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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Gerichtsverhandlung - Das Finale
Eingestellt am 04. 07. 2003 17:17


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dubidu
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Vorgeschichte

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In der Kantine des Arbeitsgerichts

Rechtsanwalt Shakir hockte einsam am für Richter und Anwälte reservierten Tisch und stocherte schlechten Gewissens in seinem Stammessen, einer Currywurst mit Pommes. Richter Bernado steuerte auf ihn zu und ließ sich mit einem leisen Seufzer auf dem Platz gegenüber nieder. „Guten Appetit, Herr Kollege!“

„Mahlzeit“, erwiderte Shakir kauend. Er schaute auf den mit Königsberger Klopsen gehäuften Teller Bernados, schüttelte den Kopf und suchte nach passenden Worten für einen der Kantine angemessenen Small Talk.
„Interessanter Typ, mein Mandant, meinen Sie nicht?“, fragte Shakir lauernd.
Bernado zerlegte kunstvoll einen Klops und ĂĽberlegte, ob er ihn zum Mund fĂĽhren oder erst auf die Frage des Rechtsanwalts antworten sollte. Er entschied sich gegen den Hunger.

„Hm, ich bin mir über diesen Typen so wenig gewiss, wie ich meiner Einschätzung über das Personal im Pflegeheim sicher bin.“
Shakir schaute den Richter fragend an.

„Sagen Sie, Kollege Shakir, mir ist da gestern Nacht noch etwas eingefallen: Ihr erster Zeuge, der Hausmeister des Pflegeheims… dieser Franco erwähnte, dass auch anderen Kollegen wegen Verstoßes gegen die Heimregeln gekündigt wurde. Was wissen Sie darüber?“

„Mist!“ Shakir hatte seine Krawatte bekleckert. „Und meine Frau soll doch nicht wissen, dass ich statt Obst wieder…eh…was meinen Sie Herr Kollege?“ Er wischte seine Krawatte mit einem sauberen Taschentuch ab. „Ach so, nein – darüber weiß ich überhaupt nichts.“

Bernado glaubte Shakir so gut zu kennen um einschätzen zu können, dass dieser weit mehr wusste als er zugab. In mehr als dreißig Jahren seiner Tätigkeit als Arbeitsrichter hatte Bernado erfahren, dass Rechtanwälte lügen konnten, dass sich die Balken bogen. Er unternahm einen weiteren Versuch.
„Nehmen wir an, dass einer unverhältnismäßig hohen Zahl an Pflegern in letzter Zeit gekündigt wurde. Dann ergibt sich doch die Vermutung, dass diese Kündigungen im Zusammenhang mit dem Fall ihres Klägers stehen könnten. Das würde bedeuten, dass wir an der Oberfläche einen Fall verhandeln, der im Grunde ganz andere Motive und Gründe hätte, stimmts?“

„Harhar, Sie sehen wieder einen großen Wald, anstatt sich mit den Bäumen zu befassen, lieber Philosophenrichter. Sie haben wohl letzte Woche die Uraufführung >Die Physiker< im Theater gesehen.“
„Naja, war nur so ein Gedanke“, brummte Bernado in seinen Bart.

In der Kammer des Saaldieners

Nach dem Mittagessen suchte Bernado Dubidus auf. „Dubidus, ich habe mal wieder eine Sonderaufgabe!“ Dubidus strahlte. Zum einen versprachen die Sonderaufgaben eine schöne Abwechslung, zum anderen war er seinem Protegé zu großem Dank verpflichtet, weil er ihm vor vielen Jahren den Job verschafft hatte.

Wenige Sekunden vor der Verhandlung

Dubidus hatte den Richter eingeholt bevor sich dieser auf seinem Platz niederlassen konnte. Mit ernster Miene baute er sich vor ihm auf.
„Ich habe etwas herausgefunden, Richter“, sagte er aufgeregt. "Die ehemaligen Pfleger Mikele, Elaskas und Anabello…!"

„Dubidus, nicht jetzt, die Verhandlung beginnt!“, schnitt er ihm das Wort ab. Enttäuscht verließ Dubidus den Saal.

