht brach aus mir heraus:
ÔÇ×Oh, la├č mich Dich finden! Ich sp├╝re Deine N├Ąhe und warte, warte auf Dein Wort!ÔÇť
Das Echo hallte ├╝ber den See und kam von allen Seiten zur├╝ck.
Die Abendsonne verwandelte das Meer in ein flammendes Inferno und zog sich still in die Nacht zur├╝ck.

II
In der Nacht war sie bei mir, die Frau im Boot.
Sie sa├č an meinem Bett und lie├č den Mond herein. Ihre Augen leuchteten Liebe und tiefes Verstehen. Ich suchte nach ihren H├Ąnden, wollte sie halten, aber sie sch├╝ttelte den Kopf.
Meine Angst, da├č sie fortgehen w├╝rde, war gro├č. Gleichzeitig erkannte ich, da├č es f├╝r sie keine Zeit gibt.
Eben noch sp├╝rte ich ihren Atem, nur einen Hauch. Doch gebannt von ihr, sah ich zu sp├Ąt, die wehenden Vorh├Ąnge am ge├Âffneten Fenster.
Sie lie├č mich zur├╝ck mit meinen unausgesprochenen Worten.
ÔÇ×H├Ârst Du die Stille, die mich umh├╝llt? F├╝hlst Du die Wortlosigkeit in mir? Dein Stillschweigen, Unbekannte, tut mir weh. Wer von uns beiden findet das erste Wort?ÔÇť

III
Das Abendlicht ruhte auf dem See. Ich sah den Mond seines Weges ziehn und die Wolken an ihm vorbeist├╝rmen. Ich tr├Ąumte sein L├Ącheln und seine Helle in mich hinein. Und wartete.
Ich rief nach der Frau im Boot.
Sie war da. Ich sp├╝rte ihre N├Ąhe.
Ein paar Ruderschl├Ąge trennten mich noch von ihr.
Ihr Licht tanzte ├╝ber den Wellen. Kam n├Ąher. Als ich nach ihm greifen wollte, war es fort.
Irrlichter, ringsumher Irrlichter.
Und pl├Âtzlich h├Ârte ich eine leise Melodie
ÔÇ×Mit dir im Schein des Mondes tr├Ąumen,
mit seinem Licht die Welt ums├Ąumen,
bis dir das neue Morgenlicht,
die Klarheit bringt und Zuversicht.ÔÇť
Stumm lag ich im Ufersand und erkannte
ÔÇ× Im aufgehenden Morgen liegt meine HoffnungÔÇť

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ruth-Marion Flemming
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 5
Kommentare: 116
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Ludowika,

in der letzten Nacht war sie bei mir, die Frau im Boot. Ein Engel, von dem ich lediglich einen Schimmer seiner Fl├╝gel erhaschte, einen Hauch des G├Âttlichen, der mir beinahe den Atem raubte. Ich erwachte aus der tr├Ąumerischen Idylle und lag ganz still in der Sommerhitze meines Bettes direkt unterm Flachdach ÔÇô die Vorh├Ąnge hingen schlaff, v├Âllig unbewegt vor der weit ge├Âffneten Balkont├╝r. Allein! Kein Mensch im Zimmer, kein ├╝berirdisches Wesen an meiner klammen, verschwitzten Lagerstatt, keine liebevollen Worte ÔÇô weder gesprochen noch ungesprochen. Lediglich der Mond war anwesend, leicht schmunzelnd. Leise Ruderschl├Ąge, die ich zu h├Âren glaubte, entpuppten sich als musikalischer Rhythmus, der aus dem offenen Fenster eines vorbeifahrenden Autos zu mir her├╝berdrang,

Du siehst, meine Liebe, Deine Geschichte hat mich derart beeindruckt, da├č sie mich bis in den Schlaf verfolgte. W├╝rdest du mir verraten, wer die mysteri├Âse Dame ist?

Mit gespanntem Gru├č
Ruth

Bearbeiten/Löschen    


Ludowika
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2001

Werke: 37
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Die Frau im Boot

Hallo, liebe Ruth,

Du m├Âchtest gerne wissen, wer die Frau im Boot ist. Das, liebe Ruth, w├╝├čte ich auch zu gerne.
Ich sa├č nun mal am Ontariosee und hatte das Gef├╝hl, da├č mich jemand beobachtet.Ich denke es war mein zweites Ich, nach dem ich auf der Suche war.
Inzwischen bin ich ihm noch zweimal begegnet und werde noch weiter suchen, bis ich es wei├č.
Es kann nat├╝rlich auch mein Engel sein, mit dem ich in enger Verbindung bin. Eines Tages werde ich es wissen und dann auch Dir Mitteilung machen.
Ich danke Dir f├╝r Dein Interesse an meiner Geschichte.
Und gr├╝├če Dich sehr herzlich
Ludowika

Bearbeiten/Löschen    


Kunigunde
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 28
Kommentare: 36
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Die Frau im Boot

Hallo Ludowika,

Deine Geschichte die Frau im Boot, hat mich tief beindruckt.
Ich glaube, dass wir Alle die Sehnsucht in uns sp├╝ren das Unsichtbare, das nicht Greifbare, sichtbar zu machen. Ich m├Âchte das Unsichtbare, dass auch ich h├Ąufig f├╝hle festhalten und verstehen. Das Loslassen f├Ąllt auch mir schwer. Toll Deine Geschichte.
Mit freundlichen Gr├╝ssen
Kuni

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!