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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Eingestellt am 08. 09. 2003 15:56


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Kadira
???
Registriert: Jan 2003

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Sie drehte sich nicht um, als die T├╝re sich ├Âffnete, sondern starrte weiterhin auf den Streifen Sonne, den das schmale Fenster hineinlie├č.

Die T├╝re schloss mit einem metallischen Klicken, als das Schloss wieder einrastete. Die K├Ąlte und die Endg├╝ltigkeit dieses Ger├Ąusches, verfolgte sie in ihre Alptr├Ąume seitdem sie es das erste Mal geh├Ârt hatte.

┬╗Jessica.┬ź

┬╗Was?┬ź Sie gab sich keine M├╝he, ihre Feindseligkeit zu verstecken. Nicht, dass es dazu einen Grund gab. Abgesehen davon, wussten sie eh beide, warum sie gekommen war. Nicht aus Interesse an ihrem eigenen Fleisch und Blut, was sie auch nur noch bedingt war, sondern um das Projekt nicht zu gef├Ąhrden. Allerdings, stellte Jessica mit einem verstohlenem Blick auf die Uhr fest, war sie sp├Ąter als sonst ...

┬╗Jess!┬ź

Noch mehr als dieser spezifische Spitzname lie├č sie der Klang der Stimme umdrehen. Nur eine Person hatte jemals gewagt, sie so zu nennen.

Und tats├Ąchlich.

Hellblonder Stoppelkopf, feine Gesichtsz├╝ge. Genau wie sie es in Erinnerung hatte. Nicht zu sprechen von den hellgrauen Augen, die einen je nach Stimmungslage mit ihrem Blick entweder einfrieren oder verbrennen konnten.

Ihre Augen begannen zu brennen und ihre Kehle schn├╝rte sich zu.

┬╗Marina.┬ź Fassungslos sah sie ihre Freundin an. Ihre einstige Freundin. Als ihr Leben noch normal gewesen war. Als sie noch ein Leben gehabt hatte. Ein R├Ąuspern zerstreute ihre Aufmerksamkeit und ihr fiel zum ersten Mal auf, dass noch weitere Leute anwesend waren.

Nicht nur irgendwelche Leute, sondern ihr fleischgewordener Alptraum. Er war nat├╝rlich nicht alleine. Rechts und links war er von zwei Schr├Ąnken flankiert, die als seine Leibw├Ąchter fungierten. Der Linke, ein ehemaliger Soldat, ziemlich grobschl├Ąchtig und brutal, war schon so lange an seiner Seite, wie sie zur├╝ckdenken konnte. Als Kind hatte sie sich immer so sehr vor ihm gef├╝rchtet, dass sie sich hinter ihren Eltern, dem Sessel oder unter dem Tisch versteckt hatte. Der Rechte war neu. Aber sein selbstsicheres Auftreten war nichts als Getue. Er stank nach Angst. Nicht dass man es ihm ├╝bel nehmen konnte.

An den G├╝rteln ihrer wei├čen Overalls hatten sie, wie alle Arbeiter hier, spezial angefertigte Elektroschocker und, falls es f├╝r die zu sp├Ąt sein w├╝rde, auch je zwei Pistolen. Eine mit irgendeinem Bet├Ąubungszeug gef├╝llt und die andere mit Kugeln, die auch ihnen den sicheren Tod bringen w├╝rden.

Sie wusste, dass das Ganze nichts Gutes bedeuten konnte. Nicht nur die Ansammlung hier und Marina, die wei├č Gott mal gar nichts hier zu suchen hatte, sondern es lag auch etwas in der Luft. Vielleicht war es aber auch einfach der selbstzufriedene Gesichtsausdruck desjenigen, der f├╝r das hier alles verantwortlich war. Ihre Nackenhaare stellten sich zu Berge und sie musste sich zwingen, auch weiterhin teilnahmslos und unbeeindruckt zu erscheinen.

Das Einzige, an dem man ihr Unwohlsein erkennen konnte, waren die H├Ąnde, die sie krampfhaft hinter dem R├╝cken hielt, als wenn sie sich damit selber zur├╝ckhalten k├Ânne und die sich nun zu F├Ąusten ballten.

┬╗Du solltest nicht hier sein, Marina.┬ź

┬╗Ist das alles, was du mir zu sagen hast? Ich hab mir Sorgen um dich gemacht, als du auf einmal einfach verschwunden warst. Wo warst du? Und was machst du hier ├╝berhaupt?┬ź

Jessica ignorierte sie, genauso wie auch den Klo├č in ihrem Hals, der sich drohte zu vergr├Â├čern und weiter auszubreiten. ┬╗Lass sie gehen!┬ź verlangte sie mit einem Blick auf den Mann. ┬╗Bitte.┬ź Das 'Bitte' bereitete ihr M├╝he und klang auch genauso. Es war das erste Mal seit ihrer ... Ankunft hier, dass sie es ├╝berhaupt gebrauchte. Und noch bevor es komplett verhallt war, erkannte sie ihren Fehler. Er spiegelte sich in den braunen Augen wieder, die auf einmal blitzten.

