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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Fruktarierin
Eingestellt am 16. 06. 2015 20:01


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Hagen
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Die Fruktarierin

Im Speakeasy war auch nichts los, eine AtmosphÀre wie bei einer Sorgerechtsverhandlung.
Kaffee!
Ich glaube, ich habe Kaffee selten so genossen, in meinem Becher war erst ein Espresso und dann der Kaffee. Ich habe meinen Privatbecher im Speakeasy, Linda die ‘Qualmgebadete‘ goss ihn mir immer so ein, ich brauchte noch nicht mal zu bestellen, und wir rauchten eine zusammen.
„Seit wann darf man denn in einer GaststĂ€tte rauchen?“
Die das fragte, war eine Frau. Leichenblass und klapperdĂŒrr. Ich war immer noch in Gedanken bei der schönen Frau, die ich zuvor gefahren hatte, aber in Anlehnung an den Dirnenspruch; ‚Aus dem Bette, aus dem Sinn“, handelt der Taxifahrer eigentlich nach dem Motto: ‚Aus dem Taxi, aus dem Sinn‘.
„Ich bin Taxifahrer“, sagte ich, „ich darf das.“
„Auch als Taxifahrer dĂŒrfen Sie das nicht!“
„Nicht?“
„Nein!“
„Ach du meine GĂŒte. Was mache ich denn jetzt?“
„Die Zigarette aus.“
Ich schĂŒttelte den Kopf.
„Geht nicht.“
„Warum nicht?“
„Das hat psychologische GrĂŒnde. Als Taxifahrer bin ich gewohnt, das zu Ende zu fĂŒhren, was ich angefangen habe. Ich kann mitten in der Fahrt ja auch nicht sagen: ‘Ich habe jetzt Feierabend, steigen Sie bitte aus!‘ – Genauso kann ich keine halb aufgerauchte Zigarette aus machen. Ich schaffe das einfach nicht.“
Das GesprĂ€ch plĂ€tscherte so lange dahin, bis ich meine Zigarette aufgeraucht und meinen Kaffee getrunken hatte. Gleichzeitig dachte ich darĂŒber nach, ob man eine Frau auch mit Kaffee ‘schöntrinken‘ kann. Ich glaube, das funktioniert nicht so richtig, jedenfalls bei mir nicht, und angesichts der schönen Frau, die ich soeben gefahren hatte, schon gar nicht.
„Ich bin Fruktarierin“, sagte die Frau neben mir, irgendwie hatte ich irgendwas verpasst, aber den Eindruck erweckt, aufmerksam zuzuhören. Als Taxifahrer lernt man das ganz schnell.
„Ist ja interessant“, sagte ich, „erwĂ€hnte ich bereits, dass ich Taxifahrer bin?“
„Ich bin nicht von Beruf Fruktarierin“, sie tat total entsetzt, „ich esse nur Dinge, die vom Baum oder Busch gefallen und daher schon 'tot' sind. Kochen ist Mord! Leute, die sich fruktarisch ernĂ€hren, leben nur von Fallobst. Das heißt, es ist eine noch strengere ErnĂ€hrung als Veganer, die sie betreiben. Bei einem fruktarischen Essen darf man nur das von der Pflanze essen, was die Pflanze nicht tötet oder verletzt, also NĂŒsse oder Obst von BĂ€umen, das bereits abgefallen ist, oder Pilze und Bohnen. Auch Kartoffeln dĂŒrfen nicht gegessen werden, da ja die Kartoffel-Pflanze ohne Knollen sterben könnte. Die Fruktarier respektieren also jede Art von Leben, egal ob deren LeidensfĂ€higkeit nachgewiesen ist oder nicht.“
„Ach was.“
„Ja! Die Verstoffwechselung vollstĂ€ndig reifen Obstes ist ernĂ€hrungsphysiologisch sinnvoll, da reifes Obst das Optimum an NĂ€hrstoffen enthĂ€lt. Neben der ansprechenden Optik, der anatomischen Entsprechung und den fĂŒr Menschen verlockenden Geruch wird auch ein Optimum an Geschmack geboten.“
„Opium? Da möchte ich aber nichts mit zu tun haben.“
„Nein, Optimum! Das ist etwas ganz anderes!“
„Ach so. – Unter einem Optimum an Geschmack verstehe ich wiederum etwas anderes. Ich habe noch zwei marinierte T-Bone-Steaks zu Hause und gegen sechs Feierabend. Wenn Sie warten möchten, können wir uns die teilen. – Anna-Karenina, das ist meine Salonlöwin, wird sich auch freuen, wir haben so selten Besuch.“
„Das meine ich eigentlich nicht! Fruktarier gibt es schon mythologisch bedingt! Uns Menschen wird schon vor der Vertreibung Adam's und Eva's aus dem Paradies ĂŒberliefert, weshalb man diese menschlich ursprĂŒngliche ErnĂ€hrungsweise auch Adam & Eva diet, Eden-diet oder Paradieskost nennt. Wenn Sie möchten, koche ich Ihnen mal was richtig Leckeres und anschließend sehen wir mal was weiter so passiert
“
„Das ist ja kolossal interessant! Der gute Adam ist offensichtlich nie in den Genuss eines Steaks gekommen, sonst hĂ€tte er sicher anders reagiert. Aber“, ich tippte auf meine Armbanduhr, „der letzte Zug wird bald kommen und da möchte ich gerne bereit stehen, um den einen oder anderen netten Menschen noch nach Hause zu fahren. – Sie verstehen?“
Ohne eine Antwort abzuwarten ging ich raus und setzte mich in mein Taxi.
Das war einfach zu viel!
Wieso konnte nicht einfach mal was Schönes passieren, einfach nur so?
Egal, es war noch mÀchtig viel Zeit bis zum letzten Zug, ich hörte mir eine Classic-CD an, die Toccata und Fuge, um wenigstens etwas Erbauung zu finden.
Und dann passierte gar nichts mehr, bis auf, dass die Fruktarierin in Begleitung von einem Kerl das Speakeasy verließ. Der Kerl schwankte ein wenig, und sie redete auf ihn ein.
Naja, er wird schon seine helle Freude haben, und knickrig war er auch noch, denn wenn man schon eine Frau abschleppt, oder umgekehrt, dann fÀhrt man wenigstens Taxi.
Egal, ich fiel in sowas Ă€hnliches wie Halbschlaf, hörte Radio, stellte den Sitz zurĂŒck und mir vor, weiterhin eine ruhige Nachtschicht zu haben, oder eine schöne Frau zu fahren.



