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Leselupe.de > Erzählungen
Die Geisel
Eingestellt am 08. 03. 2007 15:11


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sb
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Anna schloss die Augen und reduzierte ihre Empfindungen f√ľr einen kostbaren Moment auf ein ertr√§gliches Minimum. Dann jedoch h√∂rte sie die Stimme des hinter ihr geduckten Mannes; Heiserkeit l√∂schte die Silben beinah aus, aber das gen√ľgte vollkommen, der Angst wieder auf die Beine zu helfen.
Erneut der endlose Laut gekeuchter Worte, diesmal ein wenig besser intoniert: "Scheinen immer mehr zu werden, was?" Er lachte; seine linke Hand, die auf Annas Schulter lag, geriet dadurch unweigerlich in Unruhe, und Anna sp√ľrte die bedrohliche Sch√§rfe der Messerklinge, die ihren Hals leicht ritzte. Sie bog ihren Kopf ein wenig zur√ľck, kam damit jedoch dem Mann noch n√§her und verharrte schlie√ülich in einer Position, die ihre Niederlage bereits vorwegzunehmen schien.
Einen Steinwurf von ihr entfernt sah sie das Lichtgeflacker der Einsatzwagen, hinter den ge√∂ffneten T√ľren hockten M√§nner mit Pr√§zisionsgewehren, die auf ihre Chance lauerten. Ihre Zahl war tats√§chlich gestiegen, stellte sie fest, aber was n√ľtzte dies? Solange sie die lebende Zielscheibe war, w√ľrde sicher kein Schuss fallen. Sie befand sich in der Hand eines Mannes, der weniger als zwei Stunden zuvor seine Frau und seinen Sohn ermordet hatte. Da konnte sie kaum auf eine g√ľtige F√ľgung des Schicksals hoffen, denn streng genommen war es ja genau dieses Schicksal gewesen, dass sie in jener fatalen Sekunde den Weg des blutr√ľnstigen M√∂rders hatte kreuzen lassen, der, in blinder Flucht vor der Gerechtigkeit, die Chance genutzt, Anna an sich gerissen und ihr die blitzende Klinge an den Hals gesetzt hatte.
Nun befanden sie sich am Ende eines schmutzigen, √∂den Gel√§ndes, und es kam ihr so vor, als h√§tte sie seither nicht mehr als einen Atemzug getan. Die Zeit war, wie Anna selbst, im Entsetzen erstarrt. Der Hof schien im Besitz einer Firma zu sein, die, so schloss Anna aus dem erb√§rmlichen Zustand der Geb√§ude ringsumher, kurz vor dem Bankrott stehen musste. Kein Ort der Welt h√§tte geeigneter sein k√∂nnen f√ľr dieses Schauspiel, in dem sie eine der Hauptrollen spielte, dachte sie mit einem Anflug von Sarkasmus, der ihr nicht behagte.
"Lassen Sie die Frau gehen, Hohlberg, und ergeben Sie sich!", erschallte die blecherne Stimme aus einem Megafon. "Sie haben keine Chance!"
"Vielleicht nicht", murmelte Hohlberg. Er war so nah bei ihr, als wollte er ihr Ohr entern und Annas Seele erreichen. "Vielleicht aber doch. Was meinst du?"
"Ich...", begann Anna und stockte sogleich wieder, voller Angst vor dem Messer, das vor ihr blitzte, und Hohlbergs einsch√ľchternden und aufdringlichen N√§he. Was sollte sie ihm denn sagen? Oder: Was wollte er h√∂ren? Sie wusste nicht, welche krankhaften Gedanken im Sch√§del eines M√∂rders unheilvolle Allianzen eingingen. Gelegentlich hatte sie seine Hand gesehen, die andere, nicht die das Messer haltende Linke. Sie war mit Blut besudelt, dem Blut von hingerichteten Menschen. Diese Erinnerung daran machte ihr klar, dass Hohlberg ganz sicher nicht mit guten Ratschl√§gen zu bet√ľtern war.
Anna zwang ihren angstumflirrten Blick zu den Polizeiwagen, die wie zuf√§llig hingeschleudert auf dem verwahrlosten Platz standen. Der Anblick verlieh ihr neue Zuversicht; genau wie die Gesichter der Polizisten, die Anna sehen konnte. Einer hatte stahlblaue Augen und ein so h√ľbsches Gesicht, dass Annas erster Impuls war, den Mann anzul√§cheln. Sie w√§re gern in seine Gedanken eingetaucht, um zu erfahren, wie er die Sache sah. Bemitleidete er sie wegen ihrer bedrohlichen Lage, litt er mit ihr oder war sie blo√ü ein Teil seines Tagesgesch√§fts?
Die Sonne lugte hinter einer Wolke hervor und ihre Strahlen bohrten sich wie Finger in ihre Augen, sodass sie blinzeln musste. In der Brusttasche ihrer Jacke steckte eine Sonnenbrille, aber sie sich aufzusetzen, war genauso aussichtslos, als versuchte sie, mit ihrem Atem die Sonne auszupusten. F√ľr einen Moment malte sie sich aus, welch fatale Folgen ein Niesen haben k√∂nnte.
