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Leselupe.de > Erzählungen
Die Frau in der Balkontür
Eingestellt am 30. 08. 2016 14:41


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Hagen
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Die Frau in der Balkontür

Das Radio ließ das Deutschlandlied, schwerer, träger Lava gleich über meinen Computer quellen, als ich die Story, die ich soeben beendet hatte, schnell noch einmal durchlas. Eine Geschichte, wie sie das Leben zu schreiben pflegt – wie sie in Programmzeitschriften als 'wahre Geschichte der Woche' in unendlichfacher Variante wieder und wieder gebracht und von den Menschen an den Fernsehern während des Wortes zum Sonntag oder der Waschmittelwerbung – an der halb geleerten Dose Bier vorbeigelesen wird; - Wortmüll!
Da brachte ein Mann einen Brief zur Post, für seine Firma, er hat zuhause noch gearbeitet. Spät war es geworden, und wie er auf dem Weg zum Briefkasten ist, sieht er auf dem Balkon des Hauses gegenüber eine Frau stehen. Eine schöne Frau, und die Frau winkt ihm zu. Der Mann gibt den Brief auf – und die Frau ist noch immer da, und sie winkt. Der Mann zählt die Stockwerke und die Balkone ab, geht zu der Frau, und die wartet schon auf ihn. Sie gehen hinaus in die Nacht, stöpseln zwei Ohrhörer in einen Walkman und tanzen Tango auf der Straße – sie tanzten auf der Straße – der Titel der Story. Es gab da so eine Agentur, die vertrieb derartigen Wortmüll, neben meinem Arbeitslosengeld eine gute Einnahmequelle. Es durfte nur keiner erfahren, keiner!
Ich sog ein letzte Mal an meiner letzten Selbstgedrehten, gab meinem Computer den Druckbefehl und zerquetsche die Kippe im Ascher.
Ich stopfte die Blätter, nachdem der Drucker seine Arbeit getan hatte, zusammen mit dem üblichen Begleitschreiben in den vorbereiteten Umschlag, es fehlte nur noch die Briefmarke zu einem Euro fünfundvierzig.
'Morgen', dachte ich, 'morgen, gleich nach dem Aufstehen.'
Ich hatte meinen Computer nahe am Bett, nur zwei Schritte, der Radiowecker war gestellt. Ich hätte mich nur ausziehen, ins Bett fallen, und morgen nach dem Aufstehen den Brief wegbringen brauchen.
Morgen?
Ich wollte es heute noch zu Ende bringen, ich wollte die Story nicht noch einmal durchlesen, ich hätte sie miserabel gefunden, ich hätte das Ergebnis von vielen Stunden am Computer in die Schublade der missglückten Geschichten geworfen, der Schublade, in denen die Träume von früher schon dutzendweise ruhten. Ganz unten die begonnenen Träume, die ich irgendwann mal vollenden wollte, wenn ich soweit war, mich nicht mehr in meine eigenen Protagonistinnen zu verlieben.
Etwas höher kamen dann die genormten Träume, dreißigzeilenweise, eineinhalbzeilig auf Din A4 Blättern – und die Träume wurden nach oben hin immer dünner, trauriger und – realer.
Noch mit der Schreibmaschine geschrieben, zu Zeiten, als ich noch ein bisschen Zeit hatte, ich wollte schon damals Schriftsteller werden, aber meine Frau Sybille … ach Scheiße! Nein, die Geschichte musste weg, sofort, zumal in der Nachbarwohnung wieder ein Beziehungskrach losging. Da warf der Kerl seiner Frau wieder lautstark vor, dass sie Hängetitten gekriegt hatte! Wenn ich vom Briefkasten heimgekehrt wäre, hätten sie sich sicherlich beruhigt, wie üblich.
Die Nacht war warm und mondlichtdurchflutet, das gleiche Mondlicht, dass mich in dem von mir angefangenen Stück umfing, erwartete mich draußen. Ein Detail, das sich ständig wiederholt, mit wechselnden Protagonisten und wechselnden Orten, viel Raum für Varianten blieb nicht mehr ohne kitschig zu werden. Ich klebte den Umschlag im Gehen zu, ging die Balustrade entlang, und mein Daumen senkte sich auf den Rufknopf des Fahrstuhls.
