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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Grabrede
Eingestellt am 15. 08. 2017 13:30


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Blumenberg
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Die Grabrede


Als Stickel eines Tages seinen Briefkasten leerte fand er darin einen Umschlag ohne Absender. Die enthaltene Traueranzeige auf einer altmodischen BĂŒttenpapierkarte gab den Tod eines Herrn T. bekannt, versehen mit einer handschriftlichen Notiz, in der er darum gebeten wurde der Beerdigung beizuwohnen. Der Namen des Verstorbenen vertiefte die Verwirrung nur noch, ging es doch um den letzten Weg eines Mannes bei dem er sich nicht sicher war, ihm ĂŒberhaupt zuvor begegnet zu sein. Erst etwas spĂ€ter entsann sich Stickel eines ehemaligen Nachbarn gleichen Namens, zu dem er, außer ein paar GesprĂ€chen ĂŒber den Zaun hinweg, nie engeren Kontakt gepflegt hatte. Der Mann war ihm damals Ă€ußerst verschroben vorgekommen.

Der Karte lag ein Brief bei, den der Verstorbene kurz vor seinem Tod aufgesetzt hatte, beginnend mit dem Wunsch, diesen nach seinem Hinscheiden umgehend an Stickel weiterzuleiten. Darin bat T. um eine Rede und forderte ihn auf, ein bestimmtes Thema zu verhandeln, welches ihm, dem Verstobenen, schon lĂ€nger am Herzen gelegen, sich aber im Ausgang seines Lebens mehr und mehr zum bestimmenden Inhalt entwickelt habe. Seine anstehende Transformation in das in seinen und Gottes Augen ohne Zweifel nobelste Geschöpf der Erde, einen echten Farn. Neben ihrer langen Ahnenreihe zeichne sich die Familie der Polypodiopsida vor allem durch Robustheit und AnpassungsfĂ€higkeit aus, Eigenschaften, die den Verstorbenen, in seiner Wesensart so trefflich beschreiben wĂŒrden, so dass er sich umgehend mit dem Gedanken habe anfreunden können, es mĂŒsse sich bei diesem um seine Seelenpflanze handeln. Abseits solcher, wie der Autor des Briefes freimĂŒtig einrĂ€umte, romantischer und sentimentaler Verstrickungen, gebe es aber noch einen handfesteren Grund. Als Farn wolle er der Gesellschaft etwas zurĂŒckgeben, da besonders die durch seine lebenslange PendlertĂ€tigkeit verursachten Co2 Emissionen schwer auf seinem Gewissen lasten wĂŒrden. Er habe erkennen mĂŒssen, dass der Klimawandel, entgegen seiner ersten EinschĂ€tzung doch realer sei, als sich selbst ein Mann seines Kalibers, der in seinem Leben, dass könne Stickel gerne glauben, einiges gesehen habe, auszumalen vermocht hĂ€tte.

T. habe, wie er schrieb, in den letzten Jahren seines Lebens vor allem die Sorge um das große und wunderbare Haus der Menschheit umgetrieben und er sei glĂŒcklich, dass ihm, bevor es endgĂŒltig zu spĂ€t gewesen sei, noch dieser tröstliche Ausweg aus seinen Seelenqualen offenbart wurde. Er sei fest entschlossen den nachfolgenden Generationen durch seine Transformation zu besserer Luft zu verhelfen und mittels Photosynthese wenigstens einen Teil der durch ihn verursachten SchĂ€den zu beheben.

Er habe danach sein ganzes Leben auf den Übergang ins Pflanzliche ausgerichtet, habe sich ausschließlich von Fleisch ernĂ€hrt und hoffe durch diese Tat von Beginn an die Anerkennung der neuen Gemeinschaft zu finden, da er sich um die BekĂ€mpfung des grĂ¶ĂŸten Fressfeindes vegetativen Lebens verdient gemacht habe. Daneben seien vor allem die Phasen regelmĂ€ĂŸigen Sonnens und Gießens ein bestimmender Teil seines Tagesablaufs geworden. Bei letzterem, und das sei gar nicht so einfach wie es zunĂ€chst klingen könnte, sei es essentiell gewesen, StaunĂ€sse zu vermeiden. Diese bekomme ihm mit seinen rheumatischen Beschwerden ĂŒberhaupt nicht, wie er bei den ersten Versuchen der SelbstbewĂ€sserung schmerzlich habe erfahren mĂŒssen.