"Ich wei√ü nicht", sagte sie zaudernd, eine Reaktion von ihm abwartend. Als er nichts entgegnete, fuhr sie fort: "Sie haben etwas Schlimmes getan, glaube ich." Hatte sie gerade wirklich glaube ich gesagt? Hinter ihr kicherte Hohlberg hei√üe Luft in ihr Ohr, sie sp√ľrte die sanfte Ber√ľhrung seiner Lippen und zuckte nach vorn weg, bis die Sch√§rfe des Stahls sie z√ľgelte. "Geben Sie auf", sagte sie mit schriller Stimme, "und beweisen Sie, dass Sie Gutes tun k√∂nnen."
Der Mann schwieg, und Anna rollte mit den Augen nach links und rechts, was ihr in den Augen der sie anstarrenden Polizisten wohl den Anschein einer Wahnsinnigen geben musste, um wenigstens den Schatten einer Reaktion von ihm zu erhaschen, doch vergebens. T√ľftelte er an einer Antwort oder wollte er nur ein wenig Zeit verstreichen lassen, um dann umso effektvoller die Klinge in ihr verschwinden zu lassen? Manchmal fing das Messer einen Sonnenstrahl auf und stie√ü ihn weiter, sodass er √ľber den Boden oder den Lack der Wagen zuckte. Am Stand der Sonne errechnete Anna, dass es ungef√§hr halb drei war; demnach befand sie sich nun schon ann√§hernd zwei Stunden in der Gewalt des M√∂rders. Doch kaum hatte sie ihre Berechnung abgeschlossen, musste Anna sie mit einem Anflug von Zerknirschung verwerfen, denn ferne Kirchenglocken t√∂nten zweimal.
Im Nachhall dieses leisen Lautes hinein sagte Hohlberg, kaum lauter und weniger wohlt√∂nend: "Ich habe meine Frau umgebracht und nach ihr meinen Sohn. Sie haben ganz Recht: Ich habe etwas Schlimmes getan. Etwas so Schlimmes, dass niemand imstande sein wird zu sagen, er k√∂nnte das verstehen. Vielleicht k√∂nnte ein Anwalt das." Er stie√ü ein br√ľchiges Lachen aus. "Aber niemand sonst. Wie k√∂nnte ich da aufgeben? Mit welchem Recht kann ich mich nun mit erhobenen Armen hinstellen und sagen, dass es vorbei ist? Es ist kein Spiel, das ich beenden kann, weil mir die Lust daran vergangen ist. Ich habe mit einem Messer, das ebenso gut geschliffen ist wie dieses, mehrmals auf meinen Sohn eingestochen, bis all das Blut einen h√§sslichen Fremden aus ihm machte. Und meiner Frau hab¬ī ich die Kehle durchgeschnitten. Soll ich Ihnen was sagen? Ich war immer Herr meiner Gedanken. Letztlich war ich das, auch wenn es nicht so aussieht. Ich bin nicht geisteskrank und geh√∂re nicht ins Irrenhaus."
"Nein...", wandte Anna ein.
"Aber gehöre ich ins Gefängnis? Zu den Verbrechern, dem Abschaum, der nichts aus seinem Leben zu machen weiß, zu all den kranken Gestalten? Gehöre ich in diese Gesellschaft? Was meinen Sie?
"Ich denke..."
Er lie√ü sie abermals nicht aussprechen. "Bestimmt nicht." Anna sp√ľrte, dass Hohlberg den Kopf wandte und in die Sonne blinzelte. "Bestimmt nicht. Bevor ich da rein muss..." Er lie√ü den Satz unausgesprochen verstreichen, aber Anna musste den Rest auch nicht h√∂ren, um das Unheil zu ahnen. "Ich werde einen Wagen fordern und Geld, und wenn beides da ist, werden wir eine kleine, aber vermutlich nicht sehr gem√ľtliche Fahrt unternehmen."
"Aber das ist doch Wahnsinn!"
Wieder lachte Hohlberg, weder klang es fröhlich noch traurig; sein Mund fabrizierte lediglich eine Reihe von neutralen Tönen. "Ja, vermutlich, aber das ist mein ganzer Plan."

Die Glocken t√∂nten dreimal; zwei Kirchen schlugen vollkommen √ľbereinstimmend, eine dritte hing zaudernd ein wenig hinterher.
Der Einsatzleiter hatte seine Forderung wiederholt, dass Hohlberg aufgeben sollte; der M√∂rder hingegen hatte bislang weder Fluchtwagen noch das Geld erw√§hnt. Anna √ľberlegte sich, dass ein weiterer Aspekt seines unsinnigen Plans war, den Einbruch der D√§mmerung abzuwarten. Ein anderer Mann, in dem Anna unschwer einen Psychologen erkannte, war hinzugekommen und hatte, wie eine Mutter auf ihr ungezogenes Kind, auf Hohlberg eingeredet, bis der ihn anherrschte, er w√ľrde die Geisel t√∂ten, wenn er nicht mit dem Geseiche aufh√∂rte.
