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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Gasse
Eingestellt am 01. 08. 2015 18:05


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Tappiti
Hobbydichter
Registriert: Jul 2015

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Schon immer wollte sie diesen Weg gehen. Oft ging sie nur an ihm vorbei. Aber an diesem Tag w├╝rde sie nicht wieder an ihm vorbeigehen. Heute w├╝rde sie einbiegen und schauen, wo dieser Weg hinf├╝hrte. Der Weg war schlecht einzusehen und vielmehr einer Gasse gleich. Viele Menschen hasteten jeden Tag an ihm vorbei ohne einen Blick auf ihn zu richten. Zu fest hatten sie ihr Ziel vor Augen, als sich von einer unbekannten M├Âglichkeit irritieren zu lassen. Das Pflaster des Weges war noch nicht von vielen F├╝├čen glatt getreten. In einem scharfen Winkel bog er von der Hauptstra├če ab und verbarg so jeden fl├╝chtigen Blick. Wer wissen wollte, wo dieser Weg hinf├╝hrte, musste ihn betreten, sich ihm anvertrauen.
Noch nie sah sie jemanden diesen Weg nehmen. Scheinbar wohnte niemand in den H├Ąusern an der Ecke des Weges. Vielleicht hatten diese Eckh├Ąuser aber auch nur ihre Eing├Ąnge an einer anderen Stra├če. Dunkelheit herrschte in dem Weg, der eng in eine Biegung entschwand. Eine dauernde Feuchtigkeit und K├Ąlte machte den Weg noch unwirtlicher. Warum sollte irgendjemand diesen Weg nehmen?

Sie streifte sich ihren w├Ąrmsten Mantel ├╝ber ihren dicken Pulli. In zwei Hosen konnte sie sich kaum noch bewegen. Sie nahm ihre gef├╝tterten Schuhe und zwang sich mit zwei paar Socken hinein. Nein, so farbenfroh, wie sie normalerweise unterwegs war, waren diese Kleidungsst├╝cke nicht. Aber ihr erschienen sie der Gasse zu entsprechen. Und nachdem die kalte Jahreszeit bereits begonnen hatte, w├Ąhlte sie noch w├Ąrmere in Gedanken an die beklemmend wirkende Atmosph├Ąre der Gasse.
Sie f├╝hlte sich nicht gerade wohl bei dem Gedanken daran, heute in die Gasse zu gehen. D├╝sternis, K├Ąlte, Ablehnung schienen die Gasse jedem lebenden Wesen entgegenzubringen, das auch nur einen Blick auf sie warf. Aber genau da wollte sie hin.
Ihr Leben verlief jeden Tag gleich und das war nicht das Leben, dass sie sich fr├╝her als Kind ertr├Ąumt hatte. Wild, aufr├╝hrerisch und neugierig sollte ihr Leben sein. Und dann traf sie ihn. Er war zuvorkommend, galant und liebevoll. Bis sie schwanger war. Dann war er weg. Und nun versuchte sie Beruf und Kind miteinander zu vereinbaren. In der Arbeit zuverl├Ąssig zu sein und dem Kind einen Rhythmus zu geben. Und verlor sich dabei.
Aber heute hatte sie frei und ihr Kind war im Kindergarten und danach bei Freunden. Und sie machte sich auf den Weg.