Stickel war hin- und hergerissen. Einerseits schien es ihm vollkommen unsinnig, ĂŒberhaupt daran zu denken, tatsĂ€chlich auf eine solch abstruse Bitte einzugehen. Andererseits stellte ihm der Verschiedene am Ende des Briefes bei Annahme eine nicht eben kleine AufwandsentschĂ€digung fĂŒr die MĂŒhe in Aussicht und die konnte Stickel gut gebrauchen. Im Augenblick akademischer Rat auf Zeit, hangelte er sich seit Jahren von einem Zeitvertrag zum nĂ€chsten und mit jedem wurden seine Aussichten auf eine unbefristete BeschĂ€ftigung geringer. So entschloss er sich schließlich auf die Bitte des Verstorbenen einzugehen und kĂŒndete in einem kurzen Schreiben sein Kommen an. Er sei gerne zu einem Redebeitrag bereit, auch wenn ihn, das mochte er nicht verhehlen, das Anliegen von Herrn T, wegen der flĂŒchtigen Bekanntschaft etwas ĂŒberrumpelt habe.

Stickel studierte den Brief noch etliche Male und versuchte, sich der spĂ€rlichen Begegnungen mit T. zu erinnern, um ein GefĂŒhl fĂŒr den Verblichenen zu bekommen. Anschließend begann er mit der Recherche ĂŒber die ihm bis dato herzlich gleichgĂŒltige Welt der Farne. Er lieh sich in der Bibliothek die einschlĂ€gigen Titel aus und mit zunehmender Dauer der Arbeit wuchs sein Ehrgeiz. Er kontaktierte einen Bekannten an der biologischen FakultĂ€t und ließ sich bei einem Spaziergang durch die heimische Fauna im Detail die Unterscheidungsmerkmale und Eigenschaften der einzelnen Exemplare erklĂ€ren. Wenn man ihn schon dafĂŒr bezahlte eine solche Rede zu halten, wollte er sich nicht nachsagen lassen, seine Aufgabe nur halbherzig oder gar lustlos erledigt zu haben. Stickel fand sogar ein wenig Freude am abschließenden Ausformulieren der Rede. Versehen mit den unterschiedlichsten Anmerkungen, von der ursprĂŒnglichen Bedeutung des Farns in der mittelalterlichen Mystik, ĂŒber die Unendlichkeitssymbolik in der Spiralform junger FarnblĂ€tter, bis hin zu der stĂ€ndigen PrĂ€senz und kommerziellen Ausbeutung des ursprĂŒnglich in Neuseeland beheimateten Koru-Symbols, zĂ€hlte er sie schließlich zu den besten, die er jemals verfasst hatte. Am Tag der Beerdigung holte Stickel seinen Anzug aus der Reinigung, setzte sich ins Auto und fuhr nervös die etwa zweihundert Kilometer. Er musste sich eingestehen, dass er, obwohl sonst ein geĂŒbter Redner, aufgeregt wie lange nicht mehr war.

Da eine kirchliche Beisetzung nicht in Frage kam, der Verstorbene wollte schließlich ins Pflanzliche und nicht ins Paradiesische, hatte sich die Trauergemeinde direkt am Grab versammelt. Als Stickel eintraf, drehte sich die Handvoll GĂ€ste zu ihm und sah ihn erwartungsvoll an. Eine Ă€ltere Dame in Schwarz, das Gesicht hinter einem Schleier verborgen löste sich von der Gruppe, trat ihm entgegen und gab ihm die Hand. Sie sei sehr froh gewesen, als sie seine Zusage erhalten habe und freue sich, dass er es tatsĂ€chlich geschafft habe. Er sei schließlich der einzige vom Verblichenen gewĂŒnschte Redner und eine schweigende Beisetzung in Folge seines Fernbleibens hĂ€tte sie als grausam empfunden. Zumal der Verstorbene auch noch ausdrĂŒcklich verlangt habe, dass die Grabstelle leerzulassen sei damit nichts seine Entwicklung in ein prachtvolles Farnexemplar behindere. Erst nach der Entfaltung sei es gestattet ihm einen heimischen GefĂ€hrten zuzupflanzen.