Die letzten Minuten waren schweigend verstrichen. Es war beinah angenehm, den warmen Schein der Nachmittagssonne zu sp√ľren; Anna war versucht, die Augen zu schlie√üen, um sich ein St√ľck dieses Zaubers zu bewahren. Aber das war tr√ľgerisch!, sagte sie sich und befahl sich, ihre Rolle als Geisel mit gr√∂√üter Aufmerksamkeit zu meistern. Vielleicht ergab sich bald eine Gelegenheit, die sie binnen eines Sekundenbruchteils erkennen und nutzen musste. Es mochte sein, dass ein solches Ma√ü an Optimismus angesichts einer Messerklinge, die so scharf wirkte, dass mit ihr wom√∂glich Amputierungen durchgef√ľhrt werden konnten, mehr als unangebracht war, aber Anna war der √úberzeugung, dass diese Art von Naivit√§t fruchtbarer war als desillusioniertes Empfinden. Immerhin, sagte sie sich und sp√ľrte einen Adrenalinschub, der sie durchrauschte, es hielt den Funken in ihr am Glimmen.
Die Konturen in der klaren Luft waren scharf und sie konnte sogar die Furchen der Anspannung in den Gesichtern der M√§nner erkennen, die in sicherer Entfernung standen und ihre Waffen im Anschlag hielten. Die meisten trugen des Sonnenlichts wegen jetzt dunkle Brillen. Wie unwirklich es war, von rund zwei Dutzend M√§nnern, die Schusswaffen trugen und ihre Augen verdeckten, angegafft zu werden. Anna sp√ľrte Schwei√ü sich verfl√ľssigen, als sie sich dessen bewusst wurde. Die M√§nner konnten vermutlich jede Regung in ihrem Gesicht erkennen und deuten, aber Anna konnte nichts dergleichen. Auf besch√§mende Weise f√ľhlte sie sich bis auf den tiefsten Grund ihrer Empfindungen entbl√∂√üt und ausgelotet.
Nach und nach machte sich Annas Blase bemerkbar. Noch war das Gef√ľhl nicht so schlimm, dass ihr Denken davon beherrscht wurde, aber sie wusste, bald w√§re es ein echtes Problem, f√ľr das es kaum eine L√∂sung gab. Bald w√ľrde der Drang so √ľberm√§chtig sein, dass sie ihm nicht mehr Einhalt gebieten konnte. Was dann?, fragte sie sich und lauschte der rauschenden Leere in ihrem Kopf, die diese Frage aufwarf. Als handele es sich um einen schlechten Scherz, bekam sie einen trockenen Mund, der ganz pl√∂tzlich mit dicken Lagen L√∂schpapier verstopft schien, und der Gedanke an Wasser, selbst wenn es fad und verdorben w√§re, brachte sie fast um die Beherrschung.
"So unruhig plötzlich?", erkundigte sich Hohlberg. "Was ist los?"
"Nichts", log Anna.
"Reden Sie schon!", sagte er. Seine Stimme klang freundlich, fast spielerisch, aber etwas darin erweckte den Anschein, dass Hohlbergs Wohlwollen eng gezogene Grenzen hatte und sich leicht ins Gegenteil umkehrte.
"Meine Blase dr√ľckt", antwortete Anna, und damit ihre √Ąu√üerung nicht so schwer in der Luft lag, schob sie nach: "Und meine F√ľ√üe schmerzen." Das war keine L√ľge, stellte sie fest, nachdem sie eine fl√ľchtige Inventur gemacht hatte. Sie schmerzten tats√§chlich; ebenso ihr R√ľcken und ihr Nacken.
Hohlberg lachte auf. Sein Atem roch schlechter als je zuvor; Anna r√ľmpfte die Nase und war sich bewusst, dass die M√§nner ihre Mimik m√ľhelos deuten konnten, als w√ľrden sie in einem offenen Buch lesen. "Denkbar schlechter Zeitpunkt jetzt f√ľr so ein Theater, meine H√ľbsche. Hab¬ī da leider keine L√∂sung f√ľr Sie. Werden schon noch eine Weile warten m√ľssen." Weiterhin sagte er nichts mehr, aber das Metall der Klinge an ihrem Hals war beredt genug.

Sechzehn Uhr.
Unversehens wurde Annas Kopf am Haar nach hinten gezerrt; das geschah mit solch brutaler Wucht, dass sie beinah das Gleichgewicht verloren h√§tte. Sie schrie gequ√§lt auf, w√§hrend Hohlbergs Hand sich tiefer in ihre dunklen Locken w√ľhlte und ihren Kopf wild umherschleuderte.
"H√∂rt zu!", br√ľllte er, "ich verlange einen Fluchtwagen!" Speicheltr√∂pfchen spr√ľhten Anna ins Gesicht. "Habt ihr verstanden? Einen Fluchtwagen und Geld. Ich will F√ľnfzigtausend. In einer Stunde will ich beides sehen!"
Das Megafon erwachte mit einem j√§mmerlich fiependen Laut zu neuem Leben. "Hohlberg, in einer Stunde schaffen wir das nicht. Sie m√ľssen..."