┬╗Ich denke nicht. Sie hat sich solche M├╝he gegeben dich zu finden, ich denke sie sollte dir f├╝r die verbleibende Zeit, und vielleicht auch dar├╝ber hinaus, Gesellschaft leisten. Wir wollen sie doch nicht entt├Ąuschen, oder?┬ź

Sie hasste diese Stimme. Heute noch viel mehr als sonst. Trotzdem nahm sie sich zusammen. Sie wusste was er geplant hatte, und sie musste es verhindern. Um jeden Preis. ┬╗Das kannst du nicht machen. Du wei├čt was passieren wird, wenn sie bleibt. Noch nicht mal du kannst so kalt sein.┬ź

Kaltes Lachen. ┬╗Du solltest es besser wissen. Das Ergebnis wird von gro├čem Interesse f├╝r uns alle sein. Vergiss nicht, es liegt an dir ob sie sterben oder ... leben wird.┬ź

┬╗Was ist hier eigentlich los?┬ź, fragte Marina. Jessica konnte ihre Verwirrung f├╝hlen. Nicht nur Verwirrung, sondern auch unterliegende Furcht als sie offensichtlich langsam erkannte, dass etwas nicht stimmte.

Die Furcht ├╝berschattete die Verwirrung, als das kalte Lachen ein weiteres mal die Luft durch schnitt. ┬╗Wir sollten euch wahrscheinlich alleine lassen, damit ihr ungest├Ârt eure Wiedervereinigung feiern k├Ânnt.┬ź

Dann wandte er sich Jessica zu, eine Spritze mit klarer Fl├╝ssigkeit in der Hand. ┬╗Diese hier wirst du dann heute wohl nicht brauchen.┬ź Jessica starrte ihn fassungslos an und sch├╝ttelte den Kopf. Sie ├Âffnete ihren Mund, bekam aber kein Wort mehr heraus. ┬╗Wir werden morgen fr├╝h sehen, wie unser kleines Experiment verlaufen ist.┬ź Ohne sie eines weiteren Blickes zu w├╝rdigen, drehte er sich um.

Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Jessica brauchte noch nicht mal die Augen zu schlie├čen, um sich den mitleidigen Blick vorzustellen. Es machte sie w├╝tend. Heute noch mehr als sonst. Mitleid war das allerletzte was sie wollte. Am allerwenigsten von ihr. Sie sch├╝ttelte die Hand ab.

┬╗Jessica.┬ź Die offensichtliche Hilflosigkeit lie├č sie kalt. Sie drehte sich einfach nur um und ging weiter in den Raum hinein. Sie schwankte kurz als sie Marina sah, entschied sich dann gegen ihren angestammten Platz unter dem Fenster, und stellte sich in einer besch├╝tzenden Geste vor sie. Obwohl es wirklich nicht viel mehr als das war ÔÇô eine symbolische Geste, denn vor dem was sie wirklich bedrohte, konnte sie sie nicht besch├╝tzen.

┬╗Geh.┬ź Ausdruckslos, kalt. Sie war dankbar f├╝r ihre Selbstkontrolle. Ohne sie, w├╝rde sie sie wahrscheinlich jetzt anflehen. Nicht um ihres, sondern um Marinas Willen. Aber es w├╝rde eh nichts ├Ąndern. Die Entscheidung war gefallen. Angespanntes und erdr├╝ckendes Schweigen legte sich ├╝ber den Raum.

Erst als die T├╝re ins Schloss eingerastet war, und sie tief einatmete, wurde ihr bewusst, dass sie in den letzten Momenten die Luft angehalten hatte. Jessica drehte sie sich um und ging wieder zum Fenster zur├╝ck.

┬╗Was war das alles?┬ź Sie f├╝hlte, wie die Luft sich bewegte, und auf einmal stand Marina hinter ihr.

Jessica schloss ihre Augen als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Sogar der Geruch war noch so wie sie es in Erinnerung hatte, wenn auch viel intensiver und mit unterliegender Angst. Sie f├╝hlte, wie die Barrieren, die sie zu ihrem eigenen Schutz aufgebaut hatte, Risse bekamen. Sie holte tief Luft, versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. Erst als sie dachte, dass sie sprechen konnte ohne in Tr├Ąnen auszubrechen, sagte sie: ┬╗Du h├Ąttest nicht kommen sollen, Marina.┬ź

Marina ignorierte ihre Aussage. ┬╗Was ist hier eigentlich los? Was machst du hier und wieso ... ┬ź, sie brach hilflos ab.

┬╗Ich lebe hier. Ich dachte das w├Ąre offensichtlich.┬ź

┬╗Ja aber ... was ist passiert?┬ź

┬╗Eine ung├╝nstige Kombination von falsche Zeit, falscher Ort und ein extremer Fall von Gr├Â├čenwahn.┬ź

┬╗Aber ...┬ź

Jessica konnte sehen, wie Marina verzweifelt versuchte das Gesehene und Erfahrene zu verarbeiten. Nur war es so merkw├╝rdig, dass sie dabei nur einen Schritt nach dem anderen machen konnte. Und sie wusste noch nicht mal das Schlimmste ...

┬╗Aber┬ź, setzte sie noch mal an. ┬╗Er ... du ...┬ź

Jessica stoppte sie mit einer Handbewegung. Das war kein Thema das sie vertiefen wollte. ┬╗Die Frage, die dich interessieren sollte ist viel mehr, was nun passieren wird┬ź, sagte sie und drehte sich um.

Die hellen grauen Augen schienen sie zu verbrennen mit ihrer Intensit├Ąt. Die N├Ąhe zu der anderen Frau war beinahe unertr├Ąglich. Jessica musste sich zusammennehmen, um Marina nicht einfach in die Arme zu nehmen.

┬╗Ich glaube kaum, dass das wichtiger ist, als das ich dich wiedergefunden habe. Mit allem anderem werden wir schon fertig werden.┬ź Marina hatte offensichtlich keine ihrer Hemmungen, und wollte sie in den Arm nehmen. Jessica trat so weit zur├╝ck, bis sie mit dem R├╝cken gegen die Wand stie├č. Marina sah sie verletzt an.