Stickel war ein wenig betreten und beeilte sich ihr zu versichern, dass Ganze sei ihm eine außerordentliche Ehre und er hĂ€tte nicht einen Augenblick gezögert, als er den Brief seines ehemaligen Nachbarn erhalten habe. Sie lĂ€chelte hinter ihrem dĂŒnnen Schleier und teilte ihm mit, die Trauergemeinde sei mit seinem Erscheinen komplett und bereit anzufangen, wann immer er sich soweit fĂŒhle.
Stickel nickte und trat an das Grab heran, um sich neben dem Sarg aufzustellen. Er begann seine Rede mit einem Zitat aus Shakespeares Heinrich VI. und fand nach anfĂ€nglicher NervositĂ€t schnell in seine Routine, lobte die Tugenden des Verstorbenen, und wies dabei ausdrĂŒcklich auf die augenfĂ€llige Wesensverwandtheit mit der Gattung der echten Farne, nicht der FarngewĂ€chse im Allgemeinen hin. Hier gelte es unbedingt sorgfĂ€ltig zu unterscheiden. Er fand anerkennende Worte fĂŒr T.ÂŽs Wunsch, der Gemeinschaft noch im Tod etwas zurĂŒckzugeben. Die TrauergĂ€ste lauschten seinen Worten mit feierlichem Ernst. Mit einer kleinen Episode am Gartenzaun gelang es ihm sogar, seiner Rede den richtigen Grad persönlicher Anteilname beizugeben, um die Anwesenden zu TrĂ€nen zu rĂŒhren. Er versĂ€umte nicht, zu erwĂ€hnen, dass er nach dem Studium einer Pflanze, die, das gebe er zu, vorher nicht mit der nötigen Beachtung bedacht habe, dem Urteil T.ÂŽs, den echten Farn als Meisterwerk in Gottes Schöpfungsplan anzusehen, nur zustimmen könne. Den Anfang der Rede einholend schloss Stickel mit dem feierlichen letzten Gruß Wir gehen unsichtbar, denn wir haben Farnsamen bekommen.

Zufrieden ließ er sich von den Anwesenden die Hand schĂŒtteln und versicherte jeden seiner persönlichen Anteilnahme an diesem Schicksalsschlag. Die Einladung zu Kaffee und Gedenken lehnte er freundlich aber bestimmt ab und bedankte sich bei der alten Frau, die ihn in Empfang genommen hatte, dafĂŒr, ihm die Möglichkeit gegeben zu haben, seinem alten Freund T. bei seinem letzten Weg zur Seite stehen zu können. Er sei sicher, dass der Verstorbene ihre so detailgetreue Umsetzung seiner WĂŒnsche zu schĂ€tzen gewusst hĂ€tte.

Wochen spĂ€ter fuhr Stickel auf dem Weg zu einer Tagung ĂŒber die gesellschaftliche Konstruktion von Wahnsinn noch einmal an jenem Ort vorbei, an dem er seine sonderbare Grabrede gehalten hatte. Es war ein heiterer FrĂŒhlingstag und so beschloss er dem Toten seine Aufwartung zu machen, schien es ihm doch eine passende Einstimmung auf die anstehenden Tage voller Detaildiskussionen um die Auslegung und Aussagekraft der foucaultschen Analysen zu sein. Nach kurzer Suche fand er das Grab, gut gewĂ€hlt im Schatten eines Baumes. Ein schlichter HĂŒgel Muttererde; unbewachsen, aber vor nicht allzu langer Zeit frisch bewĂ€ssert und von allem Unkraut befreit. Ein wenig enttĂ€uscht wandte sich Stickel, der selbst nicht so recht wusste was ihn eigentlich enttĂ€uschte, ab und wollte seinen Weg fortsetzen, da nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Mit kleinen unsicheren Schritten kam die alte Dame, die ihn auf der Beisetzung begrĂŒĂŸt hatte auf ihn zugelaufen. Stickel verspĂŒrte nicht die geringste Lust auf das GesprĂ€ch, in das ihn die Frau unweigerlich verwickeln wĂŒrde und versteckte sich hastig hinter einem Busch. Bestimmt war sie es, die das Grab regelmĂ€ĂŸig wĂ€sserte und mit liebevoller GrĂŒndlichkeit von anderen Pflanzen befreite. Lange stand die gebeugte Gestalt in dem schwarzen Kleid, das bereits er von der Beisetzung kannte, still vor dem Grab. Stickel, rang mit sich, ihm tat die Alte leid. Gerade wollte er hinter dem Busch hervortreten, da straffte sie sich und hob den Schleier an. Sie sah sich verstohlen nach allen Seiten um, griff, sicher, dass niemand sie beobachtete, in ihre Tasche und holte einen jungen TĂŒpfelfarn hervor. Nach getaner Arbeit drĂŒckte sie den Farn vorsichtig noch ein wenig an und warf einen prĂŒfenden Blick auf das Resultat. Ohne von Stickel Notiz zu nehmen legte sie ihren Schleier neben dem Farn ab. Dann ging sie.