"Eine Stunde, sonst stirbt sie!" Das Messer bohrte sich in das verhei√üungsvoll-straffe Fleisch ihres Halses, in dem der Kehlkopf wie ein gefangener Vogel h√ľpfte und gurgelnde Laute produzierte. "Ich schlitz sie auf! Glaubt es mir!" Er wandte sich ihr zu, beugte seinen Kopf √ľber ihren und schaute ihr in die Augen; ihre waren vom Schock geweitet, seine blickten starr und dunkel wie Haifischaugen. "Sag ihnen, dass ich dir weh tue!"
"Ja", wimmerte sie.
"Sag es laut!", herrschte er sie an.
"Ja, Sie tun mir weh!", kreischte sie. "Sie tun mir weh!"
Wie aus der Ferne und aus der Sicht einer Zuschauerin nahm sie wahr, dass sich, erst z√∂gerlich und dann, nach einem vergeblichen Versuch, dem Drang Einhalt zu gebieten, in einem hei√üen, endlosen Strom ihre Blase entleerte. Sie sp√ľrte die brennenden Blicke der Polizisten, die sahen, wie sie sich beschmutzte, aber in ihrem Kopf war kaum Platz f√ľr ein l√§stiges Schamgef√ľhl, sosehr war er angereichert mit einem Panikgeheul, das schreiend √ľber jeden Gedanken hinwegfuhr.
"Eine Stunde!", rief Hohlberg und lie√ü sie los. Ihr Kopf wippte nach vorn, als s√§√üe er auf einer straff gespannten Feder. Sie keuchte und rang wie eine Ertrinkende nach Luft, und doch glaubte sie, dass kein Hauch in ihren verkrampften K√∂rper gelang. Ihr erstarrter Brustkorb war bis zum Platzen mit Granit √ľberf√ľllt. Die gute Luft, die sie einsog, wurde ihr im Mund schal.
Beruhig dich!, machte sich tief in ihr eine Stimme bemerkbar, doch stattdessen schoss neuerlich Entsetzen in ihr hoch, und gleich darauf wurde sie hemmungslos von Heulkr√§mpfen gesch√ľttelt, welche sie auf ein unansehnliches Kn√§uel aus Emotionen reduzierten.
Sie wusste nicht, wie lange dieser Anfall ging; es konnten Sekunden aber auch endlose Minuten gewesen sein. Die zaghafte Wiederkehr ihrer Beherrschung nahm sie freudig zur Kenntnis, bewies es doch immerhin, dass sie unbeschadet war und lebte.
Sie sog tief Luft in ihre Lungenfl√ľgel, die sich jetzt ohne jegliche Verweigerung bl√§hten, und wiederholte das mehrmals. Zwischen zwei ausgiebigen Schnaufern, die ihre Wangen aufplusterten und ihr Gesicht zu einer wilden Grimasse stauchten, dachte sie, dass fast alles au√üer ihrer Angst weit fort war. Ihr Stolz war fort angesichts ihrer besudelten Hose. Der Glanz unverf√§lschter Freude am Leben in ihren Augen; aufgeweicht vom Rotz, der ihr unabl√§ssig aus der Nase rann und den sie nicht wegwischen konnte. Ihre mittelm√§√üige, aber dennoch lieb gewonnene Vergangenheit und ihre Zukunft, an welche sie stets unverdrossen geglaubt hatte; niedergetrampelt von der unberechenbaren Bestie namens Hier und Jetzt.
Die wenigen Sekunden, die Anna mit dem Messer an der Kehle durchlebt hatten, erwiesen sich nun als reinste Mathematik, als eine radikale Subtraktion, deren Summe ein traumatisierter Mensch war, der hinter jedem erlauschten Ger√§usch pures Grauen vermutete und sich vielleicht eines Tages fragen w√ľrde, ob der Tod nicht das kleinere √úbel gewesen w√§re.
"Warum tun sie mir das an?", fragte sie Hohlberg nach einer Weile. Der Klang ihrer Stimme lie√ü sie erschaudern; die Silben schienen aus einem schleimverdickten T√ľmpel aus Tr√§nen zu sprudeln.
Die Antwort, die kam, klang fast zaghaft, als w√ľrde er bedauern, was geschehen war. Zweifellos war Hohlbergs J√§hzorn eine berechnende Showeinlage gewesen; Futter f√ľr die Feinde. "Es geht hier nicht um dich. Ohne Sie w√§re ich l√§ngst verloren."
Anna fiel auf, dass er mal zum Du, dann wieder zum Sie umschwenkte.
"Ich kann verstehen, dass Sie mich zum Teufel w√ľnschen; w√ľrde mir an Ihrer Stelle nicht anders ergehen. Sie k√∂nnen mir Vorw√ľrfe machen, mich verw√ľnschen, Drohungen aussprechen. Ich lass Sie das tun." Er lachte nun leise. "Vielleicht bin ich Ihnen dass ein bisschen schuldig."
"Wie gn√§dig!", sagte Anna und bemerkte erst, als ihr die Worte entschl√ľpft waren, wie √§tzend sie klangen.
