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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Geschichte vom Pfarrer, der den Glauben verlor
Eingestellt am 27. 03. 2009 08:31


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ridding
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Die Geschichte vom Pfarrer, der den Glauben verlor

Es war einmal ein Pfarrer, der tat immer treu und brav seinen Dienst in seiner kleinen Provinzgemeinde, hielt des Sonntags den Gottesdienst, taufte die Kinder, vermĂ€hlte die Paare und sprach das Vaterunser am Grab der Verstorbenen. Und weil er eine mitfĂŒhlende Seele war und das ganze Elend, die Armut und das Leid ringsherum sah, so betete er auch immer fleißig fĂŒr seine SchĂ€fchen. Doch mit der Zeit fiel ihm auf, dass sein Beten nie etwas nĂŒtzte. Die Kranken wurden nicht gesund, die Armen nicht reicher, die Geizigen nicht weichherziger, und die Welt im Großen und Ganzen blieb so ungerecht und unvollkommen wie sie war. Da begann er zunĂ€chst an der Gnade Gottes zu zweifeln, dann an dessen Allmacht und schließlich kam er zu dem Ergebnis, dass Gott gar nicht existiere. Und als er merkte, dass Gott ihm auch nicht fehlte, gab er schließlich das GrĂŒbeln und Zweifeln ĂŒber dessen Existenz gĂ€nzlich auf. Aber da er nichts anderes als seinen Pfarrerberuf gelernt hatte und er auch sehr gerne im Pfarrhaus mit dem schönen Garten wohnte, konnte er sich nicht dazu entschließen, seine Stellung aufzugeben. Also stellte er sich weiterhin sonntags auf die Kanzel und predigte vom Reich Gottes, taufte die Kinder im Namen eines Herrn, an den er nicht mehr glaubte, ermahnte die Hochzeitspaare, ein gottgefĂ€lliges Leben zu fĂŒhren und versprach den Hingeschiedenen am Grab ihre Auferstehung. Und da er nicht gestorben ist, macht er das noch heute in seinem kleinen Dorf.


Version vom 27. 03. 2009 08:31
Version vom 27. 03. 2009 15:38

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Tigerauge
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Hallo ridding,

ich habe ein paar Schönheitskorrekturen. Es sind aber keine Fehler, sondern eher Geschmackssachen. Um es klar zu sagen: der Text ist fehlerfrei.

Die Geschichte vom Pfarrer, der den Glauben verlor

Es war einmal ein Pfarrer, der tat immer treu und brav seinen Dienst in seiner kleinen Provinzgemeinde, hielt des Sonntags den Gottesdienst, taufte die Kinder, vermĂ€hlte die Paare und sprach das Vaterunser am Grab der Verstorbenen. Und weil er eine mitfĂŒhlende Seele war und das ganze Elend, die Armut und das Leid ringsherum sah, so betete er auch immer fleißig fĂŒr seine SchĂ€fchen. Doch mit der Zeit fiel ihm auf, dass sein Beten nie etwas nĂŒtzte. Die Kranken wurden nicht gesund, die Armen nicht reicher, die Geizigen nicht weichherziger(,) und die Welt im Großen und Ganzen blieb so ungerecht und unvollkommen wie sie war. Er begann zunĂ€chst an der Gnade Gottes zu zweifeln, dann an dessen Allmacht und schließlich kam er zu dem Ergebnis, dass Gott gar nicht existiere. Und als er merkte, dass Gott ihm auch nicht fehlte, gab er schließlich das GrĂŒbeln und Zweifeln ĂŒber dessen Existenz gĂ€nzlich auf. Aber da er nichts anderes als seinen Pfarrerberuf gelernt hatte und er auch sehr gerne im Pfarrhaus mit dem schönen Garten wohnte, konnte er sich nicht dazu entschließen, seine Stellung aufzugeben. Also stellte er sich weiterhin sonntags auf die Kanzel und predigte vom Reich Gottes, taufte die Kinder im Namen des Herrn, an den er nicht mehr glaubte, ermahnte die Hochzeitspaare, ein gottgefĂ€lliges Leben zu fĂŒhren und versprach den Hingeschiedenen am Grab ihre Auferstehung. Und da er nicht gestorben ist, macht er das noch heute in seinem kleinen Dorf.

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ridding
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@bluefin
Der von dir beschriebene Typus des ehrenwerten alten Pfarrers ist ja durchaus nicht ausgestorben, es gibt ihn ja heute noch zuhauf, vor allem in der Provinz, aber sicher auch in GroßstĂ€dten. Das weiß ich durchaus zu respektieren.
Außerdem: Wer bin ich, dass ich mich mit „den Religionen“ anlegen wollte. Da aber die Vertreter der unterschiedlichsten Religionen hĂ€ufig nicht gerade zimperlich mit Nicht- oder AndersglĂ€ubigen oder auch nur kontroversen Meinungen umzugehen pflegen (ganz aktuelles, wenn auch relativ harmloses Beispiel: Meisners Tirade gegen Merkel, die ja nur ein paar SelbstverstĂ€ndlichkeiten formuliert hat), sollte die eine oder andere satirische Spitze in die Gegenrichtung wohl auch bisweilen gestattet sein. Zum von dir angefĂŒhrten „modernen Gegenmodell“: Das ist nun mal nicht das, was mein armer kleiner Provinzpfarrer sich trotz Internet und 983 Fernsehprogrammen wĂŒnscht, er möchte nun mal lieber in seinem Provinzpfarrhaus mit dem hĂŒbschen GĂ€rtchen bleiben statt in Talkshows aufzutreten.

