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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Hexe
Eingestellt am 07. 06. 2009 19:45


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Margarete Siebenthal
AutorenanwÀrter
Registriert: Jun 2009

Werke: 4
Kommentare: 1
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Die Hexe

Von Margarete Siebenthal


Schwere Ketten, sie halten. Sie rasseln, wenn sie sich bewegt, wenn sie drĂ€ngt, drĂ€ngt. Wonach streben? Wonach suchen? Wohin gehen? Sie muss nicht hier heraus, sie braucht nur VerĂ€nderung. Aber die gibt es nicht. Es ist doch einfacher, sich an diesen gottverdammten Ketten anzuhalten. Sie lesen aus dem Buch, als wĂ€re es heilig. Es wird beschĂŒtzt, kontrolliert, gefangen, von denselben Ketten. Sie rasseln. Hierher und nicht weiter! Es ist ja nicht das erste Mal, das so etwas gemacht wird, sie wissen ihre Sache anzupacken. Der Raum, in dem sie sich gefangen glaubt, zusammen mit all den anderen, ist nicht einmal hoch genug, um aufrecht zu stehen. Aufrecht gehen? Aufrecht! Sind es die Ketten die sie zurĂŒckhalten? Sie rĂŒttelt daran, sie sind fest, sie fragte sich erst gar nicht, ob sie so fest waren, weil sie das so wollte. Andere LĂ€nder hatten es lĂ€ngst aufgegeben, Gesetzen wie diesen zu folgen, sie waren ĂŒberall sehr Ă€hnlich gewesen, denn sie schĂŒtzten die Gesellschaft. HĂ€tte sie doch bloß die KrĂ€fte, in denen die anderen die Gefahr sahen! Sie war nicht sicher, ob es ĂŒberhaupt irgendwo möglich war, im Schutz dieser KrĂ€fte zu leben.
DĂŒster sah es aus, und staubig, als hĂ€tte sich in diesem winzigen GefĂ€ngnis, trotz der unĂŒberblickbaren Menge an Verurteilten noch nie etwas bewegt.
Kontrast! Sie wurde nach draußen gebracht, der Mann, der sie in das Licht zerrte, das so grell und unangenehm war, dass es einem die Sicht raubte, dass man nur trĂŒbe Konturen wahrnehmen konnte von der Welt da draußen packte sie grob an. Sie blinzelte, und sah wieder etwas klarer. Es standen viele Leute um den Platz, zu dem sie gebracht wurde. Der Mann packte sie grob an, und drĂŒckte ihren gebeugten Oberkörper noch weiter hinab. Er keuchte, er strengte sich an, gab sich MĂŒhe. Er war ein glĂ€ubiger Mann, daran bestand fĂŒr sie kein Zweifel, er fĂŒrchtete sich sogar. Die Menschen, die um den Platz standen, waren ganz unterschiedlich, große und kleine, dĂŒnne und dicke, fremdartig gekleidete Adelige und einfache Bauern, Leute aus dem Osten, Leute aus dem Westen. Manche sahen sie mit glĂ€nzenden Augen, triefend vor gottesfĂŒrchterlicher Freude an, andere sahen gelangweilt zu. Manche standen mit dem RĂŒcken zu dem Spektakel, sie sahen zwei MĂ€nnern in Uniformen bei einer PrĂŒgelei zu, und schlossen Wetten ab.
Dabei zurrten sie die MĂ€nner fest an den Pfosten, der wie ein unverrĂŒckbarer, ewiger und uralter Baum aus dem Boden ragte. Unter ihr knirschten die Zweige, sie hatte das GefĂŒhl, als ob das alles auf dĂŒnnem Eis gebaut wĂ€re, aber sie wusste, sie stand auf festem Grund. Die Fackel senkte sich, und das Feuer knisterte, und ihr war, als ob es Gott persönlich wĂ€re, den sie leise, kaum hörbar, flĂŒstern hörte.
Burn the witch.
__________________
Wer sich Àndert bleibt sich treu.

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KaGeb
Guest
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Hallo Margarete,

erst mal ein "Herzliches Willkommen" auf der LeLu.