"Nein!" Sein leises Lachen, nur f√ľr ihre Ohren bestimmt, verhallte. "Ihr einziges Privileg. Mehr bleibt Ihnen nicht. Es ist m√∂glich, dass Ihnen eine Drohung im Hals stecken bleibt, wenn ich ihn aufschlitze. Was ich vorhin gesagt habe, waren keine leeren Worte. Ich hab¬ī meine Familie ausgel√∂scht; nichts anders mache ich mit Ihnen, wenn etwas schief l√§uft."
Anna verschlug es die Sprache angesichts dieser wie im Plauderton ausgesprochenen Aussicht. Eine Stunde!, dachte sie und korrigierte sich sogleich: weniger noch. Und dann, was geschah dann? Die Zahl, die hinter dieser Zeitspanne stand, die j√§mmerlichen Minuten und Sekunden, zuckten wie eine Parade an ihrem geistigen Auge vor√ľber. Fand hier, in diesem engen, dreckigen Hof ihr Leben sein Ende? Diese Vorstellung, die schrecklichste ihres Lebens, erf√ľllte sie mit unaussprechlichen Schlachthaus-Entsetzen; es pumpte sich durch ihre Adern und Blutgef√§√üe. Und pl√∂tzlich war da der viehische Impuls in ihren Beinen, einfach davonzurennen. Ihre Nerven schienen zu vibrieren, und nur ein kr√§ftiger Biss auf ihre Zunge, der ihren Mund mit einigen Bluttropfen f√ľllte, verhinderte, dass das blinde Gef√ľhl Oberhand gewann.
Sie starrte mit nach oben verdrehten Augen in den Himmel, der sich gleichg√ľltig √ľber sie spannte und versuchte an nichts zu denken. Langsam, wenngleich nur scheinbar legte sich der Aufruhr in ihrem Innern, der Atem beruhigte sich zusehends und der kalte Schwei√ü trocknete. Es wunderte sie, dass Hohlberg nicht mitbekommen hatte, dass f√ľr wenige Sekunden die d√ľnne Schicht zivilisierter Abgekl√§rtheit ausradiert worden war und stattdessen der in ihren Genen schlummernde panische Affe die Herrschaft √ľbernommen hatte. Oder vielleicht hatte er, √ľberlegte sie dann, und war erfreut √ľber die Wirkung seiner Drohung.

Es ging auf siebzehn Uhr zu; die Schatten, die l√§nger wurden und das Licht aufsaugten, k√ľndigten die Stunde ihres Todes an. Anna erwartete jeden Augenblick das T√∂nen der Kirchenglocken, womit belegt w√§re, dass die Frist vor√ľber war. Von einem Fluchtwagen war nichts zu sehen, und Hohlberg hatte nicht mehr insistiert. War er sich seiner Sache so sicher, dass er sich nicht vergewissern musste, oder hatte er im Gegenteil seinen Glauben an eine Flucht begraben? Er hatte auch zu Anna kaum noch ein Wort gesagt, so dass sie das Gef√ľhl hatte, hinter ihr st√ľnde eine katatonische Gestalt, deren einziges Ziel es war, die Sekunden bis zu ihrer beider blutigem Ende herunterzuz√§hlen. Das pr√§gnanteste Anzeichen seiner Gegenwart war die Hand, die bleischwer auf ihrer Schulter lastete und das Messer hielt. Die Klinge war nicht mehr so bedrohlich nah an ihrer Kehle wie in den Stunden zuvor, aber sie war immer noch stets pr√§sent.
Fast schlimmer als all das war das Schweigen, das um sie herum herrschte, als h√§tte Hohlberg ihr Pfl√∂cke in die Ohren getrieben; es riss tiefe Kl√ľfte in die k√ľmmerlichen Reste ihres Vertrauens auf Rettung. Es schien so, als w√§re es bereits um sie geschehen und das, was sie nun gerade erlebte, nichts weiter als ein Erinnerungsfetzen ihrer davonjagenden Seele. Um dieses Bild, das zu verst√∂rend war, auszul√∂schen, scharrte sie leicht mit dem Fu√ü √ľber den Boden und war dankbar f√ľr den Laut. Ihr Durst war jetzt unertr√§glich; die Zunge lag wie ein verd√∂rrter Fisch in ihrem Mund. Ebenso qu√§lend durchzuckte sie der stete Schmerz, der von ihrem R√ľcken ausging und √ľber den Nacken bis in ihren Sch√§del brandete.
Ich bin ein Wrack, dachte sie freudlos, mit f√ľnfunddrei√üig sammle ich Schmerzen wie andere Menschen Kronkorken. Sie schwor sich, Vitalit√§t und Schwung in ihr verstaubtes Leben zu bringen, vorausgesetzt nat√ľrlich, der Messerhieb bliebe aus.
Sie schielte nach unten, bis ihre Augen vorn√ľber aus den H√∂hlen zu kippen drohten, und erfasste die erwartungsfrohe Klinge; zwischen ihr und ihrer Kehle befand sich eine Handbreit Luft. Eine Handbreit, dachte Anna, und ein unm√∂glicher Plan ballte und formte sich wie ein Kn√§uel Staub. Hohlberg hatte sie offensichtlich abgeschrieben oder seine Ersch√∂pfung war ebenso gro√ü wie ihre. Anna kaute auf ihren Lippen. Ihr Plan war so simpel wie der eines Kleinkindes, und sie wusste, es gab selbst in der Theorie hundertf√§ltige M√∂glichkeiten, die ihn durchkreuzen konnten. Allein die Tatsache, dass sie Hohlbergs Passivit√§t nicht einsch√§tzen konnte, zernagte ihren Mut zu einem unansehnlichen Brei.
