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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Geschichte im Fahrstuhl
Eingestellt am 16. 09. 2006 16:12


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Darian
???
Registriert: Apr 2003

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Die Geschichte im Fahrstuhl

Ich war schon fast in meiner Wohnung, der Fahrstuhl brauchte nur noch zwei Stockwerke bis zu meiner Etage. Nervös schaute ich auf meine Uhr. Mit ein bisschen GlĂŒck, schaffte ich es doch noch rechtzeitig zu meiner Lieblingsfernsehserie.
Nur noch ein Stockwerk und jetzt musste der Fahrstuhl doch noch halten. Ein einzelner Mann stieg ein. Irgendwie war er seltsam, seine Bewegungen waren so ruhig, als wenn es keine Zeit fĂŒr ihn geben wĂŒrde.
Man, konnte der sich nicht etwas beeilen? Der Vorspann wĂŒrde genau jetzt anfangen.

Und dann passierte es, der Fahrstuhl blieb stecken!
Ich war einem Nervenzusammenbruch nahe und hÀmmerte auf den Schaltern herum.

„Verdammt, wir stecken fest, hört mich denn keiner?“ brĂŒllte ich in die Sprechanlage.

Der Typ neben mir schien immer noch ruhig zu sein. Der Fahrstuhl gab keinen Ton mehr von sich und die Knöpfe leuchteten auch nicht mehr.
Dann kam mir der rettende Einfall, ich nahm mein Handy aus der Jackentasche, jetzt wĂŒrde dieses UMTS- Zeug doch mal was bringen.
Aber verdammt, mein Handy ging aus, der Akku war alle!

„Ist es kaputt?“ ertönte die Stimme des Mannes neben mir.
„Ja! Nein, nur kein Strom mehr, verdammt!“

Ich hÀmmerte wieder auf dem Notfallknopf herum.

„Ich glaube nicht, dass das was bringt. Ich schĂ€tze es ist ein Problem mit der Elektronik. Das kann etwas dauern.“

WĂŒtend schaute ich den Kerl an. Was hatte der ĂŒberhaupt fĂŒr Sachen an? Der sah ja fast aus als wenn er grade von einem Survivaltrip zurĂŒckgekommen wĂ€re.
Ich wollte schon meinem Ärger Luft machen, aber irgendwas in seinem Blick ließ mich verstummen. Ich nickte nur noch zu seinen Worten, er hatte ja recht.
Ich ließ die Schultern hĂ€ngen und steckte das Handy wieder weg. Da wĂŒrde mir wohl nichts anderes ĂŒbrig bleiben als die Wiederholung um 3 Uhr morgens zu schauen. Ich könnte die Folge um die Zeit natĂŒrlich auch aufnehmen und dann in der Mittagspause schauen. Aber wenn ich morgen ins BĂŒro kĂ€me, wĂŒrden schon alle von der neuen Folge erzĂ€hlen, also musste ich sie vorher gesehen haben.

Frustriert und gelangweilt wippte ich mit meinem Fuß. Wie lange brauchten die denn fĂŒr so einen simplen Fahrstuhl? Zum Mond können sie fliegen aber einen Fahrstuhl reparieren dazu reicht es wohl nicht. Ich blickte auf meine Uhr und stellte verblĂŒfft fest, dass die jetzt auch noch stehen geblieben war. Heute war eindeutig nicht mein Tag.

„Sagen Sie, wissen Sie vielleicht wie spĂ€t es ist?“ wandte ich mich an meinen Leidensgenossen mit dem seltsamen Outfit.
„Es ist Abend, die Sonne geht grade unter.“

Ich stierte den Typen entnervt an. Was war das denn fĂŒr einer? Will der mich vielleicht verarschen?

„Langweilig hier, was?“ sagte er, anscheinend hatte er meinen Blick falsch gedeutet und dachte ich wollte mit ihm sprechen.
Ich brummte nur unfreundlich als Antwort, das sollte genĂŒgen um ihn vor der Idee sich mit mir zu unterhalten abzubringen.

„Vielleicht soll ich eine kleine Geschichte erzĂ€hlen? Damit es nicht ganz so langweilig ist.“ setzte er nach. Scheinbar war er fĂŒr höfliche Hinweise nicht empfĂ€nglich.