Irgendwo, tief unten in der Nähe des Erdgeschosses setzte sich die Kabine in Bewegung, sie würde in fünfzig Sekunden oben sein. Ich legte die Ellenbogen auf die Klinkersteine und sah auf die Straße tief unter mir. Das Betonband war leer, gespenstisch leer, irgendwo geigte eine einsame Grille unverdrossen, auf eine Grillendame hoffend, ihre kleine Nachtmusik, und das Hochhaus gegenüber zeichnete sich scharf gegen die samtene Schwärze der Nacht ab. Bunte Balkone mit schwarzen Türen dahinter klebten an dem Grau des Waschbetons. Schwarze Fenster, zwölf Stockwerke hoch und sechs in der Vertikalen, alle schützten sie schlafende Menschen – bis auf eines, im achten Stockwerk ganz links. Leicht rötliches Licht durchdrang das Negligé einer Frau, die in der Balkontür derart stand, dass sich meinem Blick ihr Körper scherenschnitthaft darbot. Es musste eine schöne Frau sein, die sich die warme Nachtluft in die Lungen sog, denn in dem durchsichtigen Stoff glich sie den antiken Statuen, die den Menschen in seiner ethischen und körperlichen Gesamtheit darstellten.
Frauengestalten, wie ich sie nur allzu gerne für meine Geschichten erschaffen hatte.
Der Aussenflur, in dem ich stand, wurde hell, als die Kabinentüren des Fahrstuhles zur Seite glitten. Die Frau gegenüber hob den Arm und winkte mir zu, während ich den Brief unter den Arm klemmte und den Lift betrat. Schnell drückte ich die unterste Taste, lehnte mich an und trommelte mit den Fingernägeln an die Wand der Kabine. Der Aufzugsmotor schien eine halbe Ewigkeit zu surren, bis ein Ruck durch die Kabine kroch und sich die Türen zur Seite schoben. Grelles Licht aus Leuchtstoffröhren sprang mich an, ich warf mich mit der Schulter an die Riffelglastür nach draußen und stand kurz darauf wieder im Mondlicht der Nacht.
Mein Blick glitt die Balkone des gegenüberliegenden Hauses hoch, acht Stockwerke, und da war das rötliche Licht. Die Silhouette der Frau davor, und die Frau sah zu mir herunter und winkte.
Ich winkte zurück, und die Frau beugte sich über die Balkonbrüstung. Ich nahm den Brief unter dem Arm wieder hervor, hob ihn hoch, deutete mit der freien Hand zuerst auf den Brief und dann in Richtung Postamt.
Die Frau auf dem Balkon nickte, ich überquerte die Straße, aber ich ging etwas schneller als gewöhnlich.
Vor dem Postamt fluchte ich die Sterne vom Himmel, weil ich kein Kleingeld mit hatte, dem Automaten Briefmarken zu entlocken. Es half nichts, ich musste in die Kneipe an der Ecke. Uschi, die Qualmgebadete, stellte mir auch gleich wie üblich ein Henkelglas unter den Zapfhahn. Na, gut, ein Bier, Briefmarken ziehen, den Brief aufgeben und zurück zu der Frau in der Balkontür.
„Haste mah' einsfünfundvierzig?“
„Was?“ Die Jukebox dröhnte Oldies aus den Siebzigern.
Ich schmiss meinen Oberkörper über den Tresen bis ich Uschis Haarspray riechen konnte.
„Einsfünfundvierzig Cash für einen Stammgast.“ Ich hob den Brief hoch und deutete auf die Stelle wo die Briefmarke hin gehört.
„Ach so“, Uschi nickte, griff in die Kasse und zählte mir mit rotlackierten Fingernägeln Kleingeld hin.
„Aber du kommst doch gleich wieder?“
„Logisch!“ Ich ließ mich zurückfallen und während ich das Geld einsteckte, knallte eine Hand auf meine Schulter.
„Hallo Alter, lange nicht gesehen.“
„Stimmt.“ Das war Kurt. „Wir können ja mal wieder einen ausschnacken, von früher! Ich geb' auch einen aus.“
„Right“, sagte ich und hob den Brief kurz hoch, „bin gleich wieder da.“
Ich nahm erst das Bierglas, dann einen Schluck daraus und ging den Brief aufgeben. Das Bierglas wäre mir fast vom Automaten gerutscht, als ich die Briefmarken zog – mit Bier geklebt hielten die Marken fest wie das Versprechen eines Mannes, sofort zurück zu kommen. Langsam das Bier austrinkend ging ich zurück in die Kneipe, ließ mir nochmal Kleingeld geben, zog Tabak, gab das Glas zum Nachfüllen ab und setzte mich zu Kurt an den Tisch.
Ich hatte wirklich nicht vor, lange zu bleiben, aber Patricia, eine junge Dame aus der Nachbarschaft, war auch da und Kurt ließ die Jukebox laufend Oldies feuern.
