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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Geschichte vom kleinen Kitz
Eingestellt am 23. 01. 2002 20:56


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cjhammer
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Tief im Wald, versteckt zwischen Kiefern und Birken, lebte einst ein Rehkitz. Es ernährte sich von Gräsern und Eicheln, trank klares Quellwasser, und die Luft zum atmen genügte ihm zum leben. Es hatte Spaß daran, die Ameisen und Käfer zu betrachten, wie sie mal flink, mal gehäbig an ihm vorbeizogen, um ihr Tagwerk zu verrichten. An schönen Tagen machte es sich am frühen Morgen auf, um sich die vielen Blumen auf verschiedenen Waldlichtungen anzusehen – ganz besonders die violette Schachbrettblume – denn sie glitzerten prächtig im Morgentau. Dabei ließ es sich von der Sonne wärmen und vergaß die Welt um sich herum.
Doch nun war alles anders. Das kleine Kitz saß im Gebüsch und war traurig. Es wusste nicht, was es anfangen sollte, mit der Zeit und mit sich, in diesem trostlosen Wald: Es wurde wieder Winter. Und dieser Winter würde anders werden als der letzte. Nun hatte es niemanden, mit dem es die dunkle Zeit gemeinsam durchstehen könnte, denn seine Mutter war nicht mehr bei ihm. Sie hätte gesagt: „Komm, Kleines, ängstige dich nicht. Der Winter kommt, aber der Winter wird auch wieder gehen. Er will uns nichts böses. Und gemeinsam werden wir durch den Winter kommen, du wirst schon sehen.“ Doch niemand war nun da, um solche Worte des Trostes zu spenden.
Den ganzen Sommer über hatte das Rehkitz mit seiner Mutter getollt, sie hatten den Fischen im Waldbach Fratzen geschnitten und nachts beieinander gelegen und sich Sternbilder ausgedacht. Es war herrlich gewesen – doch diese Zeit war nun vorbei. Wo die Mutter hingegangen war, das hatte es ihm nicht gesagt. Nur, dass es lange dauern würde, bis sie einander wieder begegnen würden, sehr lange, das hatte sie gesagt. Am Anfang dachte das Kitz, es sei ein Spiel, ähnlich den Versteckspielen, wie sie es oft gespielt hatten. Doch nun, wo der Winter mit großen Schritten voranrückte, merkte es, wie sehr es die Mutter vermisste.
Sein junges Leben lang hatte es immer bei der Mutter verbracht. Niemals hatte es eine ernsthafte Freundschaft mit anderen Waldtieren geschlossen. Es war auch viel allein, wollte allein sein, und konnte dem seltsamen Abschied der Mutter anfangs durchaus etwas abgewinnen. Schließlich, so dachte es, war es nun alt genug, sich auch allein in der Welt zu behaupten. Es wollte allein sein. Aber es wollte nicht verlassen sein.
So ganz auf sich allein gestellt, erschien ihm das Leben von Tag zu Tag mehr unnütz. Zu welchem Zwecke sollte es dieses unglückliche Leben führen? Was sollte es mit sich anfangen? Nun waren diese Fragen gestellt, und es bedurfte einer Antwort. Doch wer konnte ihm diese geben? Diese Nacht lag das arme Kitz bis in die Frühe mit Tränen in den Augen auf seinem Lager. Es plagte es ein Gedanke und ließ es nicht mehr zur Ruhe kommen: „Was fange ich mit meinem Leben an?“

