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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Grabvisite
Eingestellt am 24. 01. 2003 21:37


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katha
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jan 2003

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Grabvisite


Er war auf dem Weg zu seinem Grab, als er mit seinem Porsche die Landstra├če entlang preschte. Seine Meinung, alles sollte perfekt sein, wenn er ableben w├╝rde, veranlasste ihn schon mit 62 Jahren seine Gruft in Auftrag zu geben. Seine eigene Gruft in seinem kleinem Heimatdorf. Das hatte er sich schon immer gew├╝nscht. Dann konnten alle sehen, was er geleistet hatte. Seine Frau wollte das Grab ungedingt in der Stadt bauen lassen, doch sein eiserner Wille, dass die Dorfbewohner immer vor Augen haben sollten, wen sie vor 50 Jahren davon gejagt hatten, zwang ihn ihre Meinung nicht zu beachten.

Er genoss es, als er mit 100 km/h durch das Dorf fuhr. Wie die Alten, die an der Stra├če auf ihren Klappst├╝hlen sa├čen, ihm nachschauten. Dann kam das Haus. Sein Geburtshaus. Er spielte mit dem Gedanken auszusteigen, doch das wollte er den glotzenden Bewohnern nicht g├Ânnen. Sollen sie doch weiterr├Ątseln, wer da Woche f├╝r Woche zum Friedhof f├Ąhrt. Sp├Ątestens wenn er nicht mehr unter ihnen sein wird, werden sie es erfahren. Und dann mit gro├čem Trubel. Die G├Ąsteliste f├╝r seine Beerdigung hatte er schon geschrieben. Vom obersten Gewerkschaftsboss bis zum Spitzenpolitiker waren fast alle M├Ąnner mit hohen Positionen aus der Region eingeladen. Seine Frau wurde immer verr├╝ckt wenn er mit neuen Details f├╝r die Feier auftauchte. Zurzeit war er am ├ťberlegen, welche Speisen es geben sollte, doch er konnte sich nicht zwischen einem Drei-G├Ąnge-Men├╝ mit Strau├čeneiern und einigen Beilagen oder einem Vier-G├Ąnge-Men├╝ mit Nudeln und Muscheln entscheiden.

Nein, er hegte keine Suizid-Phantasien, doch er wollte einfach alles geplant haben. Alles soll perfekt sein. Ein Mann mit Format, braucht auch einen Abgang mit Format, das war seine Devise.

Am Friedhof endlich angekommen, ging er gleich zu seinem Platz. Dort sollte er den Bauleiter treffen, der ihm die neusten Fortschritte anhand der Pl├Ąne und der gemeinsamen Visite des bereits begehbaren Grabes erkl├Ąren w├╝rde. Nach zehn Minuten war der Bauleiter immer noch nicht da und ungeduldig schaute er auf seine Rolex-Uhr. Nach weiteren f├╝nf Minuten stieg er allein auf die Leiter, die schon f├╝r seine Besichtigung bereitgestellt wurde und begann alleine mit dem Abstieg. Doch traf er eine Sprosse nicht genau und st├╝rzte drei Meter in die Tiefe. Er schlug mit dem Hinterkopf auf einen Stein auf, und blieb regungslos liegen.


Blo├č Schade, dass er sich f├╝r das Essen f├╝r die Beerdigung noch nicht entschieden hatte.

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