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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Frau seines Lebens
Eingestellt am 23. 10. 2003 23:19


Autor
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Herbert Stahlvogel
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2003

Werke: 15
Kommentare: 29
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Die Frau seines Lebens

Am liebsten h├Ątte er sie in St├╝cke gerissen. Er hasste ihre Art, die ganze scheinheilige Palette, wie sie kaum eine andere Frau h├Ątte besser gebrauchen k├Ânnen. Doch was sie auch versuchte, er hatte sie durchschaut. Im Laufe der Jahre kannte er jede ihrer Waffen und es gab kaum eine Klinge, die nicht die Sch├Ąrfe einer frisch geschliffenen Schweineaxt erreicht hatte, mit der sie ihn dann und wann kitzelte.
Und wenn sie sich wieder einmal in eine prickere Situation hineinschaukelte, ihn dann mit ihrer engelsgleichen Miene ansah, als w├Ąre alles gut und als ob nichts besser sein k├Ânnte, war er selten weit davon gewesen, ihr eine runterzuhauen, ihr die Z├Ąhne aus ihrem zarten, jung gebliebenen Gesicht zu schlagen und sie derma├čen zu verm├Âbeln, dass sie nie wieder so ein herrlich unschuldig wirkendes L├Ącheln auf ihrem Gesicht w├╝rde zaubern k├Ânnen. Nur ein Wort h├Ątte manchmal gen├╝gt und ihr Gesicht w├Ąre einem Helloweenk├╝rbiskopf gleichgekommen. Und obwohl sie die Gefahr kannte, jonglierte sie f├╝r gew├Âhnlich gerne mit hei├čen Kohlen in den H├Ąnden.

Gewiss hatte sie auch ihre Reize. Wie ein Aal konnte sie sich an ihn anschmiegen und ihren Busen so lange an seinem K├Ârper reiben, bis er ihre Brustwarzen durch das Nachthemd hindurchsp├╝rte. Wenn er die Augen schloss und die Welt um sich verga├č, sich ganz auf sie konzentrierte, hatte er dass Gef├╝hl, als w├Ąren ihre H├Ąnde an jeder Stelle seines K├Ârpers gleichzeitig. Oh ja, sie konnte ihn richtig hei├č machen und wenn sie es wollte, hatte er keine Chance etwas dagegen zu tun.

Er hasste sie nicht nur f├╝r ihre Rollen, in die sie gelegentlich so elegant hineinschl├╝pfte, wie sie es in eines ihrer d├╝nnen Abendkleider schaffte, nein; er hasste sie vor allem, weil sie st├Ąndig Macht ├╝ber Menschen hatte. Nicht etwa eine mit Gewalt, wie sie es ein Mann zu pflegen aus├╝bt, wenn die Frau nicht gehorsam ist, sondern, die viel kr├Ąftiger und ja, eine, die um Tonnen effizienter war.

Wer mit ihr ins Gespr├Ąch kam, hing bereits mit einem Bein in der Schlinge und mit jedem weiteren Satz zog sie diese langsam enger. Ihre St├Ąrke lag in ihrer Geduld und in ihrer Ausdauer. Sie konnte stundenlang einen ansehen ohne ein Wort zu sagen und dennoch h├Ątte sie jeder Mann liebend gern auf das Bett gelegt und es ihr besorgt. Aber sie war nicht die Frau, die sich einfach flach legen lie├č, und dabei gl├╝cklich war, wenn der Mann wie ein Esel zum Orgasmus kam. Nein. Sie schl├╝pfte perfekt in die Rollen. Bei jedem Rodeo h├Ątte sie den ersten Preis gewonnen, denn ihre Art zu reiten machte jedes Fohlen zum Hengst.

Es war weder ihr Intellekt, noch ihre Sch├Ânheit, nicht die Art, wie sie einen ansah und auch nicht die Worte, die sie gebrauchte. Es war ihr voller runder Mund, ihre weichen rosa Lippen, die in Zeichensprache den M├Ąnnern sagten: Egal wie andere Frauen zu dir waren, ich bin besser. Meine Lippen k├Ânnten dir den besten Orgasmus deines Lebens besorgen.
Und verdammt, sie hatte Recht. Gerade er wusste es am Besten und wenn es nicht die reine Wahrheit gewesen w├Ąre, h├Ątte er den Schmerz vielleicht verkraft und sich von ihr losrei├čen k├Ânnen.

Sie waren nun bereits seit 2 Stunden auf dieser belanglosen Dinnerparty und seit einer viertel Stunde sah er ihr von weitem zu, wie sie sich mit einem Mann im schwarzen Smoking, einer Rolexuhr und furchtbar teuren Diamantenringen, die er an beiden speckigen Ringfingern trug, unterhielt. Er fuchtelte provokant mit seinen H├Ąnden vor ihrem Gesicht herum und so kam wohl kein Gast drum herum, das von den Kronleuchtern reflektierte Licht an den Diamanten zu sehen. Dieser Mann machte ihn nerv├Âs.
Sie drehte sich um, als ahnte sie bereits, dass sie beobachtet wurde und schenkte ihm ein l├Ącheln zu, dass jeden Mann schwach werden lies. Ihre Lippen schienen zu sagen: Nimm mich. Hier und jetzt, vor allen Leuten. Und er stand nur da und wusste, dass sie ihr Spiel so lange mit ihm trieb, bis sie ihn am Abend so weit hatte. Sie w├╝rde die Schlinge noch enger ziehen, mit jedem Mal, die er nicht widerstehen konnte, so lange, bis sie ihm eines Tages keine Luft mehr zum Atmen lies.
So oft wollte er sie verlassen, sie aufgeben und einen neuen Weg einschlagen, aber sie war wie eine Droge, wenn man einmal auf den Geschmack kommt, kann man nicht mehr die Finger von lassen. Er wusste, dass sie Gift f├╝r ihn war und sie gab ihm wieder und wieder die Injektion. Gift ist eine Frage der Dosis und wenn er einmal mit ihr aussetzen sollte, w├╝rde sie auf ihn warten um ihm dann den Rest zu geben. Sie war geduldig und brachte alles was sie begonnen hatte auch zu Ende.

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