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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Gerichtsverhandlung. Der Tragödie erster Teil.
Eingestellt am 28. 06. 2003 14:38


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dubidu
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Milde lächelnd und mit einem kurzen aufmunternden Nicken erteilte der bärtige Arbeitsrichter der Klägerin das Wort.

Martha räusperte sich, fuhr sich mit ihren gelben Zigarettenfingern über den Mund und begann zögernd:
„Vor eh...vierzig Jahren wurde ich geboren. Ja... ich wurde getauft, hatte meine Kindergartenerlebnisse und wurde auf eigenen Wunsch mit fünf Jahren zur Schule geschickt. Äh, ich dachte damals: immer noch besser als der Kindergarten! Nach kurzer Zeit wünschte ich mir den Kindergarten zurück. Trotzdem machte ich das Abitur.“

Im Gerichtssaal hätte man eine Stecknadel fallen gehört, so still und gebannt starrten die Zuhörer auf die Klägerin, die zunehmend sicherer wurde.

„Nach meinen ersten F... äh ... Bei...schlaf...erlebnissen beschloss ich, Technischer Zeichner zu werden.“ Hier lächelte sie linkisch. „Am Reißbrett erfuhr ich, warum es in unseren Wohnungen im Winter warm ist, wohin die Scheiße in den Kloschüsseln wandert, und wieso es hell wird, wenn ich den Schalter neben der Tür betätige. Dann trat ich aus der Kirche aus. Äh, ich begann zu saufen und Maschinenbau zu studieren. Nebenher verdiente ich mir etwas im Studentenpuff dazu, der befand sich glücklicherweise gerade gegenüber der Hochschule. Irgendwann ödeten mich die etwas langweiligen Maschinenbau-Freier nur noch an und ich arbeitete zwei Tage in der Woche im Altenheim. Dort erfuhr ich, dass alles Glück der Erde einmal zu Ende geht...und noch viel mehr. Ich begann meine Kolleginnen zu lieben und führte mit ihnen nach Feierabend philosophische Gespräche. Nach dem zehnten Bier landeten wir dann im Bett. Leider kann ich mich an die Einzelheiten nicht mehr erinnern.“ Hier zwinkerte sie dem Richter zu, dessen Gesichtsausdruck verriet, dass Martha besser weiterfahren sollte.

„Noch war ich äußerst wissbegierig, nach zwanzig Monaten Maschinenbau hatte ich genug und ich fing an, Philosophie, Kunstgeschichte und eh, auch Mathematik zu studieren. Allerdings auch nicht sehr lange. Unglücklicherweise versackte ich auf dem Weg zu den Hörsälen immer in den Kneipen.“

Der gestrenge Rechtsanwalt der Verteidigung nickte.
„Ich liebte die Bedienungen, Fallschirmspringerinnen und Physikstudentinnen... aber das nur nebenbei. Eines Tages wachte ich auf und beschloss, eine Alkoholtherapie zu machen. Fünf Wochen später saß ich im Zug nach Hause. Ich hatte Sehnsucht nach meiner Freundin, aber die hüpfte bereits mit ihrem Deal...er ins Bett.“ Tränen stiegen in ihre vom Alkohol verquollenen Augen. „Mir fällt es schwer, über diese Zeit zu reden. Ja, ich fand wider Erwarten... einen Arbeitsplatz in einem Pflegeheim, machte erfolgreich die Ausbildung und arbeite nun seit drei Jahren in der Anstalt >Auf der grünen Wiese< im Nachtdienst. Ach ja, zwischendurch studierte ich drei Semester an der Psychologischen Fakultät... auch das war nicht sonderlich lustig...immerhin eine Erfahrung. Nun ja, dass ich so viel abrotze, wissen Sie ja.“ Sie suchte die Blicke der Gegenseite.
„Ich meine, so für mich. Ich formulierte meine Phantasien und Gedanken; sicherlich entwickelte ich mich weiter, aber meinen Sehnsüchten, meinem Zynismus, meiner Auflehnung gegen Konventionen blieb ich treu. Und immer wieder frage ich mich nach dem Sinn des Daseins, unseres Daseins, meines Daseins.“

Die Zuhörer stöhnten auf, denn Martha war deutlich erkennbar zum Ende gekommen. Der Arbeitsrichter schien in seinen Gedanken versunken zu sein, denn die einsetzende Pause war länger, als es nach einer Erklärung der Klägerin üblich war. Der Saaldiener huschte zum Richter vor und schüttelte ihm zaghaft die Schulter. „Dubidus, lasst das!“, entgegnete dieser ihm zwar mahnend, aber nicht bösartig. Dubidus trollte sich.