Am nächsten Tag wachte das Rehkitz zur Mittagszeit - die Sonne schien, als wolle sie mit letzter Kraft dem vergangenen Sommer ein Andenken setzen, – auf, die Tränen waren getrocknet und es spürte eine seltsame Leere in sich. So lag es noch lange da, den Blick zum Himmel gerichtet. Hoch oben zog eine schwarze Vogelschar vorbei, und es wünschte, mit ihnen ziehen zu können. Auf einmal raschelte es im Unterholz, ein Mäuslein kam zum Vorschein und kroch dem verduzten Kitz unter das Fell. Dann durchbrach mit lautem Krach ein wildgewordener Eber das Dickicht, und so schnell wie er gekommen war, stürzte er grunzend davon.
„Hab vielen Dank, kleines Rehkitz,“ wisperte die sehr viel kleinere Haselmaus, „bei Dir habe ich Unterschlupf gefunden vor dem garstigen Wildschwein. Wie kann ich mich erkenntlich zeigen?“ Da musste das Kitz lachen: „Ich habe doch gar nichts getan, habe nur da gelegen. Doch sage mir: warum hängst du so sehr an deinem Leben?“ Von dieser Frage überrascht, begann die Haselmaus nach etwas bedenken „Zuhause warten Frau und Kind mit hungrigen Mäulern, und der Winter naht und ich habe noch viele Vorbereitungen zu treffen, muss viele Nüsse sammeln. Man braucht mich.“ – „Ich habe keine Familie mehr...“ sagte da das kleine Kitz. „Was? Du armes Ding... ich bedaure dich aufrichtig, denn die Familie gibt dem Dasein einen Sinn. Man ist füreinander da und durchsteht gemeinsam Höhen und Tiefen. Ich wünsche dir, dass du wieder so etwas wie eine Familie findest. Nun muss ich weiter, für den Winter sorgen, aber du kannst meine Frau und mich gerne mal besuchen kommen, unsere Höhle findest du unter der Buche am Waldbach drüben.“ – „Ich danke dir für deine Antwort. Ich werde dich besuchen kommen.“ Kaum hatte das Kitz diese Worte ausgesprochen, war das geschäftige Mäuslein wieder zwischen dem Gras verschwunden.
Das kleine Kitz war ein wenig enttäuscht. Wo sollte es denn eine Familie herbekommen? Es musst doch noch andere Lebensinhalte geben. So zog es los, in der Hoffnung eine Antwort zu finden. Ein Fuchs stellte sich ihm in den Weg: „Holla, Kleines, wohin des Weges?“ – „Ich suche eine Antwort“ entgegnete es dem verduzten Fuchs, denn das furchtlose Kitz machte keine Anstalten zu fliehen. „Eine Antwort auf die Frage: Zu welchem Zwecke leben wir?“
Da grinste der Fuchs amüsiert, und er begann: „Ich will dir ein Geheimnis verraten, höre gut zu: Wenn du ein gelungenes Leben führen willst, so musst du versuchen, erfolgreich zu sein. Erfolg ist wesentlich. Du bist noch klein, aber auch du wirst erfahren: hier im Wald wird mit harten Bandagen gekämpft. Hier wird das Leben zum überleben. Da heißt es: fressen oder gefressen werden. Du bildest da keine Ausnahme... ich könnte dich auf der Stelle in Stücke reißen!“ – „Aber warum solltest du das tun?“ – „Ach, wie naiv du bist... und darum lasse ich dich laufen, als Warnung sozusagen. Aber lass dir gesagt sein: Du musst hart werden, wenn du es zu etwas bringen willst, du musst versuchen, dich durchzusetzen. Du musst versuchen dich gegenüber anderen Tieren zu behaupten und ihnen zeigen, wo es lang geht. Das ist nicht einfach. Dazu musst du trickreich sein und skrupellos. Aber es lohnt sich: denn du gelangst dadurch zu Macht über andere, und Macht, das ist das eigentliche Ziele eines jeden Tieres.“ – Hier hakte das Kitz ein: „Das verstehe ich nicht! Macht denn die Macht glücklich?“ – „Aber ja doch, selbstredend. Es ist ein herrliches Gefühl, anderen überlegen zu sein. Wir Füchse sind darin besonders erfolgreich, wir suchen nur unseren eigenen Vorteil, und daher nennt man uns listig. Aber ich sehe dir an: auch du hast durchaus Qualitäten: du bist verschlagener als du wirkst, denn du hast mir mit deiner gespielten Unbeholfenheit meine Lebensweisheiten aus der Nase gezogen! Mach dich davon, ehe ich es mir anders überlege...“
Und mit einem langen Satz verschwand das Kitz im Gebüsch. Dieser seltsame Geselle war ihm unheimlich, und es wollte nichts mit seiner Philosophie zu tun haben. So streifte es weiter, getrieben von der einen Frage. Die Tiere im Wald schienen immer zufrieden mit dem was sie taten. Dann musste doch eines die Antwort wissen. Da erblickte es einen großen braunen Bär, der sich an einem Bienenstock gütig tat. Dabei ließ er sich von den Attacken der Bienen nicht stören, doch er wirkte sehr gehäbig und unbeholfen. Schon hatte ihn das Kitz ins Herz geschlossen. „Hallo, großer Bär, magst Du mir eine Frage beantworten?“ – „Wenn es denn in meiner Macht liegt, kleines Kitz“ brummte er gemütlich. „Es geht um folgendes: Was meinst du, soll ich mit meinem Leben anfangen? Wozu leben wir?“
