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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Germania Glückauf lädt ein...
Eingestellt am 26. 04. 2004 11:10


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Marc Olivier
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Registriert: Nov 2003

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Am ersten Wochenende im Juni war es soweit. Der Männerchor Germania Glückauf Klein-Fummeldorf veranstaltete anlässlich seines 85-jährigen Bestehens sowie zu Ehren der nunmehr 50-jährigen passiven Mitgliedschaft des örtlichen Kirchendieners i.R. Karl-Friedrich Bommelmann ein grosses Fest. Als Veranstaltungsort wurde der große Saal des „Dorfkrugs zur glückseligen Heiterkeit“ gewählt. Am Samstag, so war es geplant, wurde für achtzehn Uhr ein großes Chorsingen mit befreundeten Vereinen aus der Umgebung geplant. Für Sonntag hatte man zunächst für neun Uhr in der Frühe ein Prädikat-Wertungssingen vorgesehen, wozu der Erste Vorsitzende, Herr Franz Wohlgetan, ebenfalls diese und noch andere Chöre aus der weiteren Umgebung herzlich eingeladen hatte. Danach wurde ein „Fröhlicher Nachmittag mit Musik der Klein-Fummeldorfer Blech- und Flötenbläser“ angesetzt. Aufgrund der mangelnden Kooperationsbereitschaft des Pfarrers aber, der es strikt ablehnte, seine Messe aufgrund des frühen Beginns von zehn auf acht Uhr vorzuverlegen und obendrein den Verein in seiner Predigt zu erwähnen, musste man von neun auf dreizehn Uhr verlegen, da das bereits für elf Uhr dreißig vorgesehene Mittagessen unmöglich auf vierzehn Uhr verlegt werden konnte, weil der Wirt sowie sein kellnernder Sohn zwei der wichtigsten Mitglieder des Chores waren und man sie nicht, wollte man denn den goldenen Pokal holen, entbehren konnte. Einen weiteren Rückschlag erhielten die Vorbereitungen durch eine aufgeplatzte Augenbraue des vierten Baritons von links, die er sich während eines Streits mit dem zweiten Bass von rechts einhandelte. Grund war die Anfrage des Chores Liederkranz Obertupfingen, ob denn auch dessen Frauenchor teilnehmen dürfe. Nachdem die Wunde durch den ortsansässigen Arzt Dr. Winkelmesser, im Übrigen stellvertretender Vorsitzender der Germania Glückauf Klein-Fummeldorf, genäht wurde, entschied man, den Antrag der Obertupfinger abzulehnen und dem vierten Bariton von links per Einschreiben eine Abmahnung zukommen zu lassen, seine Mitgliedschaft aber (noch) nicht zu kündigen. Ansonsten verliefen die Planungen ohne weitere Zwischenfälle, sodass nun der große Tag endlich da war. Leider hatte man sich bei der Germania Glückauf in Sachen Kapazität des Dorfkrugs schlimm verkalkuliert, und ausgerechnet der Chor der SV Frohsinn Krumpelbach, mit dem die Germania Glückauf eine lange Freundschaft verband, sollte deswegen auf der Strasse üben, da er als letzter angekommen war. Nachdem man untereinander entschieden hatte, diese Respektlosigkeit zu vergelten, indem man seinerseits die Germania Glückauf für das 111-jährige Jubiläum im nächsten März nicht einladen würde, nahm man Aufstellung im Hinterhof eines gegenüberliegenden Wohnhauses, da man es nicht einsah, wie ein Chor zweiter Klasse behandelt zu werden und auf der Strasse zu singen. Man hatte nicht damit gerechnet, dass in diesem Hause ein junger Mann wohnte, den die Herren wohl am ehesten als „langhaarigen, nichtsnutzigen Rocker“ bezeichnet hätten. Diesem war es ein willkommener Anlass, diesmal seinerseits die Polizei zu rufen, musste er doch schon mehrmals Konzerte seiner Band in der Umgebung wegen Anzeigen von Anwohnern abbrechen. Die zwei einzigen Beamten, die Dienst hatten, waren nach kurzer Zeit vor Ort (man war unterbesetzt, da alle anderen als Chormitglieder am Abend ihrem Chor verpflichtet waren). Sie konnten die Krumpelbacher nach einiger Zeit davon überzeugen, unter lautstarkem Protest die Örtlichkeit zu wechseln. So standen sie nun wieder auf der Straße und die Lieder wollten nicht so recht gelingen. Am Abend, nach dem aufgrund der Unpässlichkeiten misslungenen Auftritt, als man die Freundschaft aller Vereine ausgiebig begoss, wandte sich ihr schlechtgelaunter Vorsitzender an Franz Wohlgetan, um ihm zu berichten, was geschehen war. Diesem war der junge Mann aus dem Hause gegenüber wohlbekannt als „aufsässiger Taugenichts“ und man steigerte sich mit jedem „Gedeck“ in eine wahre Schimpforgie hinein. Man entschloss sich schließlich, mit Fackeln und Tischbeinen (man zerlegte die Tisch nicht gerne, aber zum Wohle der Tradition...) vor das Haus zu ziehen. Es dauerte nicht lange und es hatten sich fast alle Chöre versammelt. Sie forderten den jungen Mann mit lautstarken Sprechgesängen auf, herauszukommen. Dieser, zunächst seinen Augen nicht trauend, rief