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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Jacke
Eingestellt am 29. 07. 2011 11:40


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Shawn Gut
???
Registriert: Jul 2011

Werke: 6
Kommentare: 4
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Die Jacke


Das einzige was mir von ihr blieb war ihre Jacke.

Sie hatte es scheinbar so eilig, aus meinem Leben zu verschwinden, dass ihr selbst ihre Jacke, die sie so gern getragen hat, egal war.

Zuerst habe ich dies nat├╝rlich nicht so gedeutet.
F├╝r mich war es ein Zeichen daf├╝r, dass sie wiederkommen w├╝rde, als wolle sie sich eine Hintert├╝r offenhalten, einen unschuldigen Grund mich wiedersehen zu k├Ânnen. All meine Liebe, meine Hoffnung, meinen Schmerz, mein Leid, meinen Hass, meinen Neid, wob mein Herz in diese, ihre Jacke.

Und so wurde ihre Jacke zu meiner Reliquie.

Jeder Blick auf dieses Kleidungsst├╝ck, lie├č ein t├Âdliches Gemisch aus Erinnerungen in meinem Herzen explodieren.

Von Zeit zu Zeit, nahm ich die Jacke von ihrem Haken, legte mich auf mein Bett und bedeckte mit der Jacke mein Gesicht. Die Dunkelheit und ihr Geruch, der in ihrer Jacke konserviert wurde, wirkten st├Ąrker als jede Droge - Sie katapultierten mich in eine ferne, sch├Ânere Welt. Eine Welt, wie es sie nicht mehr gibt. Eine Traumwelt, mit meinem M├Ądchen und mir, als einzigen Bewohnern.

So zog die Zeit ins Land und meine Hoffnung, ihre Jacke w├Ąre ihr Weg zur├╝ck zu mir, schwand und schwand. Also versuchte ich, mein Leben weiterzuleben. Die Jacke hing weiterhin an ihrem Platz.

Eines Abends, war ich auf einem Geburtstag einer guten Freundin eingeladen. Es war ein gem├╝tliches Sit-In und deshalb hatte ich die M├Âglichkeit, mit einer alten Freundin von ihr, ins Gespr├Ąch zu kommen. Sie war zwei Jahre j├╝nger als ich, studierte Germanistik, war nicht dumm, hatte Humor und ein charmantes L├Ącheln, welches von zwei s├╝├čen Gr├╝bchen garniert wurde. Wir unterhielten uns den ganzen Abend sehr angeregt ├╝ber verschiedenste Themen und sie brachte mich, was nicht oft bei Frauen der Fall ist, zum Lachen.
Als wir uns verabschiedeten, fragte sie mich, ob wir uns in der kommenden Woche, vielleicht irgendwann mal, zum Kaffeetrinken treffen wollen und ich stimmte zu.

Auf dem R├╝ckweg zu meiner Wohnung, dachte ich viel an den Abend, die Themen, ├╝ber die wir gesprochen hatten und ihr Art, die mich sofort in Beschlag nahm. Ich mochte sie. Sehr.
Als ich meine Wohnung betrat und mich auf meine Couch setzte, erblickte ich die Jacke.
Augenblicklich verschluckten meine Erinnerungen die Eindr├╝cke des Abends und vergruben die Erlebnisse der letzten Stunden, unter dem Mantel der Bedeutungslosigkeit. Ich war wieder bei ihr.

Doch, so sch├Ân meine Traumwelt war und so gut sie mir Zuflucht gebot, so sehr fra├č sie mein wirkliches Leben. Entzog meinem K├Ârper die Kraft, raubte mein Gl├╝ck. Ich merkte, dass ich ihr entfliehen musste.

Ich stand auf, nahm die Jacke von ihrem Haken und verstaute sie in einer Schublade. Dann legte ich mich in mein Bett und schlief einen traumlosen Schlaf.
Am n├Ąchsten morgen wurde ich von einer SMS geweckt, in der mich das M├Ądchen vom Vorabend fragte, ob ich denn heute schon etwas vor h├Ątte. Ich fasste den Plan, mir beim Fr├╝hst├╝ck dar├╝ber Gedanken zu machen und stand auf.
Zuerst nahm ich es nicht wahr, da es zu einem Teil meines Lebens geworden war, doch als ich das erste Mal in mein Schinkenbr├Âtchen biss, blieb es mir im Halse stecken. Die Jacke hing wieder an ihrem Platz.

Ich zweifelte kurz an meinem Verstand, denn ich war mir sicher, dass ich sie abends in die Schublade gelegt hatte. Ich stand auf und betrachtete die Jacke, als h├Ątte ich sie zum ersten Mal gesehen. Ich ber├╝hrte sie und roch an ihr. Es war alles beim alten, nichts hatte sich ge├Ąndert. Das konnte nicht sein. Soviel hatte ich gestern gar nicht getrunken, dass ich mir all das, eingebildet haben sollte. Ich nahm die Jacke erneut vom Haken und verstaute sie wieder in der Schublade. Sie hatte mich wieder zur├╝ck. Die SMS verga├č ich v├Âllig.