„Ich weiß gar nicht, was du hast,“ murmelte der Bär, „was gefällt dir denn nicht am Leben? Wofür brauchst du einen Sinn um zu leben? Das Leben ist zu kurz, um ich ihm einen Sinn zu finden, genieße einfach jeden neuen Tag, den dir die Sonne schenkt. Ich für meinen Teil liebe es, faul in der Sonne zu liegen und dem zwitschern der Vögel zuzuhören. Und wenn der Winter kommt, verkrieche ich mich in meiner Höhle und ruhe mich bis zum Frühling aus von den Strapazen des Jahres. Ich liebe den Müßiggang.“ – „Aber ich kann doch nicht mein Leben lang auf der faulen Haut liegen,“ entgegnete das Kitz, „das ist mir viel zu langweilig.“
„Komisch seid ihr anderen Tiere, mir ist es schon oft aufgefallen. Viele Tiere verschwenden ihr Leben nur für eine Sache. Schau dir diese Ameisen an,“ – der Bär deutete auf einen riesigen Ameisenhaufen - „diese Dinger schuften sich zu Tode, ihr ganzes Leben lang. Für sie besteht der einzige Sinn ihres Tuns darin, den Bau in Schwung zu halten, koste es was es wolle. Ich weiß nicht, ob sie das glücklich macht – jedenfalls scheinen sie ganz gut damit klar zu kommen, denn nie habe ich es erlebt, dass eine mal die Arbeit niedergelegt hätte und einen Streik ausgerufen hätte. Nein, sie fügen sich ihrem Schicksal und hinterfragen nicht, ob es Sinn macht, was sie da tun, denn sie sind immer voll auf beschäftigt. Arbeit ist ein guter Sinnstifter. Für mich wäre diese Schufterei freilich nichts.“
Das Rehkitz dankte ihm für die hilfreichen Worte und musste ihm noch versichern, im Frühjahr wieder vorbeizuschauen, denn dann sei er wieder bei Kräften und sie könnten dann gerne weiter plaudern. So machte sich das Kitz wieder auf den Weg, froh darüber, einen interessantes Tier getroffen zu haben. Doch – was war das? Welch wunderliches Geschöpf hatte sich da in den Wald verirrt? Jedenfalls hatte das Kitz solch einen prachtvollen Vogel noch nie zuvor gesehen. Es putzte und plusterte sich schon die ganze Zeit. Neugierig nährte es sich ihm: „Entschuldige... Wer bist denn Du?“ – „Ich bin ein Pfau“ entgegnete ihm dieser mit spürbarem Stolz. „Du siehst den König der Farben vor dir, mein Kind. Ich bin reinstes Kolorit. Aber das ist nicht selbstverständlich. Denn ich arbeite hart für diesen Glanz, das kannst du mir glauben. Ich putze mich den halben Tag, putze mich heraus, denn die Tiere wollen mich sehen. Ich bin ein Star. Ich schwelge im Ruhm.“ – „Warum tust das alles, für wen?“ – „Ja weißt du denn nicht?“ echauffierte sich der Pfau „Ruhm, Anerkennung, das sind doch erstrebenswerte Dinge, nein, es ist das schönste, das ein Tier erreichen kann. Wenn ich nicht die Gabe und das Talent hätte, mich immer wieder von neuem zu produzieren – dann hätte das Leben für mich keinen Sinn mehr. Aber lass dich ansehen... du schaust auch nicht übel aus, aus dir ließe sich etwas machen. Du bist anmutig und hast Ausdruck.“ – „Ich bin ein scheues Reh,“ wehrte das Kitz ab, „ich habe keine Freude daran, im Mittelpunkt zu stehen.“ – Der Pfau war verwundert: „Wie kann das sein? Jeder mag es doch, begehrt zu werden.“
Für das Kitz war der Fall klar: dieser eitle Fatzke war zu merkwürdig, als dass man ihm Glauben schenken könnte. Die Nacht brach nun heran, und der Mond beschien den herbstlich lichten Wald. Das Kitz war weit gereist und wollte nun den Heimweg antreten. Eine Eule saß auf einer Birke und betrachtete es aufmerksam. „Kleines Rehkitz,“ krächzte es, und das Kitz erschrak nicht wenig, „kleines Rehkitz, ich habe dich beobachtet. Schon den ganzen Tag. Ich weiß, was dich innerlich bewegt, und ich habe eine Antwort für Dich.“ – „Wie? Du willst mir eine Antwort auf meine Frage geben?“ entgegnete das Kitz keck, denn es hatte den ersten Schreck schnell überwunden. „Ich weiß, was in dir vorgeht, Kleines: Du willst wissen, was du mit deinem Leben anfangen sollst. Ich will zu den vielen Standpunkten, die heute vertreten wurden, einen letzten hinzufügen. Nun höre: es ist meine Ansicht, dass das eigentliche Ziel unseres Lebens die Erkenntnis ist. Wir lernen ein Leben lang und werden von Tag zu Tag weiser. Wir machen Erfahrungen und ordnen sie. Die Erkenntnis ist das höchste Gut auf Erden, denn mit ihr können wir die Wahrheit erfassen.“ – „Aber zu was ist die Wahrheit nütze?“ fragte das Reh zweifelnd. „Die Wahrheit ist um ihrer selbst willen zu schätzen. Schlaf gut, kleines Reh, und denk am meine Worte.“