Richter Bernado stützte sich mit seiner rechten Hand auf dem Pult auf, schlug kaum hörbar mit seiner linken auf den vor ihm liegenden Hammer, seufzte und sagte leise: „Die Verteidigung hat das Wort!“

Rechtsanwalt Jonas erhob sich, rückte seinen Zwicker auf der fleischigen Nase zurecht und begann langsam mit deutlicher Stimme:
„Zwei Fakten, hohes Gericht, wollen wir nicht bestreiten. Zum einen die schwierige Jugend der Klägerin, zum anderen die Tatsache, dass sie bereits seit drei Jahren im Nachtdienst einer wichtigen sozialen Institution arbeitet.“ Hier stockte Jonas und Marthas Gesicht hellte sich für einen kurzen Moment auf.
„Aber schauen wir doch etwas näher hin: Ist denn der Wechsel von Neuanfang und Abbruch, der sich durch den Lebenslauf der Klägerin wie ein roter Faden zieht, nicht selbstverschuldet? Und kann die Klägerin nicht froh sein, dass sie bei ihrem asozialen Verhalten überhaupt einen Arbeitsplatz findet?“

„Einspruch, Eurer Ehren, Einspruch!“ schmetterte Marthas Rechtsanwalt Shakir ein wenig zu laut in die Runde. Alle Augen richteten sich auf das rote Gesicht Shakirs, der sich mit einem schmutzigen Taschentuch ungelenk den Schweiß von der Stirn abwischte.
„Einspruch stattgegeben! Die Anklage hat das Wort!“ übertönte Bernado das zunehmende Raunen und Grummeln im Saal. „Ruhe im Saal!“ fügte er knapp hinzu.
Shakir steckte das Taschentuch in seine Hosentasche und verbeugte sich leicht vor dem Richter, dann vor dem Publikum.

„Rechtsanwalt Jonas hat es bereits gesagt: meine Mandantin hatte eine schwere Kindheit erlebt und arbeitet nun zum Wohle aller in einem Pflegeheim und das, nicht nur am Tage, nein – sogar im ungeliebten Nachtdienst. Die Schlüsse, die Kollege Jonas zieht, sind natürlich völlig falsch. Die hohen moralischen Ansprüche, die meine Mandantin in sich trägt, lassen sie immer wieder an den gesellschaftlichen Normen scheitern und sie flüchtet in ihre Idealwelt: die Nachtschicht im Pflegeheim.“ Jonas schüttelte den Kopf, sagte jedoch nichts.
„Doch ich komme auf die Anklageschrift zurück. Pflegerin Martha wurde von ihrem Arbeitgeber fristlos entlassen. Fortwährendes kommunikatives Fehlverhalten gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und Patienten, das sich negativ auf die Motivation und Moral ihrer Kollegen und Vorgesetzten, sowie negativ auf die Stimmung der Patienten ausgewirkt hat.“

Zum ersten Mal regte sich etwas im Gesicht der Heimleiterin Zedora, die bisher völlig anteilslos der Verhandlung gefolgt war. Shakir fuhr fort:
„Ist diese Aussage richtig? Dazu sollten wir die Zeugen befragen. Bevor wir das tun, hohes Gericht, noch etwas: Wir wissen, Pflegerin Martha ist keine einfache Zeitgenossin. Aber ich bin sicher, sie hat viele Kollegen, die sie akzeptieren wie sie ist und die sie jetzt schon vermissen! Es gibt viele, die es sich nicht mit der Heimleitung verderben möchten und sich schweigend verhalten. Shakir warf einen grimmigen Blick in Zedoras Richtung.
„ ... in dem Falle hier, bin ich jedoch der Meinung, dass es im Pflegeheim an offener Kritik fehlt, es fehlt weiter an Kommunikation, an Anregung, an Feedback ... Nur ein reger Meinungsaustausch bringt die Menschen weiter. Dazu gehört auch der Streit, denn auch diese Form von Meinungsaustausch regt zu Gedanken an und kann zu Veränderungen und Neuerungen beitragen!“

