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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Die Frau mit dem Cello
Eingestellt am 17. 11. 2015 05:41


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Wipfel
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Die Frau mit dem Cello

oder: Wie manchmal eine erotische Geschichte entsteht

Wir brauchen etwas Erotisches in diesem Text. Irgendetwas. Lass eine junge Frau in einem Liegestuhl longieren. Splitternackt auf dem Dach eines Hauses. Ja, das kommt gut. Jetzt steht sie auf, man könnte meinen, sie hätte die Figur eines Cellos, so sanft und ausladend laufen ihre Kurven. Und etwas Schweiß rinnt ihr den Rücken herunter. Diese unerträgliche Hitze. Da kommt vom Nachbardach der rettende und doch erschreckende Wasserstrahl…

Das reicht. Der Rest ist egal. Allen Müll der Welt kannst du nun in der Geschichte abladen, daraus sogar eine Fortsetzungsreihe machen. Du kannst zum Beispiel dein Fachwissen über Klaus Kinski ausbreiten, vielleicht ist er ja auch der Mann vom Dach gegenüber. Oder du könntest an Hand der Dachkonstruktion berechnen, ob das Haus dem baldigen Erdbeben standhalten würde. Hauptsache dein Gebrabbel füllt die Zeit bis zur nächsten erotischen Szene. Auf die musst du vorsorglich hinweisen, musst die Suppe am Köcheln halten.

Für eine Kurzgeschichte braucht es nicht viel Akteure, zwei oder drei. Alter und Geschlecht sind egal. Sind junge Protagonisten für eine erotische Geschichte von Vorteil? Dazu muss man sich anschauen, wie Erotik funktioniert. Für mich bedeutet Erotik Verhüllung. Nackte Schaufensterpuppen sind nackt, nichts weiter. Lässt du aber ein Tuch über sie fallen, ein rotes, seidenes – beginnen sie zu leben.





Funktioniert. Unabhängig vom Alter. Ob eine Lachfalte einer betagten Frau fasziniert oder die kleinen Härchen auf einem Handrücken – entscheidend ist wie du es erzählst. Du musst es schaffen das Kopfkino im Leser einzuschalten.
Jetzt wäre der Zeitpunkt für den nächsten Schub: Denn die Cello-Frau kreischt kurz auf, greift erschrocken zum Handtuch und lässt es etwas später wieder fallen. Auf dem Nachbardach hat sie einen Mann ausgemacht. Einen Mann. Einen, der lachend mit dem Schlauch von oben sein Auto wäscht. Oder das seiner Mutter? Die steht jedenfalls unten vor einem Cabrio und gibt Handzeichen, welche eingeseifte Stelle nach ihrer Meinung nun abzuspritzen sei.
„Nun mach doch, Michael!“
Die junge Frau denkt, schöner Name. Michael. Klingt selbstbestimmt. Oder nicht? Sie wird es herausfinden, wirft das Handtuch über ihre Schulter und ruft: „Micha, lass uns Duschen gehen!“

Jetzt hast du deine Leser! Sie wollen wissen, wie Michael reagieren wird. Ist es der Klaus Kinski-Type, wird er antworten: „Vergiss es, du kommst zu mir oder es läuft gar nichts. Siehst du nicht, dass die Kunst nicht zur Muse kommen kann?“
Die Mutter fährt den Wagen in die Garage und verdrückt sich in die Kellerräume, aus denen sie zu gegebener Zeit mit einem Vorschlaghammer emporsteigen wird. Nein, nimm nicht den Vorschlaghammer, der ist von Stephen King besetzt. Lass es ein Stromkabel sein. Eine Rohrzange?

Oder aber, du lässt Michael - verschwitzt wie er ist und außer Atem - an ihrer Tür klingeln. Er hat es nicht eher geschafft, musste Mutter erst noch zur Apotheke fahren. Cellomusik klingt durch das offene Fenster. Er klingelt noch mal. In einem rotem Sommerkleid wird sie in der Tür erscheinen – und verständnislos fragen:
„Ist eure Dusche kaputt?“
Michael wird stammeln: „Na ich dachte, wir könnten doch… Du hast doch selbst gesagt….“
„Falsch gedacht“, lacht sie merkwürdig bitter, wirft die Tür krachend vor seiner Nase zu.

An dieser Stelle kannst du die Geschichte weiterspinnen, komponieren, erzählen. Du kannst Michael zum Beispiel in einen Zug setzen, gegenüber sitzt sie. Keine Ahnung, wie das passieren konnte, die Geschichte schreibst schließlich du. Und die ganze Fahrt kein Sterbenswort. Nichts. Doch. Ihre Blicke kreuzen sich in der Fensterscheibe. Er sieht, dass sie ihn anschaut, nicht direkt – aber immerhin durch diese Scheibe. Irgendwann streift sie ihre Haare hinter das eine Ohr und sucht wieder den Blick. Jetzt direkt. Die ganze Zugfahrt schauen sie sich nur an. Nichts weiter. Ob daraus etwas wird? Keine Ahnung, das entscheidest du. Vielleicht rollt der Zug gerade in den Bahnhof von Kempten ein? Sie greift nach ihrem Cello und seiner Hand. „Komm!“


Version vom 17. 11. 2015 05:41

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fnsuf
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MuĂźe oder doch Muse?

quote:
Siehst du nicht, dass die Kunst nicht zur MuĂźe kommen kann?

MuĂźe oder doch eher Muse?
Wen davon will Kinski zu sich kommen lassen, statt umgekehrt?

Inhaltlich passt die Muse besser...

-is

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