Patricia passte hier irgendwie nicht her, schon ihr Parfum war unpassend, zu 'tough', weise Fältchen um die Augen und ein 'lass den Jungs mal ihren Spaß – Lächeln' um die Mundwinkel, aber sie war Kurts Freundin.
Sie trug keinen BH, es war durch ihren Pulli jedenfalls keiner zu sehen, und ihre Brüste hingen nur ein wenig.
„Ich hab' dich auch auf dieser Lesung Freitag hier gesehen“, sagte Patricia, „du mich nicht?“
„Nein, 'hab mehr auf die Lyrikerin geachtet.“
„Hab' dich aber gesehen“, ihr Lächeln vertiefte sich, „ich wusste gar nicht, dass du dich für Lyrik interessierst.“
„Tja, ich mag Literatur im Allgemeinen.“
Patricias Brüste waren auch nicht schlecht, wie kam Kurt bloß an solch eine Frau?
Egal, er war zuerst da, sonst hätte ich mein Glück bei ihr versucht, schließlich hat jeder Mann jederzeit das Recht, sein Glück bei jeder Frau zu versuchen.
„Ja, die war gut, nicht wahr?“, fuhr Patricia fort, „du, die Uschi will hier regelmäßig Lesungen veranstalten. Sie hat mich gefragt, ob ich auch mal lesen will, in zwei Wochen bin ich dran, du kommst doch auch?“
Alle Welt wichste neuerdings Lyrik.
Ich nickte.
Es setzte sich noch einer dazu – schon leicht bezecht – und bestellte eine Runde.
„Hay Dieter“, sagte Patricia, „wie geht's?“
Ich sah zur Uhr und wollte wieder aufstehen, die Frau in der Balkontür würde sicher nicht ewig warten.
„Dich kenn' ich“, sagte Dieter zu mir und begann übergangslos auf seine Alte zu schimpfen, sie hatte ihn richtig gekrallt, gleich nach der Hochzeit kam die tote Hose auf im Bett, „und Hängetitten hat die auch ruckartig gekriegt, mein lieber Mann!“
Das musste mein Nachbar sein, es gab regelmäßig lautstarken Beziehungskrach aus der Nachbarwohnung.
Seltsam, dass ich noch nie jemanden aus dem Haus kennengelernt hatte, mit Ausnahme Patricias, sie wohnte auch irgendwo im Haus, ich hatte ihren Nachnamen aber schon wieder vergessen.
Die Biere kamen.
Na gut, eins noch. Wir tranken, und Dieter zog einige Fotos hervor. „Ist doch gar nicht so schlecht“, meinte Kurt nach fachmännisch-chauvinistischem Blick.
„Nee, das war vorher, aber guck' mal, wie die jetzt aussieht, nur drei Monate später!“
„Komm, steck's weg“, sagte Patricia, „was würde Sabine wohl dazu sagen, wenn sie wüsste, dass du Nacktbilder von ihr in der Kneipe rumzeigst.“
„Is mir doch egal. 'kann sich doch in Form halten, die Alte, oder?“
„Gegen Hängetitten kannste nix machen“, sagte Kurt mit fachmännisch-markantem Gesichtsausdruck, „das kommt oder es kommt nicht.“
„Hahaha“, sagte Patricia, „man kann Gymnastik machen, das hilft, mach' ich auch! – Und dann gibt's da noch 'ne andere Möglichkeit.“
„Welche denn?“, fragte Kurt, doch Patricia lächelte geheimnisvoll. Wir erwarteten natürlich, dass Patricia sich wenigstens andeutungsweise in Positur stellen würde, aber sie behielt nur ihr Lächeln bei.
„Und was hältst du davon?“ Dieter schob mir die Bilder hin.
„Muss das sein?“ Die Frau auf den Fotos hatte verzweifelt die Schultern zurückgenommen und die Arme gehoben. Sinnlos! So sah Sybille auch aus, nachdem sie was mit einem Schlauchbootvertreter gehabt und ich daraufhin ausgezogen war.
Egal, aus und vorbei, dieser Abschnitt meines Lebens, verbucht unter dem Kapitel 'Lebenserfahrung'.
„Hat sie auch mal was mit'n Schlauchbootvertreter gehabt?“, fragte ich etwas gedankenlos und wollte noch: 'wie meine Ex' nachsetzen, aber da sprang er schon auf, dass der Stuhl unter ihm wegflog, packte mich vorn am Hemd, zwei Knöpfe flogen ab, und er keuchte mir seine Bierfahne ins Gesicht: „Woher weißt du das???“
„Oh, Mann, lass hängen! Interessiert mich doch gar nicht, dein Problem.“
Was für ein Arsch!
Es gibt kaum etwas Dümmeres als eine öffentliche, männliche Eifersuchtsszene.
„Du bist doch arbeitslos! Den ganzen Tag zuhause! Deine Alte ist dir auch weg! – Treibst es wohl auch mit ihr, wenn ich arbeite, was? Ich mach' dich platt – duuuu!“
„Reg' dich ab Mann!“, sagte ich, „ich hab' deine Frau noch nie gesehen!“