Ich wollte ihm schon die Meinung sagen, als er bereits weitersprach. Und irgendwas in seiner Stimme ließ meinen Widerstandsgeist erlahmen. Sollte er doch erzĂ€hlen, langweiliger als hier zu stehen und zu warten konnte es auch nicht werden.

„Der Mensch besitzt gewaltige FĂ€higkeiten. FĂ€higkeiten die von der Wissenschaft ins Reich der Legenden verschoben werden. Jeder Mensch hat das Potenzial die Welt nachhaltig nach seinen Vorstellungen zu verĂ€ndern. NatĂŒrlich, gefĂ€llt das denen, die grade an der Macht sind nicht besonders. Schon frĂŒh haben die MĂ€chtigen entdeckt, dass es ein Weg ist, die anderen Menschen in Dummheit zu halten. Wenn sie von ihren FĂ€higkeiten nichts wissen, sich gar fĂŒr Opfer der UmstĂ€nde, statt Schöpfer ihres eigenen Schicksals halten, dann werden sie ihre FĂ€higkeiten auch nicht einsetzen und die MĂ€chtigen bleiben unangefochten auf ihrer Position.“

Was der Typ da erzÀhlte klang völlig idiotisch, aber irgendwie konnte ich mich der Macht seiner Worte nicht entziehen. Ich schwieg und hörte weiter zu.

„Doch Wissen lĂ€sst sich nie fĂŒr immer verstecken. FrĂŒher oder spĂ€ter stĂ¶ĂŸt der eine oder andere Mensch zu seinen wahren FĂ€higkeiten vor. So ist es auch in der Geschichte der Menschheit immer wieder geschehen. Die MĂ€chtigen brauchten also einen neuen, besseren Weg um ihre alleinige Machtposition zu schĂŒtzen. Und den fanden sie schließlich auch. Das Werkzeug mit dem der Mensch sein Schicksal verĂ€ndern kann, ist seine Aufmerksamkeit. Dorthin wo ein Mensch seine Aufmerksamkeit richtet, dorthin fließt auch seine Energie. Ob ihm das nun bewusst ist oder nicht. Die MĂ€chtigen machten sich diese Tatsache nun zunutze, indem sie Dinge kreierten, welche die Aufmerksamkeit der anderen einfangen sollten. Es gab einige Versuche. Der letzte, und wohl auch erfolgreichste Versuch, war die Erschaffung der Massenmedien. Mittels Fernsehen, Internet und wie all diese Dinge heißen, wurde die Aufmerksamkeit von großen Teilen der Bevölkerung eingefangen. Und das Beste ist, durch die Manipulation der Inhalte dieser Massenmedien, können die MĂ€chtigen sogar noch einen Teil der Energie ihrer Opfer nutzen.“

Der Fahrstuhl setzte sich wieder in Bewegung und ich erwachte aus meinem tranceÀhnlichen Zustand.

„Wollen Sie etwa behaupten, dass irgendwelche MĂ€chtigen uns alle kontrollieren und manipulieren?“ fragte ich den Mann fassungslos.
„Ich behaupte gar nichts. Ich habe nur eine Geschichte erzĂ€hlt,“ erwiderte der Mann und stieg aus dem Fahrstuhl.

Die FahrstuhltĂŒren hatten sich bereits wieder hinter ihm geschlossen, als ich endlich realisierte, dass er ja auf meiner Etage ausgestiegen war. Ich drĂŒckte also auf den Knopf um die TĂŒren wieder zu öffnen.
Doch als ich auf den Flur trat, war der Mann schon verschwunden.

Ziemlich perplex ging ich schließlich in meine Wohnung.

„So ein hirnverbrannter Blödsinn,“ murmelte ich, als ich das Licht anmachte.
Ich wollte mein Handy aufladen, aber da bemerkte ich, dass der Akku voll war. Anscheinend hatte es irgendeinen Wackelkontakt.
Ein Blick auf meine Armbanduhr zeigte mir, dass auch sie wieder lief.
KopfschĂŒttelnd ging ich in die KĂŒche, holte mir ein Bier aus dem KĂŒhlschrank und schlenderte ins Wohnzimmer zurĂŒck.

„VerrĂŒckter Tag.“
Ich stellte den Fernseher an und machte es mir mit meinem Bier gemĂŒtlich.
Endlich Entspannung.

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