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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Frau ohne Rhythmus
Eingestellt am 28. 01. 2006 14:07


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Raniero
Textablader
One-Hit-Wonder-Autor

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Die Frau ohne Rhythmus


Gemeinsam nahmen sie Unterricht, seit einiger Zeit schon, und besuchten den gleichen Kurs an einer Musikschule, die beiden Damen im reiferen Alter, Hausnachbarinnen und Freundinnen zugleich.
Das Instrument, das es zu erlernen galt, war ein sogenanntes Keyboard, von der Anlage her ein Tasteninstrument nicht unÀhnlich demjenigen, welches zu Mozarts Zeiten unter dem Namen Spinett fungierte und spÀter dann vom Klavier, auch Pianoforte genannt, bis in die heutige Zeit abgelöst wurde.
Ein wesentlicher Unterschied, der im stĂ€ndigen Fortschritt der technischen Revolutionen zu sehen ist, besteht jedoch besteht zwischen Spinett und Klavier auf der einen und einem Keyboard auf der anderen Seite. WĂ€hrend die beiden VorlĂ€ufer die Musik noch von Hand gemacht hergaben, kommt ein Keyboard ohne die Zufuhr von elektronischer EnergieunterstĂŒtzung nicht mehr aus.
DafĂŒr produziert das letztere Töne, die in der LautstĂ€rke beliebig zu variieren sind und die moderneren dieser Instrumente verfĂŒgen darĂŒber hinaus noch ĂŒber einen besonderen Zusatzeffekt; einen Rhythmusgeber, der dem AusĂŒbenden Takt und Rhythmus des beabsichtigten MusikstĂŒck vorgibt, einen Vorteil, den nicht wenige Tastenfreunde zu schĂ€tzen wissen.
Wohlgemerkt, die moderneren und fortschrittlicheren dieser Instrumente verfĂŒgen ĂŒber diesen Luxus, es gab auch in der FrĂŒhentwicklung noch Instrumente, die noch nicht damit ausgerĂŒstet waren.
Die beiden Damen zeigten sich fleißig und lernwillig, im Unterricht, an den schuleigenen Instrumenten wie auch daheim, nur mit dem Unterschied, dass die JĂŒngere der beiden das Erlernte mangels eigenem Keyboard am Klavier, die Ältere hingegen auf ihrem elektronischem Instrument umsetzte, welches jedoch als Ă€lteres Modell nicht mit einer RhythmusunterstĂŒtzung ausgerĂŒstet war.
Auf diese Weise waren beide MusikschĂŒlerinnen eingeschrĂ€nkt, die eine mehr, die andere weniger; die eine hatte Strom, aber keinen Takt, die andere verfĂŒgte weder ĂŒber Strom noch Takt.
Nichtsdestotrotz ĂŒbten die Damen mit Eifer, in ihren Wohnungen, und da das GebĂ€ude nicht den besten Schallschutz aufwies, hatten ihre Ehegatten wie auch die anderen Hausbewohner von Zeit zu Zeit das VergnĂŒgen, dasselbe MusikstĂŒck zeitgleich gespielt auf dem Klavier sowie auf einem elektronisch verstĂ€rkten Instrument zu genießen.


