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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Frau mit Nietzsche
Eingestellt am 27. 02. 2016 12:47


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KaramasowMC
Hobbydichter
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Valentinstag, K├Âln Hauptbahnhof. Ich ging zum Raucherbereich am Ende des Bahnstegs. Ein h├╝bsches M├Ądchen, welches sich gerade eine Zigarette drehte, guckte mich an. Mir kam es so vor, als schaute sie f├╝r einen kurzen Moment l├Ąnger, als man es bei einer kleinen, oberfl├Ąchlichen Musterung tun w├╝rde. Es konnte aber auch nur Einbildung gewesen sein. Ich blieb ein paar Meter von ihr entfernt stehen um mir eine zu drehen und schaute nochmal kurz r├╝ber. Sie sah wirklich sehr gut aus. Da sie einen Zopf hatte, konnte ich nicht erkennen, ob ihre Haare lang oder kurz waren. Sie trug Chucks, hatte eine Art Decke unter ihren grauen Anorak gewickelt und einen Lederranzen neben sich stehen (sie sah aber nicht irgendwie hipster-m├Ą├čig aus). Insgesamt war mir ihr Look sehr sympathisch. Au├čerdem k├Ânnen Frauen, die selbst drehen, kaum unsympathisch sein. Ich bemerkte eine Uni-Bonn-Tasche neben ihr und freute mich, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch nach Bonn musste.
Es kam die Durchsage, dass unser Zug einfuhr. Ich ging zum Aschenbecher um meine Zigarette auszumachen. Dort angekommen sah ich, dass auch sie ihre Zigarette ausdr├╝ckte und hineinwarf. Sie stand dabei an der anderen Seite des Aschenbechers. Ich konnte nur ihre Hand sehen, da ein am Aschenbecher montiertes Schild die Sicht auf ihren Kopf verbarg. Ich verlangsamte meinen Schritt um nach ihr einsteigen und mich in ihre N├Ąhe setzen zu k├Ânnen. Dabei war ich noch ganz ohne Absicht, ich wollte nur in ihrer N├Ąhe sitzen.
Gl├╝cklicherweise ergab es sich so, dass ich mich genau neben sie setzen konnte. Ihr Aussehen und Gebaren machten auf mich schon jetzt den Eindruck, dass sie irgendeiner Art von kreativer, intellektueller oder was-auch-immer-T├Ątigkeit nachging. Ich dachte, dass es ihrer Meinung ├╝ber mich (auch wenn sie dahingehend noch keine hatte) nicht schaden k├Ânne, wenn ich ein Buch herauskramen w├╝rde. Ich hatte dieses Buch noch gar nicht angefangen zu lesen und es mehr als Notlekt├╝re dabei. Als ich es aufschlug bemerkte ich, dass ich gar keine Lust auf Lesen hatte und mich mit der Frau neben mir auch sicherlich nicht w├╝rde konzentrieren k├Ânnen. Ich konnte das Buch aber nicht sofort wieder weglegen, das w├╝rde sicherlich keinen imposanten Eindruck hinterlassen. Ich zwang mich also zum Lesen und irgendwie klappte es sogar. Ich konnte mich konzentrieren. Auch sie kramte ein Buch raus. Ich versuchte einen Blick auf den Titel zu erhaschen, doch es ging zu schnell. ÔÇ×SchadeÔÇť, dachte ich mir, ich h├Ątte gerne gewusst, was sie las. Ich versp├╝rte den Drang ein oder zwei S├Ątze aus ihrem Buch zu lesen um einen Eindruck von diesem zu bekommen. Sie sa├č ja direkt neben mir. Es war jedoch viel zu auff├Ąllig. Ich gab dem Verlangen f├╝r einen kurzen Augenblick nach und was sah ich da... auf der rechten Buchseite stand ganz oben links in der Ecke das Wort ÔÇ×NietzscheÔÇť geschrieben. ÔÇ×Geiler Schei├č, die liest was schlauesÔÇť, dachte ich mir.
Ich hatte ein paar Seiten gelesen, wir hielten gerade in Br├╝hl, da packte ich mein Buch weg und dachte ├╝ber die holde Frau neben mir nach. Sie sah so s├╝├č aus, ihr Stil gefiel mir, sie drehte selbst und las ein Buch, wo das Wort Nietzsche vorkam. Mir fing das Herz an zu pochen, da mir klar wurde, dass ich sie ansprechen musste. Doch leider sa├čen sehr viele Leute um uns herum. H├Ątte ich nicht aufgrund ihrer Tasche vermutet, dass sie auch in Bonn raus musste... ich h├Ątte mich wahrscheinlich ├╝berwunden und sie angesprochen. Genau genommen musste ich in Bonn Bad Godesberg raus, doch ich w├╝rde am Hauptbahnhof aussteigen um sie dann drau├čen anzusprechen. Mir kam noch kurz Idee, ihr ein Zettelchen mit Nummer und Namen zu geben, sobald sie aussteigen w├╝rde. Doch ich verwarf die Idee und nahm mir vor, mit ihr auszusteigen und sie drau├čen zu fragen, ob Sie mal einen Kaffee mit mir trinken wollen w├╝rde. Ich war ziemlich nerv├Âs und sp├╝rte mein Herz noch immer kr├Ąftig schlagen.
Als die Durchsage kam, dass wir gleich Bonn Hauptbahnhof erreichen w├╝rden, zog ich meine Jacke an und ging Richtung T├╝r. Sie war genau hinter mir. Komischerweise war ich kurz vor dem Aussteigen kaum noch nerv├Âs. Ich dachte nur daran, dass es gleich soweit sei und ├╝berlegte was ich sagen w├╝rde.
Ziemlich direkt nach dem Aussteigen drehte ich mich zu ihr um. ÔÇ×Ich hab gerade gesehen, dass du was liest... und da stand ÔÇ×NietzscheÔÇť.ÔÇť
Sie lachte ÔÇ×Ja, das stimmt.ÔÇť
ÔÇ×Und ich find dich auch ziemlich h├╝bsch... w├╝rdest du mal einen Kaffee mit mir trinken?ÔÇť
Sie antwortete nicht sofort, grinste recht zerknirscht und sagte, dass sie einen Freund habe. Dann f├╝gte sie noch ein ÔÇ×Du warst mir aber auch sehr sympathischÔÇť hinzu.
ÔÇ×Verkackte ScheisseÔÇť, dachte ich mir. Ich wusste, dass die Sache gelaufen war, doch wollte das gerade ├╝berhaupt nicht wahrhaben. Klar war die Frage doof, doch ich brachte noch ein ÔÇ×Also nicht?ÔÇť heraus.
Sie schaute mich wieder zerknirscht an und sagte nichts.
ÔÇ×SchadeÔÇť sagte ich mit einem kleinen Seufzer. Ich bemerkte, dass der Zug noch stand und ging schnell hinein... ich musste ja eine weiter, nach Bad Godesberg.
Im Zug war ich zun├Ąchst bitter entt├Ąuscht. Ich sa├č alleine und sagte zweimal leise ÔÇ×ScheisseÔÇť vor mir her. Ich wusste, h├Ątte sie keinen Freund gehabt... wir h├Ątten uns getroffen und sicherlich sehr gut verstanden. Als ich in Bad Godesberg ausstieg sp├╝rte ich noch immer eine Mischung aus Entt├Ąuschung und leichtem ├ärger. Doch schon auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause freute ich mich, dass ich mich ├╝berwunden und sie angesprochen hatte. In einer ├Ąhnlichen Situation, die gar nicht so weit zur├╝cklag, hatte ich mich nicht getraut.

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DocSchneider
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