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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Moral von der Geschichte
Eingestellt am 03. 09. 2004 14:02


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Seltsamer Attraktor
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2004

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Es war einmal vor nicht alzu langer Zeit in den S├╝dstaaten Nordamerikas, als die Diskriminierung der wei├čen Oberschicht zumindest auf dem Papier ein offizielles Ende fand. Ihren Anfang hatte sie damals vor gut 100 Jahren genommen, als die amerikanische Wirtschaft mal wieder den Bach runter gegangen war. Zun├Ąchst hatte die schwarze Mehrheit den Juden die Schuld an der Krise zuschieben wollen. Schlie├člich war es schon seit geraumer Zeit bekannt, dass sie nach fr├Âhlichen Saufgelagen, bei denen sie das Blut schwarzer Babys getrunken hatten, Wucherpreise f├╝r Ersatzr├Ąder von Pferdekutschen verlangten. Das Problem mit dieser Schuldverschiebung war nur, dass damals noch ├╝berhaupt keine Juden in Amerika heimisch waren...

Zu Beginn unserer Geschichte, hatte der Schnee seinen Weg, nat├╝rlich nach Absprache mit dem ├Ârtlichen Wetteramt, auch auf die Stra├čen von Baton Rouge, Lousiana gefunden. Endlich durften auch wei├če Kinder Schneem├Ąnner bauen und sich Eiskugeln an die K├Âpfe werfen. Doch die neue Gesellschaft war mindestens so zerbrechlich, wie irgendetwas anderes, was auch zerbrechlich war, aber also anders als fr├╝her, wo blaubl├╝tige Blaumeisen ihre Bahnen um stabile Sozialstrukturen drehten. Br├Âtchen. Deshalb musste jeder besonders vorsichtig sein, dass er sich nicht so verhielt, wie er sich vor Kurzem noch verhalten sollte.

Unsere Geschichte beginnt am Heiligabend. Beinahe jede Familie sitzt freudestrahlend vor ihrem Weihnachtsbaum. Warum sollte auch jemand auf dieses wundervolle Fest verzichten, wenn doch der Ertrag nach Abzug von langweiligen Weihnachtsliedern und streitreichem Beisammensein immer noch h├Âher war? Zumindest f├╝r die Kinder.
Der Nachwuchs der schwarzen Familie Jackson lieferte sich gerade einen Wettstreit im Weihnachtslieder gr├Âhlen, w├Ąhrend der wei├če Obdachlose Andy Miller in ihren M├╝lltonnen nach seinem Weihnachtsgeschenk suchte, welches er sich h├Âchst selbst ├╝bereignen w├╝rde.
"Mami, Mami, hast du das geh├Ârt? Da drau├čen ist jemand!" erschrak der kleine Tony Jackson. Seine Mutter Polly warf einen Blick durch das Fenster und erblickte Andy, welcher das allerdings nicht bemerkte.
"Schatz, sieh mal, da steht Andy Miller. Du weisst schon, der Obdachlose, der seine Frau im B├╝rgerkrieg verloren hat." bemerkte sie.
"Und aus unserem M├╝ll baut er sich eine neue- wie romantisch!" antwortete ihr Mann.
"William! Lass doch den armen Kerl in Frieden! Du gehst jetzt raus und l├Ądst ihm zum Essen ein, ist das klar!"
"Ist ja gut, Schatz. Meinetwegen. Aber ich wette mit dir, dass er uns nur unsere Geschenke stehlen will!"

So kam es, dass Andy mit den Jacksons den Heiligabend verbrachte. Er erwie├č sich als herzensguter Mensch und als hervorragender Unterhalter: Er sang Weihnachtslieder mit den Kinder und f├╝hrte urkomische Sketche auf, bei denen Elfen eine Gewerkschaft gr├╝ndeten und den Weihnachtsmann zu einer Gehaltserh├Âhung zwangen. Selbst Mr. Williams, ein traditioneller Gewerkschaftgegner, war irgendwann von Andys Aufrichtigkeit ├╝berzeugt und er bot ihm daher an, bei ihnen zu ├╝bernachten. Doch Andy lehnte ab, weil er die Nacht mit seinen Freunden durchfeiern wollte. Sie verabschiedeten sich herzlich.

Auch in Amerika ist es ├╝blich, dass die Bescherung erst am n├Ąchsten Morgen nach Heiligabend stattfindet. Als die ersten Sonnenstrahlen das Zimmer von Tony und seiner Schwester erhellten, sprangen die Kinder sofort auf, um ihre Eltern zu wecken, weil sie schon so gespannt auf ihre Geschenke waren. Doch als sie unten im Wohnzimmer beim Weihnachtsbaum ankamen, waren ihre Pr├Ąsente verschwunden. Die Kinder brachen in Tr├Ąnen aus.

Und die Moral von der Geschicht'
Es tut mir leid- die gibt es nicht.
Und wendet man es hin und her,
dreht manche eine Schraube schwer,
die in Richtung eines Zweckes reiche,
letztlich bleibt es doch die gleiche
Aussage die ins Lehre f├╝hrt,
die die Verwirrung gar zum K├Ânig k├╝hrt.

Doch betrachten wir es mal bei Lichte,
die Moral von der Geschichte,
und vielen Dank f├╝r die Gedult:
Letztendlich sind die Juden schuld!
__________________
"Apfelbaum"
Goethe, Faust 1

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