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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Kehle runter
Eingestellt am 27. 01. 2008 00:03


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Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

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Besser ist natĂŒrlich die Kehle rauf. Raus mit der Last, die dir dein Herz einengt. Raus damit. Und deshalb war ich gestern auch so drauf. Ich, der Fotograf Achim. So cool kann kein Mensch sein, daß er immer locker, flockig und spritzig durchs Leben geht. Beileibe nicht. Also gestern, als ich so ein wenig in diesem meinem GefĂŒhlsmischmasch da herumfuhrwerkte, und mir hĂ€tte so richtig, wie sagt man auf Hochdeutsch, die Kante geben können, hab ich natĂŒrlich ĂŒberlegt, was könnste dir denn so reinsaufen? Der Apothekerpiccolo, okay, wenn mich eine Dame mal besucht, die sich recht höflich und freundlich in eine angenehme Stimmungen beschwipsen will, nicht gleich hier bei mir sich zuschĂŒtten möchte, lediglich so ein kleiner Mutmacher, sag ich mal, um mir tief in die Augen zu schauen und mir mit fast unseriöser Stimme entgegenhaucht: “Mein Held, sie sehen heute sehr glĂŒcklich aus.” Ich denke, daß ich fĂŒr eine solche Situation den Apotherkerpiccolo mal im Keller kĂŒhl lagern werde.

Die Frage aber, was ich mir denn zur BetĂ€ubung meiner Seelenqual und zur Regulierung des WĂ€rmehaushalts die Kehle hinabstĂŒrzen hĂ€tte wollen, na was soll ich da antworten?

Nehmen wir das allen SchreihĂ€lsen leicht zugĂ€ngliche, durch das Reinheitsgebot gesicherte und dadurch beliebte Bier. Hopfen und Malz, Gott erhalts. Nun sind mir durch meine lange Abstinenz durchgĂ€ngig die bayrischen Biere unbekannt. Ich kann also ĂŒber die QualitĂ€t der sich abzeichnenden seelischen VerĂ€nderungen da keine Aussagen treffen. Macht es lediglich mehr weinerlich, oder lĂ€ĂŸt es doch mehr die dem Landstrich angedichtete Derbheit in einem solch befeuerten Menschen aufkeimen? Daß er leicht wacklig auf den Beinen und der Konsonanten nicht mehr ganz Herr, sich dennoch robust seiner Frau in den Weg stellt, um ihr einmal in seinem Leben in einem unverstĂ€ndlichen Ton die Meinung zu geigen. Gesetzt den Fall, jemand hat noch ein SchnĂ€pschen ins Glas gemixt, so kann neben der verbalen Entgleisung unter UmstĂ€nden mal ein RĂŒttler, Schubser, NasenstĂŒber den Disput vorantreiben.

Geschmacklich weiß ich also das bayrische Bier nicht zu bewerten. Es ist sonnengelb und trĂ€gt ein hĂŒbsch weißes Schaumkrönchen, wenn dem Wirt der Gast König ist. Ungeschickt, auch unansehnlich sind jedoch die HalbliterglĂ€ser und -krĂŒge, bis hinauf zu den an sich fĂŒr schlanke GitarrenspielerhĂ€nde einfach nicht mehr zu stemmenden Maßkrug. Das alles ist ungut. Ich kenne noch die zierlichen 0,2 l GlĂ€ser, auch die hĂŒbsch auf einem Fuß stehenden PilsglĂ€ser. Was das Bier aus meiner Region angeht, und hier spreche ich vom Altbier und vom Pils-Bier, nicht vom Export, so kann ich in der RĂŒckschau eindeutig den Rat erteilen, nach einer Woche Hannen-Alt die Marke zu wechseln, Köpi, Warsteiner und anschließend das damals von mir geschĂ€tzte Diebels, wenn man diese Reihenfolge beachtet, dann kann man das durchaus ein paar Jahre schön gemĂŒtlich durchhalten. Geschmacklich ist aber keins der Biere ein wirkliche Offenbarung, und vom Geruch her ziehe ich den Duft leichten Lavendels vor. Um einen wirklich anstĂ€ndigen Rausch mit Bier zu erzeugen, sollte man keine Scheu haben, einen ganzen Abend einzuplanen und fĂŒr genĂŒgend Unterhaltung zu sorgen.