Viel hatte das kleine Rehkitz an diesem Tag erlebt. Vielen Tieren war es begegnet, darunter freundliche und merkwürdige. Doch letztlich hatte es keine befriedigende Antwort erhalten. In dieser Nacht kam das Rehkitz schnell zur Ruhe, denn es war erschöpft von den vielen Gesprächen. Die Geschehnisse des Tages erwachten im Schlaf ein zweites mal, die Gedanken kreisten schneller und schneller, und schon verdichteten sie sich die Bilder zu einem Traum:
Die Tiere des Waldes hatten sich an der alten Eiche versammelt, und dort war ein Rednerpult aufgestellt. Davor hing ein Schild: WALD-TAGUNG ZUM THEMA: SINN DES LEBENS. Die alte Eule saß darauf und ermahnte die Anwesenden zur Ruhe, doch alle schrieen wie wild durcheinander, und versuchten einander zu überzeugen, selbst am besten Bescheid zu wissen, wie die Tiere zu leben haben, um glücklich zu werden. Ein Regenwurm erklomm das Mikrofon und rühmte in vielen Worten den Wert des Lebens. Da kam eine Amsel herbeigeflogen und verspeiste ihn. Das allgemeine Chaos wurde erst durch einen Platzregen unterbrochen und alle flüchteten in ihre Nester und Höhlen. Nur das Rehkitz saß da wie angewurzelt und wartete, ob nicht doch noch jemand kam, um ihm seine Frage zu beantworten. Bald nahm der Regen ab, der Himmel brach auf, Licht durchflutete den Wald, und siehe da: aus der Höhe kam ein Schmetterling geflattert, drehte seine wirren Kreise und setzte sich schließlich dem kleinen Kitz auf die Nase. Ihm war es, als ob der bunte Falter etwas mitteilen wollte, und dann – wie war das möglich? – drangen zu ihm aus der Ferne die Worte: „Kleines Rehkitz, du hast schon gefunden, was du suchst.“ – „Ich verstehe nicht,“ stutzte das Kitz, „was meinst du?“ – „Du trägst ihn in dir, den Sinn deines Lebens. Viele Tiere hast du kennen gelernt, und sie alle haben Seiten von dir offenbart, gute Seiten und weniger gute Seiten. Sie haben etwas Wahres zum Ausdruck gebracht, doch letztendlich hatte keiner von ihnen recht. Denn der Sinn deines Lebens, der ist nur dir bekannt.
Das Leben ist letztendlich ein Kunststück: denn es gilt, die richtige Mischung zu finden. Eine Mischung, die dich fordert, aber nicht belastet, die dir Freiräume lässt und nicht langweilig wird, gerade so, wie es deiner eigenen Natur entspricht. So erklärt sich auch, dass alle Tiere unterschiedliche Bedürfnisse ausleben. Du aber bist ein ganz besonderes Tier; denn deine Unentschlossenheit darüber, welchen Weg du nun einschlagen sollst, jetzt, wo du auf eigenen Füßen stehst, sie zeigt, dass du sehr viele Möglichkeiten hast, dass du für vieles geeignet bist und eine Menge Eigenschaften in dir vereinigst. Habe keine Angst vor dem Leben. Probiere ohne Scheu das aus, was dich interessiert und lockt. Schau nur hin, dann wirst du sehen, wie unermesslich die Welt ist und welche Fülle von Anreizen sie dir zu geben vermag.
Nun denke mir aber vor allem an eines, liebes Kitz: ein Leben in Einsamkeit kann keiner bestreiten. Jedes der Tiere bedarf anderer, um seine Ziele umzusetzen. Der Fuchs brauchte Konkurrenten, der Pfau das Publikum. Selbst die Eule will ihre Weisheit an andere weiterreichen. Und soviel sei schon mal vorweggenommen: Die Gemeinschaft mit anderen, sie ist vielleicht die wichtigste der Seiten, die dem Leben Kraft verleiht. Suche Dir Freunde, kleines Kitz, und teile mit ihnen die Freuden der Welt.
Ich werde dich jetzt verlassen, denn der Winter ist nichts für meinesgleichen. Doch im Frühjahr werden wir uns wiedersehen, denn gar sehr will ich erfahren, wie es dir ergangen ist. Dann, wenn der Wald zu neuem Leben erwacht, werden wir uns viel zu erzählen haben. Wir werden miteinander spielen und gemeinsam die Sonnenstrahlen jagen. Denn ich will deine Freundschaft.“