Version vom 15. 08. 2017 13:30
Version vom 17. 08. 2017 10:17

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Val Sidal
???
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Hallo Blumenberg,

einige Bemerkungen und VorschlÀge zum Text;

quote:
Wann genau Stickels Geschichte begann ist gar nicht so leicht zu bestimmen. FĂŒr uns mag es genĂŒgen, dass – Dann lassen wir doch den Satz weg! er eines Tages seinen Briefkasten leerte und darin einen Umschlag mit unbekanntem Absender vorfand. Diesem entnahm Stickel eine etwas altmodische BĂŒttenpapierkarte mit einem leichten Cremestich, die ihn aufforderte(die Karte fordert auf? Ein Absender ist zum diesem Zeitpunkt nicht bekannt 
) der Beerdigung eines Herrn T. beizuwohnen und zu dem traurigen Anlass um einen Redebeitrag seinerseits bat. Der Namen des Verstorbenen vertiefte die Verwirrung nur noch, ging es doch um den letzten Weg eines Mannes, bei dem er sich zunĂ€chst nicht sicher war gewesen war, ihm ĂŒberhaupt zuvor begegnet zu sein.
- ein holpriger Einstieg ...

quote:
Der Karte lag ein Brief bei, den der Verstorbene kurz vor seinem Tod aufgesetzt hatte, mit dem Wunsch, diesen nach seinem Hinscheiden umgehend an Stickel weiterzuleiten. Darin bat T. um eine Rede und forderte ihn auf,
– holprige Logik: der Wunsch ist Inhalt der Karte und nicht des Briefs, zudem quasi redundant, ohne erzĂ€hlerischen Beitrag; unbeholfene Wiederholung der Variation von „forderte auf“/“bat“
quote:
Abseits solcher, wie der Autor des Briefes freimĂŒtig einrĂ€umte, romantischer und sentimentaler Verstrickungen, gebe es aber noch einen handfesteren Grund. Als Farn wolle er der Gesellschaft etwas zurĂŒckgeben, da besonders die durch seine lebenslange PendlertĂ€tigkeit verursachten Co2 Emissionen schwer auf seinem Gewissen lasten wĂŒrden, ganz besonders nachdem er habe erkennen mĂŒssen, dass der Klimawandel, entgegen seiner ersten EinschĂ€tzung doch realer sei, als sich selbst ein Mann vom seines Kalibers des Hingeschiedenen, – weil sonst Perspektivenbruch - der in seinem Leben, das könne Stickel gerne glauben, einiges gesehen habe, auszumalen vermocht hĂ€tte.
- kein guter Stil ...
quote:
Er sei gerne zu einem Redebeitrag bereit, auch wenn ihn, dass mochte er nicht verhehlen

quote:
Bei letzterem, und das sei gar nicht so einfach wie es zunÀchst klingen könnte, sei es essentiell gewesen, StaunÀsse zu vermeiden,

quote:
eben kleine Summe als AufwandsentschĂ€digung fĂŒr die MĂŒhe in Aussicht und die konnte Stickel gut gebrauchen.

quote:
So entschloss er sich nach langem Ringen, auf die Bitte des Verstorbenen einzugehen und kĂŒndete in einem kurzen Schreiben sein Kommen an.
– es geht wohl um den inneren Prozess, des mit sich selbst Ringens und nicht um den Sport. Das „sich“ weglassen ist keine Lösung.

quote:
Zumal der Verstorbene auch noch ausdrĂŒcklich verlangt habe, dass das Grab leerzulassen sei damit nichts seine Entwicklung in ein prachtvolles Farnexemplar behindere. Erst nach der Entfaltung sei es gestattet ihm einen GefĂ€hrten hinzu zu pflanzen.
– „leer“ lassen ist wohl nicht gemeint, oder?