Version vom 16. 06. 2015 20:01
Version vom 16. 06. 2015 22:36

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herziblatti
???
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Hallo Hagen, mit viel VergnĂŒgen gelesen Ein paar FlĂŒchtigkeitsfehler sind mir aufgefallen.

quote:
„Auch als Taxifahrer dĂŒrfen sie Sie das nicht!“
In der direkten Rede die EinfĂŒgung anders als mit An- und AusfĂŒhrungszeichen zu kennzeichnen, erleichtert das Lesen
quote:
„Das hat psychologische GrĂŒnde. Als Taxifahrer bin ich gewohnt, das zuende zu Ende zu fĂŒhren, was ich angefangen habe. Ich kann mitten in der Fahrt ja auch nicht sagen: „Ich habe jetzt Feierabend, steigen Sie bitte aus!“ – Genauso kann ich keine halb aufgerauchte Zigarette aus machen ausmachen. Ich schaffe das einfach nicht.“
eventuell mit '...' oder kursiv
quote:
angesichts der schönen Frau, die ich soeben gefahren hatte
quote:
oder verletzt Komma also NĂŒsse oder Obst von BĂ€umen, dass das bereits
quote:
einen oder anderen netten Menschen noch nach Hause zu fahren
quote:
bis auf das Komma dass die Fruktarierin in Begleitung von einem Kerl

Ich mag Deinen raschen, pointierten Witz, hm, Esprit - lG vom herziblatti
__________________
Warten, was der Fluss so bringt - Fritz Popp

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Hagen
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Hallo Heidi,

danke fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit meinem Text, Dein Lob und die liebevollen Hinweise auf diverse Missgriffe, was die hohe Schule der Rechtschreibung betrifft.
Mein Lieblingsphilosoph Edward A. Murphy sagt: „Man liest grundsĂ€tzlich einmal zu wenig Korrektur!“
Aber vor der Rechtschreibreform habe ich schon so geschrieben, was nachher von dieser als ‘Richtig‘ anerkannt worden ist. Damals hat es mich das Abitur gekostet, aber auf einmal stimmte alles!
Es hat mich in eine tiefe Sinnkriese gestĂŒrzt, mit dem Ergebnis, das (dass?) nachher gar nichts mehr lief.
Mittlerweile lerne ich aber dazu, nach vorlĂ€ufigen Hochrechnungen werde ich es bis zu meinem Ableben auch noch schaffen. Dann wir die Welt allerdings auf meine Texte verzichten mĂŒssen, was auch nicht sonderlich schlimm ist.

Also dann, wir lesen uns!
Yours Hagen
___________________
Egal was schief geht,
tue so als wÀre es Absicht!

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aligaga
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Eine wenig wundert sich @ali schon, dass der hier vorgestellte Ich-Protz, (ein Taxler, der sich etwas darauf einbildet, im Billigheim eine "persönlichen Becher" vorgehalten zu bekommen) so ganz unwidersprochen ein vermeintlich weit unter sich stehendes, aus seiner Sicht unattraktives MÀdchen schikanieren darf.