Ihre zerkauten, vielleicht blutigen Lippen schmerzten, und sie hielt inne und atmete einige Male tief ein und aus. Ihr war hei√ü und kalt gleichzeitig, als k√ľndigte sich eine Krankheit an.
Konzentrier dich!, dachte sie, dann wirst du es schaffen! Konzentrier dich nur! Gott ist auf deiner Seite!
Jetzt ihre Hoffnung auf Gott zu setzen, beschämte sie, denn den Glauben an ihn hatte sie vor vielen Jahren gegen pragmatischere Lebenshilfen eingetauscht. Aber sie befand sich nun einmal in einer elementaren Situation, da durfte sie die vage Möglichkeit auf Hilfe von allmächtiger Seite nicht ausschlagen. Gab es nicht immer wieder Menschen, die von Wundern sprachen, welche ihnen widerfahren waren? Warum sollte nicht auch Anna ihnen bald ihre Stimme leihen?
Ich will leben!, dachte sie zornig und riss ihren rechten Arm hoch, um binnen einer Sekunde das Gelenk von Hohlbergs linker Hand, die das Messer hielt, zu packen und mit aller Kraft wegzustoßen. Das tat sie in dem Augenblick, in dem die Kirchenglocken zu läuten begannen. Vor Schreck oder Überraschung oder beidem geriet die Wucht von Annas fulminantem Stoß ins Taumeln.
"Was zum Teufel...!", rief Hohlberg erstaunt und brachte das Messer in Angriffsposition. Er sp√ľrte einen Widerstand, wo keiner sein sollte, und sp√§hte √ľber Annas Schulter und hatte dasselbe Bild vor Augen wie seine Geisel, aus deren Mund zischend der angehaltene Atem entwich; ein Schock- und Schmerzenslaut.
Annas Hand hielt statt Hohlbergs Handgelenk die Klinge umschlossen. Blut tr√∂pfelte zwischen den geschlossenen Fingergliedern. Zerschnitten, dachte sie, aber eher akademisch als √§ngstlich, meine Hand ist zerschnitten. Die Wunde, die sie nicht sehen konnte, schmerzte weniger, als sie bef√ľrchtet hatte, daf√ľr sp√ľrte sie ein schnelles Pulsieren, das st√§ndig an Intensit√§t zunahm und verzehrende Hitzefont√§nen ausspie. Sie unternahm den Versuch, die Faust zu √∂ffnen, aber die durchtrennten Muskeln ignorierten diesen Befehl, so war Anna zu gr√∂beren Mitteln gezwungen. Mit aller Kraft wuchtete sie sich mit ihrer Schulter gegen Hohlberg, der nach hinten wegtaumelte. Das Messer l√∂ste sich mit leisen Schlitz- und Schneidelauten aus seiner fleischlichen Umh√ľllung und zog eine blutige Sch√§rpe aus Fleisch und Geweberesten hinter sich her. Hohlberg fing sich wieder und stie√ü mit dem Messer nach Anna, die jedoch die Zeit genutzt und sich mit einem Sprung in Sicherheit gebracht hatte. Sie kam jedoch nicht weit: Schmerz und Schw√§che lie√üen sie lang hinschlagen. Ihre Hand pulsierte und war klebrig und hei√ü. Sie getraute sich nicht, einen Blick zu wagen. Stattdessen h√∂rte sie, wie das Blut in ihren Scho√ü str√∂mte.
"Hände hoch!", gellte die zu Leben erwachte Megafonstimme. "Waffe weg!"
Hohlberg ignorierte die Aufforderung, seine Aufmerksamkeit galt einzig Anna. "Du hast mich √ľbert√∂lpelt", sagte er. Klang seine Stimme erleichtert? Zum erstenmal konnte Anna nun ausgiebig sein Gesicht studieren. Sah man von der Ersch√∂pfung ab, war es ein durchaus h√ľbsches Gesicht mit nur kleinen Makeln wie zum Beispiel einer zu langen und zu krummen Nase. Intelligenz blitzte in seinen blauen Augen, was seine Taten nur noch unbegreiflicher machte. Solche Augen waren zu schade f√ľr das hier, f√ľr diesen h√§sslichen Ort, von dem nichts ausging au√üer Tristesse; solche Augen waren geschaffen, ein gutes Buch zu lesen oder den Wert eines edlen Weines erkennen zu k√∂nnen. Sie waren dazu da, Sch√∂nheit zu entdecken und den Mund staunend dar√ľber berichten zu lassen.
