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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Friseuse
Eingestellt am 14. 10. 2011 17:56


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DocSchneider
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Die Friseuse

Samstagmorgen, 8 Uhr. Arbeitsbeginn. Ich hab aber keinen Bock. Ja, ich weiß, dass ich am Montag frei habe, aber heute...

Der Chef hat superschlechte Laune. LĂ€sst er wieder an der Auszubildenden aus. Heute kommt ihr Modell. Da wird er wieder endlos an ihr rummeckern: „Pass auf die Grundlinie auf! Arbeite zĂŒgiger! Du musst die Kundin erst beraten! Mach die StrĂ€hnchen ordentlicher! Steh gerade – oder willst Du in fĂŒnf Jahren Dauergast beim OrthopĂ€den sein?“

Blödmann. Ist er doch selbst – wie fast alle in dieser Branche. Stehen, stehen, stehen. Die FĂŒĂŸe abends geschwollen, der RĂŒcken krumm, die WirbelsĂ€ule schief.

Ach, da kommt ja schon mein Stammkunde, der eingebildete Lackaffe. Alle vier Wochen Kopfmassage, schneiden, fönen. FĂŒr wen brezelt der sich eigentlich so auf? FĂŒr sich, einen Mann oder eine Frau? Naja, wenigstens redet er nicht. Genießt nur mit geschlossenen Augen die Massage. HĂ€tte er sicher lieber woanders.

Und die ganzen Beates! Die habe ich so getauft, weil eine der Ă€lteren Damen so hieß, die alle dasselbe wollen: Dauerwelle, blĂ€uliche Tönung, danach alles beton mĂ€ĂŸig festgezurrt. Fast jeden Samstag finden sich mehrere Beates ein. Damit sie fĂŒr den Sonntag schön sind. FĂŒr die Kirche.

Zwischen Aufdrehen, Schneiden, Massieren schnell ein Schluck Wasser. Weitermachen. Der Chef schnauzt die Auszubildende an. Armes Ding. Sie hat keine Wahl, muss den Mund halten. Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Lackaffe geht und grinst hochnĂ€sig zum Abschied, lĂ€sst aber ein großzĂŒgiges Trinkgeld da. Ich schenke ihm ein LĂ€cheln. Dann zurĂŒck zu einer Beate. Sie braucht eine neue Zeitung – Frau im Spiegel. Sie redet – ĂŒber ihre Enkel, ĂŒber ihre Arthritis im Großzehengelenk, ĂŒber ihre Geranien, ĂŒber ihre Verdauung. Soll ich ihr ein OhrlĂ€ppchen abschneiden?

Mist, ich laufe aus. Keine Chance, den Tampon zu wechseln. Das ist wirklich unwĂŒrdig hier. Man hat nicht mal Zeit, in Ruhe auf die Toilette zu gehen.

Eine neue unbekannte Kundin betritt das GeschĂ€ft. Oh! Der Chef eilt auf sie zu, umschwĂ€nzelt sie, bietet ihr einen Platz an, lobt ihr Aussehen, dass er nur noch verbessern kann. (Na, das MUSS er! Die sieht ja zum FĂŒrchten aus). Die Auszubildende hört brav zu. Ihr Modell muss warten. Hat keine Rechte, nur Pflichten.

Ich kehre Haare zusammen, weil sonst niemand Zeit hat. Zwei Beates rauschen blaugetönt heraus. Die nÀchste ist gleich fertig. Ich bin es auch.

Die neue Kundin wird schön. Der Chef versteht sein Handwerk, das muss man ihm lassen.

14 Uhr, alle sind perfekt gestylt, nur ich sehe aus wie ein Handfeger. Soll ich die Auszubildende bitten, mir die Haare zu richten?

Nee, raus hier. Nach Hause, in Ruhe aufs Klo, relaxen, FĂŒĂŸe abschwellen lassen.

Und zu wenig Geld verdiene ich auch. Scheiß-Job.

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