┬╗Sei dir dessen mal nicht so sicher.┬ź

┬╗Langsam f├Ąngst du an mir Angst zu machen, Jess.┬ź

┬╗Nicht genug, glaub mir┬ź, sagte Jessica und ging an Marina vorbei, um sich auf das kleine Sofa zu setzen. Es war schon ironisch. Sie hatte allen Luxus den man wollen konnte, und war trotzdem nicht mehr als eine Gefangene - auf mehreren Ebenen. Sie zog ihre Beine an und schlang ihre Arme darum.

Marina hockte sich vor ihr auf dem Boden. ┬╗Was ist los, Jess?┬ź

F├╝r einen Moment schloss sie ihre Augen. Als sie sie wieder ├Âffnete, war das Erste was sie sah, Marinas besorgter Blick. ┬╗Ich hab dich so sehr vermisst┬ź, sagte sie endlich und zeichnete mit ihrem Zeigefinger die Gesichtsz├╝ge der anderen Frau nach. ┬╗Aber ich hatte gehofft ich w├╝rde dich nie wieder sehen.┬ź

┬╗Aber warum?┬ź Die Hilflosigkeit der anderen Frau war beinahe greifbar.

┬╗Weil ich bef├╝rchtet habe, dass es dann zu dem hier┬ź, sie machte eine Handbewegung die einmal den ganzen Raum umschloss, ┬╗kommen w├╝rde. Es tut mir leid, Marina. Auch wenn das wohl niemals genug sein wird.┬ź

┬╗Was tut dir leid?┬ź

┬╗Das ich dich nicht besch├╝tzen k├Ânnen werde. Das du hier heute Nacht, mit etwas Gl├╝ck, sterben wirst.┬ź

Marina sah sie an, als ob sie den Verstand verloren h├Ątte. Jessica l├Ąchelte d├╝ster, als sie leicht vor ihr zur├╝ckschreckte. Ein kleiner Teil, egal wie unterbewusst, schien ihr doch zu glauben. ┬╗Was ... wieso ...?┬ź

┬╗Ich werde dich t├Âten┬ź, sagte Jessica, w├Ąhrend sie liebevoll ├╝ber das Haar der anderen Frau strich.

Als sie sah das Marina den Mund ├Âffnete, wahrscheinlich um eine weitere Frage zu stellen, legte sie ihren Zeigefinger auf ihre Lippen. ┬╗Es ist nicht das ich das will┬ź, sagte sie. Ihre Stimme klang belegt. ┬╗Sie wollen es. Deswegen haben sie mir die Spritze heute nicht gegeben. Und das hat heute leider fatale Wirkung.┬ź

Sie lehnte sich vor, atmete K├╝sse auf das Gesicht der anderen Frau. ┬╗Aber ich werde mein Bestes geben, um sicherzustellen, dass du auch wirklich stirbst und nicht mein Schicksal teilen musst.┬ź

***

Sie kann die Ver├Ąnderungen in ihrem K├Ârper sp├╝ren. Von Anfang bis Ende. Erst ein Prickeln, das fast angenehm w├Ąre, wenn sie nicht genau w├╝sste, dass dem noch mehr folgen w├╝rde. Dann ein Ziehen. Erst so leicht, dass man es m├╝helos ignorieren kann, dann etwas st├Ąrker, als ihre Muskeln sich in Vorbereitung auf das was als n├Ąchstes passieren wird strecken. Und danach h├Âllische Schmerzen als Knochen sich verformen um sich ihrer zweiten Natur anzupassen.

Sie fragt sich in dem kurzen Moment Klarheit, der ihr noch verblieben ist, ob der Grund f├╝r die Schmerzen ist, dass sie zu sehr dagegen ank├Ąmpft, oder ob genau dieser Schmerz nicht vielleicht doch der Grund ist, dass die anderen in ihrer Gruppe einer nach dem anderen den Verstand verloren hat.

Dann: Gr├Ąue.

Es ist nicht wirklich schwarz, sie wei├č immer noch wer sie ist, auch wenn sie nicht mehr wirklich Herr ihrer Handlung ist, aber sie existiert noch irgendwo in dem Wesen, in das sie sich gerade verwandelt. Diese Zwischenstation ist vielleicht das Schlimmste an dem Ganzen. Es erlaubt ihr zu erkennen was passieren wird, was sie tun wird, ohne das sie jedoch die Kraft hat es zu verhindern.

Und sie f├╝rchtet sich. Vor sich selber, und noch viel mehr vor den Konsequenzen ihrer eigenen Bed├╝rfnisse und Taten.

Sie kann die Furcht beinahe schmecken, die sich immer weiter in dem Raum ausbreitet. Furcht, gew├╝rzt mit Faszination. Und es schmeckt mit jedem Augenblick s├╝├čer, l├Ądt sie ein zu einem Festmahl.

Sie kann f├╝hlen, wie sich ihr Gebiss verformt, wie es sich streckt und verl├Ąngert, wie die Eckz├Ąhne wachsen.

Dann -

ihr ganzer K├Ârper, ihr ganzes Selbst, ist nur noch auf den einen Punkt vor ihr konzentriert, als sie sich darauf vorbereitet dem ├Ąltesten Instinkt den es gibt nachzugehen.

Es hungert sie. Nach Blut, nach Fleisch. Und dann, v├Âllig unerwartet:

eine Stimme

eine Ber├╝hrung

sanft, beruhigend. F├╝r einen Moment l├Ąsst es sich einlullen, das Biest,

dann:

Schw├Ąrze und Instinkt pur.