Es ging auf Weihnachten zu, und die jĂŒngere SchĂŒlerin wĂŒnschte sich zum Fest nichts sehnlicher als ein Keyboard.
UnterstĂŒtzung erhielt sie in bei diesem Wunsch von der Musiklehrerin, welche befand, dass auf Dauer das Üben auf dem Piano doch nicht der Weisheit letzter Schluss sei, wolle man nicht einen Lernverlust in Kauf nehmen.
RĂŒckhalt in dieser Frage bot ihr auch der eigene Ehemann; ein Mann, der zwar von Musik nicht viel verstand und nicht einmal Notenlesen konnte, der es aber begrĂŒĂŸte, dass seine bessere HĂ€lfte in die Tasten griff, damit diese spĂ€ter einmal eine vernĂŒnftige BeschĂ€ftigung habe, wie er glaubte, sobald sie beide das rentenfĂ€hige Alter erreicht hĂ€tten.
So wurde denn dem Wunsch Rechnung getragen und ein nagelneues Keyboard fĂŒr das Weihnachtsfest geordert.
Als die Ältere der Beiden erfuhr, welches Geschenk ihrer musikalischen Schwester ins Haus stand, wurde sie unverzĂŒglich bei ihrem Ehemann vorstellig.
„Mein lieber Arthur“, sĂ€uselte sie und umgarnte ihren Mann wie zu Zeiten, als dieser einst um sie freite, eine FĂ€higkeit, welche die meisten Ehefrauen bis ins hohe Alter beibehalten, wenn sie etwas durchsetzen wollen, „weißt du, was meine Freundin und Musikpartnerin zu Weihnachten geschenkt bekommt?“
Arthur wusste es nicht, aber er konnte es sich denken, nichtsdestotrotz stellte er sich unwissend.
„Und was soll das sein, SchĂ€tzchen?“ fragte er zurĂŒck, „eine Harfe vielleicht?“
„Du Blödmann, wir nehmen doch keinen Harfenunterricht!“
„Oder gar ein Alphorn?“ rĂ€tselte Arthur weiter, „das böte sich ja direkt an, da unsere Wohnungen nebeneinander liegen, ließe sich das Horn doch ĂŒber beide Flure legen und ihr könntet es zusammen nutzen, indem ihr wechselweise da hinein blast“.
„Arthur, du spinnst wohl! Außerdem hat ein Alphorn ja nicht zwei AusgĂ€nge sondern einen Ein- und einen Ausgang“.
„Dann könntet ihr das Horn ja von Zeit zu Zeit mal umdrehen“, flachste der Mann weiter.
„Arthur! Hör auf mit dem Quatsch! Sie kriegt ein Keyboard, ein ganz neues Instrument, mit allen Schikanen. Ich will auch so eines“.
„Aber Lilli, du hast doch ein Keyboard“, stellte ihr Mann nĂŒchtern fest.
„Aber ohne Rhythmus! Meines hat keinen Rhythmus! Verstehst du das denn nicht?“
Arthur verstand nur zu gut.
Eine unerwartete, eine Sonderausgabe, drohte sich an, kurz vor dem Fest, in einer Zeit, in welcher der Euro noch weniger wert war als sonst, da er in der Vorweihnachtszeit sehr locker in der Tasche saß; zudem hatte er bereits eingeplant, seine Frau mit einem eigenen kleinen Zweitfernseher zu ĂŒberraschen, damit sie ihm nicht andauernd in seine Sportsendungen hineinquatschte.
Dieses allerdings konnte er ihr schlechterdings nicht mitteilen, so versuchte er es auf dem diplomatischen Wege.
„Hör mal zu, Schatz“ war es nun an ihm, zu sĂ€useln, „wie wĂ€re es, wenn wir erst einmal abwarten, bis das neue Keyboard unserer Nachbarin eingetroffen ist, und du es dir in Ruhe einmal anschaust. Du darfst bestimmt auch einmal Probe spielen, das erlaubt sie sicher, deine Musikschwester. Danach können wir noch immer in Ruhe entscheiden, ob wir das gleiche GerĂ€t oder ein anderes kaufen werden. Außerdem, SchĂ€tzchen“, fĂŒgte er hinzu, „sind die Instrumente nach Weihnachten garantiert wieder preiswerter“.
‚Damit liegt er gar nicht so falsch, mein MĂ€nne‘, dachte Lilli, ‚warum auch nicht? Die paar Tage kann ich ja noch warten, und nach dem Fest sind solche Anschaffungen wirklich meist preisgĂŒnstiger‘.
„Aber eines, das sage ich dir“ drohte sie ihm scherzhaft mit dem Finger , „wenn du mir dann immer noch kein Keyboard kaufst, dann verpflichte ich dich höchstpersönlich als meine Rhythmusmaschine, dann machst du mir den Rhythmus, wenn ich spiele“.
Arthur versprach seinem Weib, dieses in die Tat umzusetzen, wenn es denn nun gar nicht anders ginge; vorerst jedoch hatte er erst einmal seine Ruhe, dachte er bei sich, sollte das Weihnachtsfest vorĂŒber sein, fĂ€nde sich bestimmt noch eine andere Lösung.

