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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Die Hure Westdeutschland und ihre Zuhälter
Eingestellt am 12. 05. 2015 15:01


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Schreibensdochauf
???
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Das "Gedenken" zum 8. Mai ist überstanden. Mehr Geschichts-Politik als Geschichtserinnerung. Bald stehen 25 Jahre "Vereinigung" an.

Die Puffmutter Westdeutschland und ihre Zuhälter – 25 Jahre deutsche Vereinigung
(aus "Hure" habe ich "Puffmutter" gemacht, lässt sich im Titel nicht mehr ändern)

Himmlische Sünde...
Liebe, Lust, Freundschaft und der pure Spaß für Genießer.
Ich stelle mich individuell auf ganz persönliche Wünsche und Vorstellungen ein und biete Dir Service auf aller höchstem Niveau an. Sinnlich und verführerisch tauchen wir gemeinsam ein in eine relaxte Atmosphäre mit viel Spaß; und ganz ohne Zeitdruck. Mit mir kannst Du Deine unerfüllten Phantasien ausleben.
Ich bringe Deine Augen zum Lachen und Deinen Puls zum Rasen. Lasse Dich mit Deinen Körper, Seele, Geist und Verstand, mit allen Deinen Sinnen entführen in der Welt voller Phantasie. DU BIST DIR DAS WERT!
Freue mich Dich kennenzulernen.
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Das waren sie. Die Verlockungen des Goldenen Westens. Alles bunt, fröhlich und wohlriechend. Chanel und Persil. Kaffee und Schokolade. Zigarren und Schnaps. Dieses Paradies konnten die Ostdeutschen bereits in ihren Intershops erschnuppern und erahnen. Und dann noch die Westpakete, randvoll gepackt mit den Verlockungen des Westens. Die Onkels und Tanten in ihren dicken Karossen und schicken Kleidern. Sie hinterließen den Duft, diese fröhliche Dominanz.

Nur noch die letzten Höhlenasketen hätten da widerstehen können. Zumal den ostdeutschen Schwestern und Brüdern zunächst ja Sex auf Augenhöhe versprochen wurde. Was man halt so sagt, um jemanden in sein Bett zu locken. Aus „Wir sind das Volk“ wurde „Wir sind ein Volk“ und „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh´n wir zu ihr“. Wie das halt so ist, wenn die Hormone die Sinne vernebeln.

Dieses großbrüstige und prallärschige Westdeutschland schickte dann seine Loverboys auf den Plan. Egal wie sie hießen - Genscher oder Kohl - sie traten in den Sälen und auf den Plätzen der Republik auf, umschmeichelten die bedürftigen Gestalten und versprachen üppig blühende und saftige Landschaften. „Keinem soll es schlechter gehen, vielen besser.“ Wer bei solchen Worten nicht kurz vor dem Höhepunkt steht ist selbst schuld. Die Loverboys machten ihre Sache gut. Nicht nur, dass es ja wirklich und endlich Pornokinos und Heftchen zu kaufen gab, auch die vollen Regale, Mallorcareisen und D-Mark brachten ein Stück des Paradieses in den braunkohlemiefigen, synthetikgekleideten Osten. Im Viertakt ging es voran. Die Mahner wurden als Spielverderber gebrandmarkt.

Doch die Puffmutter Westdeutschland blieb die Puffmutter Westdeutschland. Und Zwangsprostitution bleibt Zwangsprostitution, egal wie wohlriechend sie daher kommt. „Zwangsprostitution bezeichnet die illegale Praxis, Menschen zur Arbeit als Prostituierte zu zwingen. Zwangsprostitution ist Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung. Dieser Zwang kann durch physische und psychische Gewalt, Täuschung, Erpressung, Ausnutzung einer Zwangslage oder Ausnutzung der Hilflosigkeit des Opfers ausgeübt werden.“ Besser als diesen kurzen Wiki-Eintrag kann es nicht beschrieben werden, abgesehen davon, dass einige die Formulierung „illegale Praxis“ mit angemessener Empörung zurückweisen würden.