***

┬╗Bist du dir auch sicher?┬ź

Sie nickte mit einem grimmigen Gesichtsausdruck. Sie war sich noch nie sicherer ├╝ber irgendetwas gewesen. ┬╗Ich h├Ątte es schon lange vorher tun sollen┬ź, sagte sie und goss mit dem Inhalt des kleinen Plastikbechers die Yucca. Marina zog die Strelitzie vor und bew├Ąsserte die orange-blaue Bl├╝te.

┬╗Du musstest deine Kr├Ąfte erst entwickeln┬ź kam die sanfte Stimme, beinahe noch liebkosender als die H├Ąnde die ihr Gesicht rahmten und die Finger, die vorsichtig ├╝ber ihre Lippen strichen.

┬╗Ohne dich h├Ątte ich es nicht geschafft┬ź, murmelte sie leise, beinahe abwesend, als sie die Vergangenheit, vor allem die letzten drei Monate, Review passieren lie├č. Sie h├Ątte niemals gedacht, dass sie wirklich dankbar daf├╝r sein w├╝rde, aber sie war es. Jeden Tag aufs Neue. Es war, als w├Ąre sie am gleichen Tag neugeboren worden. Nun ja, nachdem sie wusste, dass Marina sie nicht als Dank umbringen w├╝rde, wie sie zuerst bef├╝rchtet hatte. Zumindestens aber, hatte es ihr neuen Lebensmut gegeben, hatte den Zorn etwas verdr├Ąngt und ihr gezeigt das ihr Leben trotz allem noch lebenswert sein konnte, sogar in ihrem Gef├Ąngnis.

Sie hatte die andere Frau schon immer f├╝r ihren Lebensmut bewundert. Es schien nichts zu geben, dass sie umhauen konnte. Noch nicht einmal aufzuwachen, und festzustellen, dass sie nicht mehr wirklich sie selber war. Und nicht nur das, sondern sie hatte ihr selber auch noch ein St├╝ckchen davon abgegeben, hatte ihr gezeigt, dass ihre Natur nicht nur Nachteile hatte.

┬╗Du gr├╝belst schon wieder.┬ź

┬╗Tu ich n--┬ź Sie stoppte in ihrer Verteidigung. ┬╗Okay, mach ich┬ź, gab sie eher widerwillig zu. ┬╗Aber manchmal kann ich das hier, du, mich, uns, einfach immer noch nicht glauben. Ich denke es ist wie eine der riesigen Seifenblasen, die ich als Kind gemacht habe, und die immer schon zerplatzen, bevor ich sie wirklich bewundern oder jemandem zeigen konnte ....Das hier grenzt fast an ein Wunder. Alle anderen sind immer einfach gestorben.┬ź

Wahrscheinlich weil sie keinen Grund hatte sie am Leben zu lassen, beantwortete Jessica sich selbst die unausgesprochene Frage. Sie waren Fremde gewesen, und hatten ihr noch weniger als nichts bedeutet. Das Biest in ihr musste gemerkt haben, dass es in diesem Fall anders war, dass sie sie brauchte, dass sie beide sie brauchten um zu ├╝berleben. Eine andere M├Âglichkeit gab es nicht.

***

Das ├ľffnen der T├╝re hallte unangenehm in ihrem Kopf wieder, und nur Marinas Gegenwart hinderte sie daran aufzuspringen, und ├╝bereilt zu handeln, und somit wahrscheinlich ihren ganzen Plan kaputt zumachen.

Sie gab vor zu schlafen, wie es erwartet wurde. Langsam, so langsam, das man es in dem d├Ąmmrigen Raum wahrscheinlich nicht wahrnehmen konnte, ├Âffnete sie ihre Augen.

Sie erkannte die beiden Personen, die in den Raum getreten waren nicht.

┬╗Scheint alles in Ordnung zu sein. Sie sind hin├╝ber.┬ź

┬╗Richtig so. Ich verstehe wirklich nicht, warum sie sie nicht einfach schon entsorgt haben. Sie sind viel zu gef├Ąhrlich und kaum zu kontrollieren. Nicht zu vergessen, sie sind absolut nutzlos.┬ź

Sie konnte nur mit M├╝he ein Knurren unterdr├╝cken. Stattdessen konzentrierte sie sich auf die Stimmen. Dunkle und klar, die dieses ersten Sprechers.

┬╗Nun ja, vergiss nicht wer sie ist. Sie ist nicht ein normales Forschungsprojekt.┬ź Nicht ganz so tief, daf├╝r aber rauer, als wenn der Eigent├╝mer der Stimme zu viel rauchte.

┬╗Vielleicht nicht normal, aber er sollte mit ihr trotzdem nicht anders verfahren als wie mit dem Rest.┬ź

┬╗Sie ist die Einzige, die es bisher geschafft hat sich zu fortpflanzen.┬ź

┬╗Aber auch nur ein einziges Mal ...┬ź

┬╗Ich habe ein Telefonat ├╝berh├Ârt, indem er sie, den auf Ebene drei, und Reproduktion in einem Atemzug erw├Ąhnte. Und ich glaub diesmal scheint er es mit richtiger Fortpflanzung versuchen zu wollen. Es scheint also tats├Ąchlich mehr als Stolz zu sein solche Kuscheltierchen zu haben.┬ź

┬╗Hat er eigentlich vor noch mehr zu schaffen?┬ź

┬╗Gott sei Dank nicht! Jedenfalls nicht, solange er sie nicht besser kontrollieren kann. Er hat die Reste des Serums vernichtet.┬ź

Ihre Muskeln spannten sich, und ihre Nackenhaare stellten sich auf als Schritte sich n├Ąherten. Durch die N├Ąhe konnte sie f├╝hlen, dass es Marina es nicht anders ging. Es war faszinierend. Obwohl Marina diejenige war, die ihr geholfen hatte ihre Natur und ihre Kr├Ąfte zu meistern, obwohl sie diejenige war, die eigentlich immer absolute Kontrolle ├╝ber sich selber hatte, erkannte sie sie ohne weiteres als die St├Ąrkere an. Das Biest in ihr h├Ątte es zwar nicht anders haben wollen, aber es war nie eine Frage gewesen.