Ich verbrachte den Rest des Tages, so wie ich sie alle in den letzten Monaten vebracht hatte. Ich schaute ein paar Filme, trieb mich im Internet rum, trank diversen Alkohol, rauchte Unmengen an Gras und holte mir Einen runter, bevor ich ins Bett ging. Ich lie├č nichts aus, was mich irgendwie von meinem Gef├╝hl ablenken konnte. Irgendwann schlief ich, w├Ąhrend ich einen uninteressanten Film, im Fernsehen schaute, ein und wurde irgendwann, am folgenden Nachmittag, wieder wach. Ich hob den Kopf und musste mich zuerst orientieren, da ich normalerweise nicht auf der Couch schlafe. Ich setzte mich auf und schaute mich um. Misstrauisch wanderte mein Blick zur T├╝r.

Die Jacke war wieder an ihrem Platz.

Ich versuchte es noch zwei, drei Male die Jacke in ihre Schublade zu sperren, ich warf sie in den M├╝ll, Schnitt sie in St├╝cke, ├╝bergoss sie mit Benzin und z├╝ndete sie an.

Es wurde mein neuer Lebensinhalt. Ich musste diese Jacke vernichten. Koste es was es wolle.

Doch es half alles nichts. Am Anfang des n├Ąchsten Tages hing sie, fast schon provozierend, gerade so, als w├╝rde sie heimlich ├╝ber mich lachen, wieder an meiner T├╝r. Ich versuchte es fortan nicht weiter und ergab mich meinem Schicksal.

Ein Jahr war vergangen und meine gute Freundin, feierte abermals ihren Geburtstag. Als ich mich f├╝r den Abend zurechtmachte und unter der Dusche stand, fiel mir das M├Ądchen von letztem Jahr wieder ein. Verdammt! Warum hatte ich ihr damals nicht geantwortet? Ich fragte mich, ob ich sie heute Abend wieder treffen w├╝rde.

Sie war noch genauso hinrei├čend, wie vor einem Jahr und zum Gl├╝ck nahm sie es mir nicht ├╝bel, dass ich mich nicht gemeldet hatte. Der Abend verlief ├Ąhnlich wie der letzte, nur dass ich sie diesmal nach Hause begleitete und wir uns zum Abschied k├╝ssten. Mein Grinsen, dass mich auf dem Heimweg begleitete, sollte mich auch noch ins Bett verfolgen.

Am n├Ąchsten Morgen stand ich auf und ging, wie gewohnt, in mein Wohnzimmer. Irgendetwas f├╝hlte sich jedoch komisch an, irgendetwas fehlte. Ich schaute mich um. Es war alles beim alten, meine Couch stand an ihrem Platz, und auch mein Tisch, mein Schrank, meine B├╝cher, meine Bilder. Alles war so, wie ich es den Abend zuvor hinterlassen hatte. Aber dennoch.
Ich ging durch den Raum und schaute aus meinem Fenster. Am Horizont konnte ich die ersten Strahlen der Sonne ausmachen.
Es w├╝rde ein sch├Âner Tag werden.

Ich drehte mich um und dann sah ich, was mein Gef├╝hl hervorgerufen hat.

Ihre Jacke - Sie war verschwunden.



Version vom 29. 07. 2011 11:40

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Herzlich willkommen, Shawn Gut, und viel Spass hier, in der LeLu.

Zu deinem Text: Nicht schlecht, aber m.M.n. stark ausbauf├Ąhig. In der vorliegenden Form (ohne weitreichendere Erkl├Ąrung)erinnert┬┤s doch stark an "... und t├Ąglich gr├╝├čt das Murmeltier".

Gru├č

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Pagina
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Shawn Gut@,

mir gef├Ąllt deine Geschichte sehr gut.

Was w├Ąre, wenn statt des Irrealen st├Ąndigen Entsorgens/wieder Auftauchens das Problem des Protas deutlicher w├╝rde, sie nicht entsorgen zu k├Ânnen - er m├Âchte, aber kann es nicht.Ist w├╝tend, hasst sie/sich, leidet, ist gel├Ąhmt, aber sieht sich Ausserstande...weil sie ja nochmal zur├╝ckkehren k├Ânnte, sollte, m├╝├čte...
Bis dann die Neue auftaucht und er das Ding leicht vom Haken bekommt und im M├╝ll (der Geschichte) entsorgen kann?
Die ├ťberschrift ist m.E. zu lang. Wie w├Ąrs mit:" Was von ihr blieb" oder nur "die Jacke"

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Shawn Gut
???
Registriert: Jul 2011

Werke: 6
Kommentare: 4
Die besten Werke
 
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Profil

@Kageb

Danke..werd ich haben ^^

Danke f├╝r das Feedback, aber nur weil EIN element dort immer wieder auftaucht, denke ich nicht, dass es sehr gro├če ├ähnlichkeit mit UtgdM hat. Vor allem, weil der Kern der Geschichte ein komplett anderer ist. Wenn du weiteregehende Verbesserungsvorschl├Ąge hast, so w├Ąre ich dir dankbar

@Pagina

Freut mich schonmal, dass dir die Geschichte gef├Ąllt

Die Anregung ist durchaus gut, aber dann w├╝rde mir der passive Aspekt, also die Tatsache, dass er nunmal NICHT Herr der Sache (Jacke) ist, nicht so deutlich r├╝berkommen.
Und das mit dem Titel...das hab ich vercheckt, ich dachte die Foren├╝berschrift w├Ąre gleichsbedeutend mit dem Titel der Gescichte, was dann tats├Ąchlich einfach nur "Die Jacke" w├Ąre

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