Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
335 Gäste und 21 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Moderne
Eingestellt am 30. 04. 2002 12:24


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
carola
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

Werke: 3
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Profil


Anfang der 60er Jahre zog in meine Familie unwiderruflich der Fortschritt ein. Ich war sieben Jahre alt und hatte noch drei Jahre vor mir, in denen ich Zeugin dieser Umgestaltung wurde.

Vor dem Fortschritt lebten wir in einem alten Bauernhaus. Das Reetdach war mit Moos ├╝berzogen, im Fr├╝hjahr beerdigten wir junge Spatzen, die aus ihren Nestern gefallen waren. Das Haus hatte viele dunkle Zimmer, einen langen kalten Flur, ├ľfen, Treppen, Winkel und eine jahrhundertalte Geschichte, die einen begleitete, den Weg zeigte und Halt gab. Im Garten wuchsen uralte B├Ąume, Wege und Beete, von Generationen ausgetreten und gepflegt. Scheunen und St├Ąlle waren eingearbeitet, die Mauern gerundet von der t├Ąglichen Benutzung ihrer Bewohner.

Doch unser Haus lag zu dicht an den gro├čen St├Ądten und meine Eltern waren zu jung, um den Wert der Dinge zu erkennen.

Der Wahn der Moderne griff um sich. An Nord- und Ostseek├╝ste entstanden Betonkolosse f├╝r Urlauber, in den D├Ârfern Wellblechh├╝tten f├╝r Bauern. Krieg und Verw├╝stung hielten Einzug. Wir spielten in den Ruinen. Zwischen alten Dachbalken, eingerissenem Reetdach, eingeschlagenen Erkern, Steinen und Sandw├╝sten im Garten. Gek├Âpfte B├Ąume, niedergetrampelte Beete, ausgerissene T├╝ren und Fenster.

Unser Haus ist damals gestorben, ich habe seinen Geist nie mehr gesp├╝rt, nur in den St├Ąllen sind Reste geblieben, alte Steine und Fenster, die Schwalben, mit ihren unerm├╝dlichen Ein- und Ausfl├╝gen.

Nach drei Jahren Umbau standen wir dann vor dem neuen Haus, einem h├Ąsslichen, sterilen Klinkerbau, von einer mickrigen, neu gepflanzten Rasenfl├Ąche umgeben. Nichts deutete mehr auf die alten Zeiten hin, alles war bereinigt und gerade. Wir M├Ądchen steckten in zu kurzen Minikleidern aus Nylon, an Hals und ├ärmeln zu eng, in einer Zwangsjacke der Begradigung, die unseren Formen und unserer Lebensfreude nicht entsprach. Wir sa├čen im neuen, riesigen Wohnzimmer mit PVC-Boden und gro├čen Fenstern, voll gestellt mit Azaleen, die es von den Nachbarn zum Einzug gab. Der Fernseher stand in der Ecke, es gab Chips und Cola, die wir massenweise zu uns nahmen, ohne jemals Befriedigung zu erfahren. Verlorene, heimatlose Kinder auf dem Weg in die Moderne, von der sich unsere Eltern die Erf├╝llung ihrer Tr├Ąume und W├╝nsche erhofften.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


willow
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,

sie f├Ąngt spannend an, ist locker erz├Ąhlt und liest sich gut, doch ist sie ohne Handlungsbogen mehr eine Schilderung, denn eine Geschichte. Es gef├Ąllt mir sehr gut, drum auch mein Rat: mach eine echte Geschichte daraus.
Verkn├╝pft mit einer Begebenheit aus der Jugend w├╝rde das Geschriebene meiner Meinung nach einen hervorragenden Rahmen abgeben. Vielleicht l├Ąsst du die Protagonistin ein wenig ├Ąlter sein (10) und stellst diese Modernisierung gleichzeitig als ├ťbergang von der Kindheit in die Pubert├Ąt dar. Ich denke, das g├Ąbe eine prima Geschichte.

Lieber Gru├č,

willow

P.S.: "...hatte noch drei Jahre..." h├Ârt sich f├╝r mich so an, als sei die Protagonistin danach weggegangen... wenn ja, dann solltest du darauf noch einmal zur├╝ckgreifen.

Bearbeiten/Löschen    



Guest
Registriert: Not Yet

Da schlie├če ich mich an,

das Ganze eignet sich wirklich gut f├╝r einen Handlungsaufriss, aus dem sich dann bestimmt eine hervorragende Story bauen l├Ąsst, in der auch geeignete Szenen gut mit Dialogen passen w├╝rden. Ich finde, Du solltest das echt mal ├╝berdenken!

Gru├č, GUIDO

Bearbeiten/Löschen    


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
Kommentare: 1400
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Carola,

ich m├Âchte mich meinen beiden Vorrednern anschlie├čen. Du hast zwei durchaus beeindruckende Kulissen hingestellt. Nun mu├čt Du n u r noch das St├╝ck schreiben und den Schauspielern Leben einhauchen.

Noch ein paar Dinge, die mir unter anderem aufgefallen sind:

"Anfang der 60er Jahre zog in meine Familie unwiderruflich der Fortschritt ein. Ich war sieben Jahre alt und hatte noch drei Jahre vor mir, in denen ich Zeugin dieser Umgestaltung wurde."
Das klingt mir ein wenig zu gestelzt.

"und eine jahrhundertalte Geschichte, die einen (hier w├Ąre "uns vielleicht angebrachter) begleitete,

"Im Garten wuchsen uralte B├Ąume, Wege und Beete,..."
Also Wege und Beete wuchsen da garantiert nicht. Also: Nach B├Ąume einen Punkt machen und einen neuen Satz anfangen. Das w├Ąre nicht die einzige, aber einfachste L├Âsung.

"... die Mauern gerundet von der t├Ąglichen Benutzung ihrer Bewohner."
Ich wei├č, was Du meinst, aber vielleicht f├Ąllt dir eine gl├╝cklichere und vor allem eindeutige Formulierung ein.

"in den D├Ârfern Wellblechh├╝tten f├╝r Bauern."
Im Westen hausten die Bauern in dieser Zeit tats├Ąchlich in Wellblechh├╝tten? Ein Gl├╝ck, dass das die Propagandisten im Osten nicht mitbekommen haben. :-))

"Krieg und Verw├╝stung"
Den Krieg w├╝rde ich hier raus lassen.

"... neu gepflanzten Rasenfl├Ąche umgeben."
Raasen wird nicht gepflanzt - man s├Ą├Ąt ihn.

"Der Fernseher stand in der Ecke, es gab Chips und Cola, die wir massenweise zu uns nahmen, ohne jemals Befriedigung zu erfahren."
Also vom Fernsehen bei Chips und Cola habe ich auch noch nie Befriedigung erfahren. ;-))

Gru├č Ralph


__________________
Schreib ├╝ber das, was du kennst!

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!