Der Tag war kalt und sie hastete die Hauptstra├če entlang. Sie musste nicht weit gehen. Zum Gl├╝ck, denn sonst h├Ątte sie vielleicht der Mut oder die Entschlusskraft verlassen. Die anderen Passanten beachteten sie nicht. F├╝r sie war die Frau nur eine weitere von vielen.
Sie fror, trotz ihrer Schichtkleidung. Vielleicht fror sie auch nur vor dem Unbekannten, zu dem sie sich entschlossen hatte.
Nicht weit konnte sie schon den Weg sehen. Fast nur ein Schatten in der H├Ąuserwand. Wind setzte ein und fra├č sich in ihre Backen. Ihren Schal hatte sie vergessen. Jeder senkte den Kopf noch tiefer in die Kr├Ągen und Schals und beschleunigte den Gang um dem Wind zu entkommen. Wie gerne w├╝rde sie jetzt umdrehen und einfach nach Hause gehen und sich mit einer hei├čen Tasse Tee gem├╝tlich auf die Couch kuscheln.
Aber nun trennten sie nur noch ein paar Schritte von ihrem Ziel. Sie hatte das Gef├╝hl, dass sie nicht anhalten d├╝rfte, sondern einfach in die Gasse einbiegen m├╝sste, als w├Ąre das das selbstverst├Ąndlichste der Welt. Als w├Ąre irgendein Haus in der Gasse ihr Ziel. Und so eilte sie ihren Weg entlang und bog scheinbar selbstverst├Ąndlich, doch unvermutet in die verlassene Gasse ein. Und tats├Ąchlich bemerkte dies niemand. Keiner schaute verwundert auf und blickte ihr nach. Sie h├Ątten sich mit dem Nachblicken auch beeilen m├╝ssen. Denn kaum war sie in die Gasse gebogen, folgte sie ihr auch schon in die n├Ąchste Biegung. Als m├╝sse sie vor den Leuten auf der Hauptstra├če verbergen, welchen Weg sie nahm. Nach der Biegung blieb sie aber unvermittelt stehen. Sie blickte sich vorsichtig, nicht all zu offensichtlich um. Noch immer versuchte sie den Schein zu wahren, als w├Ąre es das selbstverst├Ąndlichste, in diese Gasse zu gehen.
Die H├Ąuser dr├Ąngten sich eng zu beiden Seiten nach oben und lie├čen nur einen Spalt f├╝r den Himmel frei. Grobe Steine bildeten die W├Ąnde, unterbrochen von blinden Fenstern. Und die W├Ąnde und das Pflaster waren feucht. Der Wind hatte aufgeh├Ârt sie zum Umkehren zu bewegen. Sie war umgeben von v├Âlliger Stille. Unterbrochen nur von ihrem eigenen sto├čartigem Atem.
Langsam setzte sie nun einen Schritt vor den anderen und wagte sich tiefer in die Gasse hinein. Nichts regte sich, aber sie hatte das Gef├╝hl absolut vorsichtig sein zu m├╝ssen, als w├╝rde b├Âses Leben auf sie lauern. Ihre Schuhe knirschten leise bei jedem Schritt. Aber in dieser Stille wirkte das Ger├Ąusch laut und auffordernd.
Die Gasse wurde mit jedem Schritt tiefer, noch enger und dunkler. Und nicht weit war der Weg in eine Dunkelheit geh├╝llt, so dass sie ihren weiteren Verlauf nicht erkennen konnte.
Sie konzentrierte sich auf ihren Atem, stie├č ihn gleichm├Ą├čig ein und aus, begleitet von ihren Schritten. Sie kam dem Dunklen immer n├Ąher und langsam konnte sie Konturen erkennen. Unglauben stieg in ihr auf. Sie beschleunigte ihre Schritte, verga├č ihren Atem. Und dann hatte sie erreicht, was sie glaubte zu erkennen. Eine Hauswand. Die die Gasse abschloss. Eine Wand mit den gleichen groben Steinen und den gleichen blinden Fenster bildete das Ende der Gasse.
Sie drehte sich um und stellte fest, dass diese Gasse, die sie so magisch angezogen hatte kaum mehrere hundert Meter lang war und schlicht aus den R├╝ckseiten der H├Ąuser bestand. Deshalb ging auch niemand in diese Gasse. Wozu, wenn keine T├╝re in eine gem├╝tliche Stube oder auch nur eine enge Kammer einlud?
Sie kam sich unendlich dumm vor, stopfte ihre H├Ąnde tiefer in die Jackentaschen und stapfte fast schon w├╝tend auf sich selbst die Gasse entlang, um die Kurve in die Hauptstra├če und nach Hause.


Version vom 01. 08. 2015 18:05

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DocSchneider
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