„Du wohnst nebenan, das kannst du deiner Oma erzählen!“
„Heyheyhey“, ging Uschi dazwischen, „wenn ihr euch kloppen wollt, dann macht das draußen!“
„Ich schlag' mich nicht wegen einer Frau“, sagte ich, „lohnt sich nicht!“
„Stimmt“, sagte Kurt.
Patricia schaute ihn mit einer Mischung aus Entsetzen und Feminismus an.
„Kommt auf die Frau an!“ Ich schaute Patricia auf die Brüste, sie verstand und fuhr die Schultern zurück.
„Okay okay“, Dieter ließ mein Hemd los, „trinken wir lieber noch einen.“
„Geht klar“, sagte Uschi und Kurt stand auf, eine neue Platte drücken. 'Calling out around the word, there'll be dancing in the streets’, dröhnte die Box daraufhin.
„Haben wir in Vietnam immer gehört“, legte ich einen vor um das Thema zu wechseln, aber ich hätte den dummen Spruch gleich wieder zurücknehmen mögen.
„Du warst in Vietnam?“, fragte Patricia und das 'lass den Jungs mal ihren Spaß'- Lächeln erschien wieder.
„Du warst doch nie in Vietnam!“ sagte Dieter.
„Brauchst ja nicht zu glauben“, knurrte ich. Es war keine gute Idee, das jetzt zu erwähnen.
„Wo sonst kann man umsonst Hubschrauber fliegen lernen?“, fuhr ich fort, „ich bin fürs Rote Kreuz geflogen, aber der Vietcong hat keinen Unterschied gemacht, zwischen 'nem Huey mit einem roten Kreuz drauf und einem Sikorsky der Green Baretts.“
Ich drehte mir eine Zigarette und begann von dem 'Bullshit Band' zu erzählen: „Wisst ihr, im militärischen Radiofrequenzbereich gab es damals am oberen Ende des Frequenzbandes einen Kanal, der nur im Notfall angewählt werden sollte. In Wahrheit benutzte ihn jeder, der ein Funkgerät hatte – und jeder Trupp hatte mindestens eins – als private Quasselstrippe. Einige von den Jungens wurden von zuhause regelmäßig mit Schallplatten versorgt, und die haben dann die Funke an den Plattenspieler gehängt.“
Das Bier kam, ich trank einen mächtigen Schluck, wischte den Schaum vom Bart und fuhr fort: „Tja, der coole Albert aus Detroit eröffnete seine Sendung immer mit 'dancing in the streets'. Wir, weiter vorne und dicht am Feind in den Bunkern, pflegten dann das Bullshit Band rein zudrehen, die Joints reinzuziehen, C-Rationen zu fressen und uns dreckige Witze zu erzählen, aus purer Angst, dass der Vietcong reinkommt in den Bunker – aber mit einem bisschen Hasch in der Blutbahn sowie Diana Ross und den Supremes im Ohr ist der Tod besser zu ertragen. – Kennt ihr das Gefühl, wenn der Kumpel, mit dem du am Tag zuvor noch deinen letzten Joint geraucht hast, plötzlich nicht mehr da ist? Das ist dann die Zeit, wo du die ganz großen Fragen stellst, oder dich nur fragst, was, zum Teufel, du jetzt, hier und in diesem Leben überhaupt machst; - warum um alles so ist, wie es ist, und wo der übergeordnete Sinn dessen liegt, was sich auf dieser Daseinsebene überhaupt abspielt.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, Bedeutendes gesagt zu haben, trotz des Schunds, den ich in der letzten Zeit geschrieben, aber etwas Geld verdient hatte. Patricia nickte und stellte die Frage nach dem Daseinssinn.
Dieter sackte langsam ab und schleppte sich nach Hause, Kurt machte dicke Augen, ich erzählte weiter, erklärte den Unterschied zwischen herausgehendem und hereinkommendem Feuer und beschrieb Ratten und Schlamm, die in die Bunker krochen, verglich sie mit den Einflüssen, die den bewussten Menschen zu hindern suchen, sich Gedanken über den Sinn des Lebens zu machen. Kurt wurde sentimental und drückte: 'Yesterday, all my troubles seemed so far away’ …
Der neue Tag war knappe zwei Stunden alt, als ich mein letztes, von Kurt spendiertes Bier aus hatte, aufstand und die Jukebox den Beat Mick Jaggers ausspie: 'Baby, better come back, maybe next week; can 't you see – I'm 'all – a losing sleep; I can get no! Satisfaction! Oh no, no, no!'
Die Frau in der Balkontür war natürlich nicht mehr da, als ich zuhause ankam. Ich setzte mich noch an den Computer bis der Krach in der Nachbarwohnung wieder losging.