Jonas erhob sich, wandte sich dem Richter zu und rief: „Einspruch, Euer Ehren!“ Er wartete nicht einmal auf die Zustimmung des Richters und brauste auf:
„Tun wir mal so, als seien die Anregungen und die Kritik der Klägerin wirklich so überragend gut, wie hier behauptet wird. Aber: ist die Substanz ein Freibrief für die Form, die sich in menschlichem Fehlverhalten äußert? Wenn die Klägerin trotz übelster und nicht selten ehrverletzender Pöbeleien wegen ihrer brillanten Arbeitsleistung bleiben oder zurückkehren könnte, dann müsste einem brillanten Forscher und Wissenschaftler der Größenordnung Hawkins oder einem genialen Erfinder wie Ardenne oder einem Universalgenie wie es da Vinci war – leistungsmäßig proportional hochgerechnet – also erlaubt sein, Leute zu verprügeln. Oder der, der Aids für immer heilen kann, darf – zum Abreagieren, weil Genies halt manchmal verrückt sind – so ab und an ein wenig als Kinderschänder tätig werden… Das kann doch nicht im Ernst die These der Anklage sein, oder?“

Bernado klopfte dreimal mit dem Hammer auf seinen Pult. Er war sauer auf Jonas, der ihn ein wenig ignoriert – und überfahren hatte und den zunehmenden Rauschpegel mit seiner provozierenden Aussage verursacht hatte. „Heimleiterin Zedora“, wandte er sich fragend an die Zeugin der Verteidigung, „...könnten Sie uns bitte noch einmal die Gründe, die zur Kündigung führten, nennen?“

Zedora stand auf und schaute selbstgerecht in die Runde. Immer noch zeigte ihr Gesicht kaum Regungen.
„Rechtsanwalt Shakirs einführende Aussage ist völlig richtig: Martha ist keine einfache Zeitgenossin. Nach den ersten Verfehlungen wurde sie seinerzeit zum ersten Mal abgemahnt. Danach gelobte sie Besserung, dies gelang ihr auch einige Zeit recht gut, bis sie dann wieder einmal richtig >ausrastete<. Damals erhielt sie von uns eine ganz dicke Verwarnung mit dem überdeutlichen Hinweis, das so etwas nicht noch einmal vorkommen dürfe, sonst sei ihr die Kündigung gewiss.“ Hier gönnte sich die sehr souverän auftretende Zedora eine kleine Verschnaufpause. „Das Vorkommnis, weswegen sie nun endgültig und definitiv gekündigt wurde, waren Beleidigungsattacken der übelsten Art, denen schon ein paar Tage vorher sehr, sehr grenzwertige Kommentare gegenüber der Belegschaft vorausgingen. Unsere Toleranzgrenze wurde dadurch nicht nur überschritten, sondern das Verhalten von Martha hat uns auch dazu bewogen, ihr keine dritte Chance mehr zu geben, da wir immer damit rechnen müssten, dass es wieder zu solchen eklatanten Ausfällen von ihrer Seite käme.

Im Saal war es wieder ruhig. Bernado rief den ersten Zeugen der Anklage auf. Franco, der Hausmeister des Pflegeheims, wurde vom Saaldiener in den Zeugenstand geführt. Franco hielt sich unsicher an seinem Hut fest und antwortete direkt auf Rechtsanwalt Shakirs Frage.