Als das Kitz am nächsten morgen erwachte, fror es sehr, denn die Winterkälte hatte eingesetzt und es hatte versäumt, sich aus dem gefallenen Laub ein warmes Lager zu betten. So machte es sich auf, um genug Laub und auch Moos zusammenzutragen. Da sah es in der Ferne ein Wesen – ihm stockte der Atem: Da war ein anderes Kitz, nicht größer als es selbst. Seine Mutter hatte ihm einst erzählt, es gäbe in diesem Wald keine anderen Rehe mehr. Doch da stand eines vor ihm! Scheu schritten sie aufeinander zu, beide mit ungläubigen Augen. Ohne ein Wort zu wechseln schauten sie einander an, und sie verstanden einander. Da war nun ein Gleichgesinntes, und nie zuvor hätte es das Kitz für möglich gehalten. So suchten sie nun gemeinsam Laub und Moos. Gemeinsam würden sie über den Winter kommen.

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flammarion
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. ein herrliches märchen haste da geschrieben. zum heulen schön. ich möchte es gern meinen enkeln schenken, wenn du erlaubst. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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cjhammer
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Hallo oldicke

Herzlichen Dank für deine Zeilen, ich freue mich darüber,
dass du die Geschichte deinen Enkeln geben willst.
Vielleicht werden sie fragen, was denn mit der Mutter des
Kitz geschehen ist; ich weiß darauf leider keine Antwort.
Ich habe die Geschichte für eine Freundin geschrieben, die
Schwierigkeiten hat, sich vom Elternhaus zu lösen und ihr
Leben selbständig in die Hand zu nehmen, die nicht weiß,
wofür sie leben soll. Die Trennung ist notwendig, aber sie
ist nicht auf ewig.
Die mutter des kleinen kitz ist also nicht tot, aber wohin
sie sich aufgemacht hat, bleibt ein Geheimnis.

Einen lieben Gruß,
Wolfgang

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flammarion
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nun,

in der geschichte liegt es nahe, daß die mutter vom jäger . . . oder ein fangeisen . . . werden rehe eigentlich auch krank?
ich wünsche dir und deiner freundin alles gute. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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