Irgendwann am nächsten Abend, nachdem ich mich wieder mal erfolglos beworben, aber erfolgreich betrunken hatte, einigermaßen ausgenüchtert, zog ich die Schublade mit den Träumen darin wieder auf.
Klar, im kaufmännischen Bereich hätte es den einen oder anderen Job für mich gegeben, und der Vermittler auf dem Arbeitsamt hatte mir sogar vorgeschlagen, mich kaufmännisch weiterzubilden, aber das war alles nicht das, was ich mir als mein weiteres Leben vorstellte – zudem kam ich mit meinem Roman, an dem ich ernsthaft arbeitete, auch nicht weiter.
Ganz unten und noch mit der Schreibmaschine geschrieben, lag ein angefangener Roman. Doch zuerst fiel mir meine Pistole in die Hände, die Steyr, Modell M40-A1, und ich setzte sie an meine Schläfe. Was sollte es denn noch?
Aber abdrücken konnte ich nicht.
So saß ich erst mal da, wie lange ich die Pistole an meine Schläfe gehalten hatte, weiß ich nicht, aber ich legte sie wieder zurück.
Wäre ja noch schöner, mich unterkriegen zu lassen!
Mein Roman handelte von der Geschichte einer Prostituierten – auf Sybille adaptiert – die das Schlimmste getan hatte, was eine Dirne tun kann. Seit dem findet sie keine Ruhe, bis ja, bis was eigentlich?
Es fehlte noch eine brillante Idee …
Mit einer Hand die aufgewärmte Fertiggulaschsuppe aus dem Sonderangebot des nahen Supermarktes löffelnd, las ich in dem alten Manuskript. Damals wollte ich eigentlich nur einen weiblichen 'fliegenden Holländer' oder eine 'Wiedergängerin' schaffen. Ich hatte einfach angefangen zu schreiben und die Heldin nach Sybille, meiner damaligen Frau geformt, damals, als ich noch glaubte, in sie verliebt zu sein, als sie noch keine Hängebrüste gehabt hatte, als sie noch nicht mit einem anderen im Bett gewesen war … des Dichters profane Rache, aber es blieb beim ersten Kapitel.
Ich sollte eigentlich mal wieder ins Theater gehen; - warum war es um Harold Pinter eigentlich so still geworden?
Am Ende dieses ersten Kapitels stand die Prostituierte im Mondlicht auf dem Balkon wie damals beim Kollegen William Shakespeare die Julia in Erwartung ihres Romeos. 'Das Ding ist eigentlich nicht schlecht‘, dachte ich, als ich den Teller abwusch und die leere Suppendose in den Mülleimer warf, 'ich sollte es eigentlich in den Computer tippeln, überarbeiten und weitermachen.'
Der gefräßige Bottich verschlang die Dose, aber der Deckel ging nicht mehr zu. Zeit den Müllschlucker aufzusuchen. Irgendwas fehlte noch an dem Roman, etwas magisches, mystisches – ich hatte mir doch neulich das 'Buch der Flüche' gekauft, vielleicht stand da was Verwertbares drin! Na, gut. Ich ging mit dem Eimer nach draußen, dabei glitt mein Blick wie von selber zu dem Haus gegenüber, und ich zählte die Balkone ab. Achtes Stockwerk ganz links, das Fenster dahinter war dunkel.
Ich fütterte den Müllschlucker, ging zurück in meine Wohnung, legte mich aufs Bett um noch ein wenig nachzudenken und schaltete den Fernseher an. Ein gewöhnlicher Arbeitnehmerfeierabend, wie damals, als ich noch ordentlich zur Arbeit ging, nahm mich zu sich, ich schlief irgendwann ein und erwachte von dem Gelächter eines unsichtbaren Publikums während einer Midnightcomedy. Gelegentlich sollte ich mal eine Mimik erfinden, die den Fernseher abschaltete, wenn ich eingeschlafen war.
Langsam fand ich wieder zu mir, quälte mich vom Bett und in die Küche, einen schönen, starken Kaffee zubereiten.
Bisher hatte ich es immer durchgehalten, täglich einige Stunden zu schreiben, und ich ärgerte mich, heute eingeschlafen zu sein. Seit der Lesung bei Uschi hing ich nur noch herum und träumte von den wundervollen Gedichten der Lyrikerin, die gelesen hatte, von der Liebe bis zum Tod.
Verdammt, recherchieren wollte ich noch, recherchieren im Buch der Flüche!
Während die Kaffeemaschine unmelodisch vor sich hin gurgelte und der Sprecher im Küchenradio den Hörern Mut zusprach, die in dieser, der ersten Stunde des Tages, noch dazu in solch einer schönen, lauen Sommernacht, irgendwo ihre Nachtschicht abzureißen hatten, lehnte ich, in dem Buch der Flüche blätternd, an der Spüle.
Hatte sich was mit lauer Sommernacht, schwül war es, schweißtreibend. Irgendwo hing ein Gewitter wie drohendes Unheil in der Luft. Im Buch der Flüche war von einem 'Dirnenfluch' die Rede – interessant, was es alles gibt, wenn man dran glaubt!
Ich legte das Buch weg und sah auf das Haus gegenüber. Das linke Fenster des achten Stockwerkes war erleuchtet, leicht rötlich, und die Frau stand wieder in der Balkontür. Der laue Nachtwind zupfte wie streichelnd an ihrem halbdurchsichtigen Gewand. Die Frau hatte ihren Arm zu einem winkenden Gruß erhoben, sie grüßte in meine Richtung.
'Verdammt', dachte ich, 'das ist der Traum eines jeden Mannes! Eine schöne Frau winkt dir zu‘!
Mit einem Faucher tat die Kaffeemaschine kund, dass sie das Wasser durch hatte. Ich nahm den Blick von der Frau gegenüber, die Kanne aus der Kaffeemaschine und einen Becher von der Spüle. Mit einer schnellen Bewegung goss ich den Becher voll, hob ihn hoch und prostete der Frau gegenüber zu. Die Frau drüben hatte plötzlich eine Flasche in der Hand, eine Sektflasche, und hob sie in meine Richtung. Kein Zweifel, sie meinte mich. Ich stellte meinen Kaffeebecher ab, steckte Tabak und Hausschlüssel ein, verließ die Wohnung, rannte die Treppen herunter und über die Straße. Drüben, an dem Haus gegenüber summte der Türöffner schon als ich ankam, und ein Fahrstuhl war auch schon da. Ich fuhr in die Höhe, und da stand sie als Silhouette in der Wohnungstür, mit einer Champagnerflasche in der Hand, in zartem Negligé, von rötlichem Licht übergossen.
Schweiß brach mir aus den Poren.
Lag es an der Erwartung oder an der Schwüle der Sommernacht?