┬╗Obwohl, niedlich sehen sie ja schon aus. So richtig friedlich...┬ź

┬╗Lass dich davon blo├č nicht t├Ąuschen. Wei├čt du noch was der aus der vier mit Markus gemacht hat? Und er war alleine ...┬ź

┬╗Markus hat sich ja auch ├Ąu├čerst dumm angestellt. Er h├Ątte es besser wissen sollen, als sich ihm einfach so zu n├Ąheren. Und alleine dazu!┬ź

H├Ątte sie gekonnt, h├Ątte sie gegrinst. So konzentrierte sie sich auf die Hand, die sich auf einmal aus- und ihr entgegenstreckte. So viel zum Thema Dummheit. Dann war die Hand auf ihr, kraulte sie zwischen den Ohren. Ein leises, dunkles Knurren war die einzige Warnung die es gab, dann ein Schrei und der Geruch von Blut. Marina.

Wie auf Kommando, streckte sich ihr K├Ârper, ging in Angriffstellung ÔÇô und sprang. Bevor der zweite Mann auch nur den Mund auf machen konnte, hatte sie sich in seiner Kehle verbissen.

Verf├╝hrerisches Blut. Klar, warm, und sprudelnd, direkt von der Quelle. F├╝r einen Moment war sie versucht sich einfach fallen und treiben zu lassen. Ein lautes Knurren von ihrer rechten Seite, riss sie jedoch aus ihrer Trance heraus. Nicht drohend, sondern warnend, um sie daran zu erinnern, dass sie noch wichtigeres vor hatten.

Ohne die beiden M├Ąnner eines weiteren Blickes zu w├╝rdigen, f├╝hrte sie den Weg an nach drau├čen. Unentdeckt passierten sie T├╝ren und Abzweigungen in den von Neonr├Âhren beleuchteten Korridor, bis sie eine schmalen Treppe erreichten, die zu einer Ebene f├╝hrte.

Der W├Ąchter davor war ausgeschaltet, bevor er ├╝berhaupt eine Gelegenheit hatte zu registrieren, dass etwas nicht stimmte.

┬╗N├Ąchste Woche? Aber unser Vertrag sagt ganz deutlich das wir jeden Montag beliefert werden!┬ź, ert├Ânte eine aufgebrachte Stimme durch den Spalt. Die Stimme lie├č ihre Nackenhaare zu Berge stehen. Sie knurrte.

Selbiges war offensichtlich laut genug gewesen, um Aufmerksamkeit zu erregen, denn drinnen entstand eine Pause. F├╝r einen Moment bef├╝rchtete sie schon man h├Ątte sie erwischt. Nicht das es etwas an ihrem Plan ├Ąndern w├╝rde. Nicht mehr an diesem Punkt. Es w├╝rde das Ganze nur verkomplizieren. Etwas das sie zwar auch nicht unbedingt brauchen konnten, aber ein kalkulierbares Risiko. Trotzdem f├╝hlte sie Erleichterung, als das Gespr├Ąch fortgesetzt wurde. Mit einem Blick auf ihre Gef├Ąhrtin, und ihrer lautlosen Zustimmung, n├Ąherte sie sich der T├╝re.

Noch bevor sie den Raum betrat, str├Âmte ihr ein ├Ąu├čerst unangenehmer Geruch entgegen. Eine Mischung aus Schwei├č und Zorn. Und Gier, entschied sie nach einer Weile, der sauerste von allen. Angeekelt kr├Ąuselte sie ihre Nase, lie├č sich aber nicht von ihrem Weg abbringen.

Sie betrat den Raum gerade als er den H├Ârer mit einem w├╝tendem 'Wenn man nicht alles selber macht ...' auf das Telefon knallte, und nach der Sprechanlage griff.

Mit einem Sprung war sie auf dem Tisch und fegte die Sprechanlage hinunter. Das Ganze, ohne ihren Gegen├╝ber einmal aus den Augen zu lassen. Das Wechselspiel von ├ťberraschung, Unverst├Ąndnis, bis hin zur Furcht das er mit seiner gesamten K├Ârpersprache ausdr├╝ckte, war ein Genuss.

┬╗Wie ... Das sollte nicht ... Unm├Âglich ... ┬ź, stammelte er, dann: ┬╗Berger!┬ź

Im selben Augenblick schloss sich die T├╝re. Sein Kopf drehte sich dem Ger├Ąusch zu. Aus den Augenwinkeln heraus, konnte sie sehen wie sich seine Augen weiteten, als er erkannte, dass die Falle zugeschnappt war. Es war unheimlich befriedigend zu beobachten, wie sein Gesicht jegliche Farbe verlor. Trotzdem gab er nicht auf. ├ťberlebenswille hatte er, so viel musste sie ihm lassen. Nicht das es ihm etwas n├╝tzen w├╝rde. Sie erlaubte ihm einige Schritte, dann, ohne jemals den Blickkontakt zu brechen, sprang sie vom Tisch und folgte ihm zu einer Kommode.

