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Leselupe.de > Feste Formen
Die Liebe zu den wahren Worten (Sonetten-Ghasele)
Eingestellt am 25. 07. 2016 20:18


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Bernd
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Ich habe mit den Worten hart gerungen --
um sie an allen Orten hart gerungen,
ich wollte schreiben. Dass es dir gefalle,
hab ich mit allen Sorten hart gerungen.

In allen Sprachen suchte ich Ideen
und habe, sie zu horten, hart gerungen.
Eroberten sie meine sieben Sinne,
hab ich mit ihnen dorten hart gerungen.

Doch störte jemand boshaft meine Kreise,
hab ich mit solch Konsorten hart gerungen.
Ich kÀmpfte gegen schwere Niederlagen,
hab vor und hinter Pforten hart gerungen.

Bewarf man mich jedoch mit SĂŒĂŸigkeiten,
dann habe ich die Torten gern verschlungen.

__________________
Copy-Left, samisdada, TrÀger des WikilÀums-Verdienstordens in Rubin

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Mondnein
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ein so nettes Zebra!

frz. "tort" = Unrecht, Beleidigung

Es ist spannend, wie Du das Reimwort "gesungen" vermeidest, aber es gibt ja auch sonst eine FĂŒlle an Ungen.

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sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Bernd
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Der Reim geht ja auch auf "Worten hart gerungen" - außer im letzten Vers, der das Schema durchbricht.

Zu "Tort" gibt es ein schönes Gedicht von Morgenstern, in dem es heißt:

...
»Wie bald, so kommt die Wassermagd
und nimmt - so ist sie -
uns zum Tort
die neue Sumpfuhr neidisch fort!«
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Mondnein
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Melodik

Das ist eine interessante Form - ich glaube, ich habe schon mal so einen Mittelreim bei Dir gesehen: der epiphorisch-rĂŒhrende Haufenreim, der aber am Ende "echt" wird, lĂ€ĂŸt die Versenden blaß in den Hintergrund treten, die Melodievarianten, die aus der Wiederholung inhaltlich-"neue" Verse machen, liegen in der Mitte der Verse. Sie treten in den Vordergrund. Der Vers biegt sich nach vorne, auf den Betrachter zu, wie bei einer variierend sich wiederholenden Melodie, die zwischen anaphorisch-gleiche AnfĂ€nge und epiphorisch-gleiche Auslaute die jeweiligen besonderen Aussagen, die Varianten plaziert.

Es ist wohl zugleich eine Priamel, wie es zur Ghasele besonders gut paßt, mit einer antithetischen Pointe am Ende. Auch in diesem Punkt besonders melodisch.


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Bernd
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Diese Art des Reimes ist auch bei klassischen Ghaselen verwendet worden, sogar recht hÀufig.

Wikipedia Hier klicken gibt als Beispiel:

quote:
Beispiel (Hugo von Hofmannsthal, 1891):

In der Àrmsten kleinen Geige liegt die Harmonie des Alls verborgen,
Liegt ekstatisch tiefstes Stöhnen, Jauchzen sĂŒĂŸen Schalls verborgen;
In dem Stein am Wege liegt der Funke, der die Welt entzĂŒndet,
Liegt die Wucht des fĂŒrchterlichen, blitzesgleichen Pralls verborgen.
In dem Wort, dem abgegriffnen, liegt was mancher sinnend suchet:
Eine Wahrheit, mit der Klarheit leuchtenden Kristalls verborgen 

Lockt die Töne, sticht die Wahrheit, werft den Stein mit RiesenkrÀften!
Unsern Blicken ist Vollkommnes seit dem Tag des SĂŒndenfalls verborgen.


Hier ist die Wiederholung relativ etwas kĂŒrzer. Es geht aber bis zu fast vollstĂ€ndigen Versen, bei denen alles, außer dem ersten Wort identisch ist.
Wenn ich ein Beispiel finde, zeige ich es noch.

Hier sind Übersetzungen von Friedrich RĂŒckert im Projekt Gutenberg.
Hier klicken
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Mondnein
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Ja

Ein wunderbares StĂŒck ist das! In der DurchfĂŒhrung des Themas, und mit dieser sorgenlösenden Pointe am Ende, in der melodischen Gestalt, wie schon dargelegt.


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