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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Kerzen flackern schon
Eingestellt am 05. 12. 2003 01:01


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mye
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Die Kerzen flackern schon


Die Kerzen flackern schon, als der kleine Phillip ins Zimmer tritt. Ein Glanz ist in seinen gro├čen Augen erkennbar, als spiegeln sich die tanzenden Flammen darin und das Gl├╝ck ist ihm ins Gesicht geschrieben. Vor den geschm├╝ckten Fenstern fallen noch zahlreich kristallwei├če Schneeflocken, schweben zeitweise vom leisen Wind getragen durch die angenehm k├╝hle Luft und legen sich schlie├člich zu einem langen Schlaf auf den bereits zugedeckten Boden, die winterkahlen ├äste, die sich im selben Windhauch gef├╝hlvoll bewegen und auf die H├Ąuser, die scheinbar wie m├╝de Tiere unter der riesigen wei├čen Decke zu einem Winterschlaf verschwinden. Erst vor vier Tagen hatte es begonnen, zu schneien, doch bereits zu Beginn des Dezembers hoffte Phillip auf die weihnachtliche Pracht und ist nunmehr umso gl├╝cklicher, dass es doch noch dazu kam. So blickte er also seit geschlagenen vier Tagen aus allen m├Âglichen Fenstern und genie├čt die zunehmende Ver├Ąnderung der Umgebung zu einer wunderbar ausgepr├Ągten Winterlandschaft, wie er sie aus seinen Kinderb├╝chern kennt. Es ist dann immer schwer, ihn zum Essen oder zu anderen Aktivit├Ąten zu holen. In solchen Momenten scheint es, als geselle sich Phillips Gem├╝t neben ihn an die teils beschlagene Fensterscheibe und streichelt seine warmen Wangen.

Die Kerzen flackern schon, als der kleine Phillip ins Zimmer tritt. Der bereits geschm├╝ckte Baum gl├Ąnzt in roten und silbernen Farben und auf der hohen Spitze leuchtet ein goldener Stern. Phillip betrachtet den Baum, als w├╝rde er einen solchen zum ersten Mal in seinem Leben sehen. Es ist praktisch in jedem Jahr dasselbe Ph├Ąnomen. Phillip steht in der T├╝rschwelle, verharrt ein jedes Mal sobald er den pr├Ąchtigen Tannenbaum erblickt und dann rollt -man kann sich darauf verlassen- eine dicke Tr├Ąne, entstehend aus einem immer wiederkehrenden kindlichen Staunen und dem daraus resultierenden Gef├╝hl von purem Gl├╝ck und innerer Zufriedenheit. Viele der im Raum versammelten Personen k├Ânnen diesen Anblick dann meist auch nicht ohne eine Tr├Ąne genie├čen und so dauert es nicht lange bis der Raum von einer Magie menschlicher Empfindungen erf├╝llt ist, die jene Zufriedenheit in einer sanften Woge, ├Ąhnlich der tanzenden Schneeflocken, angenehm durch die etlichen Gef├╝hlswelten treiben l├Ąsst. Das Lachen in Phillips Gesicht ist dann jedoch das gr├Â├čte Geschenk an diesem besinnlichen Abend.

Die Kerzen flackern schon, als der kleine Phillip ins Zimmer tritt. Und es scheint, als hause wahres Leben in den Flammen, die sich gekonnt von einer Seite zur anderen winden. Dann sieht er die vielen Geschenke und die unterschiedlichen Motive auf dem Papier, mit dem sie so liebevoll umwickelt sind. Einzeln bewundert er die farbenfrohen Bilder -die l├Ąchelnden Schneem├Ąnner und gleitenden Rentiere- und sie entz├╝cken ihn tief im Inneren seiner Seele und zaubern ein erneutes Lachen auf sein beeindrucktes Gesicht. Dann zeigt seine Mutter in Richtung des Fensters und wieder umgarnt ihn der Anblick von den fliegenden wei├čen Flocken und Phillip l├Ąchelt, l├Ąuft zum Fenster und niemand hindert ihn daran, vorerst einige Minuten dort zu verbleiben, um die winterlandschaftlichen Bilder aus seinen Kinderb├╝chern in Erinnerung zu rufen und mit dem augenblicklichen Bild zu vergleichen; so ziehen sie wie leicht verblichene Aquarellmalereien durch sein Ged├Ąchtnis und hinterlassen eine kraftvolle Spur von warmen Kindheitserinnerungen.

