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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Futterkrippe
Eingestellt am 15. 01. 2008 18:21


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catsoul
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Die Futterkrippe

Es hatte wieder √ľber Nacht geschneit und jetzt war es einer jener Tage, an denen einem die K√§lte √ľberallhin kroch. Am fr√ľhen Morgen flirrte die Luft und Laura w√§re am liebsten im Haus geblieben. Allerdings hatte sie ihrem Vater versprochen, heute zur Krippe zu gehen, um die Tiere im Wald zu f√ľttern. Ihre Eltern waren schon fr√ľh aufgebrochen, denn sie wollten in der nahen Stadt ihre Weihnachtseink√§ufe erledigen.

Laura ging in die Scheune, um den Schlitten zu beladen. Eine gro√üe Fuhre Heu, einen Sack mit Kastanien und einen mit Eicheln gef√ľllt, band sie auf den Schlitten und zurrte sie fest. Dann ging sie noch einmal ins Haus und machte sich einen sehr hei√üen und sehr s√ľ√üen Kakao, um sich f√ľr ihren Gang zu st√§rken.

Laura war erst 13 Jahre alt aber durch die Arbeit auf dem Bauernhof kr√§ftig und z√§h geworden. So war es f√ľr sie auch kein Problem, den hochbeladenen Schlitten hinter sich her, durch den Schnee, zu ziehen.

Sie liebte alle Tiere, aber ganz besonders die im Wald. Das M√§dchen wusste, dass der Boden fest gefroren und deshalb die Nahrungssuche sehr schwierig war. Sie hatte vor ein paar Jahren zusammen mit ihrem Vater eine Futterkrippe gebaut, welche die beiden jetzt zweimal in der Woche f√ľllten. Laura war selten alleine dorthin gegangen und schon gar nicht im Winter, aber sie hatte keinen Moment gez√∂gert, als ihr Vater am Vorabend fragte, ob sie sich das zutrauen w√ľrde. Im Gegenteil, sie war sehr stolz darauf.

Es war Zeit f√ľr den Aufbruch. Lauras F√ľ√üe steckten in hohen Stiefeln und die H√§nde in F√§ustlingen. Sie zog los und nach einiger Zeit hatte sie vor Anstrengung und K√§lte ger√∂tete Wangen und es wurde ihr etwas w√§rmer. Das letzte St√ľck des Weges bis zum Waldrand war besonders beschwerlich, denn es f√ľhrte einen kleinen H√ľgel hinauf. Oben angekommen, verschnaufte Laura kurz und genoss die Stille. Nur leise war das Knacken des Frostes zu h√∂ren und die Luft schien ab und an zu klirren.

Langsam wurde ihr kalt, also brach sie wieder auf, wandte sich zum Wald und zog den Schlitten in die sch√ľtzenden B√§ume hinein. Nach einer kurzen Weile stie√ü sie dann auf die Lichtung, wo die Futterkrippe stand.

Das Heu dort war bereits aufgebraucht und nur einzelne Halme erinnerten an die letzte F√ľtterung vor ein paar Tagen. Laura zog ihre F√§ustlinge aus und begann mit dem Abladen. Die beiden S√§cke wuchtete sie erst einmal zur Seite und bereitete das Heu zun√§chst dicht unter, und dann den Rest √ľber der Krippe aus. Und schon hoppelte das erste vorwitzige H√§schen vorsichtig heran, sprang wieder weg, um dann auf der andere Seite der Futterkrippe an den Halmen zu nagen.

Laura verteilte gerade die Kastanien und Eicheln, da brach eine Ricke durch das Unterholz. Sie kam n√§her, witterte, begann an den Kastanien zu knabbern und wurde immer ruhiger. Inzwischen kamen immer mehr Tiere des Waldes an die Futterkrippe und lie√üen es sich schmecken. Nach einiger Zeit schien es, als h√§tten sich alle Waldbewohner hier zum Mahl versammelt, die Lichtung war erf√ľllt von zufriedenem Geknusper, von leisen, freundlichen Ger√§uschen.

Laura schaute gl√ľcklich eine Zeit lang zu, aber es hatte wieder zu schneien begonnen und als der Schnee schnell dichter wurde, packte sie ihre Sachen auf den Schlitten, l√§chelte noch einmal in die Lichtung und begann davonzustapfen. Sie war noch nicht viele Schritte gegangen, da begann aus dem Schneetreiben ein windiger Sturm zu werden und eine graue d√ľstere Dunkelheit tobte um das M√§dchen. Keine drei B√§ume weit konnte sie mehr sehen und auch der Weg war immer schwieriger zu erkennen. Verzweifelt suchte sie nach Zeichen, die ihr bekannt vorkamen, wandte sich mal nach rechts, dann wieder nach links und letztendlich ging sie einfach nur noch drauflos.