„Vielleicht sind wir Hausmeister und Techniker zu rational und zu praktisch für die Befindlichkeiten des Pflegepersonals. Ich jedenfalls hatte meist Spaß an Marthas Äußerungen. Niemand trifft den Nagel so auf den Kopf wie sie. Die meisten finden das so lange gut, bis sie ihre eigenen Schwachstellen, die mit Selbstbetrug einigermaßen übertüncht sind, einfach so ‚outet’ und zwar ohne Ansehen der Person. So stellt sich heraus, dass sogar der Kaiser mal nackt sein kann.“ Franco nahm Haltung an. Vielleicht war er selber etwas überrascht über die Qualität seiner philosophischen Erklärungen.
„Es ist doch so, dass wir uns unser Leben ganz gern etwas schönen, manchmal bewusst und sicher noch häufiger unbewusst. Es ist sicher auch im Allgemeinen gut, dass der gesellschaftliche Konsens darüber hinweg sieht. Und genau da sehe ich den Unterschied zwischen Martha und anderen Kollegen, denen wegen Verstoßes gegen die Heimregeln gekündigt wurde. Marthas ‚Pöbelei’ ist unfein formulierte Wahrheit gegen jedermann. Ich denke, jeder hier muss das zugeben: Der erste Gedanke bei Marthas Kommentaren ist meist: ‚stimmt’ – der zweite: ‚wenn sie doch nur eine salonfähige Sprache verwendet hätte’ – der dritte: ‚aber ich hätte mich diese Ehrlichkeit nicht getraut.“

Im Saal konnte man das Nachdenken spüren. Die Zuhörer, Zeugen und das hohe Gericht versuchten die eindrucksvollen Worte des Hausmeisters zu reflektieren. Bernado rief einen von der Verteidigung bestellten Psychologen in den Zeugenstand.

Dr. Hamiwal schien sich in seiner Haut sehr wohl zu fühlen. Erhobenen Hauptes schritt er in den Zeugenstand, packte ein paar Dokumente aus seiner Brusttasche und breitete sie wichtig vor sich aus.

„Hohes Gericht, ich wundere mich über all das Mitleid, welches man hier einer offensichtlichen Amokläuferin entgegenbringt, oder sind derart viele hier tatsächlich auf derselben Frequenz?“

„Einspruch, Euer Ehren!“ brauste Shakir auf. Dr. Hamiwal ignorierte ihn, holte Atem und wollte fortfahren.
„Bleiben Sie beim Thema und verschonen Sie uns mit überflüssiger Rhetorik!“ fuhr ihm Richter Bernado in die Parade.

Dr. Hamiwal nickte wie ein Lehrer, der den Satz des Pythagoras aufstellt, doch von seinen minderbemittelten Schülern nicht verstanden wird.
„Es gibt keine Entschuldigung dafür, wenn ein erwachsener Mensch, der einerseits für voll genommen werden will, sich ständig und fortgesetzt so benimmt, dass man ihm blind stärkere psychische Störungen auf den Kopf zusagen kann, ohne dass er bereit wäre, an sich selbst mal etwas zu tun. Wenn eine Martha eine langsame Selbstmörderin ist, möchte die Belegschaft nicht der Blitzableiter ihrer ständigen Todeszuckungen sein. Das ist nachvollziehbar. Jeder kann mit sich machen, was er will, aber nicht andere damit andauernd belästigen. Das vergiftet die Stimmung und mindert die Moral. Ein solches Individuum muss entfernt werden, damit die Leistungsfähigkeit der Belegschaft erhalten bleibt. Insofern ist die Kündigung vollkommen gerechtfertigt und längst überfällig.“

Richter Bernado hatte genug. Die Wertung des Psychologen, der doch nur analysieren sollte, ärgerte ihn. Er schloss die Verhandlung und kündigte die Wiederaufnahme für den folgenden Tag an.



Anmerkung des Verfassers: Einige Passagen wurden fast wortwörtlich aus der Plauderecke und den Profilen der Leselupe übernommen. Insofern ist der Verfasser nicht vollständiger Creator des Textes. Dennoch sind Ähnlichkeiten mit virtuell existierenden Personen rein zufällig.

__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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flammarion
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hm,

da ich mich so gut wie nie in der plauderecke aufhalte, habe ich keinen zugang zu dieser geschichte. vielleicht wäre sie in der plauderecke besser aufgehoben?
fragend guckt
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Old Icke

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JoshHalick
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Hallo Dubidu!