erneut die Polizei. Als diese vor Ort ankam, hatte sich die Situation noch längst nicht entspannt und trotz mehrmaligem Bitten durch die Beamten, die Strasse zu räumen und den jungen Mann in Ruhe zu lassen, konnten sie die Meute nicht beschwichtigen. Im Gegenteil: Nach einigen Minuten zähen Verhandelns kam es zu einem Handgemenge, aus dem sich die Polizisten gerade noch mit letzter Kraft in ihren Wagen flüchten konnten, um Verstärkung zu rufen. Bis diese eintraf (schließlich mussten die Kollegen von weit her kommen), hatte sich auf der Strasse bereits eine Massenschlägerei zwischen der Germania Glückauf Klein-Fummeldorf und dem SV Frohsinn Krumpelbach entwickelt. Grund war gewesen, dass ein Mitglied des letzteren Vereins mit vom Alkohol gelockerter Zunge und auf unflätigste Art und Weise den Vorsitzenden der Klein-Fummeldorfer wegen des Fauxpas bezüglich der fehlenden Kapazitäten im Dorfkrug beschimpft hatte. Es dauerte einige Zeit, bis die fünfzehn Gesetzeshüter die Lage unter Kontrolle hatten und die schwerer verletzten Sänger mit Krankenwagen in die nächste Klinik eingeliefert waren. Franz Wohlgetan erklärte daraufhin den Abend für beendet und beim SV Frohsinn Krumpelbach beschloss man, am nächsten Tag beim Prädikat-Wertungssingen nicht aufzutreten und sämtliche Beziehungen zur Germania Glückauf mit sofortiger Wirkung einzufrieren.
Am nächsten Tag – bis auf einen, der mit 3,5 Promille auf die Intensivstation gebracht wurde, konnten wieder alle Verletzten noch in der Nacht wieder nach Hause geschickt werden – traf man sich dann zum sehnsüchtig erwarteten Prädikat-Wertungssingen, nachdem man den Gottesdienst gefeiert und ein vorzügliches Mittagessen eingenommen hatte. Viele der Anwesenden nutzten diesen Anlass für einen ausgiebigen Frühschoppen, was Franz Wohlgetan mit einiger Sorge verfolgte. Er entschloss sich aber dazu, den Tag wie geplant fortzusetzen, da selbst er zu denjenigen gehörte. Wie also hätte er es sich herausnehmen können, allen anderen den Alkohol zu verbieten? Die ersten drei Chöre waren Liederblüte 1899 Groß-Fummeldorf, der Sängerkranz Maiglöckchen Hoppelhausen sowie die Sängervereinigung Frohsinn Oberhinterheim. Als der Moderator der Veranstaltung den dritten Chor ansagte, spürte Herr Wohlgetan ein Feuer in sich aufsteigen. „Frohsinn“ – seit dem gestrigen Abend beschwor dieser Name in ihm ungezügelte Aggressionen. Er begab sich zur zehnköpfigen Jury, die sich aus jeweils einem Gesandten der antretenden Chöre zusammensetzte. Er sicherte jedem in einer kurzen Ansprache einen nicht geringen Geldbetrag zu, wenn die Oberhinterheimer den letzten Platz belegen würden. Die Juroren reagierten empört. Man zeigte sich entsetzt ob der unehrenhaften Angebote und machte ihm unmissverständlich klar, dass man niemandem erlaube, die Integrität der Preisrichter derart zu beleidigen. Man teilte ihm mit, dass man seinen Verein, Gastgeber hin oder her, vom Wettbewerb ausschließen werde. Da sah Herr Wohlgetan rot und ging auf den Oberjuror los. Nach tumultartigen Szenen, die sich binnen Minuten zu einer ausgewachsenen Saalschlacht entwickelten, deren Gesamtbild von fliegenden Stühlen und Tischteilen abgerundet wurde, musste die mittlerweile völlig entnervte Polizei ein weiteres Mal anrücken, um den Saal, der inzwischen in ein riesiges Trümmerfeld verwandelt worden war, zu räumen. Die ebenfalls herbeigerufene Feuerwehr löschte einen Brand auf der Bühne, der von Oberhinterheimern gelegt worden war, nachdem sie in dem Chaos von Franz Wohlgetans Bestechungsversuchen erfahren hatten.
Damit fand dieses am nächsten Tag vom Wirt des Dorfkrugs mit mehreren zehntausend Euro ausgepreiste Wochenende sein tragisches Ende. Karl-Friedrich Bommelmann blieb ungeehrt und die „Klein-Fummeldorfer Blech- und Flötenbläser“ mussten unverrichteter Dinge nach Hause fahren, nicht zuletzt deswegen, weil ihre Instrumente nicht mehr zu gebrauchen waren, nachdem sich die aufgebrachte Menge diese gegenseitig auf den Köpfen verbeult und zertrümmert hatte.
Wer hätte gedacht, dass Herr Wohlgetan damals im Januar, beim ersten Treffen zur Planung des Festwochenendes, so unglaublich recht gehabt hatte.
„Es soll für alle ein unvergessliches Ereignis werden!“, hatte er gesagt.

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Die Zeiten sind hart aber modern!

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flammarion
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hm,

recht amüsant, obwohl der ausgang vorhersehbar ist.
im 4. satz benutzt du zweimal "geplant", das ist wenig elegant. stärkere gliederung würde den lesespaß sehr erhöhen.
lg
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Old Icke

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