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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Glocke
Eingestellt am 23. 02. 2002 17:32


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Muffin
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Die Glocke

Im ganzen Geb├Ąude war Stille eingekehrt. Meine Schritte auf den kalten Fliesen hallten in den verschlungenen G├Ąngen. Ich lenkte sie in Richtung Treppenhaus. Die gelben Fliesen des Fu├čbodens waren am Rand mit Gr├╝nen umrandet. Die Treppen waren seltsam verwinkelt, die Gel├Ąnder mit Kugeln und Schn├Ârkeln verziert. Eilige Schritte liefen vom Lehrergang auf mich zu. Durch die geschlossene T├╝r h├Ârten sie sich dumpf an. Ich lauschte wie sie lauter wurden, um dann pl├Âtzlich zu verstummen. Eine T├╝r fiel ins Schloss.
Ich stand nun direkt vor der Treppe. Sie lief vor mir hoch, um sich dann auf halber H├Âhe in zwei Teile zu verzweigen, die links und rechts zum ersten Stock f├╝hrten. Hinter der Treppe hat der Architekt des Geb├Ąudes eine gro├če Fensterwand geplant, die den Blick auf den Schulgarten gew├Ąhren sollte. Doch die meisten Fenster waren blind und milchig. Die Wiese, die schmutzig dahinter zu sehen war, war braun, weil sie so kurz gem├Ąht war, dass die Erde durchschimmerte.
Auf der S├╝dseite der Halle gab ein kleineres, aber umso saubereres Fenster den Blick frei auf einen kleinen, quadratischen Innenhof mit wei├čget├╝nchten W├Ąnden. Oben konnte ich den Himmel sehen. Hohe, wei├če Wolken rasten da vorbei.
Um den Innenhof herum befand sich ein Gang. Hohe Fenster gaben immer wieder einen Blick auf den Hof.
Auf der anderen Seite des Rundganges waren gro├če, schwere, braungebeizte T├╝ren. Hinter manchen T├╝ren war es leise, aber hinter den meisten konnte man einzelne oder viele Menschen reden h├Âren.
Ich ging in Richtung Ausgang.
Links und rechts neben der T├╝r, die in den kleinen Vorraum f├╝hrte, waren rosafarbene Pinw├Ąnde angebracht, auf denen Aktivit├Ąten, Feste und Wettbewerbe zum mitmachen einluden.
Die Uhr ├╝ber der T├╝r zeigte ein alarmierendes kurz vor halb zwei an.
Warum stand ich hier noch?
Ich fuhr j├Ąh zusammen, als misst├Ânender Dreiklang die Stille zerriss. Der Ton verklang, doch gleichzeitig brach hinter den T├╝ren ein gewaltiger L├Ąrm los. Alle T├╝ren wurden nun aufgerissen und Str├Âme von Sch├╝lern w├Ąlzten sich zum Ausgang. In den G├Ąngen vereinigten sie sich wie Schneeflocken zu riesigen Lawinen. Hunderte von Sch├╝lern ergossen sich in die Halle und hatten nur ein Ziel, die T├╝r. J├Ąher Schrecken befiel mich.
War ich lebensm├╝de?
Ich versuchte mich zu r├╝hren, doch ich war starr vor Schreck. Die Ersten rannte schon an mir vorbei, als ich endlich wieder die Kontrolle ├╝ber meine Beine hatte. Nur ein pl├Âtzlicher Hechtsprung h├Ątte mich jetzt noch retten k├Ânnen, doch zu sp├Ąt.
Einzelne Gespr├Ąchsfetzen drangen an meine Ohren, ohne irgendeinen Sinn zu ergeben. Sie vereinten sich in meinem Kopf zu einer einzigen riesigen Schallwelle, die mich zu ├╝berrollen drohte. Es gelang mir soeben noch mich umzudrehen, ehe die Woge von Sch├╝lern mich eingeholt hatte. Mit wehenden Haaren und rappelndem Ranzen versuchten vierhundert Sch├╝ler sich gleichzeitig durch eine T├╝r zu quetschen. Das geht nat├╝rlich nicht ohne Prellungen, Quetschungen und Sch├╝rfwunden. Ich sp├╝rte deutlich einen Ellbogen in meinem Magen. Zur T├╝r, dem Nadel├Âhr der Gesellschaft hin wurde das Tempo immer schneller. Doch erst f├╝nf Meter dahinter sackten die ersten Opfer der T├╝rkarambolage leblos zusammen. Vorher hatte es, wegen der Enge, keine M├Âglichkeit zum Umfallen geben.
Mit etwas Gl├╝ck ereichte ich lebend die zweite T├╝r, die aus dem Vorraum heraus f├╝hrte. Mitten in atemberaubender Enge sp├╝rte ich einen Schubs im R├╝cken, der mich mit Pauken und Trompeten die Treppe runterpoltern lie├č.
Benommen blieb ich sitzen. Der L├Ąrm verklang und als ich die Augen wieder ├Âffnete, war der Schulhof leer.
Nur ein paar blaue Flecken erinnerten noch an das Nadel├Âhr, durch das sich t├Ąglich ein Kamel quetschte, das keine andere Richtung kannte als nach Hause.

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