Der letzte Zeuge

Richter Bernado begann ohne überflüssiges Vorgeplänkel mit einer deutlich vernehmbaren Aufforderung: „Das Wort hat die Zeugin Anonyma!“

Wie eine Schlafwandlerin bewegte sich Anonyma auf den Zeugenstand zu. Jeder im Saal konnte ihre aufgewĂĽhlte Stimmung spĂĽren. Rechtsanwalt Jonas nickte ihr unterstĂĽtzend zu. Stockend begann sie:

„Oft traf ich Martha im Raucherzimmer, zum gemeinsamen Plausch und wir kamen uns dabei etwas näher. Dann gab sie mir ihre Telefonnummer, selbstverständlich rief ich sie nach der Nachtschicht an. Wir telefonierten nicht nur miteinander. Sie wusste von meinem Freund, ich verheimlichte es nicht. Ein kleines gemütliches Zimmer hat sie. Mit Stereoanlage, Computer und vielen Büchern. Mich wunderte die Anzahl an…eh an… Janosch-Büchern, aber ich sagte nichts. Hinter seinem Zimmerchen war die kleine Küche, nicht wirklich eine Küche zu nennen, eher ein Raum mit Waschbecken, Schrank und einem Sideboard mit Zweierkochplatte.“

„Bitte, kommen Sie zum Punkt und sprechen Sie nur über das, was für das Gericht relevant ist!“, unterbrach sie der Richter. Anonyma holte tief Luft.
“Schnell, viel zu schnell, begannen wir uns zu küssen und mehr...Aber es war enttäuschend.
Einen Tag nach unserem One-night-stand traf ich Martha im Raucherzimmer und ich versuchte ihr zu erklären, dass wir keine Zukunft miteinander haben werden, da sie Alkoholikerin ist und ich eine Phobie gegen Alkoholiker habe. Kindheitserinnerungen und schlechte Erfahrungen. Sie kennen das. Sie rastete förmlich aus. Es fehlte nicht viel, fast hätte sie mich verprügelt.“

Anonyma hatte nun Tränen in den Augen. Zitternd fuhr sie fort.
„Martha sagte mir, dass sie sich revanchieren würde, worauf ich Gift nehmen könnte. Wie bei meiner Kollegin Juliana, aber bei mir würde es weit größer und schlimmer werden. Sie wollte ihre Karten legen, >morgen bist du lebendig aber du wirst in der Zukunft einen qualvollen Tod sterben<, sagte sie mir direkt ins Gesicht. Aber das ist noch nicht alles.

Sie rief meinen Freund an und erzählte ihm alles. Er hat nicht verstanden, wie ich mit einer Frau schlafen konnte. Mein Freund hat mich schließlich rausgeschmissen, seitdem wohne ich in dem kleinen Zimmer im Heim. Martha hat mich gequält. Sie hat mich genauso behandelt wie damals Pflegerin Juliana“, endete sie schluchzend.

„Das ist alles Lüge, alles inszeniert von dieser Hexe Zedora," schleuderte Martha Rechtsanwalt Jonas entgegen, der lächelnd der Aussage Anonymas gefolgt war. Martha wollte aufspringen und konnte von Shakir nur mühsam davon abgehalten werden.

Endlich vernahmen die Anwesenden die maĂźregelnde und deutliche Stimme des Richters:
„Ruhe, Ruhe, verhalten Sie sich ruhig, sonst werde ich Sie aus dem Saal entfernen lassen. Wutentbrannt setzte sich Martha wieder auf seinen Stuhl.

Langsam kehrte wieder Ruhe ein. Richter Bernado rief keine weiteren Zeugen auf und bestätigte, dass Pflegerin Juliana krank sei und an der Verhandlung nicht teilnehmen könnte. Sie hatte allerdings eine schriftliche Aussage gemacht, die Anonymas Zeugenaussage bestätigte. Der Saal hatte sein Urteil gefällt.


Das Urteil

Bernado machte es kurz und schmerzlos.
„Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil. Aufgrund des Verhaltens des Klägers gegenüber zwei Pflegerinnen und weiteren Personen der Belegschaft des Pflegeheims ist die Kündigung gerechtfertigt. Der Kläger hat weder einen Anspruch auf Wiedereinstellung noch einen auf Abfindung. Die Kosten des Verfahrens trägt der Kläger.

Martha machte wieder Anstalten aufzufahren.
Moment, Ruhe bitte. Eins noch: Das Gericht geht davon aus, dass die Aussagen der Zeugen der Wahrheit entsprechen. Ein Komplott gegen den Kläger ist nicht nachweisbar. Daher kann nur dieses Urteil gelten. Unklar ist die Motivation des Klägers. Diese Frage kann ein Arbeitsgericht nicht beantworten. Damit ist der Fall erledigt. Die Verhandlung ist geschlossen.

Drei Jahre später

Der Kaffee duftete und Bernado schritt wie jeden Morgen zum gedeckten Tisch, um endlich ausgiebig zu frĂĽhstĂĽcken; ein Traum, der sich erst mit dem ersten Tage seiner Pensionierung erfĂĽllen durfte.

Die Zeitung lag schon bereit. Einen kurzen Moment verweilten seine Sinne auf der Schlagzeile. >Skandal im Pflegeheim. Verdeckte Ermittler überführen Heimleiterin Z. des Organhandels…<

Bernado warf die Zeitung auf den Boden und lieĂź sich auf seinem Stuhl nieder. Die Welt war schlecht.

