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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Kettenfrage
Eingestellt am 29. 11. 2005 15:47


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Ohrensch√ľtzer
???
Registriert: Oct 2002

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Faszinierende Großstadt im täglichen Wahnsinn: Mensch lärmt neben Mensch, eine ameisenhafte Masse wälzt sich umeinander den breiten Gang hindurch, und wie eine Kaulquappe im Schnorchel schwimme ich mit.

Aus der Menge, deren einzelne Komponenten so wenig ausmachbar sind wie deren Gesamtfarbe von ganz weit oben betrachtet, erscheint nun ein breiter, gro√üer K√∂rper, eindrucksvoll in seiner Figur. Ein zu kleines, braunes H√ľtchen auf dem Kopf entkr√§ftet die Autorit√§t, ein schmales, lugendes Auge fokussiert mich.

Seine Frage kommt unvermutet, direkt und in keinerlei offenbarem Zusammenhang zur Situation, und dementsprechend verwirrt ist mein Gesichtsausdruck: ‚ÄěHaben Sie Zeit?‚Äú. Der Gro√üstadtbewohner kennt Fragen solcher Art von Bettlern, Keilern, Verk√§ufern von Abonnements der Gewissensentlastung ‚Äď aber hier ist irgendetwas anders.

Die Antwort entschwindet sp√§ter spurlos meinem Ged√§chtnis, jedoch gibt die Frage den Anstoss zu einer andauernden Gehirnt√§tigkeit, jede Schlussfolgerung die n√§chste an Geschwindigkeit √ľbertreffend. Nein, will ich zuerst sagen, um jede unpassende Ann√§herung dieser mir nicht allzu angenehmen Person zu vermeiden. Ja, ist mein n√§chster Gedanke, nachdem ich erkannt zu haben glaube, dass er am Rand stehen geblieben war und sich ungew√∂hnlicherweise einen Platz im Gedr√§nge erbitten und nicht erk√§mpfen wollte, als w√§re es eine Supermarktschlange.

Die Frage im eigentlichen Sinn kann wohl niemand beantworten. Ob man in seinem weiteren Lebensverlauf viel oder wenig Zeit zur Verf√ľgung h√§tte, bleibt dem Philosophen verborgen. Aber vielleicht geht es dabei nicht um den Absolutwert der verbleibenden Zeit, sondern um die subjektive Einsch√§tzung derselben und die geplante Unterteilung. Ist noch Raum vorhanden, Flexibilit√§t? Habe ich Zeit zu verkaufen, Zeit zu verschenken?

So unvermittelt, wie er gekommen ist, entschwindet die zwiesp√§ltige Person vor mir im Get√ľmmel, Sympathie erregend wegen des Denkanstosses, aber auch Irritation. Ich muss kurz am Rand stehen bleiben und dar√ľber nachdenken. Was w√ľrde wohl ein anderer, willk√ľrlich gew√§hlter Passant auf die Frage antworten? Da sehe ich schon einen Kandidaten‚Ķ
__________________
Der Ohrensch√ľtzer

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