Vor vier Tagen hatte es begonnen, zu schneien und mittlerweile zwanzig Jahre ist es her, als ihn die Krankheit befiel. Es war zur Adventszeit, da erlangte ihn und seine Familie die ├Ąrztliche Diagnose, die eine letzte Erkl├Ąrung f├╝r seine st├Ąndigen Kopfschmerzen lieferte. Phillip ist nun bereits 38 Jahre alt und lebt ebenfalls seit einigen Jahren auf einer Station f├╝r psychisch Kranke in einem Heim. Dennoch ist es die Weihnachtszeit, die ihn am meisten erf├╝llt. Und so beginnt er stets, am Anfang des Dezembers auf Schnee zu hoffen, sieht ihn sich, wenn er denn da ist, stundenlang durch die beschlagene Scheibe seines Zimmerfensters an und denkt mit freudiger Erwartung an Heiligabend und die beiden Weihnachtsfeiertage, die er noch immer zu Hause verbringt. Und wenn er dann wieder in der T├╝rschwelle steht, die gro├čen, staunenden Augen auf den Weihnachtsbaum gerichtet und das Lachen in seinem Gesicht, dann ist es, als st├╝nde der kleine Phillip in dem gef├╝llten Raum und in seinen Augen spiegeln sich die lebendigen Flammen der Kerzen, als k├Ânnte man die ewige Flamme seines Herzens erkennen.


Und so w├╝nsche ich eine angenehme Adventszeit.

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Rainer
???
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hallo mye,

es ist ein sehr sch├Âner text. am meisten haben mir die ersten drei abschnitte gefallen, vor allem da du die "pointe" im zweiten so sch├Ân vorbereitest.
den letzten abschnitt empfinde ich dagegen verschenkt.
bist du an textarbeit interessiert? dann w├╝rde ich dir vorrschlagen, den letzten abschnitt zu straffen, und so eine echte kurzgeschichte entstehen zu lassen.
wenn du m├Âchtest, gehe ich n├Ąchste woche mal mit dem stift ├╝ber den text und streiche alles an, was meiner meinung nach "unstimmig / ungl├╝cklich" ist.

du und der text - da ist potential vorhanden .


viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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mye
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:-)

ich danke dir sehr f├╝r deinen kommentar und freue mich insbesondere dar├╝ber, dass du ihn dir nochmal "vornehmen" m├Âchtest... also, selbstverst├Ąndlich und sehr gerne kannst du das machen. na, dann warte ich mal ab und w├╝nsche noch ein sch├Ânes wochenende.

lieben gru├č

andr├ę
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Parsifal
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Hallo mye,

eine Kleinigkeit ist Dir am Anfang Deiner Geschichte entgangen:

ÔÇŽund legen sich schlie├člich zu einem langen Schlaf auf den bereits zugedeckten Boden, den winterkahlen ├ästen die winterkahlen ├äste, die sich im selben Windhauch gef├╝hlvoll bewegen und den H├Ąusern die H├Ąuser ÔÇŽ

LG
Parsifal

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mye
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vielen dank

f├╝r den hinweis... stimmt nat├╝rlich und ich habs auch gleich ge├Ąndert !

lieben gru├č
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Andrea
???
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6 von 10 Punkten

Die klare Struktur des Textes gef├Ąllt mir gut, auch die stetige Wiederkehr des ersten Satzes. Aber ansonsten gibt es einige Dinge, die sich eher l├Ąstig wiederholen; das Kinderbuch etwa ist einmal stimmig, beim zweiten Mal empfinde ich es als ├╝berfl├╝ssig. Deine Flammen sind arg besch├Ąftigt, tauchen zu oft auf.

Der letzte Absatz wirkt etwas aufgepfropft und k├╝nstlich; er pa├čt sich nicht so harmonisch ein wie die beiden vorangegangenen Abs├Ątze, und das ist schade, weil du in den ersten drei Abs├Ątzen eine gewisse Spannung aufbaust, die zwar inhaltlicht, nicht aber sprachlich im letzten Absatz aufgel├Âst wird.

(Wird irgendwie klar, was ich meine?)

Vielleicht solltest du den Eingangssatz auch im letzten Absatz beibehalten; ach ja, und bitte ├╝berpr├╝f das Tempus im ersten Absatz, da geht einiges durcheinander. Au├čerdem m├╝├čtest du bei "als spiegeln sich die Flammen darin" und bei "und streichelt seine warmen Wangen" erkennbaren Konjunktiv benutzen.

Fazit: es ist mit Sicherheit ein stimmungsvoller Text, bei dem es einem aber manchmal ergeht wie bei Waffeln mit zuviel Puderzucker - nach drei St├╝ck ist einfach Schlu├č. Allerdings besticht er durch seine klare ├Ąu├čere Struktur, die jedoch im Innern des Textes im Detail vermi├čt wird.
__________________
Andrea Rohmert

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mye
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Registriert: May 2003

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ich danke dir f├╝r diesen ausf├╝hrlichen kommentar und werde mich diesbez├╝glich nochmal ├╝ber den text "hermachen" also, noch eine sch├Âne woche w├╝nsche ich und lieben gru├č!

mye
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