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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Herrschaft der Schafe
Eingestellt am 16. 08. 2005 20:48


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Hannibal
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Dec 2004

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Ich lebe in einem Zoo. Da ist er wieder, dieser Blick ÔÇô eine Mischung aus Entsetzen, Faszination und Abscheu. Es ist derselbe Blick, den die Menschen kriegen, wenn sie im Zoo einem Tiger gegen├╝berstehn und er sie mit seinen gro├čen funkelnden Augen ansieht, voller Kraft und Lebendigkeit, bereit zu t├Âten und es zu genie├čen. Ich wei├č nicht, ob es dem W├Ąrter auff├Ąllt, da├č er mich jedesmal so ansieht, wenn er an meiner Zelle vorbei l├Ąuft. Vermutlich w├╝rde er sich sch├Ąmen, k├Ąme es ihm zu Bewu├čtsein, und damit h├Ątte ich wieder recht behalten: Ich lebe in einem Zoo, unter der Herrschaft der Schafe.
Es erstaunt mich, da├č noch kein findiger Gesch├Ąftsmann auf die Idee kam, alle Psychopathen, M├Ârder und Vergewaltiger des Landes in einen Komplex zu stecken und F├╝hrungen gegen Entgelt anzubieten. Neben meiner Zelle w├Ąre dann ein sch├Ânes Foto von mir, darunter ein interessant klingender pseudowissenschaftlicher Name f├╝r das, was ich angeblich bin, gefolgt von einer f├╝r die bl├Âkende Masse harmlos formulierten Beschreibung meiner nat├╝rlichen Verhaltensweisen und warum es besser ist, mich in einem K├Ąfig zu halten. Nur F├╝tterungs-Shows g├Ąbe es vermutlich keine. Welches Schaf will sich schon ansehen, wie ich eines von ihnen in St├╝cke rei├če ÔÇô und auf andres Getier steh ich leider nicht.
Sicherheit macht tr├Ąge und unvorsichtig: So w├Ąhnten sich anscheinend auch unsre Vorfahren irgendwann zu sicher und wurden lahm und m├╝de und h├Ârten auf zu jagen, weil sie alles serviert bekamen ÔÇô und letzten Endes schliefen sie ein aus Langeweile. Als sie wieder erwachten, hatten die Schafe sich so stark vermehrt, da├č sie ihnen nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Sie wurden kastriert, eingesperrt, gefoltert, masakriert und ├Âffentlich gedem├╝tigt. Die Herrschaft der Schafe hatte begonnen.
Fortan war alles verd├Ąchtig, was Krallen hatte und Rei├čz├Ąhne, wurde alles vernichtet, was kein Gras fra├č und nicht dumm bl├Âkte. Schafe sind keine Raubtiere, deshalb ist es ihnen widerlich zu t├Âten. Sie bringen den dazu, sich selbst zu t├Âten, der ihnen nicht pa├čt ÔÇô oder sie sperren ihn ein, wie mich. Es ist lediglich ihre ├ťberzahl, die sie stark macht ÔÇô ihre ├ťberzahl und in St├Ąbe gegossner Stahl.
Warum aber sperren sie mich und meinesgleichen nicht in ein Loch tief unter der Erde? Warum geben sie jedem von uns Raum, Luft und Licht, warum lassen sie uns bewachen und versorgen uns medizinisch? Ich glaube kaum, da├č es eine besondere Form von Grausamkeit sein soll. Dazu sind sie nicht f├Ąhig, geben sie uns doch sogar die M├Âglichkeit, einer von ihnen zu werden, wenn wir uns entsprechend operieren lassen. Sie sind so voller Mitleid, da├č sie sogar unseren Schmerz mitleiden, gleich wie viele von ihnen wir vorher abgeschlachtet haben. Warum drehen sie Filme und schreiben sie Geschichten ├╝ber uns?
Ist es Neid?
Was kann es andres sein!
Der Neid darauf, da├č sie in der Nahrungskette nicht ganz oben stehn, da├č wir Fleisch fressen k├Ânnen und Krallen haben, vor allem aber darauf, da├č wir etwas in diesem Leben zu empfinden imstande sind, das sie niemals werden empfinden k├Ânnen: eine tiefe, s├Ąttigende Lust. Ihre Nerven w├╝rden sie nicht ertragen, sie sind zu d├╝nn daf├╝r. Sie w├╝rden heillos ├╝berreizt.
So sehr sie uns auch daf├╝r hassen und verabscheuen, was wir sind ÔÇô sie brauchen uns. Nur durch uns, unsere Taten, unsere Augen haben sie Einblick in eine Welt, die ihnen sonst g├Ąnzlich verschlossen bliebe: in die Freiheit der Lust. Das ist der wahre Grund, warum sie uns nicht tief unter der Erde einsperren, weit weg von ihren Blicken, und warum sie uns nicht einfach zu einem von ihnen verst├╝mmeln ...

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JuDschey
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2005

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Hallo Hannibal,

gute Idee (wenn auch nicht neu), die Welt aus der Sicht eines Tieres zu beschreiben.
Da gibt┬┤s leider nur einen gro├čen, sehr gro├čen Fehler.
Zitat: "Schafe sind keine Raubtiere, deshalb ist es ihnen widerlich zu t├Âten." Zitat Ende.

Wenn Deine Schafe Menschen sind, stimmt der Satz nicht. Der Mensch ist das gef├Ąhrlichste Raubtier auf diesem Planeten. Schon mal dr├╝ber nachgedacht, wieviele Schweine pro Jahr ermordet werden m├╝ssen, nur f├╝r Curryw├╝rste?
Von Tierversuchen, Kriegen, Atombomben und dem Beseitigen etlicher Arten auf diesem Planeten ganz zu schweigen.

Da Dein Tier ein menschen├Ąhnliches Bewusstsein hat, m├╝sste es ihm schon irgendwie einleuchten, dass der Mensch das gr├Â├čte bzw. gef├Ąhrlichste Raubtier ist. Und deswegen m├╝sste Dein Tier auch ein wenig anders ├╝ber seine Gefangenschaft reflektieren.

Mit freundlichen Gr├╝├čen
JuDschey

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MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
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was hast Du gegen Fleischesser - die t├Âten ihre Nahrung vor dem Essen. Zwiebeln und Gurken geht es da wesentlich schlechter, die werrden be lebendigem Leib in St├╝cke gehackt. Nur weil die dabei nicht zappeln und schreien k├Ânnen, h├Ąlt sich der Veget-Arier f├╝r ethisch h├Âherstehend. Das ist der Gipfel der Heuchelei.
__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

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