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Leselupe.de > Fingerübungen
Die Mini-Saga - exakt 50 Wörter
Eingestellt am 16. 03. 2018 22:55


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gondoliere
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2018

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Die Textform Mini-Saga. 50 Wörter plus kurze Überschrift
Vielleicht ist das Format der Mini-Saga schon allgemein oder wenigstens dem einen oder anderen bekannt. Ich habe es erst dieser Tage in "The Tempest", dem Newsletter von Hier klicken gefunden und fand es spontan als geeignete Fingerübung, um sich in der Textverdichtung zu üben. Damit kann man m.E. die Wirkung des Weglassens und der Aktivierung der Leserfantasie ergründen. Ingrid Weißmann charakterisiert die in Großbritannien während der 80er Jahre entstandene Textform folgendermaßen:

Die Textform der Mini-Saga hat
- meistens eine unerwartete Wendung
- oft dramatische Themen
- häufig eine Mehrdeutigkeit

Die Regeln
1. Die Mini-Saga hat genau fünfzig Wörter.
2. Die Überschrift darf zusätzlich bis zu 15 Wörter lang sein. Kürzer
ist jedoch besser.
3. Die Mini-Saga sollte eine Geschichte erzählen, nicht aber
Stimmungen ausmalen und Szenerien, Vorgänge oder Dinge detailliert
beschreiben. Dabei muss sie sich auf die Handlung konzentrieren. Es
kommt also darauf an, treffende Wörter zu finden. Andererseits bleibt
vieles ungesagt, deshalb muss der Leser die Lücken im Geschehen
ausfüllen.
4. Eine Mini-Saga hat - wie andere erzählende Texte - Anfang, Mitte
und Schluss. Sie folgt mehr oder weniger der chronologischen
Reihenfolge der Ereignisse. Die Mini-Saga sollte auf etwas
Unerwartetes, Überraschendes hinauslaufen.

Weitere Informationen: Hier klicken

Das hat mich zu folgender Fingerübung animiert:

Omertà
In Palermo gingen die Lichter aus. Schlagartig, endgültig. Palermo hieß so, weil er von dort stammte. Er war gekommen, um hier in der Fremde sein Glück zu machen. Aber er wurde zum Verräter. Nun habe ich die Decke des Schweigens über ihn gebreitet, wie das Gesetz der Omertà es befiehlt.

Vielleicht findet die Mini-Saga hier jede Menge Nachahmungstäter. Würde mich freuen.

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Silbenstaub
Häufig gelesener Autor
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Hallo gondoliere,
bei der Literaturzeitschrift ‚Asphaltspuren‘ fand Anfang des Jahres ein Wettbewerb statt zum Thema „Am Telefon“ mit der Vorgabe mindestens 150, maximal 200 Wörter zu verwenden. Mit höchstens fünfzig Wörtern auszukommen, ist eine gute Fingerübung.
Neulich fiel mir durch Zufall ein Buch mit Kürzestprosa in die Hände: Überraschung. Die besten Sekundenstorys, hrsg. v. Clara Paul, Insel Verlag Berlin 2015. Vielleicht interessiert es dich.

Nun starte ich auch mal einen Versuch:

Ein Viereck Himmel
Einmal die Küstenstraße entlang mit offenem Verdeck. Sich in die Kurve legen. Lavendelduft. Ein Hauch Zitrone. Pinien. Meer. Grünblau. Ausgeschlafen und frei.
Ihr Lächeln auf dem Beifahrersitz.
Der Wagen sprang sofort an. Keine Wegfahrsperre. Zwei dunkelblaue Uniformen am Ende der Straße.
Mein Blick durch die Gitterstäbe in das schmutzige Grau.

Schönes Wochenende,
Silbenstaub

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Ciconia
Routinierter Autor
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Ein Uhr nachts

Etwa dreihundert Meter von der Straßenbahnhaltestelle bis nach Hause. Plötzlich Schritte hinter mir. Sie werden schneller, meine auch. Ich drehe mich erst um, als ich den Schlüssel ins Gartentor fummele. Der Mann will mir etwas zeigen, behält seine Hände aber bei sich. Er keucht laut, während ich das Tor zuknalle.

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gondoliere
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High Noon

Die Sonne sticht erbarmungslos. Ein elendes Kaff, das. Kaputte Häuser säumen die staubige Dorfstraße. Dünne Glockenschläge wehen über die weiten Felder herüber: Eins, zwei, drei.... Eine Ratte wechselt über die Straße, stoppt auf halbem Weg. Zehn, elf... Ein Schuß. Die Ratte macht einen Salto und bleibt tot liegen. Die Glocke schlägt zwölf.

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Ciconia
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Kurz vor eins

Es schien perfekt. In der letzten Straßenbahn saß ein junges Mädchen, allein. Eine Weile fuhr er nebenher, hielt sich an den Haltestellen zurück. Als sie ausstieg, folgte er zu Fuß. Sie bemerkte ihn, wurde schneller und verschwand hinter einem Gartentor.
Er blieb zurück mit dem, was er ihr zeigen wollte.




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Silbenstaub
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Radomir

Die Ratte Radomir ist noch jung und völlig unerfahren. Sie schwimmt die Spree entlang und ist erschöpft. Sie schaut links und schaut rechts, sie quält sich. Wie komm ich hier raus? Biber Justin kommt herbeigeeilt und sagt: „Ich zeig dir was! Ein Treppchen, nur für mich gebaut.“ Gott sei Dank. BUND sei Dank.

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