Also ich tue mich etwas schwer mit der Geschichte, weil ich die Charaktere der Leselupe gar nicht so gut kenne, was mich selbst im Moment etwas wundert, die meisten lassen sich ja nicht übersehen… aber so manch einen hier kenne ich gar nicht...

Flammarion schreibt das diese Geschichte vielleicht besser in der Plauderecke aufgehoben wäre. Das finde ich nicht. Aber im Grunde spielt das auch keine Rolle, ich wollte es nur gesagt haben.

Ich habe jetzt so zwei oder drei Sachen gefunden dir mir vom Klang her nicht so gefielen. Das sind zwar keine Fehler, aber ich will sie dir trotzdem mal nennen. Nur damit du einen Eindruck von meinem Blickwinkel bekommst….


„Nach meinen ersten F... äh ... Bei...schlaf...erlebnissen beschloss ich, Technischer Zeichner zu werden.“ Hier lächelte sie linkisch. „Am Reißbrett erfuhr ich, warum es in unseren Wohnungen im Winter warm ist, wohin die Scheiße in den Kloschüsseln wandert, und wieso es hell wird, wenn ich den Schalter neben der Tür betätige.

Also ich gebe zu, es hat etwas gedauert bis ich begriffen habe worum es geht. Wie gesagt bin ich nicht immer so auf dem Laufenden. Also das das Wort scheiße, passt zwar absolut zu Martha aber beim ersten Lesen (wo ich noch nicht wusste wie Martha so drauf ist, na ja)… da fiel es mir unangenehm auf im Vergleich zu der vorhergehenden Redensweise…


Der gestrenge Rechtsanwalt der Verteidigung nickte.
„Ich liebte die Bedienungen, Fallschirmspringerinnen und Physikstudentinnen... aber das nur nebenbei. Eines Tages wachte ich auf und beschloss, eine Alkoholtherapie zu machen.


Alkoholtherapie klang für mich komisch, so rein vom Lesefluss her. Mag daran liegen dass ich das Wort noch nie gehört und gebraucht habe… Es klingt so als wolle er ne Therapie mit dem Alkohol und nicht gegen den Alkohol machen…. Aber im Moment frage ich mich, ob du vielleicht nicht genau das gemeint hast *grübel*


Der Saaldiener huschte zum Richter vor und schüttelte ihm zaghaft die Schulter. „Dubidus, lasst das!“, entgegnete dieser ihm zwar mahnend, aber nicht bösartig. Dubidus trollte sich.

Hm, schüttelte ihm die Schulter… hmmm… na ja… geht so

„Aber schauen wir doch etwas näher hin: Ist denn der Wechsel von Neuanfang und Abbruch, der sich durch den Lebenslauf der Klägerin wie ein roter Faden zieht, nicht selbstverschuldet? Und kann die Klägerin nicht froh sein, dass sie bei ihrem asozialen Verhalten überhaupt einen Arbeitsplatz findet?“

Beim „asozial“ war es eigentlich genau wie bei dem Wort „scheiße“ … Aber das kann auch daran liegen, das ich die Leute anders reden höre als du, wenn ich lese… So wie ich es bei mir höre… würde es besser passen wenn da stünde….dass sie bei ihrem wenig sozialen Verhalten….
Oder etwas ähnliches…


„Rechtsanwalt Jonas hat es bereits gesagt: meine Mandantin hatte eine schwere Kindheit erlebt und arbeitet nun zum Wohle aller in einem Pflegeheim und das, nicht nur am Tage, nein – sogar im ungeliebten Nachtdienst.

Hier würde ich das „erlebt“ einfach streichen…


Der erste Gedanke bei Marthas Kommentaren ist meist: ‚stimmt’ – der zweite: ‚wenn sie doch nur eine salonfähige Sprache verwendet hätte’ – der dritte: ‚aber ich hätte mich diese Ehrlichkeit nicht getraut.“

Hier musste ich lachen. Ich weiß irgendwer sagte/schrieb das ja tatsächlich irgendwo. Ich kenns in jedem Falle und das klingt in deiner Geschichte so richtig schön dämlich…

Wenn eine Martha eine langsame Selbstmörderin ist, möchte die Belegschaft nicht der Blitzableiter ihrer ständigen Todeszuckungen sein.