Nicht für alle, aber für viele kam nach dem ersten Höhepunkt das böse Erwachen. Der Loverboy zeigte sein wahres Gesicht. Es begann die Zeit der Zuhälterei und der Osten hatte zu zahlen. Seine Menschen kamen zwar an die babylonischen Fleischtöpfe und Bananenstauden, nicht aber an die Wirtschafts- oder politische Macht. Das machten die Luden aus Westdeutschland unter sich aus. Der Lude fuhr Bentley, die Neuprostituierten Golf. Immerhin.

25 Jahre Vereinigung. Viele Höhepunkte, viele Kopfschmerzen, für die der Westen aber auch viele Kompensationsmittel, konsumtechnischer und chemischer Art bereit hält. Wie bei jeder Zuhälterei sind die Vermögen nach wie vor ungleich verteilt. Die großen Bordelle der Republik sind und bleiben fest in westdeutscher Hand. Den Prostituierten geht es so gut, dass es nicht zum Aufstand kommt. Im modernen PR – Sprech reden wir von einer win-win Situation. Doch die ist nur suggeriert. Stockholmsyndrom trifft es besser.

Und jetzt: Schampus für alle.

NACHTRAG: Damit nicht der Eindruck entsteht, hier würden Ossis gegen Wessis ausgespielt: Es geht nicht um die tollen Menschen, es geht um die Systematik. Auch im Westen wurde und wird "zwangsprostituiert". Die Mechanismen sind immer die gleichen: Wohlstandsversprechen gegen Stillhalteabkommen des Volkes. Nicht aufmucken. Die Kämpfe um mehr Demokratie in den 60iger und 70iger Jahren sprechen Bände. Und wenn es mal eng wird werden Ossis gegen Wessis oder Hartzer gegen Flüchtlinge ausgespielt "Die bekommen alles, wir nichts." Das ist das alte Spiel von Teile und Herrsche. Buchtip: Bernt Engelmann/Günther Wallraff: "Ihr da oben, wir da unten" von 1973!!!!


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"Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche". Alt und wahr.

Version vom 12. 05. 2015 15:01
Version vom 13. 05. 2015 10:14
Version vom 13. 05. 2015 10:19

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Schreibensdochauf
???
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Galaxius

Danke für Deinen wichtigen Einwurf. Da ich im Ruhrgebiet aufwuchs kann ich Dir - hoffe ich qualifiziert - antworten. ein ostdeutscher Freund von mir sagte zu dem Text "Eigentlich sind wir Ossis so ne Art Escortservicenutte, wir wollen die Kohle und wissen, was wir dafür tun müssen und glauben, da kommen wir wieder weg." Eine Freundin, die aus dem Osten "rübergemacht" hat: "Die Opferdarstellung der alt-DDR Bürger. Das ist mir zu einseitig betrachtet. Das ist Passivierung" und schmerzt mich total."

Galaxius, ich sehe nicht hier die Opfer und da die Täter. Du hast recht mit dem was Du beschreibst. Es geht mir um das Versprechen und Handeln des Systems und im System. Lies mal Bernt Engelmann/Günther Wallraff "Ihr da oben, wir da unten" von 1973!!!! Auch im Westen wurde "zwangsprostitutiert". Das Demokratieversprechen, das immer an Wohlstand gekoppelt war. Die hart erkämpften demokratischen Rechte der 60iger/70iger gegen das "demokratische" System. Und lass uns nicht in die Falle tappen, MENSCHEN im Osten gegen MENSCHEN im Westen auszuspielen. Das wird ja jetzt wieder versucht, wenn Systemverlierer gegen Flüchtlinge ausgespielt werden "die bekommen ALLES, wir NICHTS".

In diesem Sinne. Schöne Grüße.
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"Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche". Alt und wahr.

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