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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Kritik
Eingestellt am 21. 10. 2017 20:18


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Fencheltee
Leere-BlÀtter-Hasser
Registriert: Jul 2017

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Er fĂŒhlte sich gekrĂ€nkt und wurde infolge dessen traurig, weil er tief in seinem Innern erkannte, dass die Kritik nicht unberechtigt war. Er mochte doppelte Verneinungen, denn er empfand diese schon immer als angenehmen rethorischen WeichspĂŒler, wenn es um GefĂŒhle ging. Dieses Mal reichte das aber nicht aus, um sein Weltbild wieder zurecht zu rĂŒcken. Das Bild einer vergessenen Kindheitserinnerung schlich sich in sein Bewusstsein. Darin war er ein kleiner Junge, der etwas wollte, was er nicht bekam und sich deswegen brĂŒllend, heulend und mit den FĂ€usten trommelnd auf den Boden warf. Ganz so simpel war der Hintergrund dieses RĂŒckblicks allerdings nicht. Es steckte mehr dahinter. Er hatte nicht nur etwas gewollt, nein, er hatte eine Idee gehabt, die er in die Tat umsetzten wollte. Leider war die Natur seiner Idee so angelegt, dass er dafĂŒr Hilfe brauchte. Die bekam er aber nicht. Aus ihm unverstĂ€ndlichen GrĂŒnden verweigerte sich alles und jeder, der ihn bei seinem Vorhaben unterstĂŒtzen sollte, seinem gerade innigsten Wunsch nach dessen Verwirklichung. Obwohl er nun ein erwachsener Mann war, der sich selbst vorwiegend rationale Eigenschaften zuschrieb, fĂŒhlte er sich bis gerade eben, kurz vor diesem Moment, genau so wie damals. Am liebsten hĂ€tte er sich auf den Boden geworfen und begonnen wie ein kleines Kind jĂ€mmerlich zu lamentieren. Aber statt dessen kam es anders. Fast unvermittelt traf ihn der Schlag der kritischen Äußerung aus völlig unerwarteter Richtung bis ins Mark. Zuerst war er fassungslos und schockiert. Insbesondere deswegen, weil die Kritik direkt und unverhohlen den Kern seiner Idee in Frage stellte. Sie wurde entwurzelt und ihrer Grundlage beraubt. GekrĂ€nkt wandte er sich von der Quelle der Kritik ab. Dann wurde er traurig. So traurig, dass es ihm schwer fiel die TrĂ€nen zurĂŒck zu halten. Nach einer Weile, wie lange genau es gedauert haben mochte wusste er spĂ€ter nicht mehr genau - es hĂ€tten Tage, Monate oder aber auch Jahre sein können -, wurde ihm nach und nach bewusst, dass die Kritik eigentlich ein Werkzeug war, das sich wie ein Keil zwischen sein Ego und sein Selbstmitleid bohrte und eine neue Sichtweise auf die Situation ermöglichte. Der Ärger, der zunehmend wachsend und sich ins Maßlose steigernd seine anfĂ€ngliche Trauer ĂŒber die Kritik in ihm abgelöst hatte, verkroch sich und wandelte sich in das Gegenteil. Durch seinen, von den DĂ€monen scheinbar falscher Emotionen getrĂŒbten Blick sah er plötzlich klar und deutlich einen Sinn darin. Es handelte sich um eine Aufgabe, die er bewĂ€ltigen musste und die Kritik hatte ihn dazu befĂ€higt ĂŒber den Tellerrand zu schauen um festzustellen, dass da mehr war, als er jemals hĂ€tte erwarten können. Plötzlich war er fast glĂŒcklich darĂŒber, dass die Kritik den Weg zu ihm gefunden hatte. Nein! Er war es nicht nur fast, sondern wahrhaftig. Danke dafĂŒr. Dieses Mal ging er gestĂ€rkt aus der Situation hervor und er wandte sich seiner nĂ€chsten Aufgabe zu. Er bemerkte, dass bereits eine neue Idee in ihm reifte.
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Ein Traum, den du alleine trÀumst, ist nur ein Traum. Ein Traum, den du gemeinsam trÀumst, ist Wirklichkeit.
[John Lennon]

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Wipfel
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Hi Fencheltee, zunĂ€chst klingt dein Werk wie der Bericht einer/s (Hobby-)Psychologi/en. Sehr distanziert, von außen betrachtend. Wetten, dass der Text gewinnen wĂŒrde, wenn die ErzĂ€hlstimme mehr von sich und dem Prot entblĂ€ttern wĂŒrde? Ich gehe davon aus, dass es ein fiktiver Text ist - und da wĂ€re es doch gar nicht schwer GefĂŒhle einzubauen. Egal ob Liebe oder Hass. Oder GleichgĂŒltigkeit. Der Text wĂŒrde gewinnen - und der Autor/die Autorin nix verlieren.

GrĂŒĂŸe von wipfel

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