Das Fest war vorĂŒber, und die JĂŒngere der beiden Freundinnen ĂŒbte fleißig auf ihrem weihnachtlichen Geschenk, einem elektronischen Tasteninstrument, das mit einem phantastischem Rhythmusgeber ausgestattet war.
Ob Rumba, Samba oder Bossanova, sĂ€mtliche Rhythmen, die auf diesem Planeten existierten, gab das neue Instrument her, und es war fĂŒr alle Bewohner des hellhörigen GebĂ€udes eine reine Freude, sich von diesen schönen MusikstĂŒcken, die mit flinken Fingern auf die Tasten gezaubert wurden, verwöhnen zu lassen.
So vernahmen auch Lilli und ihr Gatte diese von wunderschönen Rhythmen begleitete Töne, und eines schönen Abends drangen nicht nur diese sondern auch die klagende Stimme seines Weibes an Arthurs Ohren.
„Du hast es mir versprochen“ jammerte sie, „ich frage dich, wo bleibt mein neues Keyboard?“
„Aber Lillismaus, du hast doch deinen neuen Fernseher“.
„Was nutzt mir der neue Fernseher, der ersetzt mir noch lange keinen Rhythmus“.
„Schatz, was soll ich machen“, unser Budget ist erschöpft, zumindest vorerst“.
Wohl oder ĂŒbel musste sich Lilli diesem Argument beugen, denn Schulden machen fĂŒr ein Musikinstrument, das wollte sie auch nicht.
Mit listigen Augen jedoch blickte sie ihren Gemahl an.
„Nun gut, Arthur, was nicht geht, geht nicht. DafĂŒr hast du mir aber etwas anderes versprochen“.
„Was denn, mein Schatz?“ dachte Arthur spontan an eine Erhöhung des Kontingents der ehelichen Pflichten, „sollen wir sofort?“
„Nicht, was du denkst, Arthur“ brachte sie ihn wieder auf den Boden der RealitĂ€t zurĂŒck, „nein, sag mal, hast du mir nicht was anderes versprochen? Du wolltest mein Rhythmusgeber sein, meine Rhythmusmaschine, erinnerst du dich?“
„Aber Lillischatz, das war doch ein Scherz! “

Lillischatz aber verstand diesen Scherz nicht so, wie Arthur es erwartet hĂ€tte, und ab sofort wurde er von seiner Frau in die Pflicht genommen, da kannte sie keinen Spaß
Eine solche Pflicht hatte er sich in der Tat nicht trĂ€umen lassen; von diesem Zeitpunkt an trommelte er, was das Zeug hielt, um seiner Frau mit dem richtigen Rhythmus beizustehen, zuerst auf einer kleinen eigens dafĂŒr notdĂŒrftig umfunktionierten Konservendose, spĂ€ter, als die Schwielen an den HĂ€nden ĂŒberhand zu nehmen drohten, erlaubte ihm Lilli die Anschaffung einer kleinen kunststoffbezogenen Rundtrommel.
Nach einer weiteren Zeitspanne willigte sie ein, Keyboard und Trommel im Schlafgemach zu deponieren, damit sich ihr Arthur nach allzu anstrengenden Rhythmen ein wenig auf dem ehelichen Lager niederlegen konnte, aber nur zum Ausruhen, wie sie betonte.
Nach ĂŒbereinstimmender Aussage der Hausbewohner hat sich Lilli mittlerweile so sehr an ihren nichtelektronischen Rhythmusgeber gewöhnt, dass sie ihn gar nicht mehr missen möchte, und daher hat sie kundgetan, im gesamten Hause, dass sie auf den Kauf eines neuen Keyboards gĂ€nzlich verzichtet, das alte tut es doch noch, und der Alte auch.

Man munkelt bereits, dass sie demnÀchst auf Tournee gehen wollen, Lilli und ihr Arthur, in dieser Formation.

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Inu
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Hallo Raniero


eine zu 'kleine' Geschichte viel zu ausgiebig erzĂ€hlt. Handwerklich ok. Ich wĂŒrde kĂŒrzen, kĂŒrzen ...

ein schönes Wochenende wĂŒnscht Dir
Inu

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Minotaurus
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Dem knappen, aber aussagekrĂ€ftigen Kommentar von Inu kann ich nichts hinzufĂŒgen.
GrĂŒĂŸe vom Minotaurus.

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Raniero
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Hallo Inu,
hallo Minotaurus,

danke fĂŒr die Anregungen; ich muss Euch Recht geben und werde die Story, vor allem die Einleitung, entschlacken.

Gruß Raniero

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Inu
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o yes!

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