@Tigerauge
Was du angefĂŒhrt hast, sind in der Tat eher Geschmackssachen. Da der Tonfall insgesamt eher der eines MĂ€rchens ist, finde ich auch die von dir als â€žĂŒberflĂŒssig“ markierten Konjunktionen bzw. Adverbien passend, da sie den Text klanglich nĂ€her an etwas mĂŒndlich ErzĂ€hltes heranrĂŒcken. Nach dem von dir ebenfalls als „zu viel“ angesehenem Komma folgt ein vollstĂ€ndiger Hauptsatz. Nach alter Rechtschreibung ist es also an dieser Stelle verbindlich, nach der neuen optional. Aufgrund des „konservativen“ Duktus des Textes bevorzuge ich die „alte“ Interpunktion.

Gruß, ridding

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atoun
???
Registriert: Mar 2009

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hallo ridding,

ein vorschlag: mach einfach "Pfarrer L." daraus und schon dĂŒrfte die diskussion im sande verlaufen sein.

wieder ein sehr guter text ĂŒbrigens!



hallo tigerauge,
der text hat vor allem metaphorischen inhalt zu bieten und fÀllt damit in die kategorie: sehr wertvoll.


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ridding
One-Hit-Wonder-Autor
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@bluefin
NatĂŒrlich hat es den zumindest materiell gesehen „armen Dorfpfarrer“ gegeben, was sich allein daran ablesen lĂ€sst, dass er frĂŒher hĂ€ufig Teile seines „Gehalts“ in Form von Naturalien durch die Dorfbewohner bekam, was in armen Gegenden und schlechten Jahren durchaus schon mal dĂŒrftig ausfallen konnte.
Sowohl die Einleitungs- als auch der Schlusssatz weisen darauf weisen darauf hin, dass ich mich an eine MĂ€rchenform anlehne.
In deiner ersten Anmerkung hast du zwei Antagonisten angefĂŒhrt, der zweite, Anselm Bilgri, lĂ€sst sich a) zeitlich durchaus der Postmoderne zuordnen und ist b) meines Wissens auch nicht tot.
Insgesamt arbeitest du, zumindest bei der Behandlung dieses Textes, weitgehend nach der Methode: Zuerst unterstelle oder projiziere ich mal etwas, was in dem Text ĂŒberhaupt nicht drinsteht, und dann baue ich meine „Kritik“ darauf auf.
1. Dass die kleine Geschichte nach dem Prinzip „pars pro toto“ vorgeht, ist blanker Unsinn. Ebensogut könnte man „HĂ€nsel und Gretel“ unterstellen, dass dort behauptet wird, alle HolzfĂ€ller wĂŒrden ihre Kinder im Wald aussetzen. (Wenn auch diese Methode frĂŒher von armen Menschen sicher hĂ€ufiger angewandt wurde, als wir uns heute vorstellen mögen.)
2. Dass ich behaupte, dass die „armen Dorfpfarrer“ heute oder frĂŒher ungebildet oder gar „dumm“ waren, lĂ€sst sich aus dem Text ebenso wenig ableiten, in dieser Geschichte wird bei diesem Pfarrer lediglich ein gehöriges Maß an Opportunismus zugeschrieben. Dass du deshalb meinst, nun eine Lanze fĂŒr alle „armen Dorfpfarrer“ brechen zu mĂŒssen, entspringt offenbar einer romantischen VerklĂ€rung dieses Berufsstandes, die sich vermutlich am ehesten aus deiner sozialen Ferne zu diesem erklĂ€ren lĂ€sst. Es gibt unter Dorfpfarrern ebenso wie unter den Angehörigen aller anderen Berufe nun einmal auch Arschlöcher und Opportunisten.

Deine Art der "Kritik", bluefin, ist ja ganz amĂŒsant, wenn man sie erst mal durchschaut hat, wird aber einem Text nicht so richtig gerecht, wie ich finde.

@atoun
Vielen Dank fĂŒr deine aufmunternden Worte, kann man nach so zĂ€hen RingkĂ€mpfen mit bluefin durchaus gebrauchen. „Pfarrer L.“ möchte ich ihn aber nicht nennen, weil dies zum einen wohl kaum gewisse Diskussionen verhindert, und zum anderen möchte ich den Herrn L. beruflich nicht so festlegen, vielleicht gibt es ja spĂ€ter mal noch das eine oder andere ĂŒber ihn zu berichten.

Gruß, ridding

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

die geschichte vom pfarrer

hallo ridding,

bluefin hat bereits sehr richtige anmerkungen gemacht, den kommentaren muss ich nichts hinzufĂŒgen.

lg suzah

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