Sie erlaubte ihm sogar diese zu erreichen, doch als er die oberste Schublade ├Âffnete und begann in ihr herum zu w├╝hlen, gab es einen ├╝berraschten Ausruf der sich beinahe sofort in einen Schmerzensschrei verwandelte, als Z├Ąhne sich in sein Handgelenk verbissen. Das Ganze war gefolgt von einem deutlichem Knacken als Knochen unter dem Druck nachgaben.

Marina lie├č erst los, als sie ein warnendes Knurren ausstie├č. Es war noch zu fr├╝h. Und er war ihrer. Letzteres war ganz besonders wichtig. Monate des Schmerzes, der Einsamkeit und des Hasses konnte sie nun endlich zur├╝ckzahlen. Und sie war darauf bedacht, es St├╝ck f├╝r St├╝ck und mit barer M├╝nze zu tun.

┬╗Jessica ...┬ź, sie fror in ihrer Bewegung als er sie bei ihrem Namen rief. Ihr Blick war auf den ver├Ąngstigten Mann fixiert, der sein nutzloses Handgelenk sch├╝tzend mit seiner anderen Hand umklammerte. ┬╗Jessica, mach das nicht. Ich kann es dir erkl├Ąren. Du wei├čt doch das ich es nicht ohne Grund gemacht habe. Ich h├Ątte dir doch nicht weh getan, wenn ich es h├Ątte verhindern k├Ânnen.┬ź Der bettelnde Ton in seiner Stimme war ekelerregend und erreichte wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem was er erhoffte. Sie sp├╝rte wie ihre Wut wuchs. Es war wahrscheinlich auch gut so, denn so kam sie nicht in Versuchung, den leeren Worten doch glauben zu wollen, sich daran zu klammern wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring.

┬╗Wenn ich k├Ânnte, w├╝rde ich alles ungeschehen machen. Ich liebe dich doch, Jess.┬ź

Sie h├Ątte nicht sagen k├Ânnen, ob es der beinahe weinerliche Ton, oder dieser eine spezielle Spitzname war, den nur eine Person benutzen durfte, oder aber doch die Worte, aber von diesem Moment an, verschwamm das Gesagte zu einer undefinierbaren Masse. Es wurde unwichtig. Nur der Jagdinstinkt, das Verlangen nach Blut, - nach diesem Blut - , war noch wichtig. Und dem Schmerz ein Ende zu setzen vielleicht. Obwohl dieser in den vergangenen Monaten mehr und mehr in den Hintergrund ger├╝ckt war.

Und genau dieses Verlangen, lie├č die Muskeln in ihren K├Ârper anspannen und ihre Z├Ąhne fletschen. Sie blieb in ihrer Position und erlaubte die Spannung, die Vorfreude, langsam anschwellen zu lassen.

Sie h├Ątte wahrscheinlich noch lange in dieser Position verharren k├Ânnen, w├Ąre da nicht der Stupser in ihrer Seite gewesen, den Marina ihr versetzte. Es war alles das von N├Âten war, um sie aus ihrer Trance zu rei├čen. Das Letzte das sie noch registrierte, waren die vor Angst geweiteten Augen. Danach ├╝bernahmen ihre Instinkte die F├╝hrung.

Mit einem w├╝tendem Knurren, setzte sie zum Sprung an.

***

┬╗Wie f├╝hlst du dich?┬ź Sie l├Ąchelte bei dem besorgten Ton, und lehnte sich zur├╝ck. Sie genoss die W├Ąrme des K├Ârpers hinter ihr, und die Arme die sich um ihren K├Ârper geschlungen hatten. F├╝r einen Moment schloss sie die Augen, erlaubte ihnen beiden den Luxus dieser friedlichen N├Ąhe. Es w├╝rde nicht sehr lange anhalten. Es war an der Zeit f├╝r sie sich zu verabschieden und zu gehen. In sp├Ątestens zwei Stunden, w├╝rde man entdecken was passiert war und sie jagen. Sie mussten die Zeit nutzen, um so viel Abstand wie nur irgend m├Âglich zwischen sich und ihren Verfolgern zu bringen,

Sie seufzte zufrieden als Finger durch ihr Haar strichen. Das war das was sie am meisten vermisste wenn sie in ihrer Wolfsgestalt waren. Das hier war viel pers├Ânlicher, als alles was sie dann tun konnten. Sie drehte ihren Kopf halb, und streckte ihrer Freundin ihre Lippen f├╝r einen Kuss hin. Diese reagierte prompt. F├╝r einen Moment verblieben ihre Lippen aufeinander als ihre Zungen sanft miteinander duellierten.

Dann, schweren Herzens, l├Âste Jessica sich aus den Armen.

┬╗Ich bin okay. Und mir geht es mit Sicherheit besser als ihm┬ź, sagte sie und blickte auf die reglose Gestalt am Boden.

┬╗Bereust du es?┬ź

Sie sch├╝ttelte ihren Kopf. ┬╗Ich h├Ątte es nur schon viel fr├╝her tun sollen. H├Ątte uns allen viel ├ärger erspart, und du w├Ąrst vielleicht noch am Leben.┬ź

Ein Arm wandte sich um ihre H├╝fte, schwang sie herum. Ihre Blicke trafen sich. Die Augen ihrer Freundin schienen zu brennen. ┬╗Ich dachte wir h├Ątten das endlich abgehackt?┬ź, fragte sie vorwurfsvoll. ┬╗Du hattest keine Wahl. Daf├╝r hat er gesorgt. Au├čerdem, es mag zwar nicht mein Traum gewesen sein, aber es war es allemal wert wenn wir uns daf├╝r wieder haben!┬ź

Das Ganze sagte sie mit einem solche Nachdruck, dass man gar nicht anders konnte, als es glauben. So zumindestens erging es Jessica - im Moment. Sie kannte sich zu gut um zu denken, dass dieses das Ende ihrer Selbstvorw├╝rfe sein w├╝rde. Aber im Augenblick konnte und wollte sie es glauben, und es f├╝hlte es sich gut an.