Fazit:
Die Idee finde ich okay. Der Stil wirkt manieristisch, der Duktus gekĂŒnstelt, die Sprache oft umstĂ€ndlich – die AnnĂ€herung an die Figuren wird dadurch erschwert. Die Figur der alten Frau bleibt auf der Strecke, obwohl sie bedeutende Textstellen (Anfang und Ende) markiert – unbefriedigend.

Wenn mein Kommentar nicht hilfreich war, dann – Pardon!
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valS
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Malkah
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Hallo Blumenberg,

ich hab den (wohl ĂŒberarbeiten) Text gelesen:
Und wie weiter? Die Figur der Frau könnten nun weiter entfalltet werden...

Mich hat die Idee mit dem Farn erfreut. Und ich finde den Text flĂŒssig zu lesen, schön ausformuliert, ich hab mich gut reinfallen lassen können – also gab es fĂŒr mich keine BrĂŒche. Nur möchte ich bitte jetzt wissen, was es mit dem heimlich gesetzten Farn auf sich hat ;-)

Schöne GrĂŒĂŸe

Malkah

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Blumenberg
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Hallo Malkah,

vielen Dank fĂŒr die RĂŒckmeldung. Übererbaeitet habe ich bis jetzt nur die Zeichensetzung der Geschichte.

Leider muss ich dich ein wenig enttĂ€uschen, eine weitere Entfaltung der Figuren ist nicht angedacht, da es sich hier um eine Kurzgeschichte handelt. Deswegen habe ich mich auch fĂŒr ein offenes Ende der Geschichte entschieden, die mit dem Setzen des Farns abbricht. So bleibt es dem Leser ĂŒberlassen, ob er im heimlichen Setzen des Farns eine letzte liebevolle Geste der alten Frau sehen möchte, die das leere Grab nicht mehr ertrĂ€gt oder einen Affront gegen den letzten Willen des Verstorbenen aus dem mangelndem Glauben heraus, dass eine solche Transformation möglich wĂ€re.

Beste GrĂŒĂŸe

Blumenberg

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Blumenberg
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Hallo Val,

entschuldige, dass meine Antwort ein wenig lÀnger gedauert hat! Ich bin im Augenblick ziemlich viel unterwegs.

ZunĂ€chst einmal vielen Dank fĂŒr deine ausfĂŒhrliche BeschĂ€ftigung mit dem Text. Deine Anmerkungen erscheinen mir nach nochmaliger Ansicht des Textes in vielen FĂ€llen durchaus zutreffend.

Nicht ganz erschließt sich mir die zweite Anmerkung. Ein Schild kann jemanden auffordern, womit natĂŒrlich die Aussageinhalt des Schildes gemeint ist, nicht das Schild selbst. Warum sollte dies nicht auch eine Karte bzw. deren Aussageinhalt können?

Den Einstieg werde ich mir am Wochenende noch einmal vornehmen, da ich deine EinschÀtzung von Redundanz durch die zweimalige Aufforderung ebenso teile wie deine Anmerkung zum Einstiegssatz des Textes.

Die anderen von dir angesprochenen Punkte lassen sich recht einfach ĂŒberarbeiten. Hier Danke ich fĂŒr die Hinweise.

Was den Stil bzw.sprachlichen Duktus angeht, ist das denke ich Geschmackssache. Ich gebe dir aber recht, dass einige SĂ€tze zu ausufernd geraten sind, dies war auch anderen bereits aufgefallen.

Bei der Figur der alten Dame muss ich dir allerdings widersprechen. Sie erfĂŒllt, hier gebe ich dir Recht, eine wesentliche Funktion innerhalb der Geschichte. Trotzdem habe ich bewusst auf eine genauere Schilderung der Figur verzichtet um das Desinteresse des Protagonisten an ihr zu unterstreichen. Er schlĂ€gt zwei Mal - beim BegrĂ€bnis und spĂ€ter durch seine Flucht hinter den Busch - die Gelegenheit aus, mehr ĂŒber die Dame und den Verstorbenen zu erfahren. Er agiert, bis auf einen kleinen Bruch, der ihn noch einmal an das Grab fĂŒhrt, auf einer rein geschĂ€ftlich professionellen Ebene und lĂ€sst tatsĂ€chliche Empathie oder ein Interesse am Verstobenen und der alten Dame vermissen. Der Protagonist macht sich nicht einmal die MĂŒhe zu erfahren in welcher Beziehung die alte Dame zu Herrn T. steht. Als Konsequenz bleibt dies alles auch fĂŒr den Leser im Dunkel.

