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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Liebe der Katzen
Eingestellt am 12. 09. 2003 16:55


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Axen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

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Meine fĂŒnf Katzen sind immer noch meine Freundinnen. Trotz allem was ich ĂŒber sie weiß, liebe ich sie mehr als jeden anderen Menschen. Und sie lieben mich, denn ich gebe ihnen gutes Futter. Ich weiß nicht ob die Liebe, die sie mir gegenĂŒber empfinden, eine zĂ€rtliche Liebe ist oder ob sie eine abhĂ€ngige Liebe ist. Vielleicht lieben Sie mich auch, wie ein schwuler Graf seinen Kammerdiener. Vielleicht schĂ€tzen sie mich, weil sie mich manipulieren können, ausnutzen, aus mir einen Handlanger ihrer animalischen Triebe gemacht haben.


Ich weiß es nicht, doch wir lieben uns.


Ich war verheiratet. Meine Frau schleppte in der vierten Woche unserer kurzen Ehe ein Katzenpaar an. Sofort machten sie Kinder. Vier Weibchen. Ich ließ dem Kater die Eier abschneiden und ab da stank die Wohnung weniger und es kamen keine Katzenjunge mehr zur Welt.


Das DreckstĂŒck hat mich verlassen. Sie hatte angefangen, den tĂ€towierten Kioskbesitzer, bei dem sie mir jeden Morgen die Bildzeitung holte, zu vögeln.
"Schatz ich liebe dich.", hatte sie immer gesagt, wenn sie mir die Zeitung vorlegte. An dem Tag als sie mich verließ, sagte sie "Schatz ich liebe dich nicht mehr und ihn auch nicht aber wenigstens keult er mich ordentlich.", dann ging sie und nahm den Kater mit.


Ich gehe fast nie aus. Meine Katzen brauchen mich. Ab und an vögle ich eine Hure, die in ihrer Einraumplatte abends zahlende GÀste empfÀngt. Das ist alles. Wir leben in Trennung. Die Scheidung lÀuft.


Das Katzenfutter aus dem Supermarkt ist grauenvoll. Ich bin mir sicher, sie mischen da nur AbfĂ€lle hinein. Wie kann ich meinen Katzen, die mir treu bleiben, mir ihre kleine Liebe geben, halbverfaulte Kadaverscheiße in Aspik geben? Hackepeter kann ich nicht bezahlen. Zu teuer, die Alte und ihr Anwalt haben mich abgezogen wie nichts Gutes. Ich dachte "was bist du doch fĂŒr ein Versager. Du kannst deine Frau nicht richtig durchziehen und deine Katzen mĂŒssen Scheiße fressen." Das musste anders werden. Ich liebe meine Katzen, die meine Frauen wurden, die mich nicht verlassen. FĂŒr drei vier Wochen ist ihr frisches Abendbrot noch sicher, dann gibt es wieder Tixx aus der Dose.


Minka war die erste, die zu mir kam. Sie fickt keinen anderen Kerl mehr, denn sie liebt mich auf ewig. Ein schönes bleiches Weib mit roten Haare. Dann kam Mausi, dunkelblond, lange Haare, etwas moppelig. Es folgten Murrli, Witwe mittleren Alters aber noch sexy, Schnuffi, die Junkiebraut mit dem mageren Blick und Lulli, eine insolvente Boutiquenbesitzerin, mein Liebling.


Mögen Sie Pilze? Ich liebe Pilze und meine Frauen lieben sie auch. Sie dĂŒrfen sie jetzt nicht mehr essen, natĂŒrlich nicht, aber eine gute Pilzmahlzeit im Leben ist ok. Sie hatten alle eine besonders gute Pilzmalzeit, obwohl wir mitten im Winter sind. Gelber Faltenschirmling, Leucoprinus Birnbaumii fĂŒr mich, Lepiota Citrophylla fĂŒr die Damen. Es war nicht leicht, diese Delikatessen zu beschaffen. Man braucht schlechte Blumenerde, eine ĂŒberheizte Wohnung und viel Geduld. Irgendwann steigt er aus den Blumentöpfen auf, diese aromatische Pilzgeruch, den man aus der Kindheit kennt, als man mit Onkel Paul in die Pilze ging. Schwefelgelbe Köpfe recken sich aus dem fauligen Boden unter der Zimmerlinde und schon bald kann man ernten, wenn man GlĂŒck hat, das ganze Jahr. Man muss nur aufpassen, dass man die sehr Ă€hnlichen Arten nicht verwechselt.


