Die Kerze leuchtet in der tiefen Mulde

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die Kerze leuchtet in der tiefen Mulde
und mischt die Wirbel der durchwachten Zeit,
ich weiß genau, dass ich ihr vieles schulde,
und die Sekunden geben mir Geleit.

Die Kerze leuchtet durch des Windes Hose,
das Gras bläst Töne übers laue Feld,
ein Käfer krabbelt langsam zur Mimose,
die ihre Blätter zu - und zitternd - hält.

Ein Apfel fällt herab aus einer Wolke,
ein Säugling schreit nach einer Mutter arg,
er lebt sich ein in seinem schwarzen Volke
und liegt den ganzen Tag in seinem Sarg.

Das Mondlicht scheint auf ein paar Schwanenflügel,
der Morgen graut, die Jungfrau muss jetzt fort,
sie flattert rastlos über einen Hügel
bis hin an einen weit entfernten Ort.

An den geheimen Ort kannst du nicht kommen,
ein Haus kreist langsam auf dem Hühnerbein,
zum Fenster schaut, man sieht es nur verschwommen,
die alte Frau und lädt mich zu sich ein.

Mit einer unbekannten Hexe schweben
im dunklen Glimmer einer großen Macht
erschafft mir sieben neue junge Leben
und lässt mich leuchten schwarz in tiefer Nacht.
 

Walther

Mitglied
Moin Bernd,

es muß nicht alles einen diskreten Sinn haben, besonders wenn es so vollendet formuliert daherkommt. Wiewohl: Man ist erinnert an die Feensagen und Geschichten esoterischer Literatur, nur daß man das Gefühl nicht loswird, daß der Autor darin trefflich schwelgt, ohne es in Gänze richtig ernst zu nehmen.

Schönes Reimwerk. Gratuliere!

Gruß W.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke, Walther

Baba Jaga blickt aus dem Häuschen auf dem Hühnerbein und frisst alle Fremdlinge auf. Ihr Haus ist umgeben von einem Zaun mit dreizehn Pfosten und auf zwölf dieser Pfosten seckt ein Totenschädel, ein Pfosten ist noch frei. "Huh, ich rieche Menschenfleisch!", ruft die alte, und der Drachen entführt die Jungfrau. Iwanuschka wird sie befreien. Wir wissen das.
Vor dem Haus spielt ein einsamer Wanderer seine Dada-Schalmei.
 



 
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