Hier das gleiche wie oben.


Das war auch schon alles.
Du wirst dich mit dieser Geschichte ja sicher nicht um den Nobelpreis bewerben, deshalb weiß ich nicht ob es dir überhaupt was bringt, wenn ich dir hier schreibe welche Kleinigkeiten mir so auffielen...

Es geht ja hier nun um eine wahre Begebenheit… Leider ist es dir nicht ganz gelungen die wahre Beknacktheit des Ganzen einzufangen. Ist allerdings auch nicht einfach die Wirklichkeit zu übertreffen... das halte ich dir zu Gute!

Ich werd allerdings auch erst noch mal etwas forschen, wer denn da so im Einzelnen vorkommt, um die Geschichte dann noch mal zu lesen. Vielleicht entging mir ja das ein oder andere, weil ich einen Mitwirkenden nicht kenne. Sollte mir dann noch etwas dazu einfallen, melde ich mich noch mal…

Die besten Grüße
Josh

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Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. - Plato -

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dubidu
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Liebe flammende Marion, lieber Josh,

danke für die Kommentare.

Verehrte Marion,
das ganze ist eine Parodie auf eine Plaudertaschen-Geschichte, indem die story ein etwas anderes Gewand bekommt und in eine andere Zeit und an einen anderen Ort verlagert wird. Es geht um eine "böse Tochter", die auch ein böser Bube sein könnte. Die Thesen der handelnden Figuren sind nur scheinbar aus dem Zusammenhang gerissen. Die Protagonisten teilen sich nicht nur durch ihre Thesen mit, sondern in erster Linie durch die angedeuteten Charaktereigenschaften, welche auf der einen Seite blass bleiben, auf der anderen Seite sehr überspitzt dargestellt wurden. Ich glaube nicht, dass der aufmerksame Leser die Geschichte nur dann versteht, falls er häufiger im Plaudertaschenforum verweilt. Eine Person mit 3188 Posts sollte mit geringer Anstrengung die Geschichte erkennen. Ist das nicht möglich, ist die Geschichte entweder schlecht geschrieben oder der Leser unaufmerksam. Oder beides.

Lieber Josh,
deine Kritik ist berechtigt. Alle kritisierten Stellen sind von mir 1:1 übernommen worden, allerdings mit einer Ausnahme: das dubiduische Schulterschütteln ist stilistisch schlecht - hier gebe ich dir Recht.

Schade, dass es mir nicht gelungen ist, wie du schreibst, die >wahre Beknacktheit< darzustellen. Es war ein Experiment und der Versuch war es wert. Es hat Spaß gemacht.

gez.
das dubidu
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Michael Schmidt
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Hallo dubidu,

ich persönlich mag eigentlich keine Real-Satiren. Schreibe dir trotzdem meine Meinung:
Hauptakteur ist klar erkennbar, bei den anderen wird es zum Teil schwierig, gewisse Psychater mal ausgenommen.

Vielleicht solltest du dich weniger an die reale Vorlage halten, dass bremst auch beim Schreiben nicht so.

Der Geschichte würde halt mehr Tempo, mehr Wechsel guttun.

Ach ja, und der Hauptakteur kommt zu einseitig darin vor, dass erhöht auch nicht gerade die Farbigkeit der Geschichte.

Bis bald,
Michael

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dubidu
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Lieber Michael,
danke für deinen Beitrag. Tempo, das verspreche ich dir, wird im "dramatischen" zweiten Teil folgen. Im Vorspann wollte ich bei den Aussagen so wenig werten wie möglich, aber die Akteure so darstellen, wie sie mir erscheinen. Im zweiten Teil werde ich das ändern. Im Übrigen kann mir jeder, der an der story aktiv "teilhaben" möchte, etwas per Mail mitteilen. Ich spreche hier besonders die Zeugen an, die bereits erschienen sind und noch erscheinen werden.

Gruß
gez. das dubidu
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