┬╗Au├čerdem hat es auch einige Vorteile┬ź, f├╝gte Marina mit einem verschmitzten Grinsen hinzu.

Jessica musste lachen. ┬╗Ich liebe Dich, Marina. Und ich kann dir nicht genug danken. F├╝r alles.┬ź Sie stoppte als ihre Stimme belegt wurde. F├╝r Tr├Ąnen war weder die richtige Zeit noch der richtige Ort.

Ein feuchter Schleier tr├╝bte Marinas Blick, und bevor Jessica irgendetwas machen konnte, hatten sich Arme um ihren K├Ârper gewandt, und sie f├╝hlte sich gegen den nackten K├Ârper ihrer Freundin gepresst. Soweit es Jessica betraf, k├Ânnte sie f├╝r immer in dieser Umarmung, in dieser N├Ąhe verbleiben.

┬╗Ich liebe dich auch, Jess. Vergiss das niemals.┬ź Und wie sollte sie. Immerhin hatte diese Frau ihr Leben geopfert um mit ihr zusammen zu sein, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon wusste, und hatte auch danach keine Anstalten gemacht, sich in irgendeiner Weise von ihr zu entfernen.

Ihre Lippen trafen sich ein letztes Mal zu einem intensiven Kuss, der f├╝r den Moment alle Zweifel beseitigte und ein Versprechen f├╝r viel mehr war, bevor sie sich voneinander trennten. ┬╗Ich besorge uns was zum Anziehen, w├Ąhrend du daf├╝r sorgst das wir hier raus kommen?┬ź

Jessica nickte, dann, bevor Marina sich auch nur umdrehen konnte: ┬╗Bist du sicher das du es alleine machen willst? Was wenn dir jemand begegnet, es ist schon ziemlich sp├Ąt?┬ź, sagte sie mit einem Blick auf die alte Standuhr in der Ecke. Anderthalb Stunden noch. H├Âchstens.

┬╗Ich werde mich beeilen.┬ź

┬╗Sei vorsichtig┬ź, rief Jessica ihr leise nach, als Marina die T├╝re einen Spalt aufmachte, und hindurch schl├╝pfte.

Sie schluckte ihre Besorgnis hinunter, zwang ihre Gesichtsz├╝ge in eine emotionslose Maske, und fokussierte ihre Aufmerksamkeit auf den am Boden liegenden Mann, der, bei n├Ąherem hinsehen, gar nicht mal mehr so bewegungslos erschien. Seine Brust bewegte sich in unregelm├Ą├čigen Abst├Ąnden, w├Ąhrend seine gesunde linke Hand reflexartig auf und zu ging, Str├Ąhnen des Lammfelll├Ąufers zu fassen bekam, nur um sie direkt wieder los zulassen.

Sie kannte diese Symptome nur zu gut. Es war der Versuch an der Realit├Ąt festzuhalten, sich in dem Horror der ├╝ber einem gekommen war an irgendetwas realem festzuklammern. Es funktionierte nat├╝rlich nicht.

Sie kniete sich neben ihn auf dem Boden, gerade au├čer Reichweite der Blutlache wo das Biest ihn gebissen und halb zerrissen hat. Es kostete sie sichtlich M├╝he ihre Hand auszustrecken, seinen Arm zu nehmen, und den Puls zu f├╝hlen. Dieser schlug noch erstaunlich stark.

┬╗Du kannst die Augen ruhig aufmachen┬ź, sagte sie kalt. ┬╗Du wirst nicht sterben. Wahrscheinlich. Ich habe mir extra gro├če M├╝he gegeben damit das nicht passiert. Und du wei├čt ja wie schwer es f├╝r meine Art ist jemanden nicht umzubringen, sondern zu erschaffen.┬ź

Zitternde Augenlider waren das erste Anzeichen daf├╝r, dass er ihren Worten Folge leistete. Dann, scheinbar mit extremer M├╝he, ├Âffnete er die Augen. Sein Blick war glasig als er seinen Kopf ihr zudrehte.

┬╗Und eigentlich habe ich es alleine dir zu verdanken, dass ich es nun kann┬ź, fuhr sie fort, ihre Stimme sanft, als wenn sie mit einem kleinen Kind sprechen w├╝rde. ┬╗H├Ąttest du nicht Marinas Schicksal besiegelt, w├Ąren wir jetzt wahrscheinlich nicht hier. Wei├čt du eigentlich was f├╝r ein Geschenk du mir gegeben hast? Sie hat mir gezeigt das meine Natur nicht nur schlecht ist, und das ich sie kontrollieren kann und nicht sie mich. Es ist doch nur fair, das ich dir im Gegenzug auch etwas davon abgebe, denkst du nicht?┬ź

Mit Befriedigung sah sie den Schock der sich in seinem Gesicht abzeichnete. Schmerz und Schock! Er ├Âffnete seinen Mund, aber heraus kam nur ein Gekr├Ąchze, das alles und nichts hei├čen konnte. Nicht das sie das was er zu sagen gehabt h├Ątte wirklich interessierte.