Anna versp√ľrte das Bed√ľrfnis, etwas zu sagen, damit Hohlberg ihr eine Erkl√§rung f√ľr seine Gr√§ueltaten lieferte, etwas, woran sie nachts, wenn Albtr√§ume sie aufschreckten, denken konnte. Aber sie brachte keines der Worte, die sich in ihr aufstauten wie Bl√§hungen, √ľber ihre Lippen, denn Hohlberg kam ihr zuvor; er rammte sich, den Blick ruhig auf Anna gerichtet, das Messer in den Leib, wo es bis zum Heft verschwand. Er st√∂hnte auf und wankte, doch er lie√ü sie keinen Moment aus den Augen.
"Hohlberg!", gellte es aus dem Megafon. "Scheiße!"
Ein leises Knirschen ertönte, als der Mörder das Messer aus der Wunde riss. "Ich geh nicht ins Gefängnis. Hab es doch gesagt."
Ein Schuss ert√∂nte und zerschmetterte Hohlbergs Schultergelenk, um ihn an einer weiteren Selbstverst√ľmmelung zu hindern. Er machte eine ungelenke Pirouette und sackte dann in die Knie. Sein Mund stand offen, blutiger Speichel, dick und aufgeschwemmt wie Schaum, rann ihm √ľbers Kinn.
"Hören Sie auf!", schrie Anna zu Hohlberg. In ihrer Hand loderte es unerträglich, aber sie missachtete ihren Schmerz; schlimmer war Hohlbergs Niedergang. "Du blödes Arschloch, hör auf damit!"
"Ich hab es gesagt!" Hohlberg brachte tats√§chlich ein L√§cheln zustande, das schaurig wirkte mit all dem Blut im Gesicht, an seinem Kinn, seinen Lippen und Z√§hnen. Dann nahm er das Messer in die andere Hand und schlitzte sich mit roher Gewalt die Kehle auf. Sein Hals klaffte auf wie ein √ľbergro√üer, obsz√∂n bemalter Mund. W√ľrgend spie er Blut hervor, und mit einem Rasseln entwich Luft aus der Wunde. Langsam glitt Hohlberg auf den Boden und lag da wie niedergemetzeltes Vieh. R√∂chelnd und ruckend erstarben seine sinnlosen Bewegungen.
Der Anblick war zu schrecklich, um ihn ertragen zu k√∂nnen. Anna schaute nieder und widmete sich mit aller Aufmerksamkeit ihrer Hand, die ihr fremd erschien; wie die Hand eines verunstalteten Geistes. Sie blickte auf Hautlappen, die sich √∂ffneten, als sie ihren Arm bewegte, und dahinter leuchtete das Wei√ü ihres Fleisches und der bebenden Muskeln. Der kleine Finger schien nur noch mit Hautfetzen oder d√ľnnen Sehnen mit dem Rest ihrer Hand verbunden zu sein und baumelte leblos neben dem Ringfinger herunter. Erst jetzt begriff sie, dass Hohlberg sie mit einem beidseitig geschliffenen Messer bedroht hatte, denn nicht nur ihre Finger, sondern auch ihre Handfl√§che war derart verw√ľstet, dass Anna f√ľr einen Moment schwarz vor Augen wurde. Blut rann in einem endlosen Strom auch aus dieser Wunde, dahinter wurde ein Spalt in ihrem Fleisch sichtbar, in dem sie bequem einen Stift h√§tte versenken k√∂nnen.
Jede Sekunde, die sie l√§nger auf diese blutige Verw√ľstung starrte, bl√§hte den Schmerz auf. Er schwoll in ihrem Leib an wie ein unerw√ľnschtes Kind und sorgte daf√ľr, dass ihr Mund Jammerlaute ausspuckte und ihre Sinne zu verl√∂schen drohten. Der Schmerz enterte ihre Augen, die flehend auf die Polizisten blickten, die langsam, ihre Waffen im Anschlag, auf Anna und Hohlberg zukamen. Sie widmeten all ihre Aufmerksamkeit ihm, dem Toten, und missachteten sie v√∂llig.
"Er ist doch tot", sagte oder dachte sie und reckte ihre blutige, aufklaffende Hand demjenigen Polizisten entgegen, der ihr am n√§chsten stand. Es dauerte lange, bis zwei, drei K√∂pfe sich in ihre Richtung wandten. Anna nahm sie als verwaschene Schemen wahr, die n√§her kamen; alles, selbst das Blut, welches von ihrer erhobenen Hand rann, verlor an Farbe und Form. Und auch das Licht der Sonne wurde pl√∂tzlich, wie wenn jemand einen Schalter umgelegt h√§tte, spr√∂de und kalt. Anna Augenlider flatterten nieder und Schw√§rze, dick wie Tinte, st√ľlpte sich r√ľde √ľber sie und trug sie weg von ihrem toten Sch√§nder und dem Schmerz.








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axel
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Hallo sb.
Ich nehme mal an, du wolltest mit diesem Text weniger eine Handlung erzählen als vielmehr eine Stimmung aufbauen, ein spannungsgeladenes Kribbeln mit ganz viel Gänsehaut. Meiner Ansicht nach gelingt dir das aber nicht.