ENDE









__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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Stoffel
gesperrt
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och...

schade, war so gespannt..
fĂĽr mich ist das zu dahingehuddelt..zu platt..
Ich hab da auf bissl mehr was gehofft.

Die Idee war suuuper.
lass sie reifen..mach mehr draus.
Mein Rat.

lG
Stoffel

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dubidu
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Nein, liebe stoffel - das verbietet mir meine Schreiberehre. Jeder kann das herauslesen, was er möchte. Ich habe nicht das moralische Recht, ein Urteil zu fällen - aber die Pflicht, andere urteilen zu lassen:

Ist Martha einem Komplott zum Opfer gefallen?
Ist die Heimleiterin Z. wirklich unsere Zedora?
Oder war die KĂĽndigung Marthas berechtigt?
Waren Mikele, Elaskas und Anobello verdeckte Ermittler?
War vielleicht Martha ein verdeckter Ermittler?
Oder war sie wirklich die Sau, wie sie von vielen gesehen wird?

Das meine liebe stoffel, sollte ein jeder fĂĽr sich entscheiden. Und das ist der Reiz der Geschichte. Im Gegensatz zum m. E. herrschenden Paradigma in der Lupe bin ich der Meinung, dass ein guter Schreiber niemals werten sondern nur schreiben sollte. Einfach nur schreiben.

Schönen Abend, werte Kollegen
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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noel
???
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Ursprünglich veröffentlicht von dubidu
Nein, liebe stoffel - das verbietet mir meine Schreiberehre. Jeder kann das herauslesen, was er möchte. Ich habe nicht das moralische Recht, ein Urteil zu fällen - aber die Pflicht, andere urteilen zu lassen:

Eröffnest du die Möglichkeit in diesem Rahmen?
[...]

Das meine liebe stoffel, sollte ein jeder fĂĽr sich entscheiden. Und das ist der Reiz der Geschichte. Im Gegensatz zum m. E. herrschenden Paradigma in der Lupe bin ich der Meinung, dass ein guter Schreiber niemals werten sondern nur schreiben sollte. Einfach nur schreiben.

Schönen Abend, werte Kollegen


Ich stimme Stoffel zu .. Der Absatz `In der Kantine des Arbeitsgerichts´ und `Der letzte Zeuge´ sind ausführlich, aber reizlos. In Groschenheftmanier reißt du an, wirfst phantastische Gerüchte und echte Begebenheiten in einen Topf, um sie dann in kurzen -zu kurzen- Absätzen nur abzuhaken.
`In der Kammer des Saaldieners´,`Wenige Sekunden vor der Verhandlung´stehen zu unverbunden in dem Textkontext... `Das Urteil´ ist prägnant und als solches eingehend, aber warum dann noch dieser Abschluss darunter klebt: ` Drei Jahre später´ ist mir unverständlich.

Wenn du einen kurzen, prägnanten Schluss wolltest, hättest du das Ziel verfolgen sollen und die längeren Absätze uns und dir ersparen sollen. Wenn du durch das Mischen der Realität und der erdachten und erhechelten (somit durch den Zungenschlag realeren) Gerüchte etwas Chaos stiften wolltest... warum bist du dann nicht zur Gänze diesem Stil treu geblieben.

Für mich liest es sich, als hast du die zwei längeren Absätze mit spitzer Feder und Lust geschrieben, und dann ist dir der Stoff ausgegegangen.
Den Reiz der Geschichte konnte ich leider bei dieser Fortsetzung nicht empfinden.

Schade Noel
__________________
© noel
Wir sind alle Meister/innen der Selektion und der konstruktiven Hoffnung, die man allgemein die WAHRHEIT nennt ©noel
NOEL = Eine Dosis knapp unterhalb der Toxizität, ohne erkennbare Nebenwirkung (NOEL - no observable effect level) .

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dubidu
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Liebe noel,

danke fĂĽr deinen Kommentar.

Schade, dass ich deine Erwartungen nicht erfĂĽllen konnte.

Dass dir "Drei Jahre später" unverständlich ist, ist mir unverständlich.

Dadurch sind doch zwei Geschichten, die vom Leser als abhängig oder unabhängig voneinander empfunden werden können, miteinander verwoben. Ohne "Drei Jahre später" macht doch "In der Kantine..." keinen Sinn. Es bestätigt sich doch, je nachdem, wie der Leser das sieht, die Vermutung des "weisen" Bernados.

Mir gefällt das Finale wesentlich besser als die etwas zu langatmige Nicht-Handlungskette des ersten Teils.

Schönen Tag,
gez. das dubidu

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RAFAEL SELIGMANN

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Bernd
Foren-Redakteur
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Die Welt ist schlecht.

... sag ich doch.

Berenada

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Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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