Noch einmal Danke fĂŒr die hilfreichen Anmerkungen und beste GrĂŒĂŸe

Blumenberg

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Val Sidal
???
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Hallo Blumenberg,

quote:
Nicht ganz erschließt sich mir die zweite Anmerkung. Ein Schild kann jemanden auffordern, womit natĂŒrlich die Aussageinhalt des Schildes gemeint ist, nicht das Schild selbst. Warum sollte dies nicht auch eine Karte bzw. deren Aussageinhalt können?
– der Unterschied zwischen Schild und Karte, die beide nur Medien sind, verdeutlicht das Problem. Ein Verkehrsschild z.B. verstetigt die Kommunikation zwischen bekanntem Sender(Ordnungsbehörde) und EmpfĂ€nger(Verkehrsteilnehmer). Die vermittelte Botschaft mag Hinweis-, Gebots- oder Verbotscharakter haben. Auch eine Karte könnte in dieser Kommunikation verwendet werden – z.B. eine Karte, die zum Bezahlen einer Geldbuße auffordert. In solchen FĂ€llen wĂ€re die Sprachfigur „die Karte forderte ihn auf“ unproblematisch. Dass eine Karte von einem dem EmpfĂ€nger unbekannten Absender, zur Teilnahme an einer Beerdigung „auffordert“, wirkt auf den Leser irritierend, ist aber zunĂ€chst kein Problem – die Irritation könnte im Laufe der Geschichte als gewollt, fĂŒr den Plot, die Dramaturgie oder Figur sich als notwendig herausstellen. Dem ist aber hier nicht so. Es zeigt sich, dass die Botschaft eine mit einer Bitte verknĂŒpfte Einladung und keine Aufforderung ist.

quote:
Bei der Figur der alten Dame muss ich dir allerdings widersprechen. Sie erfĂŒllt, hier gebe ich dir Recht, eine wesentliche Funktion innerhalb der Geschichte. Trotzdem habe ich bewusst auf eine genauere Schilderung der Figur verzichtet um das Desinteresse des Protagonisten an ihr zu unterstreichen. ... Der Protagonist macht sich nicht einmal die MĂŒhe zu erfahren in welcher Beziehung die alte Dame zu Herrn T. steht.
Als Konsequenz bleibt dies alles auch fĂŒr den Leser im Dunkel.

Naja, das habe ich mir gedacht, nur – leider bleibt nicht die Figur im Dunkeln, sondern der Leser. Denn, der Text zeichnet folgendes Bild: T. und S. haben eine (wie auch immer geartete) gemeinsame Vergangenheit, die fĂŒr S. keine AktualitĂ€t hat und auch keine besondere Erinnerung hervor ruft. Das auslösende Ereignis der Story besteht darin, dass durch die „alte Dame“ T. irritierend auf den Radarschirm von S. gebracht wird. Die Bitte eine Grabrede zu halten, ist fĂŒr einen Profi-Redner kein Konflikt, ist nicht die Irritation – wenn der Preis stimmt. Der Plot der Story wird erst dadurch ĂŒberhaupt erzĂ€hlenswert, dass S. mit einem viel tiefer liegenden Thema konfrontiert wird: dem Tod und dem Glauben an dem Leben danach. T. glaubt an seiner Transformation, an das Leben nach dem Tod, und zwar von Motiven angetrieben, die glaubhaft frei von Angst vor dem Tod und vom selbstsĂŒchtigen Drang nach Fortbestehen zu sein scheint. Die Story zeigt, dass T.‘s Glaube S. berĂŒhrt:
quote:
Stickel war hin- und hergerissen. Einerseits schien es ihm vollkommen unsinnig, ĂŒberhaupt daran zu denken, tatsĂ€chlich auf eine solch abstruse Bitte einzugehen. Andererseits <
> Stickel fand sogar ein wenig Freude am abschließenden Ausformulieren der Rede, die er zu den besten zĂ€hlte, die er jemals verfasst zu haben glaubte.
– zunĂ€chst hebt S. seine Irritation dadurch auf, dass er die Rede fĂŒr einen "Spinner" mit dem guten Preis rechtfertigt. Doch ganz lĂ€sst ihn T.‘s Glaube an der Transformation offensichtlich nicht los:
quote:
Schon einmal in der Gegend beschloss er, dem Toten seine Aufwartung zu machen und fand das Grab so vor, wie er es nach seiner Rede verlassen hatte. Ein schlichter HĂŒgel Muttererde; unbewachsen, aber vor nicht allzu langer Zeit frisch bewĂ€ssert und von allem Unkraut befreit. Ein wenig enttĂ€uscht wandte sich Stickel ab und wollte seinen Weg fortsetzen, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm.
Ab hier wird der Plot problematisch: Dass sich S. am Grab von T. der „alten Dame“ begegnen kann, deutet darauf hin, dass sie regelmĂ€ĂŸig viel Zeit am Grab verbringt. Die Alternative, die Begegnung als Zufall anzusehen („Deus ex machina“), wĂ€re fĂŒr den Plot sehr unbefriedigend. Die „alte Dame“ hatte eine besondere Beziehung zu T. gehabt. War es eine persönliche Beziehung? Oder gehörte sie zu einer kleinen Gruppe Esoteriker, die den Glauben an „Transformation“ teilten? Oder tat sie es in T.‘s Auftrag, gegen Entgelt?