„Hallo“, sagte die Frau im Negligé mit leiser, sonorer Stimme, „schön, dass du endlich gekommen bist.“
Ich sagte nichts, stand nur da und wartete, dass alles seifenblasenmäßig zerplatzen würde, wie es sich für einen ordentlichen Traum dieser Art gehört.
„Komm' doch herein.“ Ihre Stimme klang wie Samt.
Es war Sybille, die da im rötlichen Licht ihres Flurs vor mir stand, mit schwarzer Perücke und hautfarbenem Büstenhalter unter ihrem Negligé!
Ich folgte ihr in ein Appartement, angefüllt mit der Musik Vivaldis, dem Duft von Ylang-Ylang und einem großen runden Bett. Das war es also!
„Es ist nicht so, wie du jetzt denkst“, sagte sie. Mit einem kurzen Knall löste sich der Korken aus der Flasche, „vielleicht sollten wir uns wieder vertragen.“
„Ach du jeh.“
„Auch nicht, wenn ich dir alles erzähle, ich meine, wie es wirklich war?“
„Da bin ich aber gespannt“, sagte ich.
Sybille goss langsam zwei Gläser voll.
„Ich kann nicht mehr weiter“, sagte sie, „nichts geht mehr. Es passiert nichts, es kommt niemand, es ist, als läge ich in einer geschlossenen Schublade. Abends stehe ich wie gelähmt auf dem Balkon und finde keine Ruhe.“ Sie gab mir ein Glas Champagner, „seit dieser dummen Sache damals, bin ich in dieses 'Gewerbe' hineingerutscht …“
„Du meinst die Nummer mit dem Schlauchbootvertreter?“
„Woher weißt du das?“, ihre Augen weiteten sich.
„Ich ahne Zusammenhänge. – Fandest du das gut, damals?“
„Naja, 'hätte ich man doch nicht tun sollen.“
„Allerdings!“
„Du hast doch immer nur an deiner blöden Schreibmaschine gesessen, wenn du zuhause warst, du begnadeter Schriftsteller, du!“
„Vernahm ich da einen leicht hämischen Unterton? Jedoch, du gabst mir ein Stichwort! Ob ich begnadet bin oder nicht, wird sich herausstellen. Ich glaube kaum, dass diese Vorgehensweise der rechte Weg ist, sich wieder mit mir zu vertragen. Aber mach' ruhig weiter mit deiner Geschichte, ich ahne, wie gesagt, Zusammenhänge! – Du bist dann also hin und wieder zu deiner Freundin gegangen und hast ihr 'ausgeholfen', oder was?“
„Naja, aber nicht lange. Weißt du, die hat dann doch noch einen gefunden, der sie geheiratet hat.“
„… und hat dann gar munter weitergemacht.“
„Ja – Nein – nur ein oder zweimal – weißt du, ihr Kerl ist irgendwie misstrauisch geworden.“
„Ach? Die wohnen nicht zufällig neben meiner jetzigen Wohnung?“
„Zufällig ja.“
„Und dann?“, unterbrach ich und trank einen Schluck in Erwartung, dass sich diese hämische Geschichte aus der Vergangenheit wie mit glühenden Nadeln in mein Bewusstsein bohren würde.
Nichts dergleichen.
„Naja, am Anfang ging es ja noch ganz gut, aber dann …“
„Ach, trotz deiner Hängetitten?“
„Die hatte ich damals ja noch nicht! Ich weiß auch nicht, wie das so schnell gekommen ist.“
„Aber ich!“
„Klar doch! Du bist überhaupt der Größte! Du weißt mehr, als die Ärzte, die ich deswegen aufgesucht habe!“
„Na, da lugt doch ein Hauch von Sarkasmus hervor! – Aber erzähl ruhig weiter, ich lausche andächtig!“
„Naja, ich habe einen Mann ruiniert. Er hat sich in mich verknallt, sich scheiden lassen, total überschuldet und wollte mich unbedingt retten.“
„Und du hast ihn hingehalten, solange er noch was hatte und ihn dann weggeworfen und ausgelacht.“
Sybille hob die Schultern und ließ sie wieder fallen, „was sollte ich denn machen? Ich brauchte das Geld doch. Und außerdem, wenn der so blöd ist …“
„Das schlimmste, was eine Frau – und nicht nur deines Gewerbes – tun kann“, sagte ich langsam, „ist, wenn sie nicht verhindert, dass sich ein Mann in sie verliebt, und sogar seine Ehe kaputt macht. – Du bist dem 'Dirnenfluch' anheimgefallen. Der besagt, dass du Hängebrüste kriegst, also für einen aufrechten Mann unattraktiv wirst, sozusagen als Strafe.“
„Quatsch“, sagte Sybille, „du glaubst doch nicht, dass ich daran glaube.“
„Es gibt zwei Möglichkeiten. Erstens: Du müsstest einen Mann finden, der noch nie bei einer Prostituierten war und mit dem koitieren. – 'wird allerdings schwer sein, so einen zu finden“, sagte ich und trank das Glas leer.
Die Gewitterluft stand im Raum wie festgerammt, nicht nur die bereitete mir körperliches Unwohlsein.
„Ah, ja. Das leuchtet ein“, murmelte Sybille, „woher weißt du das?“
„Steht im Buch der Flüche. Hab' ich mir neulich gekauft.“
„Ach so. Ich glaub' da zwar nicht dran, aber versuchen können wir's ja mal. Du hast mir mal gesagt, dass du noch nie – oder hast du mich da angelogen? Oder kannst du etwa wieder nicht, wie damals, als wir es im Fahrstuhl tun wollten?“
Sybille ließ ihr Negligé fallen. Mit Sicherheit war sie inzwischen total pleite, und versuchte sich wieder bei mir einzuklinken. Es war keine Grazie, keine Anmut in ihren Bewegungen, sie löste ihren BH, und die Hängebrüste fielen heraus wie die Hüllen eines Schlauchbootes – allerdings nachdem jemand die Luft abgelassen hatte.
„Oh Gott“, stöhnte ich, nahm ihre Brüste in die Hände und ließ sie wieder fallen, sie klatschten an ihren Körper. Sie setzte sich auf das Bett und ließ sich zurückfallen, ihre Brüste rollten zu den Seiten. Diese Frau hatte ich einst geliebt, bis sie mich ausgenutzt und betrogen hatte!
Sie kam wieder hoch, mit schaukelnden, wabbelnden Brüsten, kniete sich vor mir nieder und begann meine Hose zu öffnen.
„Lass' das!“, knurrte ich.
„Warum? Du hast es früher doch immer gern gemocht! Du warst ganz geil darauf! – Oder hast du das auch gelogen? Du Scheißkerl! Kannst du etwa wieder nicht?“
„Ich lüge nie, ich habe aber trotzdem einen miesen Charakter. Außerdem ist es mir zu schwül heute, da liegt ein Gewitter in der Luft! Danke für den Champagner.“
„Und was ist die zweite Möglichkeit?“, fragte Sybille.
„Das wirst du sehen!“ Ich griff mir die Flasche, ging nach Hause und suchte mir nochmal den Dirnenfluch aus dem Buch der Flüche heraus:

Dieser Fluch kann aufgehoben werden, wenn ein begnadeter Schriftsteller sich der Dirne annimmt und ihre Geschichte aufschreibt.
Wie er sich den Schluss wünscht, so soll er ihn schreiben - und die Geschichte wird so enden.

Ich holte die Schreibmaschine aus dem Keller und das Romanfragment aus der Schublade, spannte das letzte Blatt ein, die Stelle, an der die Heldin meines Stückes auf dem Balkon steht, schaltete die Schreibmaschine an und schrieb:

Springt verzweifelt vom Balkon.

'Eine Kurzgeschichte ist auch ganz hübsch‘, dachte ich, 'ich glaube zwar nicht an die zweite Möglichkeit, aber wir werden sehen', schaltete die Maschine wieder aus und ging in die Küche, lauwarmen Kaffee trinken, ‚zur Not kann ich das Ding ja der Agentur schicken, vielleicht gibt’s da ‘n Bisschen Geld für.‘
Zwei Becher später, als der erste Blitz weit entfernt aus dem nachtschwarzen Himmel zu Boden fuhr, hielt ein Notarztwagen mit funkelndem Blaulicht unter der linken Balkonreihe des Hauses gegenüber. Selbst ich brauchte eine Weile, bis ich das Buch der Flüche in die Hand nehmen konnte.
Sollte da doch was dran sein?
Einige Blitze und Donner später, und lange nachdem man einen leblosen Frauenkörper weggebracht, sich die neugierig schauenden Menschen hinter ihre Fenster zurückgezogen und die Lichter gelöscht hatten, schickte ich mich an, das zu tun, was die Kollegen Bukowski und Hesse aus solch einer Situation heraus auch zu tun pflegten, ich machte mich auf, einen trinken zu gehen.