Da sind ganz viele Sachen, die mich stören, und das beginnt schon mit der Person des Gangsters: Wie du den schilderst, könnte ich mir vielleicht einen Bankräuber nach einem gescheiterten Überfall vorstellen, aber keinen Familienmörder. Auch die Art, wie der Polizist mit ihm redet (nur der Name, ohne Anrede) passt höchstens zu einem alten Bekannten, mit dem man es immer wieder mal zu tun hat.
Hast du mal darauf geachtet, wie nah du jemandem kommen musst, ehe du seine Augenfarbe erkennen kannst? So nah können die Polizisten nicht sein!
Ein Familienmörder wird auf frischer Tat ertappt und kann trotzdem fliehen? Erstes Stirnrunzeln.
Er ist zu Fuß unterwegs, schafft es aber bis zu einer Industriebrache? Auf dem Weg kreuzt sein Weg sich mit dem von Anna? Zweites und drittes Stirnrunzeln.
Die Industriebrache liegt in Hörweite mehrerer Kirchen? Viertes Stirnrunzeln.
√úber einige unstimmige Details k√∂nnte man vielleicht hinwegsehen, wenn die Erz√§hlweise atmosph√§risch dicht w√§re und einen in die Szenerie f√∂rmlich hineinziehen w√ľrde, aber das tut sie nicht. Du versuchst, die Geschehnisse aus Annas Perspektive zu schildern. Wenn du pl√∂tzlich zur Geisel w√ľrdest, w√ľsstest du sofort, wer dich kidnappt (und warum)?
Was immer sich abspielt, geschieht f√ľr sie vor dem Hintergrund ihres Lebens, √ľber das wir √ľberhaupt nichts erfahren. Sie erz√§hlt √ľber die Anordnung der Polizeiwagen auf dem Hof, macht sich Gedanken dar√ľber, wie es der Firma, auf deren Gel√§nde sie gelandet ist, wirtschaftlich geht (wenn dort noch jemand arbeitet, m√ľssten die Leute doch da sein!), wie ihre Blicke auf die Polizisten wirken, statt an ihre Eltern, ihren Freund oder wen auch immer zu denken, wenn das l√§hmende Entsetzen ihr einmal Zeit daf√ľr l√§sst.
Zu guter letzt finde ich auch die meisten Bilder, die du benutzt, eher unpassend:
Die Zeit erstarrt nicht im Entsetzen, Sekunden erweisen sich nicht als reinste Mathematik und der bis zum Platzen mit Granit √ľberf√ľllte, erstarrte Brustkorb √ľberzeugt mich auch nicht.
Wenn du wirklich einen atmosphärisch dichten Text schreiben willst, solltest du meiner Meinung nach noch einmal ganz neu beginnen, denn mit kleinen Ausbesserungen ist es in diesem Fall sicher nicht getan.
Harte Worte, aber ich hoffe, du kannst trotzdem etwas damit anfangen und erkennst vor allem, dass sie als konstruktive Kritik gemeint sind.
Viele Gr√ľ√üe von Axel
__________________
Bis hierhin vielen Dank!
(Friedrich K√ľppersbusch)

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sb
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Hallo Axel,

besten Dank f√ľr deine Kritik und die M√ľhe, die du dir dabei gemachst hast. Zwar kommt meine Geschichte ja nicht ganz so gut weg dabei, aber das ist sicher eher hilfreich (auch wenn mein erster Gedanke war: ¬īHe, was soll das?¬ī).
Einiges von dem, was du kritisch erwähnt hast, wäre meinerseits eine Überlegung wert, anderes eher nicht. Sicherlich habe ich versucht, eine Stimmung aufzubauen; eine kurze Episode aus dem Leben zweier Menschen. Ich war noch nie in der Gewalt eines Mörders, könnte mir aber vorstellen, dass es genauso passieren kann, wie ich es dargestellt habe. Dass der Mann zunächst fliehen kann und Anna seinen Weg kreuzt -
warum nicht? Ich habe √ľbrigens nicht erw√§hnt, dass es sich um ein gr√∂√üeres Industriegel√§nde handelt. Es gibt aber doch viele kleine Unternehmen im Herzen von St√§dten; somit sind die Kirchen in der Umgebung erkl√§rbar. Ich zumindest kenne einige Gegenden, wo dies genauso ausschaut. Aber vielleicht h√§tte ich das in einem Nebensatz erkl√§ren sollen.
Metaphern oder bildhafte Beschreibungen zu verwenden, ist nat√ľrlich immer heikel, sie sto√üen nicht immer auf Gegenliebe. Aber ich mag sie halt, und sie sind das pr√§gnanteste Merkmal meines Schreibstils. Es gibt B√ľcher anderer Autoren, die ich nicht prim√§r des Inhalts wegen mag, sondern vielmehr wegen des angewandten Schreibstils. Ich kann wenig mit einem Buch im klinisch sauberen Stil anfangen. Ist Geschmackssache. Na ja, aber warum sollte die Zeit aus Sicht einer betroffenen Person nicht im Entsetzen k√∂nnen? Ist das wirklich sehr abstrakt?
Ich kann dir nicht sagen, ob ich den Text wirklich jemals
√ľberarbeiten werde. Aber ich werde mir eingehend Gedanken dar√ľber machen. bis hierhin ebenfalls vielen Dank

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