Zu Deinem Text:
Ich lese ihn zwiegespalten - er bringt (fĂŒr mich) keine Aussage rĂŒber. Außerdem springt es zwischen PrĂ€sens und PrĂ€teritum.
WĂ€re es nicht besser, alles direkt aus der Sicht der Protagonistin zu schreiben? Es direkt in der Gegenwart der "Hexe" zu schreiben, mit Sicht aus ihren Augen. HĂ€tte IMHO den Vorteil, dass man Ängste oder Gedanken wesentlich direkter rĂŒberbringt.

Beispiel:

quote:
Schwere Ketten, sie halten. Sie rasseln, wenn sie sich bewegt, wenn sie drÀngt, drÀngt.

Vorschlag:

Die schweren Ketteln rasseln bei jeder Bewegung ... (und so weiter)


LG vorerst, KaGeb

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raggedy
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2009

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Alle Achtung! Das ist ein tolles Stueck. Schoen geschrieben, Spannung bis zum Ende und eindringliche Beschreibungen, die sich allerdings erst erklaeren lassen, als man endlich weiss, worum es tatsaechlich geht.

So ganz ohne Gemecker geht's natuerlich nicht: manche Saetze koennten m.E. etwas kuerzer gehalten werden. Vielleicht dadurch, dass man mehrere einzelne daraus macht. (Ist aber nicht uebermaessig stoerend.)

quote:
Sie wurde nach draußen gebracht. [Der] Mann, der sie in das Licht zerrte, packte sie grob an. Es war so grell draussen und unangenehm war, dass es ihr die Sicht raubte. Von der Welt da draussen nahm sie nur trĂŒbe Konturen wahr. packte sie grob an.
"Packte sie grob an .." koennte etwas genauer beschrieben werden: stiess sie, zerrte sie am Arm ... so was in der Richtung vielleicht?
Ich wuerde auch nicht von der ich auf "man" oder "einen/m" wechseln.
Das Stueck hat mir sehr gut gefallen.
__________________
Nothing fails like success because we don't learn from it. We learn only from failure. (K. Boulding)

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo margarete,
der text gefÀllt mir gut.

unklar ist: "sich an diesen gottverdammten Ketten anzuhalten."
"anzuhalten" - meinst du halten, festhalten oder dass die ketten sie anhalten, aufhalten (also nicht reflexiv).

warum am schluß englisch "burn the witch", hinweis auf england?

liebe grĂŒĂŸe suzah

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raggedy
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2009

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suzah,

interessant. Ich bin auch ein bisschen an dem "anzuhalten" kleben geblieben, habe aber darin eine Anspielung auf "in der Entwicklung/Evolution/Geschichte" stehenbleiben, sich nicht weiterentwickeln gesehen, weil man sozusagen an Vergangenheit und Traditionen angekettet ist ... sich an unsinnige Rituale klammert.
"Burn the witch" habe ich spontan mit rap music verbunden, die ja trotz ihrer Zuordnung zur Neuzeit ein veraltetes Verhaeltnis zur Frau widerspiegelt. (witch, bitch, ho usw.)
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Margarete Siebenthal
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liebe/-r raggedy,

Deine Reflexion bez. dem englischsprachigen Schluss - ich könnte es nicht besser ausdrĂŒcken, es soll auf das VerhĂ€ltnis der modernen Gesellschaft zur Frau per se hinweisen, das durch die verrohte Industrie- und Informationsgeselleschaft heutzutage nur scheinbar unter ein objektives Augenmerk genommen wird.

Mit dem "anklammern" meinte ich speziell, dass es schwierig ist, selbst loszulassen. Es sind nicht immer fremde KrĂ€fte, die einen niederdrĂŒcken, sondern auch die eigenen Zweifel und Ängste, die einen an das klammern lassen, was vertraut ist und als unverĂ€nderlich gilt. Selbst wenn man damit sein eigenes Schicksal besiegelt.

Danke fĂŒr eure Rezeption, ich werde den Text entsprechend eurer Anmerkungen ĂŒberarbeiten und mir eure inputs durch den Kopf gehen lassen.

Liebe GrĂŒĂŸe,
Margarete
__________________
Wer sich Àndert bleibt sich treu.

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