Version vom 30. 08. 2016 14:41

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Quetzalcoatl
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Hey! Schöne Geschichte, aber es gab etwas was mir persönlich irgendwie den Lesefluss genommen hat: Ich ahne, dass du den Charakter etwas primitiv darstellen willst. Genau wie sein Umfeld, etwas stereotypisches Präkariat, aber da kommt mir ehrlich gesagt zu oft das Wort "Hängetitte" vor.

Sollen die Charaktere eigentlich wirklich so unsympatisch rüberkommen? Wenn ja, dann hast du das echt gut hingekriegt!
Ein bißchen Abwechslung würde der Geschichte aber gut tun.
Wenn die Kerle die frauen auf den Körper reduzieren, da kann man ja auch mal "Cellulite", "Schwabbelbauch" oder dergleichen benutzen.

An einer Stelle musste ich schmunzeln, wie schaut man den "Feministisch"?

Alles in allem eine gute Geschichte in einem Umfeld das ich tunlichst meiden würde. Ich muss gestehen das es mir nicht leicht fiel bis zum Schluss zu lesen, da mir die ganze Welt, mit ihren Charakteren, sehr unsympatisch war.

Oh! Und eine Kleinigkeit noch, ich finde du solltest den Anfang etwas verändern, da sind so viele Kommas... Ich finde auch hier war es schwer in die Geschichte reinzukommen. Einfachere Sätze würden dem Anfang glaube ich sehr gut tun!
Sie waren zwar irgendwie korrekt, aber wenn man jeden Satz zweimal lesen muss um ihn zu fassen... naja Du weisst bestimmt was ich meine.

Eine solide Geschichte, aber definitiv noch ausbaufähig!

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Dumm ist wer dummes tut, doch Mobbing verläuft demokratisch.

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Hagen
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Hallo Quetzalcoatl,

Dicken Dank für die Beschäftigung mit meinem Text.
Aber das Ding mit den 'kurzen, knappen Sätzen ist so eine Sache!
Ich möchte mal mit dem antworten, was Mephistopheles, aus Goethe Faust dereinst sprach:

"Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, das es zu Grunde geht!
Drum besser wär's, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung,
kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element."

Drum: Eine kleine Prise William Somerset Maugham, etwas von Siegfried Lenz, ein Hauch von Thomas Mann, mit seinen langen Sätzen, die sich wie ein 'Fackelzug' ab und zu durch den Text ziehen, und nicht aneinandergereihte Sätze, nur durch ein Komma verbunden.
(Von dem irischen Schriftsteller James Joyce mit seinem völlig überschätzen 'Ulysses' wollen wir gar nicht reden.)
Ob ich damit richtig liege, wird sich zeigen, denn irgendwann muss ich mich von meinen Vorbildern und dem Mist, den ich in der Schule (Goethe, Faust)und bei Seminaren über Literatur lernen musste, lösen.
Wenn nicht, habe ich es wenigstens versucht, es tut mir leid , ich kann nicht anders, obwohl diese Art der Schreibe inzwischen etwas aus der Mode gekommen ist.
Ich denke, Du verstehst!

Ist der Protagonist wirklich primitiv, oder tut er nur so, um sich dem Umfeld, in dem er lebt, anzupassen?

"Bescheid‘ne Wahrheit sprech' ich dir.
Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,
Gewöhnlich für ein Ganzes hält –
Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,
ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
das stolze Licht,
das nun der Mutter Nacht den alten Rang,
den Raum ihr streitig macht.
Und doch gelingt's ihm nicht,
da es, so viel es strebt,
verhaftet an dem Körper klebt!
Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön,
ein Körper hemmt's auf seinem Gange!
So, hoff ich, dauert es nicht lange,
und mit den Körpern wird's zu Grunde gehn.

Mephistopheles, aus Goethe Faust"

So, jetzt habe ich Dich genug vollgeblubbert, aber da Du auch aus Bremen, Deutschlands heimlicher Hauptstatt kommst, werden wir uns möglicherweise über Kurz oder Lang über den Weg laufen.

Also denn,
immer schön fröhlich bleiben,
wir lesen uns!
Herzlichst

yours Hagen


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Je dringender man ein Detail für eine gute Geschichte braucht,
desto schwieriger ist es zu recherchieren; -
es sei denn, man hat die Geschichte selbst erlebt.

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