Minka war begeistert von dem Abendessen.
"Vertrau mir, ich bin mit ÂŽdem PilzÂŽ aufgewachsen!" dieser Satz zog bei ihr und er zog nacheinander bei den anderen. Sie vertrauten mir und meinem "RĂŒhrei mit Speck und Pfifferlingen". Ihr Vertrauen hĂ€lt bis heute an, wenn auch in anderer Form. Die KrĂ€mpfe, die Atemnot und schließlich der Kreislaufstillstand, all das war ein kleiner Preis dafĂŒr, dass sie nun fĂŒr immer von mir versorgt werden und ihre seidigen Pelzchen gekrault bekommen.


Glauben Sie an Wiedergeburt? Ein tröstlicher Gedanke, nicht wahr? Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass es Wiedergeburt und Seelenwanderung gibt. Sicher, als aufgeklĂ€rter Mensch ist man allzu leicht versucht, die Praxis einiger Völker, die Hirne erlegter Feinde zu essen, um dessen StĂ€rke und Potenz zu erlangen, als Aberglauben abzutun. Vielleicht ist es das auch. Aber ich habe den Beweis, dass zumindest Seelenwanderung RealitĂ€t ist. Nicht wahr meine Lieben? Esst, die TiefkĂŒhltruhe ist noch voll!


(c) H.E.Axen


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Donna_mobile
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GefÀllt mir!

Aggressiver Einfallsreichtum gepaart mit fehlender Diszipliniertheit, ungehobelt, frech und direkt.
Sarkastisch und grausam, zynisch und brutal!

Mit verzweifeltem Humor hast Du ein sehr boshaftes Zerrbild gezeichnet. Jedem Satz ist viel Frust anzuspĂŒren. Die Sprache ist hart und direkt, ohne Verschönerungen aber auch nicht anklagend.
Das pervers-schwĂŒle und Milieu, in dem sich der Protagonist suhlt, ist gelungen und gewollt ekelerregend
dargestellt. Doch zwischen dem „ganzen Dreck“ steckt auch sehr viel GefĂŒhl – man muss es nur lesen können.

DM

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Michael Schmidt
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Hallo Axen,

der vorletzte Absatz verwirrt. Es sind doch die Damen die abnippeln, nicht die Katzen. Das könntest du klarer rausstellen.
Ansonsten schließe ich mich dem Lob an.

Bis bald,
Michael

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Axen
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hallo michael,

ja es sind die frauen aber so genau wollte ich das gar nicht sagen, denn es ging nicht so sehr um den mord als um die austauschbarkeit der fleischlichen hĂŒllen, in die der protagonist seine geliebten hineinblendet.

vielleicht mache ich aus dem letzten "esst" ein "fresst" dann mĂŒsste es deutlicher werden aber dann könnte auch die aussage gestört werden, dass er die katzen ja nicht als gewöhnliche tiere sieht sondern als seine frauen (siehe erster absatz: seine katzen sind ihm lieber als "andere menschen")

könnte die verwirrung am ende nicht gerade ein ausdrucksmittel des textes sein? ich bin mir nicht sicher, was sie beim leser erzeugt. eine gewisse ratlosigkeit finde ich persönlich recht interessant

bis bald

Hermann

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Michael Schmidt
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Sie vertrauten mir und meinem "RĂŒhrei mit Speck und Pfifferlingen". Ihr Vertrauen hĂ€lt bis heute an, wenn auch in anderer Form.
Die KrĂ€mpfe, die Atemnot und schließlich der Kreislaufstillstand, all das war ein kleiner Preis dafĂŒr, dass sie nun fĂŒr immer von mir versorgt werden und ihre seidigen Pelzchen gekrault bekommen.

Statt sie (2.letzte Zeile ) vielleicht meine Liebsten, das wÀre eindeutiger.

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Donna_mobile
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Hermann,

wenn Dein Pro(le)tagonist seine Frau als „DreckstĂŒck“ bezeichnet, von „Kadaverscheisse“ erzĂ€hlt,
vom „vögeln“, „keulen“, „ficken“, „durchziehen“ und „Eier abschneiden spricht,
brauchst Du Dir m.E. keine Gedanken darĂŒber machen, ob durch den Austausch
des Wortes „essen“ durch „fressen“ die Aussage des Textes gestört wird.

Was meinst Du, Michael?

Gruss
DM
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