Mutig oder gar "professionell" ist das nicht. Ob der "Ritter der Landstraße" auch dann so unverschĂ€mt und tapfer an seinem GlimmstĂ€ngel weitergesaugt hĂ€tte, wenn ein halbwegs trainierter mĂ€nnlicher Vertreter der Gattung homo sapiens verlangt hĂ€tte, er solle die Fluppe ausmachen? Wohl kaum.

"Witz" findet @ali in diesem StĂŒckerl leider gar keinen. Die Tatsache, dass es "Fruktarier" gibt, ist keine neue - schon der magenkranke Hesse hat dieses Völkchen um die Wende des vorigen Jahrhunderts als harmlos beschrieben. Sich ĂŒber jemanden lustig zu machen, der seine Überzeugung lebt, ohne jemanden damit Schaden zuzufĂŒgen wie der Stinker, der die GĂ€ste in dem Beisel zum Passivrauchen zwingt, hat etwas Krampfhaftes an sich. Fast möchte man sich fremdschĂ€men.

@ali bremst auch fĂŒr die ganz kleinen Tiere. Wenn er Noten vergĂ€be, @Hagen, dann bekĂ€me diese "Anekdote" eine glatte, runde Null.

Gruß

aligaga

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Hagen
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Hallo aligaga!

Viele Dank fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit meinem Text, wir wollen doch die Netiquette einhalten.
Du unterstellst mir Dinge in meiner Geschichte, die absolut von Dir erfunden sind.
In deiner Vorgehensweise keimt in mir die Vermutung, dass Du mir, unter anderen Nicks, schon öfter mal Ärger gemacht hast. Das ist die Vorgehensweise von Schmocks, im negativen Sinne, die Du allerdings meisterhaft beherrschst.

Wie kommst Du z.B. auf Billigheim?
Eine AtmosphÀre wie bei einer Sorgerechtsverhandlung findet auch in einer NobelgaststÀtte statt.
Ich habe nie erwÀhnt, und aus meinem Text geht es auch nicht hervor, dass ich stolz bin, einen Privatbecher zu haben.
Ich habe das MĂ€dchen nicht schikaniert, im Gegenteil, sie mich und zwar verbal.
Ich habe sie gelassen, nur ihr ‘Angebot‘, mir was zu kochen abgelehnt, da ich mehr ein Fleischesser bin.
Wahrscheinlich ist es Deiner geschĂ€tzten Aufmerksamkeit entgangen, dass ich diese Kurzgeschichte nicht unter ‘Humor und Satire‘ eingestellt habe. Wieso legst Du dann deren MaßstĂ€be an?
Deswegen ist Deine doktrinÀre Vorgehensweise bei der Beurteilung meiner kleinen Geschichte auch etwas deplaciert, meine ich.

Was den ‘halbwegs trainierter mĂ€nnlicher Vertreter der Gattung homo sapiens‘ betrifft, so habe ich mal eine Ă€hnliche Geschichte (eine schöne Frau) aus meinem reichhaltigen Fundus als Taxler eingestellt.


Also dann, wir lesen uns (hoffentlich nicht mehr)!
Yours Hagen

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aligaga
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Hallo @Hagen,

@ali hat nicht dich kritisiert, sondern die Geschichte, in der ein Ich-Protz (~-Protagonist) agiert. Also immer schön locker bleiben!

In einer besseren GaststÀtte wird Kaffee in Tassen serviert; dem Ich-Protzen scheint sein

quote:
Privatbecher
erwĂ€hnenswert; der Leser schließt daraus auf den Stolz des Qualmers.

SelbstverstĂ€ndlich setzt der brĂ€sige Droschkenfahrer das ihm unterlegene, von ihm fĂŒr unattraktiv gehaltene MĂ€dchen herab; er macht sich dabei sogar strafbar (vorsĂ€tzlicher Verstoß gegen das Nichtraucherschutzgesetz). Dass @ali derlei „Schlagfertigkeit“ SchwĂ€cheren gegenĂŒber fĂŒr reichlich unwitzig hĂ€lt, schien ihm im Hinblick auf die voranstehenden Zuschriften Dritter erwĂ€hnenswert.

Tipp, @Hagen: SchwĂ€nke aus dem eigenen Leben nicht als „Kurzgeschichten“ verkaufen und sofort die Leberwurst auspacken, wenn berechtigte Kritik kommt, sondern ins „Tagebuch“ schreiben. Da gibt’s dann weder inhaltliche noch literarische Krititk. Jedenfalls nicht von @ali.

Gruß

aligaga

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