Laura wollte nach Hause, ins Warme. Inzwischen war sie ziemlich durchgefroren und auch die Abst√§nde in denen sie anhielt um zu verschnaufen wurde k√ľrzer. Ihre F√ľ√üe f√ľhlte sie bald nicht mehr, das Gesicht war ganz taub und auch ihre H√§nde konnte sie kaum noch sp√ľren. Wieder und wieder hoffte sie, nach der n√§chsten Biegung doch endlich eine markante Stelle zu finden, aber die Sicht wurde nur noch schlechter. Ihre Schritte wurden schleppender, nur mit √§u√üerster Willensanstrengung gelang es ihr, den Schlitten nicht zu verlieren. Im Geist sah sie eine dampfende Badewanne und hei√üen Kakao vor sich. Aber hier waren nur Schnee und der Wind, der sie hin und her beutelte.

Irgendwann glitt das Seil vom Schlitten aus ihren H√§nden, sie merkte es nicht einmal. Taumelnd zwang sie sich weiter vorw√§rts, stolperte immer wieder, bis sie schlie√ülich fiel und auf dem R√ľcken zum Liegen kam. Ein wenig erstaunt betrachtete Laura die schwankenden Wipfel der B√§ume √ľber sich, wie sie dann nur noch sanft wogen und schlie√ülich auch der Schnee aufh√∂rte zu fallen. Die Luft war klar und kalt, und eine eisige Stille umfing sie. Einige wenige Sonnenstrahlen fanden den Weg durch Zweige und zauberten ein L√§cheln auf Lauras Gesicht, bevor sie die Augen schloss und langsam einschlief.

Sekunden vergingen, Minuten, oder waren es vielleicht sogar Stunden?
Niemand vermag den Zeitraum zu bestimmen, aber Laura merkte irgendwann, dass sie träumte:
Eine große warme Wolke war um sie herum, aus ihr lösten sich immer wieder kleine weiche warme Wölkchen um ihr Gesicht zu streicheln, und verschwanden wieder. Es war schön. Doch immer öfter kam ein dunkles Wölkchen dazwischen
Langsam und fast unwillig hob Laura ihre Augenlider und schaute auf eine dunkle, warme, feuchte Nase unter dunkelbraunen, freundlichen Rehaugen.
Die Ricke stand vor ihr und stupste sie bald am Arm, dann wieder ganz sanft ins Gesicht.

Rings um Laura, die sich verwundert auf das Heu der Krippe gebettet fand, waren all die anderen Tiere, ganz dicht an sie gekuschelt, und hielten die Kälte von ihr fern.

Das M√§dchen wollte l√§cheln, was ihr aber gr√ľndlich misslang, denn als sie sich zu bewegen begann, h√§tte sie fast aufgeschrien vor Schmerz, alles tat weh. Aber die Ricke hatte recht, sie musste versuchen aufzustehen, sonst w√ľrde sie doch noch erfrieren. Die Tiere hoppelten und gingen ein wenig zur Seite, blieben aber in kurzer Entfernung sitzen und sahen Lauras Bem√ľhungen zu. Nicht weit von ihr stand der Schlitten. Sie kroch keuchend auf ihn zu, die Ricke blieb dicht neben Laura. Die anderen Tiere bildeten noch immer einen sch√ľtzenden Ring.
Laura wollte aufstehen, aber es gelang ihr nicht, also legte sie sich bäuchlings auf den Schlitten und versuchte ihn mit den Armen vorwärts zu schieben. Diese Art der Fortbewegung war beschwerlich, aber Laura wollte, konnte nicht mehr aufgeben. Neben ihr trottete die Ricke und hob immer wieder sichernd den Kopf.

Endlich waren sie am Waldrand angelangt und Laura h√∂rte schon die Rufe der Dorfbewohnern, die sich nach dem Schneesturm auf die Suche nach ihr gemacht hatten. Die Hoffnung verlieh Laura neue Kraft. Die Schmerzen waren f√ľr den Moment vergessen. Verbissen schob Laura sich in Richtung der bekannten Stimmen. W√§hrend das M√§dchen den Schlitten langsam immer weiter aus dem Wald bewegte, blieb die Ricke zur√ľck.

‚ÄěDas ist sie! Hurra, wir haben sie gefunden!‚Äú, h√∂rte Laura und blickte noch einmal zur√ľck. Die Ricke stand am Waldrand und es schien, als w√ľrde sie sich vergewissern, dass Laura wirklich geholfen wurde. Das M√§dchen schaute zur Ricke und fl√ľsterte leise: ‚ÄěDanke!‚Äú


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