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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Korpulente
Eingestellt am 07. 04. 2002 19:06


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pit staub
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

Werke: 4
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Die Korpulente



Frau Giezendanger, Elsi Giezendanger ist 74 Jahre alt. Sie haust – seit Menschengedenken - in einem schmucken schweizerischen Weindorf . Frau Giezendanger ist korpulent, fett, und fast unanständig feiss. Sagt sie. Sie lacht gerne, die Frau Giezendanger – derb - kräftig – zumeist. Mögen tut sie mich, die Frau Giezendanger. Ich sei – sagt sie – gewiss ein guter Mensch. Und dass, sie mich nehmen täte, wenn sie nochmals 20 sein würde. Die über 50 Ehejahre mit ihrem Mann - dem Eisenbahner Erich - sei die tiefste und schwärzeste Hölle gewesen. Sie sei als Lustobjekt, Gebärmaschine, Putzfrau und Dienstmädchen gerade recht gewesen. Auch habe sie ihn, mehrfach die Woche oral verwöhnen müssen. Tiefer Ekel und stetiger, übler Brechreiz sei die Folge gewesen. Da habe sie mit der Fresserei begonnen. Völlerei betrieben so zu sagen. Da sie schon in ihrer Jungmädchenzeit dicklich und gut genährt gewesen sei, habe sie unweigerlich zugenommen wie ein Alpschwein. Bewusst habe sie das gemacht. Schliesslich habe er sie nicht mehr begehrt, was sie sich erhofft, und erwünscht habe. Die Rechnung - für sie - sei also aufgegangen. Nur noch selten habe sie ihm in der Folge Einen Blasen müssen. Dies zumeist, wenn er stockbesoffen war, und, drohte sie zu schlagen. Dass, er dann aber den halben Zahltag in die Freudenhäuser getragen habe – mit dem habe sie nicht gerechnet. Und so sei sie wohl schlussendlich doch die Dumme gewesen. Jeder Versuch später wieder abzunehmen sei gescheitert. Dass, sie in der Folge ihren Körper – zumeist im Sommer – einem Alpknecht zu schenken vermochte, bereue sie nicht. Der sei ausgehungert gewesen, und den habe sie beglückt. Und er sie. Zum ersten Male habe sie da auch einen Orgasmus gehabt. Das Gute an der Sache sei, dass sie sich jetzt als Siegerin fühle. Ihr Mann habe da wohl ganz schön Zweiter gemacht. Jetzt lacht sie wieder, Frau Giezendanger.
Es ist heimelig – Holzofenwarm, in der stattlichen Gaststube des „ Schwanen“ , in eben diesem Weindorf. Die rechte Hand der Frau Giezendanger greift unentwegt in eine Tüte mit trockenem, spiralförmigem Gebäck. Ein Pfund „Aktionschrömli“ verdrückt Frau Giezendanger in genau 16 Minuten.
So geht das!


Pit Staub März 2002



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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

was will uns der dichter sagen?

lad das doch mal unter erotisches ab, vielleicht haben die ja eher einen clou, was die aussage des werks ist als ich.

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eve collie
Hobbydichter
Registriert: Mar 2002

Werke: 6
Kommentare: 13
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die korpulente@annabelle g.

Liebe annabelle,
ich finde, dass Pit mit dieser Geschichte einen Zustand in vielen Ehen beschrieben hat. Diese "Arrangements", mit der jeweiligen Situation fertig zu werden, habe ich bei kinderschutzmäßig betreuten Familien gefunden, aber auch bei intakten "normalen" Familien, wenn ich einen Blick hinter die Fassade werfen konnte. Dabei war es nicht immer so heftig wie in der Geschichte, aber doch manches Mal "hart an der Grenze", wie man so sagt. @Pit: oder habe ich hier zuviel hinein interpretiert und Du wolltest wirklich nur unterhalten....? Gruß von eve

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
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..........

Solche Geschichten gibt es zu Hauf. Diejenigen, die sie erleben schweigen .... und wer wollte sie schon hören.

Mir gefällt der Erzählstil Protokoll, indirekte Rede. Er macht es autentisch.

Etwas mehr Sorgfalt im Detail bitte Pit ;-)
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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pit staub
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

Werke: 4
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Hallo an Alle,

Herzlich bedanke ich mich über die Kritiken. Reaktionen vermögen doch immer zu erfreuen.

@ eve Diese Geschichte der korpulenten Frau hat mich irgendwie gerĂĽhrt, oder eben berĂĽhrt. Die Dame hatte eine seltsam - faszinierende Austrahlung.

@ itsme Hab Dank fĂĽr die gute Benotung.

Herzliche GrĂĽsse
Pit

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Was uns der Dichter sagen will...

ist, dass da draussen das pralle Leben herrscht und Pit hat das gekonnt erzählt und rübergebracht. Authentisch, wie itsme schon anmerkte.
Denn letztendlich handelt diese Skizze von dem Schicksal eines Menschen, und der muss nicht immer Sieben Jahre in Tibet gewesen sein, die Atombombe erfunden haben oder auf der letzten Globalisierungsgegnerdemo gewesen sein, damit man ihn, diesen Menschen, interessant findet.
Findet jedenfalls
Elsa

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