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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Geburt
Eingestellt am 22. 03. 2005 20:05


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mikhan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

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Die Geburt

Willkommen! Lange hat es gedauert, ganze neun Monate um genau zu sein, aber jetzt bist du ja endlich da. Schrei ruhig, du hast schließlich eine gewaltige Anstrengung vollbracht und hast ein gutes Recht darauf, auf deine Anwesenheit aufmerksam zu machen. Nicht, dass wir es nicht auch so gemerkt hätten. Sieh nur, wie viele Leute gekommen sind, nur um dich zusehen. Hier, in diesem Augenblick, dreht sich alles nur um dich. Es mag dir ein wenig seltsam vorkommen, aber wir alle haben das einmal erlebt.
Ja, du hast richtig geh√∂rt, vor vielen Jahren waren wir genauso wie du, klein und hilflos, aber entschlossen zu leben. Jetzt sind wir nicht mehr so klein, aber oft immer noch hilflos, und manch einer vielleicht auch nicht mehr so entschlossen zu leben. Aber lass dich davon nicht entmutigen, vor dir liegt noch ein ganzes Leben und du kannst alles besser machen. Niemand kann wissen, wohin deine Wege dich eines Tages f√ľhren werden, m√∂glicherweise sogar weit, weit fort von uns. Wir werden uns nur ungern von dir trennen und doch wissen wir, dass es so kommen wird, darum freuen wir uns um so mehr auf die Zeit, die jetzt vor uns liegt.
Wir wissen nicht, ob du dich ebenso freust, aber du wirst uns schon vertrauen m√ľssen, denn noch bist du unf√§hig, deine eigenen Entscheidungen treffen zu k√∂nnen. Du wei√üt noch so wenig √ľber die Welt, in der wir leben, du wei√üt nichts von den Schwierigkeiten, mit denen wir und andere Tag um Tag zu k√§mpfen haben.
Genau wie du durchleben gerade Abertausende von Menschenkindern diese Augenblicke und zur selben Zeit verlöschen ebenso viele Leben, von denen bald nicht mehr bleibt, als eine vage Erinnerung. Und dann, irgendwann, ist selbst diese Erinnerung nicht mehr da. Dann sind wir wieder das, was wir eigentlich immer waren, Staubkörner, die vom Wind umhergeweht werden. Ein starker Wind hat dich in diese Welt geweht und wird dich eines Tages wieder von ihr fortwehen, doch bis dahin hast du ein Leben zu leben.
Es ist eine gro√üe Herausforderung, aber du kannst ihr nicht entrinnen, davor zu fliehen, w√§re eine sinnlose Verschwendung deiner nur knapp bemessenen Zeit. In den n√§chsten Jahren wird vieles f√ľr dich zu entdecken geben, manches wird dich vielleicht erschrecken oder dich gar traurig machen. Doch am meistens wirst du staunen, staunen √ľber die wunderbare Welt, von der du gar nicht genug bekommen kannst. Pass auf, dass du nie verlernst zu staunen, denn das ist unsere beste Eigenschaft. Ohne sie sind wir nur leblose K√∂rper, die mechanische Bewegungen verrichten. Viel zu viele von uns haben das Staunen schon verlernt. Vielleicht kannst du uns wieder zeigen, wie es ist, zu staunen‚Ķ

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