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Leselupe.de > Anonymus
Die Gewerkschaft der Zauberer…
Eingestellt am 05. 02. 2018 15:04


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Anonymous
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Die Gewerkschaft der Zauberer…

Die Gewerkschaft der Zauberer setzt sich neuerdings für die Einführung von Mindestlöhnen ein; insbesondere bei der Aufführung undurchschaubarer Tricks sollen die neuen Standards so bald als möglich im öffentlichen Dienst von Bund und kommunalen Arbeitgebern sowie im privat-schattenwirtschaftlichen Bereich des Obskuren verbindlich werden. Gleiches plant die Gewerkschaft der staatlich zugelassenen und gerichtlich vereidigten Betrüger, Schaumschläger und Blasenmacher, sie möchte unter allen Umständen einen festen Satz pro Masche bzw. Blase gesetzlich verbürgen lassen. Als Gründe werden von beiden Gewerkschaften genannt: Motivierung der Arbeitnehmer, Verbesserung ihrer Entlohnungssituation, mehr Geld für Zusatzrenten oder sonstige Rücklagen, Absicherung gegen Altersarmut. Denn jeder weiß: auch ein Zauberer oder Betrüger ist ein Mensch wie du und ich, er wird älter und schwächer, hilfloser und vergesslicher. Mit den Jahren stiehlt sich so mancher schöne Zaubertrick, so manche perfekte Betrugsmasche so mir nichts dir nichts davon, als sei sie ein freies Vögelchen mit dem Willen, sich nach eigener Lust und Laune an neuem Orte niederzulassen; so manche schillernde Blase platzt, und zurück bleibt ein hilfloses Bündel Mensch, bar aller Zauber- und Betrugskraft, unfähig zum Blasen sowieso.
Nun könnte man vermuten, dass sich die gewerkschaftlichen Führungsspitzen der Zauberer und der Betrüger zusammentun, um ihre Belange gemeinsam gegen Staat, Kirche und Kundschaft durchzusetzen.
Aber wie das so ist mit Zauberern, Betrügern und anderen anerkannten Berufen: Ein jeder Zweig hält sich für den wichtigeren und ist nicht geneigt, andere Freiberufler als genauso unabdingbar für das gesunde Funktionieren einer modernen Gesellschaft anzuerkennen. Fragt man die Gewerkschaftsbosse der Zauberer, was sie denn gegen Betrüger eigentlich einzuwenden hätten, so hört man zumeist, Betrüger trieben ein höchst einfaches, wenn auch undurchschaubares Gewerbe; es sei profan, arbeite mit den niederen Instinkten der Menschen und ihrer Empfänglichkeit für Manipulation und Irrationalität, richte sich ausschließlich auf materiellen Vorteilsgewinn und habe mit schöpferischen Prozessen bei der Bewältigung frustrierender Wirklichkeit nichts zu tun. Die Bosse der Betrüger wiederum argumentieren, Zauberer tricksten und zauberten, sie übten also kein ehrliches und nachvollziehbares Gewerbe aus; außerdem erzielten sie meist keinen Gewinn, und wer keinen Gewinn erziele, könne auch keine Mindestlohnforderungen stellen. Somit seien deren Ziele ganz und gar nicht
vergleichbar mit den eigenen.
Verlässt man allerdings die administrative Ebene und steigt ein, zwei Etagen tiefer, um sich bei der Basis, also den gemeinen Mitarbeitern beider Gewerkschaften, umzuhören, fallen die Differenzen und der Eigendünkel doch weit geringer aus: Sowohl der gemeine Zauberer wie auch der durchschnittliche Betrüger geben durchaus Berührungspunkte zum fremden Berufsstande zu; man kann sogar Gewerkschaftsmitglieder treffen, die weniger Unterschiede als vielmehr Gemeinsamkeiten zwischen Zauberern und Betrügern sehen! Ein jeder tue ja sein Bestes, heißt es oft, und für die Egotrips der Bosse scheint es an der Basis kaum Verständnis zu geben. Das lässt meines Erachtens den Schluss zu, dass die Bosse beider Gewerkschaften ihr eigenes Ding machen und keineswegs im Sinne mehrheitlicher Meinungen handeln. Wie stark könnte eine Einheitsgewerkschaft der Zauberer, Trickser und Betrüger sein! Welch geballte Macht ginge von ihren Forderungen aus! Mindestlöhne, gesicherte Renten, Sozialmaßnahmen – alles wäre möglich.


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