Heikler ist der Wein. Denn hier geht es, wie ich immer hĂ€ufiger mitbekomme, schließlich in erster Linie um den Genuß. Ich höre oft: “Ein guter Wein. Ein herrlicher Tropfen.” Und ich möchte da garnicht einschreiten und Bedenken anmelden, denn der letzte Wein, war es ein roter oder weißer, das alles liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurĂŒck, ich weiß es nicht. Ich erinnere mich an so große Weine wie “Edler von Mornak” und “Amselfelder”, das sind beides sehr krĂ€ftige Sorten und wenn die ersten beiden GlĂ€ser unten bleiben, dann dĂŒrfte erst am nĂ€chsten Morgen oder Übermorgen wieder mit Problemen zu rechnen sein. Auch hier kann ich keine guten RatschlĂ€ge oder Hinweise erteilen, keine Produktempfehlung aussprechen. Ich schnappe mal hier ein Wort, da ein Schmatzen und Schlurfen und Gurgeln auf, aber ob ich mich auf einen fremden Gaumen verlassen kann. Wenn ich in Gesellschaft also abwinke, mit der Antwort auf den Hinweis: “Aber den solltest du probieren.” ”Aber nicht grad heute.” So weiß ich ĂŒber Wein nicht allzuviel zu sagen. Außer daß er schneller besoffen macht, als das harmlosere Bier. Man muß vielleicht auch nicht so hĂ€ufig zum HĂ€ndewaschen.

Gut, ein QualitĂ€tssprung hinsichtlich des Alkoholgehalts erwartet uns in der Fachabteilung fĂŒr KrĂ€uterlikörfeinwaren. Die reiche Auswahl an diesen magenfreundlichen BittergetrĂ€nken kann dem Leidenden allabendlich, und auch zwischendurch auf dem Weg wohin, ein hilfreicher Begleiter sein. Ich erinner mich, daß, sollte es diesen KrĂ€uterschnaps noch geben, der JĂ€germeister ganz ordentlich aufgenommen wird, wenn man gleich hinterher mit etwas Bier nachspĂŒlt, um die einsetztenden körperlichen und seelischen VerĂ€nderungen ein wenig abzufedern und leichter steuerbar zu gestalten. Mit der Kombination von KrĂ€uterschnaps und Bier habe ich mir sozusagen die Welt doppelt gesoffen. Wenn dann die Freundin auf dem Absatz kehrt machte, hoffte ich, das die andere bleiben wĂŒrde. Aber irgendwie gingen beide, wenn ich ĂŒber die Teppichkante stĂŒrzte. Hier wĂŒrde ich sagen, im bayrischen Raum, eine recht geglĂŒckte Paarung.

Und da wĂ€ren wir dann schon sehr weit im anderen Teil Deutschlands, wo der Klare, der Doppelkorn und der Bommerlunder fĂŒr die Landschaft prĂ€gender sind. SchĂŒtteln tuts den Körper kurzzeitig, rinnt der in sehr kleinen GlĂ€sern servierte StĂ€rkungstrunk den durstigen Hals abwĂ€rts. Auch hier kann man gleich ein Bierchen hinterhertun, um den enormen Aufschlag im Magen milder parieren zu können. Aufmerksamkeit ist auch hier oberstes Gebot.

Ganzlich abzuraten ist von gesĂŒĂŸten Likören, und hier ist mir der Coantro in ĂŒblester vager Erinnerung. Ein solch großes Kopfkissen habe ich nicht gefunden, um den von teuflischen Schmerzen brennenden SchĂ€del halbwegs sicher zu betten. Das Zeugs bringt garnichts, außer eben enormen Verdruß, gerade auch im engsten Familienkreis.

Sehr mĂ€nnlich ist dagegen Whisky. Witzki, wie ich gerne kolportiere. Es ist ein GetrĂ€nk fĂŒr den gestĂ€rkten Mann von Welt und lĂ€ĂŸt im Grunde keine Nuance aus. Von sehr leichter WĂ€rme bis zu grundloser Heiterkeit lĂ€ĂŸt sich auch ein Rausch erzeugen, wie er exorbitanter und kaleidoskopmĂ€ĂŸig von nichts in der Welt ĂŒbertroffen werden kann. Ich setzte mich 1982 in einem Anfall von unbedingtem GrĂ¶ĂŸenwahn an den Rundtisch in der KĂŒche, neben der auf mich wartenden Schreibmaschine stand ein Flasche Racke Rauchzart. Und als ich mich am spĂ€ten Morgen verwundert am Stuhlbein hinaufzog zum Tisch, um meine Schreibleistungen der Nacht zu wĂŒrdigen, war ich völlig ĂŒberrascht, daß ich auch in einer mir völlig fremden Sprache zu schreiben in der Lage war. Ein Übersetzer, ein Mann des Rotweins, hatte allerdings seine Probleme.

All dies waren meine gestrigen Überlegungen, mit was ich mich sozusagen mal betĂ€uben könnte. Ein Glas Apfelschorle mußte dann her, weil mir denn doch der Mund recht trocken geworden war.

Version vom 27. 01. 2008 00:03

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