┬╗Du dachtest doch nicht wirklich das wir dich einfach nur umbringen w├╝rden, hm?┬ź

Sie lie├č ihren Finger ├╝ber den Teil des Halses gleiten, in den sie sich verbissen hatte. Das erste Mal. Das zweite Mal war in seinem Oberschenkel gewesen. ┬╗Kannst du es schon f├╝hlen wie dein K├Ârper sich ver├Ąndert? Sehr bald wirst du das Gef├╝hl haben wahnsinnig zu werden, bis du dich an deine gesch├Ąrften Sinne gew├Âhnt hast. Das dauert so einige Wochen. Ungef├Ąhr bis zum n├Ąchsten Vollmond. Und was dann passiert, wei├čt du ja. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass in deinen Berichten nichts davon drinnen steht, wie schmerzhaft die Verwandlung sein kann, und wie ├╝berm├Ąchtig der Jagdinstinkt ist ...┬ź

┬╗Aber bis dahin werde ich nicht mehr hier sein┬ź, sagte sie letztendlich abrupt. ┬╗Ich brauche die Codes um hier raus zukommen, und du wirst sie mir gegeben.┬ź

Sie lachte leise auf als er den Kopf wild sch├╝ttelte. ┬╗Das war keine Frage oder eine Bitte. Du wirst sie mir geben. Die Frage ist nur, ob du sie mir freiwillig geben wirst oder ob wir herausfinden, wie hoch deine Schmerzgrenze wirklich ist.┬ź Ihre Stimme war beinahe liebevoll, als sie seine noch unverletzte Hand in die ihre nahm. ┬╗Also?┬ź

Keine Zehn Minuten sp├Ąter ├Âffnete sich die T├╝re und Marina trat ein, ein Haufen Kleidungsst├╝cke ├╝ber ihren Arm. Sie reichte ihn Jessica, und dann, mit einem Blick auf den wimmernden Mann auf dem Boden: ┬╗Er war wohl nicht so einfach zu ├╝berzeugen uns zu helfen, wie?┬ź

┬╗Er brauchte nur etwas Motivation, nichts mehr.┬ź Jessicas Stimme klang ged├Ąmpft durch den Pullover, den sie sich gerade ├╝ber den Kopf zog.

┬╗Wird er ├╝berleben?┬ź

┬╗Oh ja. Das habe ich sichergestellt,┬ź sagte Jessica w├Ąhrend sie sich die Jeans zukn├Âpfte, und sich dann Schuhe und Socken anzog. ┬╗Ausweise und ├Ąhnliches haben wir leider nicht mehr, daf├╝r hat er gesorgt.┬ź

Marina nickte. ┬╗Macht nichts. Das wird wohl die geringste unserer Sorgen sein. So wird es wenigstens ein richtiger Neuanfang.┬ź

Jessica hielt kurz inne und sah sie an, wieder einmal fasziniert von ihrem Optimismus und ihrer F├Ąhigkeit in wirklich jeder Situation, egal wie beschissen, etwas Gutes zu sehen. Dann nickte sie und stand auf.

Bevor sie sich jedoch der T├╝re zuwandte, beugte sie sich noch einmal zu ihrem letzten Opfer hinunter. ┬╗Willkommen in der Familie, Papa.┬ź Ihr Vater zuckte zusammen als wenn sie ihn geschlagen h├Ątte.

Jessica warf ihm noch einen hasserf├╝llten Blick zu und stand dann auf. ┬╗Lass uns gehen┬ź, sagte sie, akzeptierte Marinas Hand und lie├č sich von ihr hinaus f├╝hren.

~.~.~

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Marcus Richter
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Hi Kadira,
ich war vielleicht am Anfang etwas unaufmerksam, deshalb kann ich nicht genau sagen, ob der Anfang stimmt oder nicht. Erst dachte ich, saubere Erz├Ąhlweise, aber verdammt noch mal, was passiert eigentlich. Dann ging es aber ziemlich schnell und dann war da noch deine saubere Erz├Ąhlweise, dieses gute Bild des Labors, einer gez├╝chteten Rasse. Ich sch├Ątze mal, du hast richtig daran getan, so lange zu warten, um die Geschichte aufzul├Âsen.

Ab dem Zeitpunkt, wo ich verstanden hatte, worum es ging, lief alles sehr zufriedenstellend ab(f├╝r mich als Leser), das erneute Warten, um zu erfahren, um welche gez├╝chtete Spezies es sich handelt, die immer st├Ąrker werdende homoerotische Beziehung zwischen den beiden Frauen.
Sehr sch├Ân. Bin wirklich begeistert.

Also, bis dann
Marcus

PS: Sehr sch├Ân hier, die Verwebung von Elementen des SF mit Urelementen des Horrors
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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Nina H.
???
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Wirklich gut erz├Ąhlt!!!

Das einzige:
>Sie fragt sich in dem kurzen Moment Klarheit, der ihr noch >verblieben ist, ob der Grund f├╝r die Schmerzen ist, dass >sie zu sehr dagegen ank├Ąmpft, oder ob genau dieser Schmerz >nicht vielleicht doch der Grund ist, dass die anderen in >ihrer Gruppe einer nach dem anderen den Verstand verloren >hat.

>Dann: Gr├Ąue.

Das ist doch alles in allem ein recht verwirrender Satz. Um die Aussage besser zur Geltung kommen zu lassen, sollte man ihn noch umformulieren. Auf jeden Fall w├╝rde ich nicht zwei mal so kurz hintereinder das Wort "Grund" verwenden.
Eventuell solltest Du Dir auch ein anderes Wort statt "Gr├Ąue" einfallen lassen. Es klingt in meinen Ohren einfach komisch.

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