Der Abschluss zeigt, wie die Verarbeitung der Figur der „alten Dame“ den Plot beeintrĂ€chtigt:
quote:
entnahm sie ihrer mitgebrachten Tasche einen gemeinen TĂŒpfelfarn und pflanzte ihn sorgfĂ€ltig auf das Grab.
– warum tut sie das?
quote:
Zumal der Verstorbene auch noch ausdrĂŒcklich verlangt habe, dass das Grab leerzulassen sei damit nichts seine Entwicklung in ein prachtvolles Farnexemplar behindere. Erst nach der Entfaltung sei es gestattet ihm einen GefĂ€hrten zuzupflanzen.
– hat sie keine Lust mehr, jeden Tag zu gießen? Zweifelt sie an dem Glauben an Transformation? usw.

Die Figur der „alten Dame“ bleibt nicht im Dunkeln, sondern im erzĂ€hlerischen Nebel – zwar hell beleuchtet, aber mit falscher Brennweite, ohne TiefenschĂ€rfe geknipst. Besser ausgearbeitet, könnte sie bzgl. des Plots durchaus geheimnisvoll, ungreifbar usw. bleiben. Aber in Bezug auf die Protagonisten und die Sache selbst sollte sie bestimmt sein.

Zusammengefasst: Der Kern der Story ist nicht die Grabrede, sondern der Glaube an einem Leben nach dem Tod und wie Menschen damit umgehen.
Die Figur T. ist gut entwickelt. S. ist ausreichend konturiert, aber der Text lĂ€sst viel dramaturgisches Potenzial liegen. Die Figur der „alten Dame“ ...

Wenn mein Kommentar deine Absicht nicht trifft, dann – Pardon.

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Blumenberg
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Hallo Val,

ein Pardon ist nicht notwendig, auch kritische Anmerkungen sind, gerade wenn sie so textnah wie deine erfolgen, immer hilfreich.

Ich habe die Geschichte nun noch einmal grĂŒndlich ĂŒberarbeitet und im Detail etwas weiter ausgefĂŒhrt. Dadurch hat sich auch die ein oder andere erzĂ€hlerische Änderung ergeben. Die Person der alten Dame war gerade zu Beginn der ErzĂ€hlung missverstĂ€ndlich, da durch die Dopplung der Aufforderung nicht klar war, dass der Verstorbene um die Rede bittet. Die Aufforderung zu der Rede enthĂ€lt nun nur noch der Brief des Verstorbenen. Den holprigen Einstieg habe ich ebenfalls ĂŒberarbeitet. Daneben habe ich die Person des protagonisten noch etwas ĂŒberarbeitet.
Die Person der alten Dame lasse ich zunĂ€chst, abgesehen von ein paar kleinen Details weiterhin im Nebel. Ich glaube das wĂŒrde sonst die kleine Geschichte ĂŒberfrachten. Vielleicht findet sich dazu ja noch die ein oder andere Meinung dazu.

Noch einmal vielen Dank fĂŒr dein konstruktives Feedback!

Blumenberg

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